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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

, M 63. Mittwoch, den 6. August 1902. 53. Jahrgang.

^Mh^?S^nuf bie »Schlüchierner Zeitung" Dkßr^RUsLUL werden noch fortwährend von allen ----- Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Verhandlung beide Kapitäne nicht ohne Schuld er­kannt, jedoch beiden das Schiffsführerpatent gelassen. Die Hauptschuld trage der Kapitän desPrimus", da er andauernd falsches Fahrwasser befahren und nicht genügend auf die Positionslichter geachtet habe. Die Hansa" sei zu schnell gefahren und habe zu spät ge­stoppt. Der Reichskommissar erkannte obige Gründe als Ursache des Zusammenstoßes an, stellte keinen An­trag auf Entziehung des Patentes.

Hann. Münden, 3. August. Interessant für Alter­thumsforscher mag der Fund sein, welcher in einem Hause in der Langenstraße gemacht wurde. Es wurden daselbst eine Kanonenkugel aus der Zeit des 30jähr. Krieges und eine eiserne Ofenplatte aus dem 16, Jahr­hundert, auf welcher der Sündenfall dargestellt ist, beim Umbau vorgefunden.

Kouitz. Die aus Anlaß der Mordaffaire von dem Vater des ermordeten Gymnasiasten Winter erhobenen Beschuldigung gegen Konitzer Juden sind nunmehr auch von dem Oberlandesgericht in Marienwerder als Berufungsinstanz abgewiesen worden. Damit ist der Jnstauzweg erschöpft. Man muß nun die Entdeckung des Mörders dem Zufall überlassen.

Amtliches.

J.-Nr. 2299 K.-A. Die Prämien für Krähen, Holzhäher und alle Würgerarten sind vom 26. v. Ntts. ab auf 25 Pfg. pro Kopf festgesetzt worden.

Schlüchtern, den 28.Juli 1902.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser trifft am Mittwoch Vor­mittag auf der Rhede von Reval ein. In seiner Be­gleitung werden sich Graf von Bülow und Herr von Tschinsky befinden. In maßgebenden russischen Kreisen mißt man, dem hohen Besuch keine .be­sondere politische Bedeutung bei, da die herzlichen Be­ziehungen beider Monarchen längst" feststehen, sondern betrachtet ihn lediglich als Erwiderung des Zareube- suchcs in Danzig. Die Revaler deutscher Gesang- Vereine gedenken dem Kaiser während ber auf der Revalver Rede bevorstehenden Marinefestlichkeiten eine Serenade zu bringen.

Der Kaiser hat für ein Denkmal, das den Opfern der Primuskatastrophe auf dem Friedhofe zu Ohlsdorf errichtet werden soll, aus seiner Privatschatulle 500 Mk. gespendet.

Die Kaiserin ließ dem Vaterländischen Frauen- Verein in Hambnrg einen Beitrag von 600 Mk. zu der Sammlung für die Hinterbliebenen der bei der Schiffskatastrophe vom 20. v. M. Verunglückten .zu­gehen.

Leutnant Hildebrand, der seinerzeit bei dein sensationellen Duell bei Jnsterbnrg Leutnant Blasko- Witz erschossen hatte, wurde nach siebenmonatlicher Haft entlassen.

Der Monat Juli war ein richtiger Unglücks- monat für Berlin. In seinem Verlauf sind dort nicht weniger als 66 Selbstmorde und Selbstmordversuche zur amtlichen Kenntniß gelangt. Unter den Unfällen nahmen die Boots- und Straßenverkehrsunfälle einen erschreckenden Umfang an.

Auf der Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Magdeburg werden gegenwärtig Versuche in Schnell - führten mit zwei aus Lokomotive und zwei l)-Zug- Wagen bestehenden Zügen vorgenommen, wobei bis jetzt eine Geschwindigkeit von 14U Kilometer die Stunde erreicht wurde.

Die deutsche Kolonialgesellschaft hat eine unter der Oberaufsicht des Reiches stehende Central-Aus- kunftsstelle für Auswanderer in Berlin errichtet, welche auf mündliche oder schriftliche Anfragen aus- wanderungslustigen Personen unentgeltliche Auskunft über die in Aussicht genommenen Auswanderungsziele ertheilt. Die Geschäftsräume befinden fid) in Berlin W. Schellingstraße 4,

Die deutsche Reichshanptstadt war diesmal das Ziel der Jünger Gabelsberger, um hier über ihr Steno- graphiesystem und Bnndesorganisation wichtige Be­schlüsse zu fassen. Und zahlreich hatten sie sich einge- fnnben; von der Nord- und Ostsee, vom Rhein, aus Süddeutschland, aus Oesterreich-Ungarn, der Schweiz und Italien waren die Vertreter erschienen. Als Versammlungslokal war ursprünglich das Reichstags­gebäude in Aussicht genommen, indeß stellte sich heraus, daß bei der großen Zahl der Erschienenen die dort zur Verfügung stehenden .Räume sich zu klein erweisen würden So war denn die Philharmonie gewählt worden, wo sämmtliche Akte stattfanden. Die Vor-, bereitungen waren von dem Berliner Hauptausschuß sorgfältig getroffen; außer der vom Preß-Ausschuß herausaegebenen Festschrift, die Gabelsberger und sein Werk in dem Urtheil eines seiner Berliner Zeitge­nossen und in der Beurtheilung deutscher Dichter und Schriftsteller darlcgt, gelangte als Festgabe des Haupt­ausschusses eine Schrift von Dr. Wilhelm Kronsbein über diephysiologischen und physychologischen Be­gehungen zwischen Sprqche und Schrift mit besonderer Berücksichtigung der Stenographie" zur Vertheilung.

Hamburg, 4. Aug.,^ Der Spruch des Seeamts über das Schiffsunglück auf der Elbe hat nach achtstündiger

Ausland.

London, 2. August. Botha, Dewet und Delarey, welche Capstadt verlassen haben, sollen nach ihrer An­kunft in London von König Eduard in Audienz em­pfangen werden. Der Audienz soll Lord Roberts und Kitchener beiwohnen.

Paris, 1. August. Der Marineminister wies den Admiral Gourdam, Kommandanten der Seedivision des Atlantischen Ozeans, die aus fünf Schiffen besteht, und sich zur Zeit bei Martinique befindet, telegraphisch an, Maßregeln zur Sicherung des Schutzes der französi­schen Staatsangehörigen auf Haiti zu treffen. Im heutigen Kabinetsrathe bestätigte Ministerpräsident Combes, daß sich in sehr zahlreichen Departements die nicht genehmigten Niederlassungen der Kongregauisten freiwillig aufgelöst hätten.Zwischen Frankreich und Rußland hat schon manchmal nicht so geklappt, wie die politischen Drahtzieher an der Seine es wohl wünschten. Namentlich hatten sich diese, wie damals ohne Widerspruch allgemein erzählt ivnrde, bei weitem mehr versprochen von den politischen Unterhandlungen während des Zarenbesuches in Frankreich, als that­sächlich erreicht wurde; und die Vereitelung der Marine- Expedition gegen Mytilene ist, wie ebenso bekannt, auch der Hauptsache nach auf russisches Konto ge­schrieben worden. Jetzt verbreitet ein englisches Tele­graphenbureau eine interessante Mittheilung, die nichts weniger als unglaubwürdig klingt: Danach blickt man in Petersburg mit steigender Besorgniß auf die Ver­folgung der Kongregationen und Schulschwestern in Frankreich. In der Mittheilung wird klar und bündig gesagt:Diesem Treiben der Herren Combes, Andre und Genossen sieht man in Rußland mit offenem Miß­fallen zu, und nicht mit Unrecht befürchtet man für Frankreich eine 2. Periode großer politischer Wirren.

Males und Provinzielles.

* Schlüchtern, 5. August 1902.

* Das intereffanre Schauspiel der Sternschnuppen- fälle wird jetzt wiederum zu beobachten sein. Diese Naturerscheinungen begannen am 28. Juli und zeigen sich bis zum 24. August; den Höhepunkt ihrer Häufig­keit und ihres Glanzes erreichen sie in den Nächten vom 8: bis 12. August, in denen sie alsThränen des hl. Laurentius" ein überaus großartiges Schau­spiel geben.

% Am verflossenen Sonntag wurde das alljährlich wiederkehrende Weitzcl'sche Stiftungsfest begangen. Das Gönnte ließ an Diejenigen, denen es durch Fleiß, Mühe und Umsicht gelungen ist, ihren Feldbau und Viehstand musterhaft nachzuweisen, die dafür ausgesetzten Prämien vertheilen. Um 3 Uhr Nachmittags zogen bei schönem Wetter Schaaren von Einwohnern der Stadt und Um­gegend auf den sog. Acisbrunnen, um Zeuge der Ver­theilung zu sein und sich an dem Glück anderer zu freuen und den Nachmittag zu feiern in Äst nnv Heiterkeit, Der guten That des im Jahre 1840 in Amsterdam verstorbenen Johann Joachim Weitzel wird jederzeit dankbar gedacht werden. Die Stadt Schlüchtern

hat dein Spender im Jahre 1897 ein Denkmal gesetzt, das die Aufschrift trägt:Bete und arbeite" und symbolisch j den Glauben, Liebe und Hoffnung zeigt. Hoffen wir, daß dem Beispiel des kirchlich-frommen und frommen kirchlich gesinnten Wohlthäter in Schlüchtern noch mancher mit irdischen Gütern Beglückter nachfolgt zum Segen der Stadt.

* Die diesjährige Abiturientenprüfung in dem hiesigen Lehrerseminar beginnt am 26. August. Die AufnahmeprüfMg ist auf den 8. und 9. September festgesetzt. Die Aufnahmeprüfung in der Präparanden- Anstalt findet am Tage der Eröffnung des Winter­halbjahres statt.

t Vor einigen Tagen verstarb nach längerer Krankheit in Süd-Pittsburg Herr Ludwig Schmidt, ein bekannter und angesehener Bürger. Der Ver­blichene war gebürtigt aus Steinau, unb kam 1854 nach den Ver. Staaten resp, nach Süd-Pittsburg, wo er nahezu 30 Jahre lang in Jones & Laughlius Werken als Puddler angestellt war.

):( Jeder Landbriefträger führt auf seinem Bestell- gange ein Annahmebuch mit sich, in welches er die von ihm angenommenen Sendungen mit Werthangabe, Einschreibungen, Postanweisungen, gewöhnliche Packete und Nachnahmesendungen einzutragen hat. Gleiche Annahmebücher werden auch von den Inhabern der an kleineren Landorten errichteten Posthülfsstellen ge­führt. Da jedoch auch dem Absender das Recht ein- geräumt ist, die Eintragungen selbst vorzunehmen, so kann ihm, um sich vor Weiterungen und Verlusten zu sichern, nicht genug einpfohlen werden, die den Land­briefträgern mitzugebenden oder bei den Posthülfsstellen zur Weitergabe an den bestellenden Boten niederzu­legend?!; Postanweisungsbeträge, Werthsendungen rc. thunlichst eigenhändig in das Annahmebuch des Laud- briefträgers oder der Posthülfstelle einzutragen oder wenigstens sich von der Buchung durch den Landbrief­träger oder Posthülfftellen-Jnhaber zu überzeugen.

* Vorgelesen, genehmigt, unterschrieben ist eine Formel die gewöhnlich unter den Protokollen durch v. g. u. abgekürzt wird. Ein Urtheil des Ober­landesgerichts in Königsberg hat nunmehr festgestellt, daß diese Abkürzung nicht genügt, daß sie dem Proto­koll sogar den Charakter einer öffentlichen Urkunde nimmt.

Angesichts der bevorstehenden Herbstübungen treffen die Behörden in Preußen schon jetzt Maßnahmen, um der Übertragung ansteckender Krankheiten auf die Truppen vorzubeugen. Der Kriegsminister weist in einem Erlaß darauf hin, daß alljährlich während des Manövers oder kurz nach demselben in der Armee Fälle von ansteckenden Krankheiten namentlich von Unterleibstyphus und Ruhr, auftreten, für deren Ent­stehung meistens Einschlevpung aus Civilbevölkerung als Ursache angesehen werden müsse. Dieser Gefahr der Ansteckung mit allen Mitteln zu begegnen, sei um so dringender geboten, als die erkrankten Militärper­sonen ihrerseit wieder zu Verschleppungen der Krank­heiten in Garnisonorte Anlaß geben können.

* Unser Hessenvolk scheint dem Genußfrohen und und leichtlehigen Völkchen an den Ufern des Rheins immer mehr ähnlich zu werden. Die zahlreichen Feste, die in Stadt und Land gefeiert werden und fortwährend an Zahl zuzunehmen scheinen, erregen bei .den Alten, die in ihrer Jugendzeit an geringere An­sprüche in Bezug auf Vergnügen gewöhnt gewesen sind, viel Kopfschütteln, Tadel und Klagen. Es läßt sich auch nicht leugnen, daß die zahlreichen Gelegenheiten zu»! Vergnügen dazu geeignet sind, die Vergnügungs­sucht zu fördern und maßlos zu machen. Anderer­seits eher ist zu bedeuten, daß die Zunahme der Fest­lichkeiten, besonders auf dem Lande, vielfach eine Folge des zunehmenden Wohlstandes ist und daß die Ver­gnügungssucht bei der einzelnen Persönlichkeit vor allem durch Erziehung und Selbstsucht bekämpft werden muß. Die Eltern sollen ihre Kinder dazu erziehen, daß sie sich selbst beherrschen und sich etwas versagen, auf etwas verzichten lernen. Nur die Persönlichkeit, die Selbstzucht üben gelernt hat, ist eine sittliche Per­sönlichkeit und hat Erziehung im besten Sinn. Auch die Vereine, von denen ja die meisten Feste ver- anstaltet werden, sollten ihre Ehre darin suchen, daß sie sich auszeichnen durch Zucht und gute Erziehung ihrer Mitglieder. Die alten studentischen Korporationen