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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

M 68.

Samstag, den 23. August 1902.

53. Jahrgang.

auf ^eSchlüchrerner Zeitung" werden noch fortwährend von allen - Postanstalten undLaudbriefträgcrn, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Denkmals'Enthüllung in Homburg.

Im Beisein des Kaiserpaares, des Kronprinzen und anderer Fürstlichkeiten ist am Dienstag Vormittag in Homburg im Taunus das Denkmal der Kaiserin Friedrich enthüllt worden. Die Majestäten hatten sich im offenen Vierspänner, von der Bevölkerung lebhaft begrüßt, durch die reichgeschmückten Straßen nach dem Festplatz begeben, wo die Spitzen der Behörden zur Begrüßung erschienen waren und Schulen, Vereine, das Füsilierregiment Nr. 80, sowie eine Abordnung des 2. Leibhusaren-Regiments Aufstellung genommen hatten. Nachdem der Kaiser die Front der Ehren- kompagnie abgeschritten, hielt der Stadtverordneten­vorsteher eine Ansprache, die das Leben und Wirken der verstorbenen Kaiserin verherrlichte und wie folgt schloß:Solange es Taunusbewohner geben wird, solange wird der Rückstrahl der leuchtenden Thaten der Kaiserin Friedrich die Erinnerung an ihre gott- begnadete Majestät in unserer Heimat nienials erlöschen, sondern in Liebe Verehrung und Dankbarkeit fvrt- leben!" Während die Truppen präsentierten, fiel so­dann die Hülle des Denkmals, an dessen Fuß der Kaiser einen Kranz niedergelegt. Hierauf verlaß der Monarch ein Lebensbild seiner Mutter:

Hochbegabt, von starker geistiger Willenskraft, erfüllt von hohem, kulturellem Streben, bem ein seltenes Willen zu Gebote stand, stolz auf ihre könig­liche und nationale Abstammung, stets bemüht, deren tiefe Jugendeindrücke und Erfahrungen auch in ihrer zweiten deutschen Heimat zur Geuung zu bringen, zielbewußte Förderin der Entwicklungswege des Schönen in Kunst und Kunstgewerbe, wissen­schaftlicher Forschung und deren Ergebnisse mit Wärme ergreifend, für die Ausdehnung weiblicher Bildung und Erwerbsfähigkeit, für die Ausgestaltung weiblicher Krankenpflege erfolgreich wirkend, endlich die liebende Gattin und stete Gefährtin des Kron­prinzen an der Spitze eines glücklichen Familien- hauses, an allen Begebenheiten feines reich gestalteten Lebensganges betheiligt, die sorgende Gemahlin des Kaisers und Königs in bangen, trüben Tagen, die würdevoll trauernde Wittwe am frühen Schluß ihrer eigenen, über lichte Höhen und durch dunkele Todesschatten führenden Laufbahn, so hat diese Fürstin unter uns geweilt, und so fügt sich ihr Bild ein in die Annalen des Hohenzollerschen Hauses in Preußen und Deutschland." Nachdem der Kaiser die einzelnen Phasen' aufgezählt, schloß er das Charakterbild:Auch sie wurde von schwerer Krank­heit ergriffen und in langer, schmerzensreicher Leidenszeit, die sie in Gottesfügung ergeben, durch- litt, löst sich das reine, farbenfrohe Band dieses zu so glänzenden Erwartungen berechtigenden inhalts­schweren Daseins einer seltenen Frau und einer zu hohem Wirken berufenen Fürstin."

Die Musik spielte jetzt die Nationalhymne, , und das Regiment Nr. 8U vollführte einen Parademarsch. Unter den zahlreich am Denkmal niedergelegten Kränzen be­fand sich auch einer der Königin-Witwe Margherita von Italien. Nachmittags fand beim Kaiserpaar größere Tafel statt. Vor der Denkmalsfeier hatte der Monarch mit dein Kronprinzen einen Spazierritt ge­macht und dann Marinevorträge gehört. Tags vor­her hatten die Majestäten Schloß Friedrichshof bei Cronberg besucht.

Deutsches Reich.

UZur persönlichen Sicherheit des Kaiserpaares während seiner Anwesenheit in Posen werden die weitgehendsten Vorkehrungen getroffen. Die Fremdenliste der Hotels werden von Polizeiheamten einer regelmäßigen Revision unterzogen, wobei streng darauf geachtet wird, daß Fremde sich hinreichend legitimiren können.

Die Kaiserin wird wie nunmehr deffinitiv fest­steht, am Sonntag, 24. August, wieder int Neuen Palais in Berlin eintreffen.

König Eduard von England hat neun deutschen Marineoffizieren, die sich in China hervorragend aus­

gezeichnet haben (beim Zuge des Admirals Seymour, bei der Vertheidigung von Tientsin), das Kreuz der Genossen des St. Michael und Georgs-Orden ver­liehen.

Von dem neuen preußischen Eisenbahnminister Budde verspricht sich die heimische Industrie viel Gutes. Man erblickt in ihm nach seinen bisherigen Thaten einen Mann der Initiative, der die Erfahrungen, die er während seiner Wirksamkeit in der Praxis gewonnen hat, zu verwerthen entschlossen ist. Auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens giebt es^ thatsächlich auch noch so viel zu thun, daß der Minister reiche Gelegenheit hat, der Industrie Arbeit zu verschaffen. Die Bergwerke sind, wie dasB. T-" ausführt, wegen der schlechten Geschäftslage in ihrer Bedeutung als Arbeitgeber zurück­getreten. An ihrer Stelle kann jetzt die Eisenbahn­verwaltung treten. Was sie jetzt thut totrb als be­sondere Wohlthat empfunden werden. Arbeitslohn und Materialpreise sind gefallen und laden einen so tüchtigen Geschäftsmann wie es der preußische Eisen­bahnminister ist, förmlich dazu ein, die Gelegenheit zu benutzen. Auf diese Weise kann auch verhindert werden, daß die Arbeitslosigkeit im kommenden Winter größere Ausdehnung annimmt. Die Beschaffung der Geldmittel sollte keine Sorge machen. Unsere Industrie aber würde, wenn sie im Julande Absatz hätte, gern darauf verzichten, den Export, wie es jetzt aus Noth geschehen müsse, zu fördern.

Aus dem Großherzogthum Baden kommt die Nachricht, daß beabsichtigt wird, die Bestimmungen über die Zulassung zur Einjährig-Freiwilligen-Prüfung zu verschärfen. Die Bestimmungen über die Wieder­holung der Prüfung zu, die bisher bis zum 1. April des Jahres in welchem der Bewerber das 20. Lebenjahr vollendet, beliebig oft erfolgen konnte, sollen nach den Vorschlägen der zuständigen preußischen Ressortminister in der Weise erschwert werden, daß Prüflinge, die sich bereits zweimal der Prüfung ohne Erfolg unterzogen haben, mit Genehmigung der Er­satzbehörde dritter Instanz nur in ganz besonderen Ausnahmefällen zum drittenmal zur Prüfung zugelassen werden dürfen Diese Maßnahme hat bereits, wie die Süddeutsche Reichskorresp." berichtet, die Billigung des Reichskanzlers gefunden.

Breslau. Die hier tagende Hauptversammlung des Landesvereins'mittlerer Justizbeamten in Preußen beschloß, den Justizminister um Abschaffung der Be­zeichnungGerichtsschreiber zu bitten. Bezüglich der Verleihung des TitelsObersekretär" soll der Minister angegangen werden, zum wenigsten den Inhaber der beiden ältesten Gehaltsklassen diesen Titel zu verleihen. Als Ort der nächsten Tagung wurde Hannover be- stimmt.

Corbach, 22. August. Die Deutsch-Amerikanische Petroleumgesellschaft beabsichtigt am hiesigen Bahnhof ein Petroleumlager-Bassin von etwa 20- bis 30 000 Liter Inhalt anzulegen, das um Feuersgefahr zu ver­hüten, entsprechend tief in der Erde angelegt werden soll.

Mainz, 21. August. In einer »hiesigen Familie wurden vorgestern bei der Hochzeitsfeier eines Ange­hörigen von den Gästen auch Champignons verzehrt. Nun sind sämmtliche Hochzeitsgäste und die Gastgeber unter Vergiftungssymptomen erkrankt. Die Aerzte führen die Erkrankung auf den Genuß der Champignons zurück.

Ausland.

Budapest. Der 31. Congreß des internationalen Vereins der Gasthofbesitzer findet in diesem Jahre vom 23. bis 26. September hier statt. Dem Verein ge­hören bekanntlich fast alle ersten Hotels in Europa an. Im vorigen Jahre trat der Concreß in Stockholm zu­sammen, wo er besondere Ehrungen, auch Seitens des Königs von Schweden, erfuhr.

Ncwyork, 21. August. Die Jllinois-Central-Eisen- bahn stelll gegenwärtig Versuche mit Frachtwagen an, die mit Kugellagern ausgeführt sind. Diese neuen Wagen laufen so leicht, daß sie eine Person in Be­wegung setzen kann. Sollten sie sich als praktisch brauchbar erweisen, so würden sie es ermöglichen, die gegenwärtige Fahrgeschwindigkeit zu verdoppeln, ohne die Transport-Kraft zu verstärken.

London, 2 l. August. Wie aus Petersburg gemeldet wird, hat sich bei den großen Manövern in der Um-

ton>wi<^Hmm«n gegend von Petersburg ein schweres Unglück ereignet. Eine Schwadron Kavallerie stürzte bei einer Attacke in einen Fluß, wobei 50 Mann ertranken.

Nokohama, 21. August. Vulkanische Ausbrüche haben zwischen dem 13. und 15. August eine Insel der sich nördlich von den Bonininsel hinziehenden Kette die Insel Torishima, verwüstet. Die ganze Bevölker­ung, bestehend aus 150 mit Guanoförderung, beschäftigten Leuten, ist umgekcmmen. Unterseeische Eruptionen machen jede Annäherung an die Insel gefahrvoll.

Paris, 21. August. Aus Saint Meen wird be­richtet, daß die Volkmenge das Schloß des Grafen Detournelles angriff, die Dienerschaft wurde * gefesselt, das Innere des Schlosses verwüstet. Die Menge wollte den Grafen dafür bestrafen, daß er als Depu- tirter für das Gesetz über die Congregationen gestimmt habe.

Constantinopol, 21. August. Der österreichisch­ungarische, der englische und der italienische Geschäfts­träger haben heute in gleichlautenden Noten bei der Pforde Protest eingelegt gegen den von türkischen Blättern angekündigten 2procentigen Zoll auf fremde, schon verzollte Waaren, die von einem türkischen Hafen in einen anderen transportirt werden. Die übrigen Botschafter werden sich dem Protest anschließen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 22. August 1902.

* * Die Dberförsterstelle in Niederkalbach wurde dem Oberförster Daniels vom 1. August b. I. ab übertragen.

* Der Wetterprophet Habenicht in Gotha ver­kündet, daß eine dauernde, gründliche Besserung gegen­wärtigen Wetterverhältnisse vorläufig nicht zu erwarten yi. Wenn auch vorübergehende Trockenheit nicht aus­geschlossen scheint, so dürfte doch kühle und nasse Wit­terung auch fernerhin vorherrschen.

* Der Anfang der Jagd auf Rebhühner, Hasel­wild und Wachteln ist mit Rücksicht auf die noch im Rückstände befindliche Ernte auf den 1. September verschoben worden.

* Wie aus dem Juseratentheil schon hervorge­gangen ist, wird die Gastspielgesellschaft Rhomberg, unter vortrefflicher Leitung des Herrn D'rektor Ä. Rhomberg, Inhaber des Scheines für höheres Kunst- interesse, im Saale des Hotel Stern hierin den nächsten Tagen^einige Vorstellungen geben. Da das Ensemble ohne Souffleur spielt, und zwar in einer Weise, die jeden: Theaterbesucher erfreuen wird, so istZ zu hoffen, daß ihnen ein volles Haus bevorsteht.

):( Briefsendungen, die zur Bestellung oder Ab­holung gelangt sind und dem Adressaten nach einem anderen Ort nachgesandt werden sollen, werden nicht, wie vielfach angenommen wird, durch die Post kosten­frei weiterbefördert, wenn sie, mit der neuen Adresse versehen, in die Briefkasten gelegt werden. Der Post auf diesem Wege zugeführte Briefe und Postkarten unterliegen der erneuten Portozahlung, und zwar werden die Sätze für unfrankirte Sendungen in An­wendung gebracht, während Drucksachen, Waarenproben und Geschäftspapiere, da sie unfrankiert nicht zur Ab- fenbung gelangen dürfen, zurückgegeben werden müssen. Soll die Weiterbeförderungnach dem neuen Bestimmungs­orte ohne Kosten erfolgen, so hat die Rückgabe der fraglichen Sendungen an den Schalterfenstern der Post­anstalten oder durch Vermittelung der Briefträger zu geschehen.

Ein für Buchhändler und Verleger von Schul­büchern willkommene Verfügung ist lautDtsch. Tgsztg." vom preußischen . Kultusminister erlassen worden. Bekanntlich ist mit dem neuen Schuljahr 1903/04 die Einführung der neuen Rechtschreibung in den Schulen in Aussicht genommen worden. Nach obigem Erlaß dürfen zwar schon jetzt die in der neuen Rechtschreibung gedruckten Bücher eingeführt werden, jedoch sollen neben ihnen auch noch im nächsten Jahre die alten Bücher zugelassen werden.

Ein empfindlicher Mangel an Rindvieh ist, so führt dieAllg. Fleischerztg." aus, in den letzten Monaten zu dem Schweinemangel und der Schweine­theuerung hinzugekommen; so sind allein in Berlin im Juli d. I. 1964 Rinder weniger geschlachtet worden, als im Juli des Vorjahres. Die Schlächtermeister, ihre Verbände und Innungen verwahren sich bereits