IchluchternerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. - Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 9. August 1902.
53. Jahrgang.
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ll^fl'^ltllM^ auL ^ "SsMchlerner Zeitung' dreimal mit einem Strick verschnürt. Unmittelbar werden noch fortwährend von allen nach per Meldung des grausigen Fundes wurde die Untersuchung unter persönlicher Leitung des Polizeidirektors Brettschneider und des Vertreters des ersten
=-■ " =-----Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. (Kaiserbesuch in Reval.) Als Kaiser- Wilhelm stch auf Einladung des Kaisers Nicolaus von der „Hohenzollern" an Bord der „Standart" begab, befanden sich in seiner Begleitung Prinz Friedrich Heinrich, der Reichskanzler Graf Bülow, der Kommandant des Hauptquartiers General von Plessen und der Chef "des Marinekabinetts Vizeadmiral Frhr. von Senden-Bibran. — Bei beut heutigen Frühstück an Bord des „Standart" tranken der deutsche Kaiser dem Grafen Lambsdorff und der Kaiser Nikolaus dem Reichskanzler Grafen Bülow und dem Oberhof- und Hausmarschall Grafen zu Eulenburg zu. Am Nachmittag wohnten beide Majestäten auf dem Flaggschiff „Minin" Schießübungen bei. Es fanden Passier- Schießübungen aus 37-Millimeter-Einsatzrohren aus größer» und mittlern Kalibern gegen Scheiben statt, die von Torpedobooten geschleppt wurden. Hieran schloffen sich Evolutionen des Geschwaders, verbunden mit Schießübungen gegen feste und gegen schwimmende Scheiben sowie gegen Scheiben im Schlepptau von Torpedobooten. Kaiser Wilhelm war von dem General von Plessen, dem Kapitän von Usedom und dem Kapitän von Grümme begleitet. Der Kaiser Nikolaus war heute Vormittag bei dem Gegenbesuch auf der „Hohenzollern" begleitet von dem Großfürsten Alexei, dem Marineminister Vizeadmiral Tyrtow, dein Admiral Aveklan und anderen.
— Der König Viktor Emanuel von Italien wird am 27. August zum Besuche des Kaisers in Berlin eintreffen und im neuen Palais bei Potsdam Wohnung nehmen. Am 31. August findet die große Herbstparade über das Gardekorps auf dem Tempelhofer Felde statt, welcher der Köuig beiwohnen wird. ( — Zur Unterstützung des Eisenerzbergbaues an der Lahn, Dill und Sieg hat der Eisenbahnminister Budde einer Meldung der „Köln. Ztg." zufolge eine weitere Ermäßigung der Eisenerzfrachten für Transporte nach der Ruhr und Saar, nach Lothringen- Luxemburg und nach dem Aachener Bezirk eintreten lassen, die 2'/« Mk. für je 100 Km. Entfernung des Beförderungsweges betragen, und zur Ausgleichung der Vortheile dienen soll, die den Hochofenwerken an der Ruhr, der Saar und Lothringen und Luxemburg du- ch ermäßigte Frachten zu Theil geworden ist.
Die Gesammtzahl der Besucher der Düsseldorfer Ausstellung in der Zeit vom >. Mai bis einschließlich 27. Juli betrug 1515 376 Personen, die Baareinnahme für Eintrittsgelder beliefen sich auf 1 124 090 Mark. Von jetzt ab werden Dauerkarten zum ermäßigten Preise von 10 Mark ausgegeben. Am Donnerstag besuchte u. A. der Kronprinz von Rumänien die Ausstellung.
Ein neuer Krach wird aus Dresden gemeldet.
lieber die Aktien-Ges. für Elektrizitäts-Centralen, eine flotte soll nach einer Mittheilung aus Madrid beab- Tochtergesellschast der Elekrticitätswerke, ist am Montag sichtigt sein. Die Kosten für 16 neue Schiffe sollen das Konkursverfahren eröffnet worden. Die Gesell-j 400 Mill. Fr. betragen, von denen als erste Rate schaft wurde im Jahre 1899 von dein jetzt fallirten 30 Mill. in den diesjährigen Marineetat ausgenommen Bankhause Rocksch Nachf. gegründet. Die Passiven werden sollen.
werden auf 2 Mill. Mk. geschätzt. _ _ | Südafrika. Nachrichten aus Damara-Land zufolge,
Leipzig. Eine unbeschreibliche Aufregung hat die siedelten sich 400 Buren, welche England nicht den Bewohner der inneren Stadttheile von Leipzig erfaßt.! Treueid leisten wollten, mit 200 Frauen und Kindern In dichten Schaaren stehen Männer, Frauen und q^ deutschem Gebiete au.
Kinder lebhaft gestikulirend auf den Straßen und be-1 Pest, 5. Aug. In der Stadt Szabadka wurden sonders vor den Grundstücken Nr. 27 der Nicolaistraße große Unterschlagungen in der Stadtverwaltung ent- und Nr. 2 des Salzgäßchens. Im Hose des zuletzt heckt. Gegen zwei Millionen städtischer Gelder sind genannten Grundstückes, das noch einen zweiten Aus-' verschwunden. Dreimal so große Summen wurden gang durch das Haus Nr. 7 der Reichsstraße hat,1 c^ne jede Vollmacht verausgabt. Die Hauptbücher lvurde in einer Kiste der völlig entkleidete Leichnam sind seit Jahren gefälscht. Wie ein vom Ministerium der am 17. Dezember 1894 geborenen Anna Klein, - - — • - - - -
der Tochter einer jüdischen Hausirerin, gefunden. Es besteht kein Zweifel, daß das unglückliche Kind einem Lustmorde zum Opfer gefallen ist. Die Kiste, in welche der Körper der Todten hineingepreßt war, ist eine neue sogenannte Schachtelkiste, 78 cm lang, 28 om breit und 14 cm hoch. Ihre Bretter weisen nur eine Stärke bon 5 mm auf; derartige Kisten werden vielfach zum Transport bezw. zur Aufbewahrung von Geigen ver- lvendet. Die Kiste war fachmännisch zugenugelt und
Staatsanwalts am Auffindungsorte begonnen. Es ergab sich hierbei ^zunächst, daß die Kiste schon am Sonntag Ab^nd gegen 8 Uhr im Hofe des Hauses im Salzgäßchen gestanden hat. Das ermorbete Mädchen ist Sonntag Nachmittag gegen 3 Uhr noch auf der Nicolaistraße spielend gesehen worden. Die That muß also in der Zeit zwischen 3 Uhr nachmittags und 8 Uhr abends vollbracht worden sein. Die Kleidung des Kindes ist noch nicht aufgefundm worden. Demjenigen durch dessen Angaben die Ermittelung des Thäters gelingt, wird seitens des Leipziger Polizeianites eine Belohnung von 200 Mark zugesichert.
Kaiserslautern. Die Wittwe des Gastwirths Seibert „Zum Löwenkeller" hier, war Samstag Nacht, nachdem sie das Lokal verschlossen, im Begriff, sich mit der Tageskasse nach oben in ihre Wohnung zu begeben, als sie von zwei im Gesicht geschwärzten Menschen überfallen, mit Niederschießen bedroht, geknebelt und ihrer Kasse beraubt wurde. Jedenfalls hatten die Verbrecher gewußt, daß die Wirthin an dem Tage eine größere Summe als Miethe vereinahmt und in die Büffetkasse gelegt hatte. Es fielen ihnen 900 Mark in die Hände.
Mainz, 6. Juli. Ein heftiges Gewitter tobte heute nacht in unserer Gegend. Die elektrischen Entladungen waren sehr stark, ebenso der damit verbundene Sturm, der namentlich in der Gegend von Mainz schlimm gehaußt hat. Au vielen Gebäuden wurde an Dächer und Mauerwerk Schaden angerichtet. Mit besonderer Wuth hauste das Wetter in den Anlagen am oberen Zahlbacher Weg in Mainz, wo eine ganze Anzahl Bäume entwurzelt wurde. In Mobach wurden Dächer abgedeckt und in der Gemarkung noch nicht zu übersehender Schaden angerichtet. Besonders charakteristisch ist, daß außerordentlich viele Vögel dem Elemente zum Opfer fielen. Der kräftige Regen kam indessen dem Landmann nicht unerwünscht.
Koblenz, 2. August. Jn^dem nahen Bendorf wurde gestern ein Mann aus Sayn festgenommen, der vor einiger Zeit bei einem Einbrüche ans der Villa Brosius 53 000 Mk. in Werthpapieren gestohlen hatte. Die Papiere fanden sich in der Wohnung des Verhafteten vor. Bei Entdeckung des Dicbstahls hat sich s. Z. der in Verdacht gekommene Kaufmann Reuter aus Heddes- dorf bei seiner Verhaftung erschossen.
Ausland.
Rom, 5. Aug. Das meteorologische Centralbureau meldet, daß heute Nacht um 11 Uhr 35 Minuten in
Carara ein starker Erdstoß, dem zwei weitere Stöße | folgten, verspürt worden sei. Auch aus Massa wird ein starker Erdstoß gemeldet. Die Erdbeben an
zeigenden Instrumente in Siena, Florenz, Padua, Rom und Roceo di Papa litten die Stöße registrirt.
Spanien.
Der Wiederaufbau der spanischen
entsander Revisor feststellte, flossen die ganzen Einnahmen der Stadt nicht in die Kasse, sondern wurden von dem Bürgermeister bis zu den untersten Beamten herab unterschlagen. Gegen alle Beamte wurde Unter-
suchung eingeleitct.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 8. August 1902.
In der Mittwoch Nacht dürfte mancher Einwohner unsanft aus dem Schlummer geschreckt worden
sein. Mehrere starke Gewitter zogen gegen 3 Uhr über unsere Stadt und vermischt mit wolkenbruchartigen Regengüssen fegte der Sturm durch die Straßen. Auf allen Seiten des Horizontes leuchteten flammende Blitze auf, krachende Donner folgten und die Natur bot in ihrem wilden Aufruhr ein Bild von schauriger und dennoch zauberhafter Schönheit. Das Unwetter richtete jedoch in unserer Gegend keinen besonderen Schaden an.
O *— Die Steuerpflichtigen machen wir daraus aufmerksam, daß die Staatssteuer für das 2. Vierteljahr spätestens am 16. b. Mts. bei Meidung kostenpflichtiger Anmahnung und Zwangsbeitreibung bezahlt fein muß und daß gleiche Maßregel bezüglich der in der Stadt Schlüchtern am 6. b. Mts. fällig gewesenen, nicht be- bezahlten ersten Hälite der Kreissteuer für das laufende Jahr, zu erwarten ist.
* - Vom Bezirksausschuß in Cassel ist der Anfang der diesjährigen Jagd auf Rebhühner, Wachteln und Haselwild auf dem 25. August, für Hasen, Auer-, Birk- und Fasanen-Hennen dagegen auf den 15. September festgesetzt. Die Zeit, während welcher der Dachs erlegt werden darf, ist derart ausgedehnt worden, daß die Jagdzeit vom 16. September bis 14. Dezember d. I. beide Tage einschließlich läuft.
* — Zu den bevorstehenden Herbstmanövern sei auf die Wichtigkeit einer deutlichen und vollständigen Aufschrift der Manöverpostsendungen hingewiesen Als Bestimmungsort gebe man die Garnison oder den Standort an, wo der Truppentheil zu gewöhnlichen Zeiten seinen Aufenthalt hat, mit dem Zusatz „oder nachsenden". Einen Manöverort anzugeben, ist nicht rötlich, da der Absender nicht die einzelnen Postverbindungen kennt . ö sich deshalb der Gefahr aussetzt, daß seine Sendungen erst nach abmarsch des betreffenden Truppentheils an dem von ihm bezeichneten Orte ankommen und nun oft mehrmals nachgesandt werden müssen. Die Leitung überlasse man den Postanstalten, welche den täglichen Abholungsort der Postsendungen ganz genau kennen.
— Für die Schaffung einer Auswanderer-Auskunfts- stelle ist der Deutschen Kolonialgesellschaft für das Rechnungsjahr 1902 ein Reichszuschuß bewilligt worden. Die Kolonialgesellschaft hat daraufhin die unter der Oberaufsicht des Reiches stehende Central-Auskunfts- stelle für Auswanderer in Berlin errichtet, die auf mündliche oder schriftliche Anfragen auswanderungs- lustige Personen unentgeltlich Auskunft über die in Aussicht genommenen Auswanderungsziele ertheilt. Die Geschäftsräume befinden sich in Berlin W. 9, Schelling- straße 4.
* - Wieviel Reichsmünzen befinden sich im Verkehr? Diese Frage beantwortet eine vom Reichsanzeiger veröffentlichte Uebersicht der Ausprägungen von Reichsmünzen in den deutschen Münzstädten bis Ende Juli 1902. Es sind 3 821465 910 Mark an Goldmünzen, 588 479 348 80 Mark an Silber- 69 485 04 t 35 Mk. an Nickel- und 15 766 479 95 w' an Kupfermünzen.
* — Für die Enthaltsamkeit von Alkoholgenuß entfaltet ein Eisenbahndirektor be Terra besonders unter den Eisenbahnbeamten eine rege Wirksamkeit. Vor einer Versammlung sprach er unlängst über die Rolle des Alkohols im Verkehrsleben und erwähnte dabei, wie der Alkohol im Augenblick der Gefahr die Geistesgegenwart raube, und wie viel unsagbares Herzeleid durch übermäßigen Alkvholgenuß gerade bei der Eisenbahn hervorgerufen werden könne. In ihrem eigenen und im Interesse des reisenden Publikums sollten die Eisenbahner daher lieber freiwillig jedwedem Alkoholgennsse entsagen. Auf den preußischen und hessischen Staatsbahnen handelt es sich dabei um etwa 70 500 Beamte Man kann ermessen, welche Verantwortlichkeit in den Händen dieser Beamten liegt, wenn man erfährt, daß auf den genannten Bahnen im Jahre 1900 im ganzen 582 UOO 000 Personen befördert wurden. Dabei werden oft einzelne Beamten ganz besondere Anforderungen gestellt, wie z. B. auf dem Bahnhof Friedrichstraße Berlin nur wenige Beamte Tag für Tag über bOO Eisenbahnzüge abfertigen müssen. — Es hat sich kürzlich ein „Verein enthaltsamer Eisenbahner" gebildet, der in Bremen, Altona, Hamburg Ortsgruppen hat. Er zählt bis jetzt 300 Mitglieder, was freilich noch nicht viel genannt werden