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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die Reine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 69, Mittwoch, den 27. August 1902. 53. Jahrgang.

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iMblhtttrtrttauf bie «Schlüchierner Zeitung" 5?l'^t'UUU$Mltoerben nod) fortwährend von allen - -~-----Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

Für den Viehmarkt in Fulda am 28. August 1902 finden die unterm 13. Januar 1902 im Kreisblatt Nr. 7 bekannt gegebenen Bestimmungen Anwendung.

Der Beginn des Marktes ist auf 6 Uhr Morgens festgesetzt.

Schlächtern, den 26. August 1902.

Der Königliche Landrath: Roth.

Bekanntmachung Kreissparkaffe betreffend.

Nach dem im September d. I. in Kraft tretenden neuen Statut der Kreissparkasse können Bürgschafts­Darlehen an Einwohner des Kreises bis zur Höhe von 3000 Mark ausgeliehen werden.

a. gegen Schuldschein auf die Dauer von 5 Jahren bei jährlich mindestens 5 Prozent Abtrag und Er­neuerung der Restschuld nach Ablauf von 5 Jahren.

b. gegen Wechsel auf die Dauer von drei Monaten bis zu einem Jahre.

Denjenigen Schuldnern, welche ihre Darlehen nicht auf einmal, sondern nach und nach tilgen wollen, soll gestattet werden, zur Zeit der Fälligkeit des Wechsels, die Umwandlung in ein Schuldschein-Darlehen -- wie oben zu a bei der Kreissparkasse-Direktion zu er­wirken, welche diesen Anträgen gern entsprechen wird.

Schlüchtern, den 14. August 1902.

Der Königliche Landrath: Roth.

Die gegenwärtige Geschäftslage

ist noch durchaus keine rosige. Sie giebt keinen Anlaß zur Verzweiflung, bietet aber auch vorläufig noch keine Aussicht auf Besserung. In diesem Sinne äußert sich der Bericht der Handelskammer in Bochum, eines unserer hervorragendsten industriellen Bezirke. Einem Auszuge derVoss. Ztg" aus dem Bericht ent­nehmen wir das Folgende: Das Jahr 1901 steht im Zeichen eines allgemeinen und tiefen wirthschaftlichen Niederganges. Anfänglich von vielen nur als eine akute Krisis angesehen, hat sich der Niedergang im weiteren Verlauf als eine andauernde und schwere Ab­satzstockung erwiesen, deren Ende auch heute noch nicht abzusehen ist. Der Mangel an Vertrauen in die Zu­kunft und das Fehlen des Unternehmungsgeistes dauern fort,.sodaß die Lage sich auch während der abgelaufenen Hälfte des neuen Jahres nicht gebessert hat, vielmehr noch schlechter geworden ist. Trotzdem sind wir von einer wirklichen Krise glücklicherweise noch fern, so drückend auch die Absatzstockung ist und so sehr auch dieselbe in Verbindung mit niedrigen Verkaufs- und theilweise hohen Einkaufspreisen auf das einzelne Unter­nehmen drückt; im ganzen machen die Verhältnisse doch nicht den Eindruck eines Zusammenbruchs, sondern den eines Reinigungs- und Gesundungsprozesses. Die gegenwärtige Absatzstockung ist eine Zeit, in welcher sich Angebot und Nachfrage, Produktionskosten und Preise wieder in das normale gegenseitige Verhältnis zu setzen bestrebt sind. Erst dann, wenn zwischen diesen wirthschaftlichen Faktoren die richtige Uebereinstimmung erzielt ist, wird eine dauernde Besserung eintreten. Ob wir schon diesem Zeitpunkt nahe sind, läßt sich mit Sicherheit weder behaupten noch verneinen. Bisher hat das Jahr 1902 trotz einiger Anläufe im Frühjahr noch keine Aufbesserung gebracht, die von Dauer war, und ob die neuestens wieder zu Tage tretende zuver­sichtlichere Stimmung an der Börse in Verbindung mit einigen durch Verbände beschlossenen Preisaufbesserungen wirklich den Anfang einer neuen aufsteigenden Ent­wickelung bildet, erscheint sehr zweifelhaft. Irgend­welche bedeutsame Anzeichen für das Herannahen eines Aufschwungs liegen nicht vor, auch in dem Aufhören des südafrikanischen Krieges können solche nicht erblickt werden. Es wäre gefährlich, wenn vorzeitig, infolge rein spekulativer Motive, an der Börse eine Hausse­stimmung geweckt werden würde, denn der dann unaus­bleibliche Rückschlag könnte bedenkliche Folgen haben.

Deutsches Reich.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, Seine Kaiserliche Hoheit der Kronprinz, Prinz Joachim

und Prinzessin Victoria Luise trafen heute früh um 8 Uhr ein und begaben sich zu Wagen nach dem Teilen Palais.

Mittheilungen über ein bevorstehendes Zusammen­treffen Kaiser Wilhelin's und König Eduard's werden von dem LondonerDaily Telegr." bestätigt. Es werde mit einiger Gewißheit angenommen, daß, wenn das Befinden des Königs befriedigend bleibt, die Herrscher sich über kurz oder lang in deutschen Ge­wässern oder in einer deutschen Seehafenstadt begegnen werden.

Der Kronprinz wird den Manövern des siebenten Armeekorps beiwohnen. Das Korps steht in Westfalen wird aber bei Osnabrück in Hannover üben.

Das K. K. Correspondenzbureau meldet: Auf Einladung des Kaisers wird der deutsche Kronprinz den großen Manövern in Ungarn beiwohnen. Der Kron­prinz wird am 10. September Vormittags von Berlin nach Ungarn abreisen und in Schoßberg Nach­mittags 4 Uhr eintreffen. Der Kaiser, welcher eine halbe Stunde früher aus Wien ankommen wird, wird den Kronprinzen am Bahnhof begrüßen und ihn in das Absteigequartier, Schloß Sassin, geleiten. Am 16. September Mittags, nach Beendigng der Manöver erfolgt die Rückreise nach Berlin. Der Commandant der Cavallerietruppendivision in Jaroslaw, Feld- marschallleutnant Graf Auersberg und der Commandeur Oberst Feigl, werden dem Kronprinzen während seines Aufenthaltes zur Dienstleistung zugetheilt sein. Der deutsche Militärattache in Wien, von Bülow, wird dem Kronprinzen bis Oderberg entgegen reisen, um sich der Suite anzuschließen.

Die schwedische Armeeverwaltung ist bevoll­mächtigt worden, mit der Firma Krupp in Essen wegen der Lieferung von 72 Geschützwagen und 66 Munitions­wagen zu unterhandeln.

Die Weltkonserenz der evangelischen Jünglings- Vereine, an der auch viele Vertreter aus Deutschland theilnehmen, wurde gestern in Christiania eröffnet.

Potsdam, 23. August. Heute Vormittag wurde die verwiltwete Frau Justizrath Anna Jßmer in ihrer hiesigen Villa ermordet aufgefunden. Alan vermuthet, daß Raubmord vorliegt und daß der Mord bereits in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag verübt worden ist. Vom Thäter fehlt jede Spur. Der Polizei- Präsident von Potsdam setzte eine Belohnung von 500 Mk. aus für die Ermittelung des Mörders.

Mainz, 23. August. Heute wurden einem hiesigen Kaufmann 15 000 Mark an Werthpapieren gestohlen. Die ganze Polizei ist aufgeboten, den Thäter zu ermitteln.

Ausland.

Ueber das Unwetter in Tirol wird aus Meran be­richtet: Haushoch stürzten die rothbraunen, aus regem getränktem Sand und mächtigen Felsblöcken bestehenden Fluten ins Thal, alles im und am Wege Stehende mit sich reißend. Das Jammern der erschreckten An­wohner wurde übertönt vom fürchterlichen Rollen des Baches, und als nach kurzer Zeit die Flut zu sinken begann, zeigte sich ein Bild grauenhafter Verwüstung. Alle Brücken und die am Ufer stehenden Bäume fielen der unglaublichen Gewalt zum Opfer. Das Haus Naifmühle" fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen, trotzdem es aus festem Mauerwerk bestand. Von den Insassen trug eine Frau schwere Verletzungen davon.

Paris, 22. Aug.Figaro" behauptet, daß in Folge der Schließung der Congregationsschulen nicht weniger als 180 000 Kinder beim Beginn des kommen­den Schuljahres den Unterricht würden entbehren müssen, wenn die Regierung nicht zu einer gerechteren Anwendung des Kongregationsgesetzes sich herbeiließe.

Türkei. Die Verhastungen in Konstantinopel nehmen kein Ende. Der Kommandeur der Mdiz- Division und ein Adjutant des Sultans verhafteten in der Nacht zahlreiche Offiziere in einer Konstantinopeler Vorstadt und brachten sie nach dem Palast Abdul Hamids. Die Unglücklichen werden jedenfalls unter dem Verdacht einer Verschwörung gegen das Leben des Sultans stehen und kurzer Hand abgethan werden..

Haag, 23. August. Der Prinz-Gemahl ist in letzter Zeit leicht an Rheumatismus erkrankt und ge­denkt nach dem Geburtstage der Königin sich nach einem deutschen Bade zur Cur zu begehen.

Brüssel, 22. August. Das Wiedersehen Bothas mit seinen Kindern spielte sich gestern Abend auf offener Straße ab. Als der General von Wagen und Radfahrer verfolgt, vor dem Hause in^ der Rue Crespel eintraf, stürzten die Kinder heraus, um den aus dem Wagen steigenden Vater stürmisch zu um­halsen. Als besonders rührend schildern Augenzeugen den Moment, als dem Helden sein jüngster, erst in Europa geborener, von im noch nie gesehener Spröß­ling entgegengetragen wurde. Den ganzen Abend liefen Blumenspenden ein. Vor dem Hause hielt sich schweigend und ehrfürchtig ein zahlreiches Publikum. General Botha äußerte sich u. a. dahin, daß Leyds den intimen Verhandlungen der Generale mit Krüger beigewohnt habe, dessen Verhältniß , zu ihm und seinen Freunden sich in nichts geändert habe. Botha weilte lange am Sarge seines Waffengefährten Lucas Meyer und besuchte nachher dessen Wittwe.

England. In England wird in diesem Jahre in­folge des anhaltenden Regens eine totale Mißernte erwartet. Getreide, Heu und Kartoffeln, alles ist voll­ständig verfault. England ist bezüglich landwirth- schaftlicher Produkte ja so wie so auf das Ausland angewiesen; in diesem Jahre wird sein Bedarf aber ganz besonders stark sein.

St. Helena, 23. August. .Etwa 1000 Buren sind heute auf dem TransportdampferCanada" nach Süd­afrika abgegangen.

Newyork, 21. August. Franz Sigel, einer der Führer im badischen Aufstande 1849, General im amerikanischen Bürgerkriege, ist gestorben.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 26. August 1902.

* Ein strenger Winter steht zu erwarten, sofern sich eine alte Bauernregel bewahrheitet, die besagt, daß ein strenger Winter zu erwarten ist, wenn die Zug­vögel frühzeitig nach dem Süden ziehen. Dies ist thatsächlich in diesem Jahre der Fall. An verschiedenen Orten sind die Thurmschwalben bereits wieder fort­gezogen. Allerdings sind Bauernregel nicht unfehlbar.

* Die Eröffnungsvorstellung der Theatergesellschaft Rhomberg war leider sehr schwach besucht was all­gemein sehr bedauert wurde. Der am Freitag zur Aufführung gelangte Blumenthalsche SchwankNiobe" wurde _ vorzüglich wiedergegeben. Sämmtliche Dar­steller spielten ihre Rollen flott bis zu Ende und war die Garderobe sowie Ausstattung sehr gut gewählt. Die Sonntagsvorstellung war etwas besser besucht, und kam, da die Gesellschaft faßt ohne Soufleur spielt, derPostillon von Mllncheberg" sehr gut zur Aus­führung und wurden die einzelnen Gesangsnummern schwungvoll durchgeführt. Es wäre nur zu wünschen, da sich die Direktion doch alle bedenkliche Mühe giebt nur gutes zu leisten, sie durch zahlreicheren Besuch der Theaterabende möglichst kräftig zu unterstützen.

* Eine Verfügung des Reichspostamts macht den Postanstalten eine schonende Behandlung der Obst­sendungen zur Pflicht. Auch die Eiersendungen und die Sendungen mit lebenden Thieren werden den Post­anstalten zur sorgfältigen Behandlung jetzt empfohlen.

* Man kann nicht genug Warnen, vorsichter zu sein, beim Sammeln von eßbaren Schwämmen. Wie ichwere Folgen es hat, bezeichnet wieder nachstehender Fall: In Folge Genusses giftiger Pilze starben kürzlich in Schwerin i. Meckl., der Schriftsetzer Wagner, sein elf­jähriger Sohn und seine neunjährige Tochter, während die'Frau desselben noch hoffnungslos darniederliegt.

* Nach einer neueren Verfügung der kgl. Eisen­bahn-Direktion kann ein Reisender, welcher ohne Fahr­karte einsteigt und bisher den doppelten Fahrpreis zu zahlen hatte, auf Wunsch statt der zweiten Zuschlag­karte eine Rückfahrkarte nachlösen. Beträgt der ein­fache Preis für die ohne Fahrkarte durchfahrene Strecke mehr wie 1. Mk., so kann eine Rückfahrkarte mit dem festen Zuschläge von 1 Mark gelöst werden. Um bei Eisenbahnunfällen möglichst schnell Hilfe herbei­holen zu können, werden jetzt an den preußischen Eisen- Hahnstrecken die Telegraphenstangen etwa in Mannes­höhe mit aufgmalten Pfeilen versehen. Die Spitze dieser Pfeile zeigt nach der Richtung, in welcher die nächste Station liegt. Das Zugpersonal weiß also in allen Fällen, aus welcher Richtung am schnellsten Hilfe herbeigeholt werden kann.