Erschtint Mittwoch und Samstag. Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Dik. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum iO Pfg.
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U 81 Mittwoch, den 8. Oktober 1902. 53. Jahrgang.
auf die „Schlüchrerncr Zeitung" DMdRMWM werden noch fortwährend von allen -_^^^^^^^^ Postanstaltcn undLandbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
3v9lr. 5774. Die Herren Bürgermeister des Kreises wollen die Leichenbeschauer vor den Königl. Kreisarzt auf
Freitag, den 10 Oktober er.
Vormittags 9 Uhr nach Schlüchtern in das Gasthaus zum Deutschen Kaiser vorladen lassen.
Gleichzeitig haben die Leichenbeschauer zu dem obengenannten Termine je ein Exemplar der neuen Polizeiverordnung betr. die Leichenschau mit der dazu gehörenden Dienstanweisung sowie Papier und Federn mit zur Stelle zu bringen.
Schlüchtern, 3. Oktober 1902.
Der Königliche Landrath Roth.
Deutsches Reich.
Der Kaiser ist aus Rominten auf seinem Gut Kadinen bei Elbing am Montag eingetroffen.
Die „Cöln. Ztg." erklärt daß es nicht ausgeschlossen fei, daß der deutsche Kaiser und der König von Portugal einander am englischen Hofe zu Beginn des November begegneten, daß es aber falsch fei, hieraus auf besonders wichtige Unterhandlungen zwischen Deutschland und Portugal zu schließen. Dazu liegt kein Grund vor.
— Wie offiziös mitgetheilt wird, erfolgt der Besuch des deutschen Kaisers in Italien im Februar nächsten Jahres. Kaiser Wilhelm wird auf seiner Pacht „Hohen zollern" in Neapel landen. Der Empfang wird aber erst in Rom stattfinden,
— Die Zolltarifkommission hat Donnerstag ihre Ausgabe beendet. Die Berichterstattung über das gesummte Gebiet der Zolltarifvorlage zerfällt in 35 Referate, die verschiedenen Mitglieder der Zolltarif- kommission übertragen worden sind, 7 von ihnen haben mehrere Male zu berichten.
Eine Anzahl Mitglieder der Zolltarifkommission ist einer Einladung zum Besuch der Obstausstellung in Stettin gefolgt. Unter anderen Regierungsvertretern betheiligen sich auch der Staatssekretär des Innern Graf Posadowsky und der Direktor im Reichsamt des Innern Wermuth an der Fahrt.
- In der letzten Session haben sich 99 Mitglieder des Herrenhauses an den Debatten betheiligt, außerdem sämmtliche Minister, der Kriegsminister und viele Regierungskomunssare, der Ministerpräsident, Reichskanzler Graf Bülow, hat nur zweimal gelegentlich der Vorlage betr. Maßnahmen zur Stärkung des Deutschthums im Osten das Wort ergriffen.
— Nach einer Meldung der „Schles. Ztg." sollen die Ministerpräsidenten der großen deutschen Bundes- staaten Mitte Oktober in Berlin eine Konferenz mit dem Reichskanzler Grafen Bülow über den Zolltarif haben. In dieser Konferenz soll es sich um das weitere Schicksal der Zolltarifvorlage handeln. Dementirt wird die Nachricht, es werde bei der Aussichtslosigkeit der rechtzeitigen Verabschiedung des von den verbündeten Regierungen vorgelegten Zolltarifs der alte Tarif, verbessert und verstärkt durch eine Novelle, zur Basis der Handelsverträge geinacht werden.
Den General der Kavallerie v. Krosigk in Berlin beglückwünschte der Kaiser zum 50järigen Dienstjubiläum also: „Ich wüsche Ihnen zu dem 50. Jahrestage des Beginnes Ihrer ehrenvollen, in Krieg und Frieden gleich bewahrten militärischen Laufbahn von Herzen Glück und emittiere mich dabei gern und dankbar Ihrer hohen Verdienste um die deutsche Reiterei und um meine kavalleristische Ausbildung."
— Der Staatssekretär des Reichsmarineamts von Tirpitz ist nach Berlin zurückgekehrt und hat die Geschäfte wieder übernommen.
Die große Berliner Burenversammlung, in welcher die Generale Botha, Delarey und Dewet öffentlich zur Berliner Bevölkerung sprechen werden, findet nunmehr endgültig am 17. Oktober, Abends 8 Uhr, in der Philharmonie, unweit vom Potsdamer und Anhalter Bahnhof, statt, Ueber den wahrschein
lichen Empfang der tapferen Männer durch unseren Kaiser steht amtlich noch nichts fest, doch dürfte er wahrscheinlich erfolgen. Am 7. November soll, wie es heißt, der Kaiser die Reise zum Besuch seines Onkels, des Königs von England, antreten wollen.
Ausland.
Paris, 4. Oktober. Der Sarg Zola's ist gestern Abend im Beisein der Frau Zola geschlossen worden' Eine Reihe von Gegenständen, worauf der Dichter bei Lebzeiten besonderen Werth gelegt hatte, wurden ihm in den Sarg gegeben. Das „Echo de Paris" behauptet, Zola habe" ein werthvolles litterarisches Testament hinterlassen. — Die Subsccipticn für ein Zoladenkmal ergab bereits 16 437 Frcs. Alfred Dreyfus sandte 300 Frcs. Der Bildhauer Dharpentier hat sich erboten, das Monument unentgeltlich anzufertigen.
London, 4. Oct. Nach einer Meldung der „Financial News" wird Chamberlain ein Gesetz im Parlament einbringen, welches die Ermächtigung zur Aufnahme einer Anleihe von 30 Millionen Pfund für Transvaal enthält. Dainit sollen die von den Buren seiner Zeit ausgcgebenen Obligationen zurückgekauft und im Interesse des Gemeinwohls nöthige Arbeiten bezahlt werden. Die Beitragsleistung Transvaals zur Kriegssteuer solle drei bis vier Jahre lang zurückgestellt werden, dieselbe dürfte aber im Maximum 50 Millionen nicht weit überschreiten.
Utrecht, 5. Okt. Der frühere Präsident Krüger wird sich, wie jeijt festgesetzt ist am 14. nach Mentone begeben.
Athen, -4. Okt. Als der Kronprinz sich Heu te im Automobil nach der Villa Tatoi begab, stürzte das Fahrzeug in den Straßengraben. Der Kronprinz wurde 'eicht am rechten Auge und an der Unterlippe verletzt. Der Leibarzt, der Den Kronprinzen begleitete, uno der Automobilführer sind ernster verletzt.
Lokales unb Provinzielles.
* Schlüchtern, 7. Oktober 1902.
* — Freitag Nachmittag bewegte sich ein imposanter Leichenzug durch die Straßen der L>tadt, es galt die Hülle unseres hochverehrten Amtsgerichtsrath Zimmer- mann zur letzten Ruhe zu geleiten. Zahlreich waren feine Freunde und Bekannten von nah und fern gekommen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Der hiesige Kriegerverein, welchem der Verstorbene angehörte, schritt dem Leichenwagen voran. Zahlreiche Kranzspenden und Widmungen gingen ein von den Beamten der hiesigen Königlichen Amtsgericht, von der freikonservativen Fraktion des Abgeordnetenhauses mit der Widmung „ihrem verewigten, lieben und hochgeehrten Kollegen", von i>em Kreisauschuß des Kreises Schlüchtern — Kranz mit Schleife ebenso vom Kriegerve.ein Meerholz - Hailer mit Widmung „ihrem Ehrenvorsitzenden", von dem Reserve- und Landwehr-Offiziersverein Hanau, von dem Offizierkorps und den Sanitätsoffizieren des Jnf.-Rgts. 32 zu Meiningen, sowie un- zähliche von hiesiger Stadt und Umgegend; sehr viele Depeschen kamen von Freunden und Privatpersonen.
* — Zu einer gemeinsamen Erinnerung sfeier an die im hiesigen Seminar verlebten Stunden, fanden sich heute im „Deutschen Kaiser" 13 ehemalige Klassenbrüder der Jahre 1874/77 zu einigen vergnügten Stunden zusammen. An den Gräbern der verstorbenen damaligen Leitern des Seininars wurden Kränze mit der Widmung: „In dankbarer Verehrung gewidmet von der Seminarklasse 1874/77" niedergelegt.
* — Am 5. Oktober brachten uns zwei Schul- mädchen aus hiesiger Stadt ein schönes Sträußchen reifer Erdbeeren, die sie an der Herolzer Chausse gepflückt hatten, nach ihrer Aussage sind noch Blüthen und unreife Beeren dort. Eine große Seltenheit für diese Jahreszeit.
% Die Versammlung des landm. Kreisvereins und der Rinderzuchtgenossenschaft am 5. d. Mts. war sehr gut besucht. Der Vorsitzende Herr Geh. Rath. Roth eröffnete dieselbe mit den Worten, daß die wichtigste Frage, die vor der landwirthschaftlichen Bevölkerung des Kreises heute stehe, die Viehhaltung sei, und daß für uns nur die Simmenthäler Rinderzucht in Betracht kommen sönne liege klar auf der Haild. Die richtige und vollständige Lösung dieser Frage erfordere zwar viel Arbeit, viel Geschick und auch Kapital,
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aber der dauernde Erfolg würde auch nicht ausbleiben. Hierauf hielten die Herren Preis, Weichet, Siemon, Gaertner Vorträge über die Simmenthäler Viehzucht, deren Endresultate wir dahin zusammenfassen können, daß das Simmenthäler Vieh in Bezug auf Milcher- ergiebigkeit, Mastfähigkeit und Zuchtüchtigkeit von 'einer anderen Rasse übertragen iverbe, daß jedoch nur derjenige Landwirth (dieses Vieh mit Philjen halten dürfe, welcher mit Verständniß solches züchte und auch üttere. Die Nachfrage nach reinrassigen Simmenthäler Zuchtst'eren und Rindern aus benachbarten Kreisen sei so stark, daß man nur bedauern könne, diese auch nicht annähernd befriedigen zu können. Es wurde nur der Vorschlag gemacht, noch in diesem Monate einen Transport Original-Kalbinnen und jüngere Rinder aus dem Simmenthal zu holen und wurden alsbald 12 Stück bestellt. Als Ankaufskommission wurden gewählt die Herren Bürgermeister Siemon zu Gundhelm, Gärtner zu Elm und Rentmeister Pfalzgras zu Schlüchtern. Weitere Bestellungen nimmt letzterer bis zum 15. d. Mts. noch entgegen.
* — Der Landesansschuß hat beschlossen, für das Jahr 1903 die Erhebung einer einfachen Viehseuchen- Abgabe für Pferde u. f. w. — 20 Pfg. für jedes Stück — anzuordnen. Zur Erhebung der Abgabe für Rindvieh ist die erforderliche Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten ertheilt worden.
* — Bienenzüchter berichten, daß dieses Jahr die Bienen besonders früh mit dem Verkitten der Ritzen in ihren Wohnungen begonnen haben. Daraus schließt man auf einen frühen und strengen Winter.
*— Zwanzig Zentimeter Schnee. Es scheint, als ob der über Nacht gekommene Winter ein Einsehen gehabt und wieder Umkehr gehalten habe. Wir selbst sind zwar von direktem Frost verschont geblieben, aber schon in unserer nächsten Nähe, im Thüringer Wald, in der Rhön und vor allem im Harz hat es Frost und Schnee in Hülle und Fülle gegeben. Auf dem Insel berg liegt Schnee, ebenso in Brotterode, Schmalkaldeu. ('*) Bauernregel n für Oktober. Wenns im Oktober friert und schneit, so bringt der Januar milde Zeit. — Halten die Krähen Konvivium, so sieh nach Feuerholz Dich um. — Sankt Gallen (16.) läßt,gerne Schnee fallen. •- Mengt der Oktober sich in den Winter, so ist dann dieser um so gelinder. ...... Wie Oktober, so der März, das bewährt sich allerwärts. — Aus Sankt Gallen bleibt die Kuh im Stall. Wärme und Gewitter im Oktober deuten auf einen veränderlichen, aber gelinden Winter. — Fällt der Tag Sankt Lukas (18) ein, soll das Winterkorn int Boden sein. Ist im Oktober das Wetter hell, bringt es Schnee im Herbste schnell. — Bringt der Oktober viel Frost und Wind, sind Januar und Hornung gelind. Im Oktober- Wässerung ist der Wiesen Besserung. — Oktobernordlicht harten Winter verspricht. — Warmer Oktober bringt kalten Februar. - - Simon und Judä bringen den ersten Schnee - Spä. Rosen im Garten, und der Winter muß warten. Hedwig und Galle sind die Vögel alle. — Oktoberhimmel voller Steine, der hat warme Oefen gerne. Viel Regen im Oktober, viel Winter im Dezember. — Sitzt das Laub noch fest am Ast, wird der Winter schlimmer Gast.
* — Im Hinblick auf die bevorstehenden Rekruten Einstellungen seien die Betheiligten darauf hingewieseu, daß alle Rekruten verpflichtet sind, vor ihrer Einstellung ein etwa gegen sie schwebendes Gerichtsverfahren bec zuständigen Militärbehörde anzuzeigen. Sie werden gegebenen Falles nicht eher eingestellt, bis die Straf sache einschließlich der Strafvollstreckung erledigt ist. Unterlassen sie die rechtzeitige Anzeige, so werden sie bei einer gegen sie erfolgenden Verurtheilung behufs Verbüßung der Strafe wieder entlassen, gleichviel wie lange sie alsdann bereits gedient haben. Im nächsten Jahre werden sie alsdann erneut ausgehoben, ohne daß ihnen die voraufgegangene Dienstzeit angerechnet wird.
* — Obstmarkt zu Frankfurt a. M. Der diesjährige Frankfurter Obstmarkt findet am Donnerstag den 9. Oktober in der Stadthalle, Klostergasse 11, statt. Wie in den Vorjahren läßt die Marktordnung ausschließlich in Deutschland gezogenes Obst u. s. w. zu und zwar: sortirtes Tafekvbst, gestücktes Wir thschaft - obst, gewöhnliches Wirthschafts- und Mostobst, gedörrte und eingekochte Obstfrüchte, Obstweine, Branntweine,