Samstag, den 2. August 1902
53. Jahrgang
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Amtliches.
J.-Nr. 2314 K.-A.
Am Mittwoch, den 6. Auguff d. Js.,
Vormittags 11 Uhr findet im Kreishause hier eine Kreistagssitzung statt.
Schlüchtern, den 26. Juli 1902.
Der Königliche Landrath: Roth.
J.-Nr. 2299 K.-A. Die Prämien für Krähen, Holzhäher und alle Würgerarten sind von 26 Pfg. ab auf 25 Pfg. pro Kopf festgesetzt worden.
Schlüchtern, den 28. Juli 1902.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
Deutsches Reich.,
Berlin. Se. Majestät der Kaiser ist an Bord der „Hohenzollern" am 30. Juli in Emden angekommen und herzlich begrüßt worden. Der Kaiser besichtigte den Hafenplatz, die Landungsbrücke und den Seemannshafen und fuhr dann in das Innere der Stadt um dort die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und begab sich hierauf in den Sitzungssaal des Rathhauses, wo der Oberbürgermeister den Monarchen mit einer Ansprache begrüßte. Der Kaiser erwiderte mit einer Rede, worin er zunächst für den ihni bereiteten Empfang dankte und dann auf die Geschichte der Stadt Emden einging. Von dem Rathhause begab sich der Kaiser nach dem Telegraphenamt, wo er di» Kabel- telegraphie in Augenschein nahm, und dann zurück auf bie auf der Rhede liegende „Hohenzollern".
— Der Besuch des Kaisers beim Zaren findet in den Tagen vom 6. bis 8. August auf der Rhede von Reval statt, wo die russischen Flottenmanöver vor sich gehen. Die dortige deutsche Kolonie wird dem Kaiser ein Album mit Ansichten von Reval überreichen lassen.
— Zum Posener Kaiserbesuch. Wohl mit Rücksicht auf alarmierende Meldungen über besondere Sicher- heitsvorkehrungen, die die Anwesenheit des Kaisers in Posen begleiten sollten versichert der „Kuryer Poznanski" feierlich, „daß sich die Unantastbarkeit der gekrönten Häupter zu tief in der Seele des, polnischen Volkes eingewurzelt habe, als daß je ein Pole sich soweit vergessen könnte, dagegen zu fehlen."
- - Der deutsche Gesandte in China, Exzellenz Mumm von Schwarzenstein, ist nach zweijähriger Abwesenheit gegenwärtig auf einer Erholungsreise nach Europa begriffen. Er hat Peking bereits verlassen und begiebt sich zunächst nach Japan, um von da über Amerika nach Europa zu reisen.
— Reichstagsabgeordnete verschiedener Fraktionen waren, wie nachträglich erst bekannt wird, bereits Anfang Juni zu einer Besprechung im Reichshause versammelt, um ein Programm der Gasthausre-orm durch die Reichsgesetzgebung • festzustellen. Die Namen der Beteiligten werden nicht genannt, weil zuerst die Zustimmung gleichgesinnter Kollegen eingeholt werden soll. Die wichtigsten Grundsätze des neuen Programms sind: Ausdehnung der Bedürfnißfrage auf alle Gemeinden. In Orten unter 50 000 Einwohnern nicht mehr als eine Schankstätte auf 30u Einwohner, in größeren Orten höchstens eine auf 500 Einwohner. Die Konzession gilt allemal nur auf 5 Jahre und kann von Erfüllung bestimmter Fordernngen abhängig gemacht werden. Die Gemeinden können den Branntwein- Verkauf und -Schank völlig untersagen. Sie können alle Konzessionen einer gemeinnützigen Gesellschaft übertragen. Alle Schankstätten sind Nachts von 1 — 5 Uhr und an Sonn- und Festtagen Vormittags zwei Stunden lang zu schließen. Personen unter 16 Jahren dürfen alkoholische Getränke nicht erhalten, auf Borg dürfen diese Getränke nicht verabreicht werden.
— Mit der Gewährung von Diäten an die Mitglieder des Reichstags ist die bayerische Regierung im Prinzip einverstanden; der Finanzminister von Riedel erklärte in der bäyerischen Abgeordnetenkammer nämlich, daß seine Regierung die Gewährung von Diäten an die Reichstagsabgeordneten keineswegs grundsätzlich ab-
lehne, sondern unter gewissen Voraussetzungen befürworten würde. Im Bundesrat gelte jedoch der Antrag auf Abänderung der Verfassung zur Gewährung von Reichstagsdiäten als abgelehnt, wenn 14 von den 58 Stimmen im Bundesrath sich dagegen erklären. Preußen ist aber bekanntlich ein Gegner der Diätengewährung, und da dieses allein über 17 Stimmen im Bundesrath verfügt, so ist an die Gewährung allgemeiner Diäten an die Reichstagsmitglieder in absehbarer Zeit wenigstens nicht zu denken.
— Der englische-chinesische Handelsvertrag ist nach einer Shanghaier Drahtung der Londoner „Times" nunmehr thatsächlich abgeschlossen worden. Der Vertragsentwurf enthalte 13 Paragraphen, die von China bedingungslos angenommen und von England genehmigt worden seien. Ausgenommen sei nur noch § 8, der die Aufhebung der Likinzölle betrifft; bezüglich dieses Paragraphen habe sich England seine Entscheidung zunächst noch Vorbehalten. Dieser Paragraph bestimmt daß gegen eine Erhöhung der Einfuhrzölle auf das Anderthalbfache des in Gemätzheit des Protokolles von 1901 aufzulegenden Zollsatzes alle Likinzölle, -Stationen und -Schranken und jedwede Form der Binnensteuern auf britische Waaren abgeschafft werden und China die Bürgschaft übernimmt, daß diese Bestimmung gehörig ausgeführt werde. — Sache der übrigen Mächte wird es nun natürlich sein, für sich und ihren Handel von China die gleichen Konzessionen zu erwirken, die England gewährt worden sind. Es unterliegt wohl auch keinem Zweifel, daß China hierzu bereit ist, ja daß das Abkommen mit England bereits in der Voraussetzung getroffen ist, daß alle China-Mächte darin eingeschlossen werden.
— Am 18. August findet in Baden-Baden eine Sitzung oes Direktoriums des'Centralverbandes Deutscher Industrieller statt. Die Ergebnisse der ersten Lesung der Zolltarifvorlage in der Tariskommission werden darin zur Verhandlung kommen.
Darmstadt, 30. Juli. Der Großherzog ist gestern von dem Besuch der Bayrenther Festspiele zurückgekehrt. Er nimmt wieder Aufenthalt auf Schloß Wolfsgarten.
Weimar, 29. Juli. Gestern Abend verstarb hier nach längerem Leiden Oberstleutnant Freiherr v. Eg- losfstein. Der Verstorbene gehörte dem Vorstände des Deutschen Kriegerbundes an.
Hamburg, 30. Juli. Bis jetzt sind 14 Wittwen und Kinder und 50 Vollwaisen zu unterstützen. Das Komitee braucht 150000 Mark Unterstützungsgelder. Jetzt treiben meistens nur Leichentheile an, da der rege Dampferverkehr die Leichen zerstückelt.
Augsburg, 30. Juli. O,. _____... „__a„r„ .
der Riedingerschen Ballonfabrik in Augsburg stieg am Krankenscheines, durch die Herren Bürgermeister be- Sonnabend gegen 8 Uhr Abends zu einer Nachtdauer- wirken zu lassen. Da eine Einigung über diesen fahrt auf. Die Insassen waren Ingenieur Scherle Punkt nicht erzielt wurde, ist beschlossen worden, der und Fabrikant Ziegler, beide aus Augsburg. Der Vorstand möge die Sache näher prüfen und unter Ballon flog bis nach Rußland und landete bei Sierabz Berücksichtigung des Antrages Kraiser dieselbe der im Gouvernement Kalisch. ; Aufsichtsbehörde zur Genehmigung vorlegen. Am
Mit einem sonderbaren Fall von Urkunden-' Schluß theilte Herr Nagel noch einen Streitfall mit fälschung beschäftigte sich die Strafkammer zu Zwei- der Ortskrankenkasse Rotenburg mit, der zur Klage drücken in Baiern. Der Zwicker Renneis aus Pirma- geführt hat. Mit einem Hoch auf dieInnung und sens hatte sich bei dem dortigen Amtsgericht unter dem deren Weitergedeihen sowie auf den Vorsitzenden wurde Namen des Schuhmachers Becker zum Antritt zweieri die Versammlung um 674 Uhr geschlossen.
gegen diesen erkannter Gefängnißstrafen gemeldet! " Veim 1., 2., 6., 7., 9., 11., 14. und 18. und sie verbüßt; er hatte dadurch bewirkt, -daß eine Armeekorps, bei der 32. und 77. Jnfanteriebrigade für Rechtsverhältnisse erhebliche Thatsache in einem' und bei den Unteroffizierschulen werden in diesem öffentlichen Register als geschehen beurkundet wurde,' Herbst ein Fünftel sämmtlicher Gewehre, die im während sie von einer anderen Person geschehen ist. i Friedensgebrauch sind, durch ein fünftel aus den lagern- Befragt, wie er dazu komme, erklärte der Angeklagte,! den Beständen der Kriegsformation aufgefrischt. An er esse das „Stockhausbrod" so gern! Er bestreitet,! Stelle, der Karabiner Modell 88 werden nunmehr die von B. zu seiner That veranlaßt zu sein oder für sein Karabiner Modell 98 verausgabt und, an Stelle des Eintreten eine Bezahlung erhalten zu haben. Seine Fuschmenmessers Modell 71 der Pioniere. Eisenbahn- Vorliebe für Stockhausbrod kann er jetzt jausgiebig ffsid Telegraphentruppen und der Fußartillerie das befriedigen, da er wegen seiner That vier Monate Q8,n9
Gefängniß erhalten hat.
Ausland.
Washington, 30. Juli. Ein Telegramm des Kommandanten des amerikanischen Kriegsschiffes „Machias" berichtet, daß in Cap Haitien große Unruhe herrsche. Der Pöbel bedrohe die fremden Consuln. Der Kommandant wolle ihnen an Bord des „Machias" Schutz gewähren und eine Beschießung ohne vorherige Ankündigung verhindern.
Paris, 30. Juli. Auf eine Anfrage des „Gaulois" erklärte der Bischof von Perigneux, er habe die Versicherung erhalten, daß die Congregationen ermächtigt werden sollten, ihre geschlossenen Schulen in wohlthätige Anstalten umzuwandeln, in welche die Schwestern zurückkehren könnten.
Susa (Tunis), 29. Juli. In der dem Prozesse wegen der vor mehreren Jahren erfolgten Ermordung des Marquis Mores wurde heute das Urtheil gesprochen. El Kheir ben Addel Kader wurde zum Tode, Hamma ben Scheik zu zwanzig Jahren Zwangsarbeit verurtheilt. In dem Prozesse wegen Ermordung des Marquis Mores verhandelte der Gerichtshof ferner gegen 17 andere Angeklagte in contumaciam. Sechs wurden zum Tode, elf zu Zwangsarbeit verurtheilt. ------------------------,----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 1. August 1902.
*— Die Heu-Ernte im höheren Vogelsberg ist beendet. Was die Qualität anlangt, so ist sie sehr gut; die Quantität ist verhältnißmäß etwas zurückgeblieben. Die Sommerfrucht ist auch infolge des etwas lange ausgeblebenen Regens zurückgeblieben, kommt aber doch immerhin noch ziemlich bei. Die Winterfrucht steht sehr schön und geht ihrer Reife entgegen. Der zweite Schnitt Klee macht sich sehr gut, infolge des eingetretenen Regentvetters. Allgemein hofft man auf eine gute Ernte.
*— Die von Herrn Eduard Heitefuß im Jnseratentheil empfohlenen Feuerlöschgeräthen können wir auf Grund anderweitiger Empfehlungen nur empfehlen.
*— Die auf den 27; Juli in Bebra anberaumte
Generalversammlung der Freien Innung Bebra und Umgebung war von 32 Mitgliedern besucht. Die Tagesordnung wurde unter lebhaften Diskussionen erledigt. Der Vositzende Herr Klempnermeister Nagel, machte nochmals auf die Pflicht jedes Handwerksmeisters aufmerksam, den Lehrvertrag alsbald schriftlich abzuschließen und zur Eintragung in die Lehrlingsrolle der Handwerkskammer resp. Innung anzumelden, wenn sich der Meister vor Strafe schützen wolle. Unter den Gegenständen der Tagesordnung der Jnnungs- krankenkassen-Versammlung war von Wichtigkeit die Beschlußfassung über den Erlaß einer Vorschrift betreffend Krankenmeldung, Verhalten der Kranken und Aufsicht über dieselben. Die von dem Herrn Vorsitzenden ausgearbeitete, 6 Paragraphen zählende Krankenordnung wurde im allgemeinen anerkannt, nur wurde diskutiert
über die Krankenmeldung der auswärtigen Kranken.
_________ Von Herrn Bürgermeister Kraiser, Schmiedemeister in Der Luftballon „Augusta" Asmushausen wurde beantragt, die Ausstellung eines
Seitengewehr 98/02.
*— Ein Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Trunksucht ist jetzt auch von konservativen Mitgliedern des Reichstags ausgearbeitet worden. Der Entwurf entspricht im wesentlichen den Wünschen und Vorschlägen der Berliner Synoden und dem Beschluß des preußischer! Landtags. Er wendet sich also namentlich gegen den Verkauf und Genuß von Branntwein an den Sonn- und Feiertagen.
M (Sitzung der Hanauer-Strafkammer.) Am 21. Februar d. Js, gingen mehrer Jäger von Mittel-