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X 71.

Mittwoch, den 3. September 1902.

53. Jahrgang.

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iMklhttlrt«»!!0^ die «Schlüchrerner Zeitung" ^t^vUUIlyt'Utoerbcn nod) fortwährend von allen = "~..... Postanstalten undLandbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Der König von Italien in DeutMand.

Berlin, 31. August. Der König von Italien ließ dem Oberbürgermeister durch die italienische Botschaft zehntausend Lire für die Armen Berlins übermitteln. Iu Ehren des Königlich italienischen Ministers des Aeußeren, Herrn Prinetti, fandrnach der Parade am Sonnabend Mittag um 1 UhLbei dem Reichskanzler und der Frau Gräfin von Bülow ein Frühstück statt. Dasselbe nahm einen sehr angeregten Berlauf. Die italienischen Gäste verweilten in lebhaftem Gespräch mit ihren Wirthen und den deutschen Tischgenossen bis gegen 3 Uhr, wo sie die Eisenbahn nach Potsdam zu- rückführte. Um 7 Uhr Abends fand im Neuen Palais bei Potsdam Paradetafel statt, Nach derselben hielten die Majestäten im Muschelsaul Cercle. Um 9Uhr traten dann die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften auf den nach der Mopke zu liegenden Balkon hinaus, um den großen, von sämmtlichen Musik- corps und Spielleuten des Gardecorps ausgeführten Zapfenstreich anzuhören. Die schöne Architectur der Communs hob sich durch Illumination und Rothfeuer prächtig vom Nachthimmel ab, während die alten Buchen rechts und links im Grünfeuer aufleuchteten. Vom Bahnhof Wildpark her rückten die Musiker, von Mag­nesiumfackelträgern geleitet, unter den Klängen des Pork'schen Marsches heran, nach Instrumenten geordnet, die sämmtlichen Schellenbäume mit ihren Roßschweifen in der Mitte. Armee-Musik-Inspizient Roßberg leitete die Borführungen, die nach dem großen Wirbel mit dem italienischen Königsmarsch begannen. Es folgten italienische und preußische Märsche, darauf der große Zapfenstreich. Den Schluß machte wiederum der italienische Köniusmarsch unter präsenlirtem Gewehr der Begleit- mannschaften. Um 10 7, rückten die Truppen wieder ab. Am Sonntag gegen 9 Uhr Vormittags trafen Ihre Majestäten der Kaiser und der König von Italien vom Neuen Palais, woselbst sich letzterer von Ihrer Majestät der Kaiserin verabschiedet hatte, auf dem Bahnhöfe Wildpark ein, wo unter anderen der Kron­prinz, Prinz Eitel Friedrich und der Reichskanzler Graf von Bülow, Botschafter Graf von Wedel und Botschafter Graf Lanza erschienen waren. Der Abschied zwischen den Majestäten war überaus herzlich. Der Kaiser und der König küßten sich wiederholt. Vom Reichskanzler Grafen von Bülow verabschiedete sich der König herz­licher Weise und reichte ihm zweimal die Hand. Als . König Victor Emanuel den Zug bestiegen hatte, schüt­telten sich die Majestäten nochmals die Hand. Während der Zug sich unter den Hochrufen des zalreich ver­sammelten Publikums in Bewegung setzte, grüßte der König noch fortwährend aus dem Wagen. Auf der Fahrt wird der König vom Ehrendienst geleitet. Frankfurt a. M., 31. August. Zu Ehren des Königs von Italien war das Bahnhofsviertel prächtig geschmückt. Von den Häusern wehten Fahnen in den italienischen und deutschen Farben. Gegen 5i/? Uhr begann die Absperrung, Um 6 Uhr rückte die Ehrenkompagnie, die 1. Compagnie des 81. Regiments, an und nahm mit der Musik auf dem Bahnsteig Aufstellung, die di­rekten Vorgesetzten auf dem rechten Flügel. Inzwischen formirte sich das Husaren-Reg. Nr. 13 in der Taunus­anlage, die Slandarten-Escadron rückte mit klingendem Spiele an. Zum Empfange fanden sich im Bahnhöfe f ein: der Divifionscommandeur v. Deines, Brigadecom- mandeur Normann, Stadtcommandant v. Stülpnagel, Flügeladjutant Oberst v. Jacobi vom 80. Regiment, ler italienische Generalconsul Graf Lambertongli, Polizeipräsident Freiherr von Müffling u. A. Präcis 6 7, Uhr lief der königliche Zug ein. Die Ehren- cowpagnie präsentirte, die Musik spielte die italienische Hymne Der König entstieg bem vorletzten Wagen, schritt mit seinem Gefolge die Front der Ehrencom- Pagnie ab und begab sich nach dem Querperron, von stürmischen Hochrufen und Tücherschwenken des dicht gedrängt den südlichen Theil des Perrons einehmenden Publikums begrüßt. Hier nahm der König den Vor- beiniarsch der Ehrencompagnie entgegen und begab sich dann durch den nördlichen Ausgang zum Wagen. Als der König heraustrat, brach die Menschenmenge, die

Kopf an Kopf den weiten Platz und die Bürgersteige besetzt hielt, in stürmische Hochrufe aus. Dann bestieg der König den Wagen und fuhr, überall lebhaft begrüßt mit seinem Gefolge zum Hotel Jmperial. Bei beut Diner im Hotel Jmperial brächte der Commandeur des Husaren-Regiments, Oberstleutnant von Blumenthal, ein Hoch auf den König von Italien aus. Dieser er­widerte in italienischer Sprache mit einem Hoch auf den Kaiser und das Regiment und drückte seine Zu­friedenheit über die Paraoe aus. Von dem Hotel Jm- perial fuhr der König mit gleicher Escorte zum Bahn­hof, begleitet von seinem Gefolge, der Generalität und dem Offiziercorps des Husaren-Regiments. Unter leb­haften Hoch- und Evvivarufen setzte sich der Zug kurz nach 872 Uhr in Bewegung.

Deutsches Reich"

Am Sonnabend fand auf dem Teiupelhofer Felde in Gegenwart des Kaisers, des Königs von Italien, des Hofes und zahlreicher Staats- und militärischer Würtenträger große Parade statt, zu der in den Schritt­proben der Marsch mit 114 Schritt in der Minute eingeübt wurde. Das Paradediner fand in Potsdam statt, von wo der König am Sonntag Vormittag die Rückreise über Frankfurt a/M. antrat. Es waren herrliche Tage, diese Festtage des Königs-Besuches, die weit schneller dahingestogen pnd, als es den Betheiligten lieb war. Ihr Ertrag ist aber ein dauernder und heilsamer. Das haben bie Trinksprüche der beiden Monarchen beim Galadiner im kaiserlichen Schlösse unwiderleglich bewiesen. Diese bedeutsamen Mam- festationen haben dem ganzen deutschen Volke den hoch willkommenen Beweis erbracht, daß zwischen den Häusern Savoyen und Hohenzollern das durch lang­jährige Traditionen geheiligte Band herzlicher Freund­schaft fortbesteht, daß die guten Beziehungen Italiens zu Deutschland unverändert geblieben find, daß Italien, sein König und seine Regierung fest und treu zum Dreibund stehen, dessen Friedenstendenz auch von Rußland getheilt wird, daß endlich der Friede Europas auf absehbare Zukunft gesichert erscheint.

Die Erneuerung des Dreibundes und damit die Ermöglichung des Besuches des Königs Viktor Emanuel am deutschen Kaiserhofe ist hauptsächlich das Verdienst des deutschen Reichskanzlers Grafen Bülow, dem der König mit der Ueberreichung des Annunciaten-Ordens das Recht verlieh, ihn mirDu" anzureden. Die Ritter des Annunciaten-Ordens nennen den König Du, wie die des preußischen Schwarzen Adler-Ordens den erblichen Adel erhalten. Auch in seiner äußeren Erscheinung war der Reichskanzler dem Könige während der Festtage ähnlich, unterließ er es doch nie, in der Uniform eines preußischen Husaren-Obersten zu er­scheinen, und auch der König Viktor Emanuel trug die Uniform seines Husaren-Regiments. Erwähnen wollen wir noch, bay der König von Italien trotz der Kürze der ihm zur Verfügung stehenden Zeit von Berlin aus das Mausoleum in Charlottenburg besuchte, wo er am Katefalke Kaiser Wilhelm I. einen prächtigen Kranz niederlegte. Ebenso besuchte der König in Potsdam das Mausoleum der ^riedenskirche,, das die sterblichen Reste des Kaisers Friedrich und seiner er­lauchten Gemahlin birgt.

Kronprinz Friedrich August von Sachsen ist Freitag Abend in Berlin eingetroffen und hat sich dem Kaiser in seiner neuen Eigenschaft als kommandirender General des 12. (sächsischen) Armeekorps vorgestellt. Er nimmt auch an der heutigen Herbstparade des Gardekorps theil. Alle in Parade stehenden Truppen erhalten das sog.Revuegeschenk". Es beträgt für die Unteroffiziere 1 M., für die Mannschaften je 50 Pfg. und wird vom Kaiser aus Privatmitteln gezahlt. Der Kaiser wird seinem hohen Gast das erste Garderegiment z. F. und das Leib-Garde-Husarenregiment vorführen. Nach der Parade reiten beide Fürsten an der Spitze der Fahnenkompanie nach dem Schloß.

Der Verband deutscher Kriegsveteranen hat auf seiner in Duisburg abgehalienen Generalversammlung beschlossen, an den Reichstag eine Petition einzureichen, daß in den ärztlichen Attesten, welche zur Erreichung der Beihilfe von 12u Mark erforderlich sind, für die Folge die Wortedauernd gänzlich erwerbsunfähig" fortfallen. Sodann soll eine Petition eingereicht werden dahingehend, daß nach dem Ableben von solchen Bei­

hilfeempfängern der' Wittwe des Verstorbenen noch einige Monate jene Beihilfe weitergezahlt wird. Als Ort für die nächstjährige Generalversammlung wurde Hamburg gewählt. Für das vom Sachsenverein in Metz in Röncourt bei St. Privat angekaufte Haus stiftete der Verband eine Anzahl von Gegenständen aus seinem Museum von Kriegserinnerungen (in Leipzig).

Eine Meldung, daß im nächstjährigen preußischen Staatshaushaltsetat durch die Errichtung neuer Lehrer­seminare dem Lehrermangel weiter abzuhelfen unter« nommen werden wird, dürfte sich, soweit nach dem bisherigen Stande der Etalsvorarbetten sich darüber überhaupt schon etwas sagen läßt, bestätigen. Jeden­falls werden Mehrkosten in das Cupitel für das Ele­mentarunterrichtswesen auch in Folge des Umstandes einzusetzen sein, daß die schon errichteten neuen Seminare zweite und dritte Classen erhalten müssen. In den letzten Jahren kamen in dieser Beziehung nur wenige Anstalten in Betracht, da jedoch für das Etatsjahr 1902 die Errichtung einer größer» Anzahl von Seminaren durchgeführt ist, so werden auch die Kosten, welche durch deren Ausbau entstehen, gesteigert. In Folge dessen schon wird der Staatshaushaltsetat für 19üö zur Be­seitigung des Lehrermangels größere Posten als die früheren Etats auswerfen müssen.

Die Organisation des Arbeitsnachweises auf öffentlich-rechtlicher Grundlage bildet schon seit längerer Zeit den Gegenstand eingehender Erwägung innerhalb der preußischen Staatsregierung. Die bisher getroffenen Maßnahmen haben durchweg gute Erfolge erzielt. In Folge eines früheren Minifterialerlasfes sind in allen größeren Orten amtliche Arbeitsnachweisstellen errichtet worden, die sich bewährt haben. Die inzwischen ge­wonnenen Erfahrungen finden aufmerksame Beachtung und eS finden fortgesetzt Erwägungen darüber statt, in welcher Weise eine zweckentsprechende Ausgestaltung der Arbeitsnachweise und ein organische Verbindung der einzelnen Stellen anzustreben ist.

Dresden, 30. August. Der bisherige kommandirende General des 12. Armeekorps, General der Infanterie Freiherr v. Hausen, ist zum Staats- und Kriegsminister ernannt worden.

Erfurt, 30. August. Heute Abend traf hier Feld­marschall Graf Waldersee ein, der von Berlin kam; der hier die Reginienter Nr. 94, 95 und 96 besichtigte. Montag begab er sich nach Langensalza, Dienstag nach Mühlhausen, von dort dann in der Nähe von Nordhausen, wo das Manöver der Division aus Cafsel gegen die Division aus Erfurt stattfindet. Gestern ist hier ebenfalls der kommandirende General der In­fanterie, Excellenz v. Wittich, eingetroffen.

Ausland.

Newyork, 29. August. In Lanford (Eennsylvanien) fand ein Zusammenstoß zwischen Ausständigen und Militär statt, bei welchem ein Hauptmann und sechs Ausständige verwundet wurden. Die Truppen find seit Tagesanbruch bemüht, Unruhen zu unterdrücken. Die Vereinen nicht ungehörigen Arbeiter vertheidigen die Werkstätten gegen Angriffe der Ausständigen. Seeleute berichten, im mexikanischen Golf hätten sich an Stellen, an denen das Wasser früher 72 englische Meilen tief war, Untiefen ergeben. So betrage die Waffertiefe 175 Meilen südöstlich von dem texanischen (Texas) Hafen Galveston nur noch zehn Faden, während sie früher 3u0 betragen habe. Alan bringt diese Er­scheinung mit dem Erdbeben in West-Indien in Zu- fammenhangu

Washington, 30. August. Nach einem hier einge­gangenen Telegramm des amerikanischen Gesandten in Port-au-Prince von gestern Abend hat am 28. d. Mts. in der Nähe von Cup Haitien ein heftiges Gefecht zwischen den Truppen des Generals 9lorb und denen des Generals Jumeau ftattgefunben; auf beiden Seiten waren schwere Verluste zu verzeichnen. Das Gefecht dauerte chei Abgang des Telegramms noch an. Die Stadt Marmelade ist, wie das Telegramm weiter meldet, zerstört.

Venezuela. Der deutsche DampferPolaria", der in KingSton (Jamaica) anlangte berichtete von schweren Kämpfen zwischen venezolanischeil Truppen und Rebellen in Carupano, wobei manche Geschosse diePoluria" trafen. Der Kapitän verlangte dann vom Komman­deur der Regierungstruppen Schutz, welcher aber ver-