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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 28. Juni 1902

53. Jahrgang

rttlC 1 l'lltrHirfshrnsl ^" Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe lv IllUtWllU/UUy so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Juni unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbrieftrüger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Juli 1902 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat derNationalztg." zufolge am Sonntag Vorn«, den bisherigen Minister der öffent­lichen Arbeiten, Herrn von Thielen, empfangen, dessen Abschiedsgesuch unter Bekundung der lebhaftesten An­erkennung für die Amtsführung des Ministers genehmigt und ihm den Schwarzen Adlerorden übergeben. Zu­gleich theilte der Kaiser Herrn von Thielen mit, daß der Generalmajor a. D. Budde zu feinem Nachfolger bestimmt ist. Herr v. Thielen nahin dann an der kaiserlichen Frühstückstafel Theil.

Das preußische Staatsministerium hat sich dafür entschieden, daß die Zulassung zum Studium der Thier­arzneikunde von der Ablegung der Reifeprüfung abhängig gemacht werden soll.

Aus der amtlichen Zusammenstellung über Deutschlands Außenhandel in den ersten fünf Manaten dieses Jahres ist zu ersehen, daß die Einfuhr zurück­gegangen, die Ausfuhr dagegen gestiegen ist. Die Ein­fuhr betrug 159,3 Millionen Doppelzentner oder 7,7 Mill. weniger, die Ausfuhr 129,3 Mill. D.-Z. oder 5,9 Mill. mehr. Die Einfuhr ließ nach besonders in Holz, Kohlen und Eisen. An der Zunahme oder Ausfuhr sind hervorragend betheiligt Eisen und Eisenwaaren, sowie Materialwaaren.

Der deutsche Arbeitgeberbund für das Bau­gewerbe hat, wie in seiner Generalversammlung mit­getheilt wurde, auch im letzten Jahre einen erheblichen Aufschwung zu verzeichnen. Er besteht zur Zeit aus 3 Landesverbänden, 27 Lokalverbänden und 85 selbstän­digen Vereinen mit insgesammt 5468 Mitgliedern. Nur 29 Arbeitgeber-Verbände mit etwa 1500 Mitgliedern sind beut Bunde noch nicht beigetreten. Das Gesammt- Vermögen des Bundes beträgt 24512 Mark.

An ein Aufgeben der Festung Köln, wovon berichtet wurde, wird nach derKöln. Ztg." nicht gedacht. Wohl aber beabsichtige der preußische Militärfiskus den Verkauf der Stadtumwallung und die Aufhebung der Razzon- Beschränkungen zwischen Alt-Köln und "den Vororten.

Kiel, 24. Juni. Das TorpedobootS 42" ist beim FeuerschiffElbe 4," durch einen englischen Dampfer überrannt und gesunken Der Kapitänleutnant Rosenstock von Röhneck und der Obermaschinistenmaat März, Maschinistenmaat Keilwagen, Matrose Reimers und ein Heizer werden vermißt. Der Steward ist sofort zerquetscht worden.

Limburg, 23. Juni. Eine von hier gebürtigte Waschfrau fiel im Erbachthal beim Auswaschen der Wäsche an der Lahn kopfüber in das Wasser und ertrank.

Leipzig, 24. Juni. Beim Prozeß der Leipziger Bank am 7. Verhandlungstag kommt ein Protokoll Dom 1. Dezember 1898 zur Besprechung, wo es sich darum handelt, den Kredit der Trebergesellschaft von 8 Millionen auf 10 Millionen zu erhöhen und zwar, wie Exner hervorhebt, als gedeckten Kredit. Nach der Ansicht des Sachverständigen Plauth Cassel handelte es sich darum, den auf 10 Millionen erhöhten Kredit einfach als Blankokredit aufzufassen. Es liegt noch eine Auf­stellung der Engagements der Trebergesellschaft vor, wovon nur ein Teil des Aufsichtsrates Kenntniß bekommen haben will. Es herrschte nach Erner keine Einigkeit darüber, was als Treberwerte anzusetzen sei. Dies bestätigt Dr. Gentzsch.

Dresden, 25. Juni. Gestern Vormittag fand in Gegenwart des Ministers des Königlichen Hauses die Eröffnung des Testaments des Dorftorbenen Königs statt. Das gesammte Privatvermögen bis zu drei Vierteln, einschließlich der Schlösser, geht in den Be­sitz der Königin Karola über. Zahlreiche letzte Liebes spenden an die Dienerschaft und die königlichen Hof­beamten in Höhe von 500,0(0 Mark sind vorgesehen.

Dresden. Während der hiesigen Trauertage ver­unglückten 137 Personen sehr schwer, 3 sind tot.

Auslattd.

Wien. Kaiser Franz Joseph hat die Hoftrauer für den König von Sachsen, welche nach den Vor­schriften des Ceremoniells nur drei Wochen dauern sollte, auf vier Wochen ausgedehnt.

Amerika. Zu argen Ausschreitungen ist es in West-Virginien in den Vereinigten Staaten vonNord-

Amerika gekommen. Ein bewaffneter Pöbelhaufen drang in eine Kohlengrube in der Nähe von Williams- town ein, um die 25 Arbeiter zu veranlassen, die Arbeit einzustellen. Als die Arbeiter sich diesem Gebote nicht fügen wollten, schleuderte der Hause Dynamit in die Grube, wodurch eine Explosion entstand. Fünf Mann wurden getödtet. Als die Ueberlebenden aus der Grube herauskamen, gaben die Ausständigen Schüsse auf sie ab und verletzten viele.

Newyork, 56. Juni. Aus Wilhelmsstadt wird ge­meldet, daß am il. Juni bei Goro ein fünfstündiger Kampf stattfand, nach welchem der Vizepräsident Ayala sich mit 1744 Offizieren und Mannschaften ergeben habe; fünf Kanonen seien den Aufständischen in die Hände gefallen.

Madrid, 24. Juni. In Pineiro (Provinz Orense) schlug der Blitz in eine Kirche ein, wo eine Leichen­feier stattfand. 24 Personen wurden getödtet und 35 schwer verletzt.

Bulgarien. Auf einem von Sofia nach Schumla abgegangenen Postzuge wurde ein Postbeutel mit zahl­reichen Werthbriefen, darunter ein solcher mit 60 000 Francs in Banknoten, gestohlen. Von den Thätern hat man noch keine Spur, doch lenkt sich der Verdacht auf mehrere entlassene Postbeamte.

London. Der Hof legte aus Anlaß des Hin- scheidens des Königs von Sachsen aus drei Wochen Trauer an; während der Krönugsfestlichkeit wird die Trauer abgelegt.

London, 24. Juni. Das Krönungsfest ist wegen Unpäßlichkeit des Königs auf unbestimmte Zeit ver­schoben worden. Ein über die Krankheit des Königs heute ausgegebenes amtliches Bulletin lautet: Der König leidet an einer Blinddarmentzündung. Sein Befinden war am Sonnabend so befriedigend, daß er hoffte, sich ganz der Krönungs-Ceremonie unterziehen zu können. Gestern Abend verschlimmerte sich der Zustand des Königs so, daß heute eine Operation nöthig wurde. Das heute Nachmittag 2 Uhr aus­gegebene amtliche Bulletin besagt: Die Operation des Königs ist erfolgreich ausgeführt. Ein großer Absceß hat sich entleert. Der König überstand die Operation gut, sein Befinden ist befriedigend.

Um 11 Uhr Abends wurde folgender Krank­heitsbericht noch ausgegeben: Der Zustand des Königs ist so gut, als man nach einer so ernsten Operation erwarten konnte. Seine Kräfte erhalten sich. Es ist weniger Schmerz' vorhanden. Der König hat einige Nahrung zu sich genommen. Es werden noch einige Tage vergehen, ehe man sagen kann, ob der König außer Gefahr ist.

London, 25. Juni. Es wird jetzt offenbar, daß der König in der Besorgniß, seinen Unterthanen keine

Enttäuschung zu bereiten, den Entschluß, das KrönungS- programm durchzuführen, erst aufgegeben hat, als die physische Unmöglichkeit dazu sich herausstellte. Er hatte sich vorher bestimmt geweigert, zugegeben, daß er irgendwie ernstlich unwohl sei. Er trug die Schmerzen, die er ertragen haben muß, mit lächelnder Miene. Am Montag Abend nahm der König nicht an dem offiziellen Diner im Palaste theil. Eine Aus­gabe desEvening News" von 10'/a Uhr Abends^,.,............,.,, ...... -..... .....a,

meldet: Der König schlummert. Die Königin weilt, Wächtersbacher Kirchenchor. Nicht nur die evangel. am Krankenbette. DerStar" meldet, der kanadische, Einwohner von Gelnhausen sondern auch viele Freunde Premierminister Saurier theilte einem Vertreter des des evangel. Kirchengesanges aus der nähern und Blattes mit, der Galazug am Freitag finde wahr-weiteren Umgebung hatten sich zahlreich eingefunden,

i fPeinlich statt. Die Königin und die kgl. Prinzen würden theilnehmen.

Südafrika. Aus den südafrikanischen Concentra- tionslagern wird gemeldet, daß die meisten Buren- familien den dringenden Wunsch haben, auf ihre Farmen zurückzukehren. Die Zurückkehrenden erhalten eine Monatsration pro Kops, anstatt für nur 10 Tage, wie ursprünglich bestimmt war. Die Männer haben Schwierigkeiten, ihre Faniilien wiederzufinden. Zurück­gekehrte Familien fangen an, ihre Farmen wieder aufzubauen, aber es fehlt an Materialien, und der gegenwärtige südafrikanische Winter ist kalt. Man räth den meisten, vorläufig in den Lagern zu bleiben. Jeder District enthält 100 Konstabler, die diesen ab- patrouilliren. Fast aller Stacheldraht ist beseitigt und die Civilverwaltung kauft Blockhäuser zu 200 Mk. das Stück. Nun erhalten diese Häuser wenigstens nachträglich noch praktischen Werth zur Unter­bringung der Burenfamilien. Das Kriegsrecht besteht noch. Alle Gerüchte von einer weit verzweigten Verschwörung in Pretoria und einem Complott gegen das Leben Lord Kitcheners, der bereits auf dem Ozean der Heimath entgegen schwimmt, werden jetzt von London aus für leere Erfindungen erklärt. Also endlich doch. Aus Kapstadt meldet derK. P. V.": Sämmtliche Generalkonsuln warnen dringend vor der ; täglich wachsenden Einwanderung nach Südafrika, be­sonders vor der Einwanderung Deutscher, da jede Aussicht auf Beschäftigung oder Gründung einer dank­baren Lebensstellung fehle, selbst für Bemittelte. Gegen­wärtig befinden sich selbst in Kapstadt noch an 10 000 früher in Johannesburg und anderen Städten der neuen Kolonien angesessene Nitländer, die ihre Rückkehr noch abwarten müssen. Tausende englischer Soldaten, denen ihr Verbleiben im Lande versprochen ist, und auf deren Bleiben die englische Regierung als englisches Element hohen Werth legt, warten gleichfalls auf Anstellung und Beschäftigung und gehen allen Anderen vor. Selbst diese Leute aber versehen zum Theil heute Stellen, die sonst sogenannten Kapjungen, d. h. Halbnegern, allein zukamen, ja verrichten zum Theil Negerarbeiten.

Shanghai, 23. Juni. Die Cholera breitet sich aus. In der Chinesenstadt zählt man täglich gegen 50 Todte, in der Fremdenkolonie gab es bisher im ganzen etwa 40 Todesfälle. Unter den Gestorbenen befindet sich der spanische Konsul.

Valparaiso, 26. Juni. Gestern früh stürzte eine B.ücke über den Rio Claro bei Talca ein, als ein Pe sonenzug über dieselbe fuhr. Eine große Anzahl Personen wurde getödtet, andere, denen es gelang, auf das Verdeck der in den Fluß gestürzten Wagen zu gelangen, wurden gerettet.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 27. Juni 1902

*** Sonntag, den 22. und Montag den 23. Juni fand in Seinhaufen der Kirchengesangvereinstag der evangelischen Kirchenchöre im Consistorialbezirk Cassel statt. Früher wurde er im Anschluß an die alljährlich abwechselnd in Cassel, Marburg und Hanau stattfindende hessische Pastoralkonferenz und das Fest des Landes­vereins für Innere Mission gefeiert. Es war ein durchaus richtiger Gedanke, dem Kirchengesangvereins- tag den Charakter einer selbständigen Feier zu geben. Ar« dem am Sonntag Nachmittag um 4'/.. Uhr be-

ginnenden liturgischen Gottesdienste in der altehrwürdigen herrlichen Marienkirche betheiligten sich die Kirchen- chöre von Gelnhausen und Hanau (Marienkirche und Johanniskirche), in der Abendversammlnng auch der