Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Jß 48, Samstag, den 14. Juni 1902. 53. Jahrgang.
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tWh>lhtl - ^"s die .Schlüchrerner Zeitung' werden noch fortwährend von allen -.m ■- Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
J.-Nr. 1830 K.=A. Der Bau eines Stallgebäudes auf dem Hofe des Königlichen Landrathsamts soll im Wege der Submission vergeben werden. Plan und Kostenanschlag liegt von heute ab im Bureau des Kreisausschusses zur Einsicht aus.
Wir fordern alle Bauunternehmer, welche den Bau anzunehmen wünschen, auf, ihre schriftlichen Offerten versiegelt bis zum 30. d. Mts' an uns einzureichen. Den Zuschlag behalten wir uns vor.
Schlüchtern, den 9. Juni 1902.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
mit Schnee bedeckt. Die Temperaturen sind tief gesunken.
— Die Beseitigung der Fremdworte aus den Schulen und Unterrichtsplänen hat der preußische Unterrichtsminister gefordert. Zum Theil ist die Forderung auch bereits erfüllt. Statt Geometrie heißt es Raumlehre, aus Geographie ist Erdkunde, aus Physik Naturkunde und aus der Botanik Pflanzenkunde geworden. Nur ein Unterrichtszweig hat bisher allen Versuchen, seine Benennung zu verdeutsche», Widerstand geleistet. Es ist dies die Chemie. Eine passende sinngemäße Ueber- tragung des aus Aegypten zu uns gekommenen Wortes ist noch nicht gelungen. — Nach einer Verfügung des Kultusministers soll der Unterricht nicht länger als vier Stunden dauern, wenn Vormittags 10 Uhr das Celsius-Thermometer im Schatten auf 25 Grad Wärme steht. Auch die Ansehung eines Nachmittagsunterrichts für diesen Tag ist unzulässig. Sind die Schulstuben eng und niedrig oder überfüllt, so kann der Unterricht schon bei geringerer Temperatur geschlossen werden.
Dresden. Der Konkreß des Verbandes der Cigar- renlädeninhaber, welcher in Dresden tagte, erklärte, mit allen Mitteln gegen den Achtuhrladenschluß sich wehren zu wollen.
Leipzig, 10. Juni. Die erste Borst, ende des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, Auguste Schmidt, ist, wie das „Leipziger Tageblatt" meldet, heute hier gestorben.
Gombeth, 11. Juni. Der bei dem hier stattge- fundenen Altenburger Sängerfeste durch einen Stich in den Unterleib schwer verletzte Sohn des Maurermeisters Tövfer aus Lendorf ist seinen Verletzungen in der Marburger Klinik erlegen.
Thor». Anf dem Thorner Artillerieschießplatz fanden fünf junge Leute einen verschleppten Zünder. Als sie sich daran zu schaffen machten, explodirte er. Von den herumfliegenden Stücken wurde einer der Leute sofort getödtet und buchstäblich in Stücke gerissen, ein anderer schwer, zwei leichter verletzt.
Artsland.
Amerika. Von einem Brande wurde das Sanatorium der „St. Lukes Society" in Chicago heimgesucht; viele Patienten sprangen aus dem Fenster; neun Männer und eine Frau wurden getödtet, dreißig Personen verletzt. Die Mehrzahl der Patienten befand sich wegen Trunksucht in Behandlung. Als das Feuer ausbrach, waren eine Anzahl von Deliriumkranken an die Betten festgrschnallt.
Lissabon, 11. Juni. Studenten aller portugiesischen Universitäten haben beschlossen, den Buren-General Pienaar, der bisher in Lissabon im Gefängniß war, durch ein großes Festessen zu ehren.
Petersburg, 10. Juni. Der Fürst von Bulgarien in Petersburg. Der Kaiser stattete dem Fürsten von Bulgarien im großen Palais im Peterhvf einen Gegenbesuch ab. Später besuchte der Fürst die Kaiserin- Mutter in Gatschina, sowie die Großfürsten Constantin Constatinowitsch und Michael Nikolajewitsch. Nach der Rückkehr des Fürsten fand im Peterhof Familien- Tafel statt.
Frankreich. Ein zu der Marineluftschifferabtheilung in Toulon gehörender Ballon, dessen Bewegungen zwei Torpedoboote folgten, und in dem sich der Marineleutnant Baudin befand, nnternahm am Montag früh einen Aufstieg. Der Ballon stürzte ins Meer, wobei Baudin ertrank.
London, 10. Juni. Die „Times" melden ans Shanghai vom 10. Juni: Die endgiltigen Verhandlungen zwischen Scheng und dem Vertreter der „China- Oevelopment Company" über den Beginn der Arbeiten an der Canton-Hankaueisenbahn führten zu einem befriedigenden Abschlüsse.
London. Fräulein Alice Roosevelt, die Tochter des Präsidenten der Vereinigten Staaten, ist in London eingetroffen, um dort an den Krönungsfestlichkeiten theilzunehme».
London. Ein neuer „Jack the Ripper" ist in London ausgetaucht. Man fand den zerstückelten Leichnam einer jungen Frauensperson. Der Kopf und Stücke vom Rumpf sind gekocht uud gebacken.
London. In einem Hause in der Queen Victoria Street zu London brach am Montag Feuer aus; eine Anzahl Mädchen und ein Mann sprangen, um
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser besichtigte am Mittwoch Morgeu auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin das Garde-Kürassier- und das 2. Garde-Nlanenregiment. Den Schluß bildete ein Feuergefecht, zu dem das 4. Garderegiment zu Fuß und eine Maschinengewehrabtheilung hinzugezogen wurden. Abends war der Monarch Gast der Kürassier-Offiziere.
— Der Kronprinz wird zu der am 29. Juni statt- findenden Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmals nach Lehin kommen.
— Prinz Eitel Friedrich wird in nicht allzuferner Zeit nach Bonn übersiedeln, um mit seinem Bruder mehrere Semester zu studiren.
— Der preußische Landtag wird, wie nunmehr bestimmt ist, am 14. ds. Mts. geschlossen werden. Die Regierung theilte dies dem Abgeordnetenhause mit.
— Sie Zolltarifkommission des Reichstags hat die Positionen Schießpulver, Schießbaumwolle rc. erledigt. Bisher war das Schießpulver zollfrei, während für Schießbaumwolle ein Zollsatz von 3 Mark galt. Die Regierungsvorlage hatte in beiden Fällen einen Zollschutz von 20 Mark festgesetzt. Die Kommission lehnte jedoch die Regierungssätze ab und beschloß, den bisherigen Zustand aufrecht zu erhalten. Am heutigen Mittwoch werden die Berathungen fortgesetzt. Die
Kommission will sich heute auch über die eventuelle Einschaltung von Ferien schlüssig machen.
i — Zum bevorstehenden Rücktritt des Ministers von Thielen. Die Nachricht von dem bevorstehenden Rücktritt des preußischen Eisenbahnministers v. Thielen bestätigt sich bedauerlicherweise. Am 20. d. Mts. werden es t t Jahre, daß Herr von Thielen als Nachfolger v. Maybachs das Ministerium der öffentlichen Arbeiten verwaltet. In dieser 11jährigen Dienstzeit hat der Minister, der schon im Jahre 1864 zur Eisenbahnver- waltuug übergegangen und deshalb ein gründlicher Sachkenner war, sich große Verdienste um die Entwickelung und Förderung des Eisenbahnwesens erworben. Bekanntlich ist der unermüdliche Eifer, mit dem sich der scheidende Staatsmann der Kanalvorlage gewidmet hat. Er sprach das Wort: „Gebaut wird er doch!" Herr V. Thielen, der das Adelsprädikat erst seit kurzer Zeit führt, wurde am 30. Jan. 1832 in Wesel geboren, hat also in diesem Jahre sein 70. Lebensjahr vollendet. Bei dieser Gelegenheit wurde seiner hervorragenden Verdienste eingehend gedacht, so daß wir uns für heute darauf beschränken können, dem scheidenden Minister einen ungetrübten heiteren Lebensabend zu wünschen.
_ Die Legung eines zweiten Kabels von Deutschland nach Nordamerika wird von der Deutsch-Atlantischen Kabelgesellschaft vorbereitet. 6090 Klm. Länge belaufen sich auf 20 Mill. Mark.
— In den deutschen Münzstätten wurden im Mai für 6377 949 Mark Doppelkronen und zwar für Privat- rechnung, ferner für 2 698 175 Mk. Fünfmarkstücke, 2706 586 Mk. Zweimarkstücke, 79 353 Mark Zehnpfennigstücke und 65 455 Mk. Fünpfennigstücke geprägt. —
— Zum sechsten deutschen Sängerbundesfeste in Graz sind bisher 887 Vereine mit 19,104 Sängern und.528 Bannern angemeldet. Amerika, die Schweiz und Rußland sind bei dieser Aufzählung nicht Inbegriffen. — Im ganzen Alpengebiet ist ein heftiger Wetter sturz eingetreten. Die Berge sind bis zur Thalsohle herab
sich zu retten, 60 Fuß tief in ein für sie aufgehaltenes Sprungtuch, wobei drei Mädchen den Tod fanden und der Mann fo schwer verletzt wurde, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird; fünf Mädchen wurden leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht, während mehrere andere an Ort und Stelle verbunden wurden. Insgesammt find acht Mädchen und ein Knabe bei dem Brande umgekommen.
China. In Tientsin ist die Cholera ausgebrochen, der bereits ein deutscher Matrose erlag.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 13. Juni 1902.
* — Am 1. Juni ds. Js. ist ein bei den Fahr- karten-Ausgabestellen zum Verkauf aufliegendes neues Fahrscheinverzeichn. für zusammenstellbare Fahrscheinhefte in Gültigkeit getreten, das sich gegen das vorjährige Ver- zeichniß im Wesentlichen dadurch unterscheidet, daß in demselben Fahrscheine anch für französische Bahnstrecken enthalten sind. Insbesondere kommen in dieser Beziehung die Strecken der französischen Nord-Ost-West - und Paris-Lyon-Mittelmeer-Bahn in Frage. Es können sonach nunmehr direkte Fahrscheinhefte u. A. nach Paris, Marseille, Nizza, Ventimiglia und Momdane zusammengestellt werden, wodurch wiederum der Verkehr nach Italien insofern erleichtert wird, als zusammen mit den nach Ventimiglia und Modane geltenden Fahrscheinheften eine neue Sorte italienischer Rundreisekarten benutzt werden kann. Es können nunmehr in Verbindung mit zusammgestellten Fahrscheinheften folgende italienische Rundreisekarten bezogen werden: von Ventimiglia oder Modane nach Luino oder Chiasso oder Ala, von Luino oder Chiasso nach Ala. Ueber die hierbei in Betracht kommenden Bahnstrecken geben die Fahrkartenausgabestellen Auskunft. Die italienischen Rundreisekarten sind zusammen mit den anschließenden Fahrscheinheften zu bestellen, letztere erhalten alsdann 60 Tage Gültigkeit, auch wenn sie über weniger als 2000 Kilometer Fahrscheinstrecke gelten.
* — Fulda ist vom 20. Juni ab zürn Fernsprechverkehr mit Würzburg zugelassen. Die Gebühr für ein einfaches Gespräch bis zur Dauer von 3 Alinuten beträgt 50 Pfennig.
* — (Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 11. Juni.) Die Bauern Ch. und W. von Romsthal geriechen eines Tages in Streit, in dessen Verlauf der Ch. dermaßen in Aufregung kam, daß er nach Hause lief, eine Düngergabel holte und auf seinen Gegner eindrang, sodaß dieser in einen Stall flüchten mußte. Der Angeklagte behauptet, von dem W. vorher mit einer Gabel angegriffen worden zu fein und die Gabel nur zu seiner Vertheidigung geholt zu haben. Das Schöffengericht Salmünster erkannte auch auf Freisprechung, die Strafkammer hebt aber das Urtheil auf mit der Begründung, daß eine Nothwehr nicht vor- liegen kann, weil zwischen den gegenseitigen bedrohenden Handlungen ein wesentlicher Zeitraum liegt, wohl aber läßt das Gericht die voraufgegangene Reizung als Milderungsgrund gelten und erkennt auf 30 Mk. Geldstrafe. — Der Taglöhner B. von Marjoß erhielt im November v. I. voni dortigen Förster die Erlaubniß, Birken- reißig auszuschneiden. Er schnitt auch mit seiner Frau fast drei Wochen lang, bekam dann aber plötzlich die ertheilte Erlaubniß entzogen und es wurde ihm auch untersagt, von dem geschnittenen und aufgemachten Reißig etwas mit nach Hause zu nehmen, weil er, noch ehe er einen Abfuhrschein besaß, bereits Reisig für sich verwendet hatte. Das Holz wurde an andere Arbeiter vertheilt. Einem derselben wurde ein Bund entwendet und daraufhin bei B. Haussuchung vorgenommen, die auch einen Theil dem gestohlenen ähnliches Reisig zu Tage förderte. Als der Förster das Haus des B. verlassen wollte, rief ihm dieser eine gemeine Drohung nach, in welcher die Anklagebehörde nicht nur eine Beleidigung, sondern auch einen Widerstand gegen die Staatsgewalt erblickte. In letzterer Beziehung erfolgte jedoch Freisprechung, da das. Amtsgeschäft bereits beendet war, ebenso wie von der Beschuldigung des Diebstahls; wegen Beleidigung und Bedrohung des Försters wurde B. zu zwei Wochen Gefängniß ver- urtheilt.
* — Prinz Karl von Hanau, der in Marienlad zur Kur weilte^ reiste zur Beerdigung seines Bruders,