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Erscheint Mittwoch und Samstag. -- Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

*M 66, Samstag, den 16. August 1902. 53. Jahrgang.

i^ftolhtttnotl "'s dieSchluchlerner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ...........= Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen. ____

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser trifft am kommenden Samstag, Nachmittags in Homburg v. d. H. ein. Das Gefolge wird im Grand Hotel absteigen.

Die Kaiserin ist von einem Unfall betroffen worden. Nach derElbg. Ztg." hat die hohe Frau sich in Kabinen den Fuß verstaucht und muß sich einige Tage Schonung auferlegen. Dieser Unfall erinnert an einen ähnlichen, allerdings schwereren vor einigen Jahren; damals rutschte die Kaiserin in Tegernsee aus und zog sich einen Bruch der Wade zu. Ferner wird gemeldet, daß Prinz Adalbert, der dritte Sohn des Kaiserpaares, einer Gefahr glücklich entgangen ist. Als er sich in Elbing zu Wagen nach dem Bahnhof begab, wäre es beinahe zu einem Zusammenstoß mit der elektrischen Bahn gekommen; die Pferde des prinz- lichen Gefährts konnten jedoch unmittelbar vor den, Straßenbahnwagen noch rechtzeitig zum Stehen gebracht werden.

Kronprinz Wilhelm bereist gegenwärtig die Vogesen, das Grenzgebirge zwischen Elsaß-Lothringen und Frankreich. Er erstieg u. a. die Burgruine Hoh- baar, von wo aus man einen herrlichen Fernblick ge­nießt und auch das Straßburger Münster sehen kann.

Prinz Arnulf von Bayern, kommandirender General des 1. bayerischen Armee-Korps, wird auf besondere Einladung des Kaisers in der Zeit vom 6. bis 12. September an den großen Manövern des 3. Armeekorps bei Frankfurt a. O. theilnehmen und Gast des Kaisers in Frankfurt Quartier beziehen. Gelegentlich der großen Kaiser-Parade wird der Prinz das Infanterie-Regiment 9tr. 52, dessen Chef er ist, dem Kaiser vorführen.

- - Bei der Ankunft des Königs von Italien wird die gesammte Garnison Berlins Aufstellung nehmen und vom Brandenburger Thor bis gum Schloß Spalier bilden. Bei dem Eintreffen des Königs in Potsdam am Tage vorher wird die gesammte Generalität Berlins und Potsdams versammelt sein; sämmtliche königliche Prinzen werden den König begrüßen. Der Kaiser wird seinen hohen Gast auf dem Bahnhof empfangen.

Der Landwirthschaftsminister v. Podbielski wird in diesen Tagen seine Informationsreise in Ostpreußen beendigen und nach Berlin zurückkehren. Auf besonderen Wunsch des Kaisers besichtigte der Minister gelegent­lich seiner kürzlichen Anwesenheit in Memel das ost- preußische Pentanwerk, G. m. b. H., Werk Schwengeln- Moor, eine unweit von Memel gelegene wirthschaftliche Anlage. Dort wird Torf nach einer eigenartigen Methode derartig verarbeitet, daß der Torf die Consi- stenz von Kohle erhält und diese int Heizwerth sogar noch übertreffen soll.

Dem preußischen Landtage wird in seiner nächsten Session derFrkf. Ztg." zufolge eine Kredit­forderung von 200 Mill. M. behufs Ausstattung der Schnellzugsstrecken mit Goliathschienen zugehen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Nachricht zutrifft, denn es ist bekannt, daß der neue Eisenbahn­minister Budde den lebhaftesten Wunsch hegt, daß die Schnellzugsstrecken der preußischen Bahnen mit stärkeren Schienen als den bisher üblichen ausgstattet werden.

Die große Bedeutung gesundheitlicher Vorkehr­ungen erhellt aus den folgenden Zahlen über Ver­änderungen in der Sterblichkeits- und Erkrankungs­ziffern im deutschen Heere. Beim Militär ist in den letzten Jahren die allgemeine Sterblichkeit um 54 vom Hundert, die Typhussterblichkeit um 85 v. H. herunter­gegangen. Durch allgemeine sanitäre Maßnahmen ist die Erkrankungsstatistik in der Armee innerhalb zehn Jahren von 34,7 vom Tausend anf 11,2 vom Tausend heruntergedrückt.

Von der in Ostasien unter der einheimischen Bevölkerung herrschenden Choleraepidemie,ist auch die deutsche Besatzungsbrigade nicht verschont geblieben. In der Zeit vom 27. Juni bis zum 4. August sind 8 Mann an der Cholera gestorben und zwar in ver­schiedenen Orten, in Jangtsun, Shanhaikwan, Tientsin u. f. w. Seitdem sind neue Fälle unter den Truppen nicht vorgekommen, auch ist der sonstige Gesundheits­zustand durchaus besriedigend.

Ein neues Kriegerdenkmal für Mars la Tour. Der Berliner Bildhauer Hans Dammann hat soeben das große Thonmodell zu einem Denkmal vollendet, welches die früheren und jetzigen Kameraden des in Torgau garnisonirenden Thüringischen Infanterie- Regiments Nr. 72 ihren Gefallenen in Mars la Tour errichten. Es wird ein etwa 10 Meter hoher obelis- kartiger Aufbau aus Granit, der am unteren Theil von einem Eichenfries umzogen wird.

Wehlcn a. d. Elbe. Der Doppel-Raubmörder Stroppe, ein österreichischer Deserteur, der wegen Er­mordung und Beraubung von zwei Trödlerinnen in Leipzig und Jena steckbrieflich verfolgt wird, wurde am Montag in Wehlen a. d. Elbe verhaftet.

Aus Sachsen, 14. August. Auf Grund der am Geburtstage des Königs erhangenen Gnadenerweise sind, abgesehen von den Begnadigten, denen auf Grund der allgemeinen Amnestie wegen gewisser Uebertretungen ihre Strafe erlassen worden ist, aus den Gefängnissen oder aus dem Zuchthause gegen 100 Personen ent­lassen worden.

Leipzig. Zu dem grauenvollen Morde in Leipzig wird jetzt eine Thatsache bekannt, welche bisher den ersten Lichtblick in der gräßlichen Geschichte darftellt. Der Vater des jugendlichen Mörders, Herr Grabich, ist, wie derLeipz. Gen.-Anz " berichtet, persönlich bei Frau Klein, der Mutter der ermordeten Anna Klein, gewesen und hat der armen Frau sein innigstes Beileid zum Hinscheiden ihres hoffnungsvollen Töchterchens ausgesprochen. Herr Grabich hat sich sofort freiwillig dazu entschlössen, für die Frau verw. Klein bis zu deren Lebensende dermaßen zu sorgen, daß die arme israelitische Händlerin aller weiteren Sorgen für die Zukunft enthoben ist.

Mainz, 12. August. Zur Feier der Anwesenheit des Kaisers werden am 15. August die Rheinufer und Straßenbrücken, sowie auch auf Fürsprache der Bürger­meisterei die sämmtlichen am Rheinuser angrenzenden Häuser, Straßen und Plätze festlich illuminiert. Des­gleichen der Weg von der Landungsstelle bis zum großherzoglichen Palais, der Platz vor dem Schloß, die Häuser und Straßen der Umgebung. Samstag, 16. August, Vormittags 8 Uhr, begiebt sich der Kaiser auf den Großen Sand zur Truppenschau, welche mit Exerzieren des Dragonerregiments Nr. 23 eröffnet wird. Es folgt dann das Gefecht der 50. Brigade unter General Viehbahn. Hierauf findet Parademarsch folgender Regimenter statt: 80, 87, 88, 116, 117, 118, Regiment Graf Feldzeugmeister und des Pionier- batailons Nr. 21. der Nr. 25. Kavalleriebrigade, der Feldartillerieregimenter Nr. 27 und 68. Die Fahnen werden von einer Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 116 nach dem Schlosse gebracht, wo nach der Truppenschau Mittagstafel stattfindet. Die Abreise ist auf 4 Uhr Nachmittags vorgesehen.

Ausland.

Zürich, 14. Aug. Aus allen Theilen der Schweiz werden neuerdings starke Schneefälle gemeldet. In der Nähe von Luzern reicht der Schnee bis in die Thäler.

Sieua. Bei Oeffnung des Kafseschrankes der Bank Roma in Siena (Italien) wurde ein Fehlbetrag von 50,000 Franks entdeckt.

Amerika. Auf Haiti wird die Haltung der schwarzen Bevölkerung gegen die Weißen immer drohender. Viele Fremde haben Frauen und Kinder nach benachbarten Inseln geschickt, da jeder Augenblick einen Angriff aus die Geschäftshäuser bringen kann, die sich vornehmlich in deutschen Händen befinden. Bis zur Stunde ist immer noch das amerikanische Kanonenboot der einzige Schutz für die bedrängten Fremden auf Haiti, der Ankunft des deutschen Kriegsschiffes wird sehnsuchts­voll entgegengesehen.

Venezuela. Der amerikanische Gesandte Bowen in Caracas telegraphirt, daß die Deutschen beabsichtigen, Truppen bei Porto Cabello zu landen, da dort deutsche Interessen gefährdet seien. Das Kabinet wies darauf den Kommandeur KreuzersTopeka" ebenfalls an, Truppen zu landen. Ob es sich bei dieser Nachricht um eine neue Scharfmacherei gegen Deutschland handelt, muß erst abgewartet werden. Jedenfalls scheint es in Venezuela zur Entscheidung zu kommen. Einein Tele­gramm aus Port of Spam zufolge haben die Aus­ständigen Barcelona (Venezuela) nach dreitägigem

Straßenkampfe genommen. Auf Seite der Regierungs­truppen fielen General Bravo und 60 Mann.

Manila, 14. Aug. Zwölf Eingeborene in Bacatud, mit Lanzen und Säbel bewaffnet, überfielen am Dienstag bei Tagesanbruch die amerikanischen Vor­posten bei Vicars und metzelten dieselben nieder.

London. Die Krönung - hat ihren programmge­mäßen Verlauf genommen. Erfreulicherweise hat der König die Anstrengungen des Tages ohne Schwierig­keit ertragen; in den Meldungen wird hervorgehoben, daß, als er die an ihn gerichteten Fragen in der West- minister-Abtei beantwortete, seine Stimme durch das ganze Gotteshaus klang. In dem Jubel, der den Krönungszug in die Straßen umbrauste, kam auch die innige Freude des englischen Volkes den König wieder in voller Frische und Rüstigkeit zu sehen, zuin Ausdruck.

London. Der König von England nahm gestern in Begleitung der Königin eine Parade der Kolonial- truppen vor dem Buckingham-Palast ab. Roberts und Kitchener wohnten gleichfalls der Parade bei, nach der Ordensauszeichnungen verteilt wurden. Der König überreichte die erste, der Prinz von Wales die übrigen. Bei der Parade richtete der König an die Kolonial- truppen eine Ansprache, in welcher er seiner großen Genugthuung über den Patriotismus derselben und die Art und Weise Ausdruck gab, wie dieselben sich in Südafrika hervorgethan haben. Der König fügte hin­zu, er werde niemals vergessen, welche Dienste die Truppen dem Mutterlande erwiesen haben. Hierdurch würden die entlegenen Kolonien mehr denn je auf das Engste mit den anderen Theilen des großen Reiches verbunden werden.

London, 13. Aug. DieMorning Post" meldet Johannesburg vom 11. August: Nach der heute er­folgten Bekanntgabe betrug die Goldförderung der Randminen im abgelaufenen Monat ungefähr 140000 Unzen, das ist 6399 Unzen mehr als im Vormonat, und soviel, als im Januar und Februar 1902 zusammen. Der Werth der letzten Monatsausbeute von 633 674 Pfund Sterling würde einem Jahresertrag von 7^" Mill. Pfund Sterling entsprechen.

Frankreich. In dem Kulturkämpfe, der jetzt in Frankreich im Gange ist, scheint die Regierung von Nachgiebigkeit nichts wissen zu wollen. Der Justizminister hat vielmehr die General-Prokuratoren aufgefordert, in allen Fällen, in denen behördliche Siegel abgelöst oder in anderer Weise die Anordnungen der Regierungs­vertreter mißachtet werden sollten, fortan mit aller Strenge, gegen die Betheiligten Vorzugehen.

Quimper, 13. August. In Carantec wurde gestern die Kongregationsschule behördlich geschlossen.' Ein Theil der Bewohner brächte Hochrufe auf die Schwestern aus, was eine Gegenkundgebung der Republikaner zur Folge hatte. .

Aus Sevilla, 11. August wird geschrieben: Die Hitze ist furchtbar, das Thermometer stieg gestern bis auf 56°. Zahlreiche Erkrankungen an Hitzschlag und Sonnenstich sind zn verzeichnen. Aus Algier wird ge- melbet: Hier herrscht unerträgliche Hitze, der Sirokko hält an. Während der Manöver bekamen sechs Mann des ersten Bataillons des ersten Zuavenregiments den Sonnenstich. Ein Mann ist todt, zwei sind schwer, die übrigen leicht erkrankt. Drei Mann bekamen beim Baden am Strande gleichfalls den Sonnenstich und liegen hoffnungslos darnieder.

Transvaal. Obwohl sich bis jetzt 25 000 Buren ergeben huben, wurden doch nur 18000 Gewehre ab­geliefert. Alan nimmt an, daß die Buren noch etwa 25 000 Gewehre verborgen halten.

China. DerSohn des Himmels", also der Kaiser von China, läßt nach bemOstasiat. Lloyd" in Pao- tingfu einen neuen Palast errichten. In chinesischen Kreisen erzählt man sich, daß der Kaiser in Peking sich nicht ruhig fühle, und zwar wegen der Nähe der Kasernen in den Gesandtschaften.

Lokaies und Provinzielles.

* Schlächtern, 15. August 1902.

* * Der Wunsch nach besserem Erntewetter bildet bei den Landleuten das allgemeine Tagesgespräch. Der reiche Segen auf den Feldern, wird durch an- dauerndeu Regen sehr beinträchtigt. Auch dem noch nicht reifen Getreide ist das schlechte Wetter insofern zum Schaden als sich die Halme zur Erde neigen und