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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 83, Mittwoch, den 15. Oktober 1902. 53. Jahrgang.
iM^§lmM^ auf die „Schlüchlerner Zeitung" werden noch fortwährend von allen s— —-— Postanstalten und Landbriefträgern, pn’ie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Okt. Wie man aus Cadinen meldet, gefällt es dem Kaiser dort diesmal ganz ausnehmend. Morgen nach dem Gottesdienst gedenkt der Monarch nach Schlobitten zu fahren, um dort den Fürsten Dohna zu besuchen. Endgiltige Bestimmungen über die Rückkehr des Kaisers nach Berlin sind noch nicht getroffen.
— Kaiser Wilhelm wird, wie der „Daily Telegraph" meldet, wahrend seines Aufenthaltes in England auch dem Earl of Lonsdale, der zu dem engeren Bekanntenkreise des Monarchen gehört, auf Schloß Lowthercastle einen Besuch abstatten. Als Datum des kaiserlichen Besuchs wird der 18. November angegeben. Auf dem Schlosse, das der Kaiser bereits im Jahre 1895 einmal besucht hat, werden ausgedehnte Vorbereitungen zum Empfang getroffen.
— Der Kaiser hat laut „Reichsanzeiger" bestimmt, daß erstens bis Ende September 1903 Unteroffiziere mit mindestens 6jähriger aktiver Dienstzeit im Heer oder in der Marine, zweitens Dom 1. Oktober 1903 bis Ende September 1905 Unteroffiziere mit mindestens 7jähriger aktiver Dienstzeit in die Königlichen Schutzmannschaften eingestellt werden dürfen.
— Die Einführung eines neuen Griffes hat, wie Berliner Blätter nielden, der Kaiser nach der Vorstellung der beiden Ehrenkompagnien, die er in Rominten besichtigte, angekündet. Der neue Griff soll dem früheren unter dem Namen „Faßt das Gewehr an" bekannten ähnlich sein und eine Ehrenbezeugung darstellen.
— Der deutsche Kolonialkongreß ist nach zweitägiger Verhandlung Samstag Abend in Berlin geschlossen worden. Von den Vorträgen nennen wir die über „Ziele und Wege der Völkerkunde in den deutschen Schutzgebieten", „Wissenschaftliche Institute für Kolonialwirthschaft", „Die staats- und völkerrechtliche Stellung der Kolonien", „Das Klima von Deutsch-Ostafrika" und „Der Gesundheitszustand auf den Südseeinseln".
Der Kongreß zur internationalen Bekämpfung des Mädchenhandels zu Frankfurt a. M. hat seine Verhandlungen, an denen auch das Kaiserpaar warmen Antheil nahm, beendet. Er hat sich im Wesentlichen mit den Beschlüssen der Pariser Konferenz von Regierungsvertretern einverstanden erklärt. Es soll bestraft werden, wer eine minderjährige Frau oder Mädchen zur Befriedigung der Leidenschaften Anderer, zur Unzucht angeworben, verschleppt oder entführt hat, selbst wenn die Betreffende damit einverstanden war, und auch, wenn die einzelnen Handlungen, die den Thatbestand ausmachen, in verschiedenen Ländern begangen worden sind. Ebenso soll Der bestraft werden, der eine volljährige Frau oder ein Mädchen, selbst wenn sie einwilligten, durch Betrug, Gewalt, Drohung, Mißbrauch der Autorität entführt hat. Diese beiden Strafhandlungen sollen ohne Weiteres die Auslieferung bedingen. Die einzelnen Staaten verpflichten sich zu gegenseitiger Mittheilung von Verurtheilungen wegen Mädchenhandels. Jede Regierung verpflichtet sich ferner, eine Behörde zu schaffen oder zu bezeichnen, die alle auf den Mädchenhandel bezüglichen Nachrichten sam- melt und mit den gleichen Behörden der anderen Staaten in unmittelbaren Verkehr tritt. Weiter richten die Regierungen einen Ueberwachungsdienst ein, besonders . auf den Bahnhöfen und in den Einschiffungshäfen, um die Begleiter der für die Unzucht bestimmten Mädchen unterwegs zu ermitteln. Endlich sollen auch lle Stelleuvermittler, welche sich mit der Unterbringung von Mädchen im Auslande befassen, soweit wie möglich überwacht werden.
— Die fremden Delegirten des 2. Kongresses zur internationalen Bekämpfung des Mädchenhandels richteten von der Saalburg aus nachstehendes Telegramm an den Kaiser: „Die fremden Delegirten des Kongresses zur Bekämpfung des Mädchenhandels, heute auf der Saalburg vereinigt, danken Sr. Majestät dem Kaiser für die Gastfreundschaft, mit welcher sie im Schlosse zu Homburg und hier geehrt worden sind und drücken ihre Bewunderung aus über das Werk; welches
Se. Majestät auf der Saalburg geschaffen." Darauf | ging folgendes Antworttelegramm ein: „Schloß Cadinen. Se. Majestät haben von dem Telegramm aus der Saalburg mit Befriedigung Kenntniß genommen.
v. Lucanus."
— Am 4. Oktober fand im Kultusministerium eine Sitzung des Komitees für Krebsforschung statt. Nach dem Arbeitspläne sollen besondere statistische Erhebungen an allen Stellen im Deutsche Reiche stattfinden, wo häufige Fälle von Krebserkrankungen Vorkommen. Eine eigene Zeitschrift für Krebsforschung soll herausgegeben werden.
— Auf deutschen Eisenbahnen — ausschließlich der bayerischen — und im Monat August l 3 Entgleisungen auf freier Bahn (davon 8 bei Personenzügen), 16 Entgleisungen in Stationen (davon 5 bei Personenzügen) und 16 Zusammenstöße in Stationen (davon 9 bei Personenzügen) vorgekommen. Dabei wurden 4 Reisende, 17 Bahnbedienstete und 1 Postbeamter verletzt.
— In Sachen der „F l e i s ch n o t h" hat der Vorstand des deutschen Gastwirtheverbandes im Namen von rund 70 000 Gastwirthen eine Eingabe an Bundesrath und Reichstag gerichtet, in der um schleunige Oeffnung der Grenzen für die Vieheintubr gebeten wird, da der Ruin vieler Gastwirthe zu befürchten sei, wenn die Theuerung nicht bald ein Ende nehme.
— Der staatliche Erwerb von Kohlenfeldern in Preußen soll vorläufig nicht weiter fortgesetzt werden, da die gegenwärtige Finanzlage für eine derartige Operation so ungeeignet wie möglich ist, daß später einmal und bei besonders günstigen Kaufbedingungen der staatliche Besitz von Kohlenfeldern vermehrt werde ist damit nicht ausgeschlossen.
Ausland.
Wien, 13. Okt. Die „Pol. Korr." meldet aus Tettinje: Am 2. d. M. schoß ein Offizier nach kurzem Wortwechsel auf Den Gouverneur von Podgorizza, Popovitsch Mehrere Schüsse aus dem Dienstrevolver verwundeten ihn lebensgefährlich. Er hatte noch die Kraft, auf den Attentäter einen Schuß abzugeben, und wurde dann ohnmächtig. Zwei in der Nähe befindliche Gendarmen, durch die gewechselten Schüsse alarmirt, setzten dem Offizier nach und schössen den Flüchtling nieder, der sofort todt blieb. Er entstammte einer der ersten Familien Montenegros.
Brüssel, 11. Okt. Klärende Worte sprach Dewet gestern Abend in Utrecht über die Berliner Reise. Er sagte: „Wir haben den Empfang beim Kaiser keineswegs abgelehnt, eine Einladung seitens des Berliner Hofes ist uns nicht zugegangen. Ich bin überzeugt, daß der Kaiser von all dem Gerede nichts weiß. Wenn irgend ein Kaiser oder König Wünsche äußern sollte, uns zu sehen, so wäre das für uns eine große Ehrung und würden wir gern einwilligen, uns dazu der Vermittelung des englischen Botschafters zu bedienen." Im Utrechter Rathhaus und Provinzialregierungs- gebäude fanden amtliche Begrüßungen statt. In der Kathedrale bestieg Krüger die Kanzel und richtete eine bewegte Danksagung an das holländische Volk. Gestern wurden^35 000 Gulden gesammelt.
Lens, 12. Okt. Der französische Bergarbeiterstreik dauert fort. In dem Kohlengrubenbezirk von Pas de Calais ist die letzte Nacht ruhig verlaufen; nur ein in einer Grube in Lens aufgestellter Posten wurde durch einen Steinwurf am Kopfe schwer verletzt. Auch in dem Kohlenbecken von Noeux verlief die Nacht ruhig. In den Reihen der Ausständigen macht sich eine gewisse Abspannung bemerkbar.
Charleroi, 12. Okt. Das Nationalkomitee der Grubenarbeiter in den vier belgischen Kohlenbecken, das heute zu einer Berathung zusammengetreten war, beschloß eine Lohnerhöhung von 25 Procent zu verlangen. Der Beschluß ist zu Gunsten der ausständigen französischen Grubenarbeiter gefaßt worden, um die Lieferung belgischer Kohlen nach Frankreich zu verhindern.
London, 10 Okt. Eine New-Porker Drahtmeldung der „Morning Post" besagt, die Grubenbesitzer von Pennsylvanien seien nachgiebiger gestimmt und indirekte Unterhandlunaen mit den Vertretern der Arbeiter seien im Gange, um die Grundlagen für die Beilegung des Ausstandes vorzubereiten.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 14. Oktober 1902.
t Vergangene Woche verschied dahier der im 80. Lebensjahre stehende frühere Domänenpächter Herr Lorenz Zimmermann ehemals Mitglied 'des preußischen Abgeordnetenhauses. Sein Sohn, Herr Amtsgerichtsrath Hermann Zimmermann ist ihm bekanntlich vor einigen Tagen im Tode vorausgegangen.
*— Den 50jährigen Todestag des Turnvaters Iahn begeht der hiesige Turnverein morgen Mittwoch Abend durch eine Gedenkfeier. Die Veranstaltung wird durch einige Vorträge und turnerische Uebungen der Bedeutung des Tages würdig angepaßt werden. Der Besuch ist für Jedermann frei.
*- - Bei der am Samstag in Kassel eröffneten Allgemeinen Geflügel-Ausstellung erhielt auch der Geflügelzüchter Herr L. Hildebrandt von hier einen Ehrenpreis sowie einen Zusatzpreis auf Hühner.
* Mit dem heutigen Tage nimmt der Schul- nntericht wieder seinen Anfang. Jetzt kommt der schlimmste Theil des Schuljahres, denn es heißt nun sich stramm auf die Hosen setzen, um zu Ostern die Versetzung und ein gutes Zeugniß zu erreichen.
Das Wetter ist plötzlich wieder ganz sommer- mäßig geworden. Am vergangenen Freitag stellte sich eine schwüle gewitterartige Temperatur ein, bei der im Laufe des Nachmittags und Abends leichte Nieder- schläge herniedergingen. Auch in den letzten Tagen herrschte, nachdem der Morgennebel verschwunden war und das Wetter sich aufgeklärt hatte, ein sonniges, heiteres Wetter. Das Thermometer, das sich zu Anfang der vorigen Woche um die Vormittagszeit zwischen 5 und 6 Grad Celsius bewegte, hat an dem Schlüsse derselben einen Sprung auf 25 Grad Celsius gemacht. Die Luft ist dabei sehr milde. — Im Interesse unserer Landbevölkerung wäre diesem Wetter ein weiterer Fortbestand zu wünschen.
* Ein arktischer Winter wird uns von Professor Ledochowski-Wien prophezeit. Der bekannte Meteorologe erklärt: „Der kommende Winter wird wahrscheinlich der kälteste und härteste sein, den wir seit 50 Jahren erlebt haben. Alles deutet darauf hin, wir müssen uns auf die niedrigste Temperatur, die eisigsten Winde und den schwersten Schneefall gefaßt machen, die sämmtlich ausnahmsweise lange andauern werden, und zwar in ganz Europa." — Hoffentlich behält der Herr Professor nicht recht.
* — Obstversandt. Zur Zeit wird viel Obst versand und machen wir die Absender darauf aufmerksam, daß frisches Obst als Eilgut zu einfachen Frachtsätzen befördert wird. Man darf bei Versendung von Obst jedoch niemals einen gewöhnlichen Frachtbrief, sondern nur Eilgutfrachtbriefe verwenden, was mir besonders betonen wollen.
* — Zur Außerkurssetzung der Zwanzigpfennig- stücke aus Nickel ist jetzt der letzte Schritt gethan. Während von den silbernen Zwanzigpfennigstücken für nahezu 36 Mill. Mk. ausgeprägt worden waren, sind Nickel-Zwanzigpfennigstücke nur für 5 Millionen hergestellt worden.
* — Briefmarkensammler. Briefmarken der früheren Burenregierungen werden nach einer Blättermeldung von den Burengeneralen Liebhabern zum Kaufe angeboten. Der Ertrag soll der Burenhilfskasse zugute kommen.
*— Die Stettiner Eisenbahndirektion theilt ihren Dienststellen mit, daß demjenigen Reisenden, der unaufgefordert dem Schaffner oder Zugführer meldet, daß er wegen Verspätung keine Fahrkarte habe lösen können, und der daher nur den gewöhnlichen Fahrpreis mit einem Zuschlag von 1 Mark, keinesfalls jedoch mehr als den doppelten Fahrpreis zu zahlen hat, auf Wunsch auch eine Rückfahrkarte zu verabfolgen ist. Hierbei ist wie folgt zu verfahren: Beträgt der Einzelreisefahrpreis 1 Mark und weniger, so ist eine einfache Fahrkarte und eine Rückfahrkarte für die zurückgelegte Strecke auszuhändigen. Beträgt der Einzelreisefahrpreis mehr als 1 Mark, so ist eine Rückfahrkarte für die zurückgelegte Strecke und eine Zuschlagkarte von 1 Mark, auszuhändigen. Dieser Modus gilt selbstverständlich auch in anderen Direktionsbezirken.
* — Behandlung der Beerenobststräucher im Herbst. Der Stachelbeerstrauch muß an erster Stelle im Herbst