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SchlWernerZeitME

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 85, Mittwoch, den 22. Oktober 1902. 53. Jahrgang.

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für die Zukunft erhoffen. Der Feldmarschall dankte den Rednern, betonte das einmüthige und förderliche Zusammenwirken mit dem Gesandten Mumm und die Verdienst: der Flotte und bezeichnete das Expeditions­korps als eine Truppe erster Klasse. Er trank auf die Offiziere und Mannschaften der Expedition, von Mumm trank auf das gute Einvernehmen aller deut­scher Faktoren in China. General Gayl überreichte dem Grafen Waldersee ein Exemplar des soeben fertig gestellten WerkesDeutschland in China" und gedachte der todten Chinakämpfer.

Berlin, 20. Oktober. Zolltarifgesetz. (Getreide­zölle.) Abg. Graf Schwerin-Löwitz erklärt im Reichstag, ein Theil der Conservativen stimme nicht für den An­trag Wangenheim. Die Landwirthe wünschte^ . daß wenigstens der Zoll auf Getreide erhöht werde, aber angesichts der politischen Lage und der Unmöglichkeit, einen höheren Zoll zu verlangen, hielten er und seine politischen Freunde loyal am Compromiß der Commission fest, wenngleich sie vom landwirthschaftlichen Interesse aus den Zoll von 7 73 Mark für nöthig erachteten. Abg. Schwerin-Löwitz appelirt an die Reichsregierung, die Commissionsanträge,die ein Entgegenkommen gegen­über der Regierung bedeuteten, anzunehmen. Der Reichstag habe seine Schuldigkeit gethan, nun möge der Reichkanzler das Seinige thun. Der Württembergische Minister v. Pischek spricht sich gegen die übertriebenen Forderungen des Bundes der Landwirthe aus. Die Regierungsvorlage wahre einestheils die Interessen der Landwithschaft und diejenigen der consumirenden Be­völkerung und sei andererseits angethan, Handelsverträge zu ermöglichen.

Berlin, 16. Okt. Zur festgesetzten Stunde trafen die Burengenerale Botha, Delarey und Dewet am Donnerstag Nachmittag auf dem Bahnhof Zoologischer Garten in Berlin ein, wo ihnen ein ungemein Herz- | licher Empfang seitens des offiziellen Komitees wie der zahlreichen Anwesenden dargebracht wurde, die sich, um die Generale begrüßen zu können, auf dem Bahnhof eingefunden hatten. Und wäre der Perron nicht ge­sperrt worden, dann wäre die Zahl derer, die den tapferen Generalen gleich nach ihrer Ankunft auf dem Bahnhof ihre Huldigung dargebracht hätten, noch bei weitem größer gewesen. Aber es herrschte eine strenge Kontrolle, und wer nicht eine Legitimation des Empfangs- ausschusses vorzeigen konnte, wurde unbarmherzig zu- rückgewiesen. Im Namen des Ausschusses, dessen Mitglieder sämmtlich im Frack erschienen waren, hielt Abg. Lückhoff auf bem Bahnhof eine kurze Ansprache an die Generale, die Pastor a. D. Schowalter in die Burensprache übersetzte. Nach einer herzlichen Er­widerung der Generale schritten die Herren zu den ihrer harrenden Wagen, um die Fahrt zunlPrinz Albrecht"-Hotel in der gleichnamigen Straße anzutreten.

Der Burenabend in der Philharmonie war von etwa 3000 Personen besucht. Landtags« »geordneter Lückhoff brächte das Kaiserhoch aus und hieß die Burengenerale in Deutschland willkommen. Botha dankte für die Sympathie und den begeisterten Empfang. Die Buren thaten alles um das Vaterland zu retten. Da sie dabei alles verloren, so seien sie auf fremde Hülfe angewiesen. Delarey schilderte die Nothlage des Landes eingehend und sprach das Vertrauen aus, daß auch die neue Regierung weiter. helfen werde. Dewet legte dar, die Gaben seien lediglich für die Wittwen, Waisen und Invaliden bestimmt, nicht für die Grundbesitzer, die sich allein weiterhelfen könnten. Redner schloß mit Dank an das deutsche Volk, das alles vermied, was die Generale als britische Unter- thauen in eine verkehrte Lage hätte bringen können. Schließlich wurden von junaen Mädchen den Generalen drei goldene Lorbeerkränze überreicht. Bei der Ein­fahrt der Burengenerale in Berlin erfolgten im Ge­dränge sechs schwere Ohnmachtsanfälle, vier Bein­brüche und mehrere andere Verletzungen. Um weiteren Unglücksfällen vorzubeugen, hat das Polizipräsidium auf Wunsch des Empfangscomitees eine Anzahl be­rittener Schutzleute zur Verfügung gestellt, welche bei Ausfahrten der Burenführer neben den Equipagen reiten und Andräugen des Publikums verhindern.

Die Burengcnerale Botha, Dewet und Delarey legten Nachmittags zwischen 1 und 2 Uhr an den^ Denkmälern Kaiser Wilhelms I. und Bismarcks Kränze nieder und erschienen um 2 Uhr im Reichstage, dessen

M^lrirtftl^ die .Schlüchierner Zeitung" Wwerden noch fortwährend von allen

- ------n-üLu Postanstalten und Landbriefträgern,

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich

Der Kaiser ist Donnerstag wohlbehalten nach dem Neuen Palais bei Potsdam zurückgekehrt. Der Monarch hatte morgens Sabinen verlassen und war um 8 Uhr in Marienburg eingetroffen, wo er das Schloß besuchte und die neue Garnison besichtigte. Um 11 Uhr erfolgte die Ankunft in Danzig. Unter dem Jubel des zahlreichen Publikums fuhr der Kaiser, der Husarenuniform trug, zunächst nach dem General­kommando, dort dem Generalleutnant v. Braunschweig mittheilend, daß er ihm unter Ernennung zum komman­dierenden General die definitive Führung des 17. Armee­korps übertrage. Dann ging die Fahrt nach der Wohnung des verunglückten Generalmajors v. Mackensen. Unterwegs stürzte das rechte Pferd des kaiserlichen Wagens und riß das linke mit sich; der Kutscher konnte jedoch die Pferde sofort aufraffen und weiter­fahren. Von der Wohnung ihres Kommandeurs bis zum Offizierskasino bildeten die Totenkopfreiter Spalier. Vor der Kaserne wurde Se. Majestät von den Offi­zieren und mit Fanfarenklängen begrüßt. Im Komman- deurzimmer des Kasinos empfing der Kaiser den neu­ernannten Oberpräsidenten von Westpreußen, Delbrück, hierauf fand Frühstück statt, bei dem der Monarch einen Trinkspruch auf ihn mit dreifachem Hurra auf die Leibhusarenbrigade erwiderte Um 1 Uhr reiste Se. Majestät ab. Kaiser Wilhelm hat, wie es heißt, den dänischen Kronprinzen zur Jagd nach Berlin ein­geladen. Die kaiserlichen Prinzen August Wilhelm und Oskar trafen in Düsseldorf ein.

In Gegenwart der Kaiserin fand am Samstag in Berlin die Einweihung des neuen Lettehauses statt.

Die Kaiserin legte am Samstag Vormittag

9 Uhr einen Lorbeerkranz am Sarkophag Kaiser- Friedrichs nieder, desgleichen der Kaiser um 9^ Uhr. Auch verschiedene Deputationen von Regimentern legten Blumenspenden nieder.

Fehrbellin, 18. Okt. Heute Mittag fand auf dem Kanonenberg bei Fehrbellin bei günstigem Wetter die Enthüllung des Denkmals des Großen Kurfürsten von Friedrich Schaper im Beisein des Kaisers statt. Gegen 1 Uhr reiste der Kaiser unter begeisterten Ovationen der Bevölkerung wieder nach dein Neuen Palais ab.

Der Reichstag beschäftigte sich in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause mit Berichten der Petitionskommission.

Nach der Meldung eines Parlamentsbericht­erstatters, die von den Berliner Abendblättern überein­stimmend wiedergegeben wird, soll infolge der ge­planten Verstaatlichung verschiedener Privatbahnen der preußische Landtag bereits in allernächster Zeit einberufen werden. Einige dieser Bahnen müssen nach den bestehenden Verträgen vom Staate schon am 1. Januar 1903 in Betrieb genommen werden, was eine vorherige Beschlußfassung des Landtages in dieser Angelegenheit erfordert.

Festmahl der Chinakämpfer. Am 17. Oktober ver­einigten sich etwa 250 Offiziere der China-Expedition im Saale desKaiserhofs" in Berlin zu einem Fest- mahl. In der Mitte der Ehrentafel saß Graf Walder- see zwischen dem Gesandten Mumm und dem Admiral Bendemann. Waldersee brächte den Kaisertoast aus; er hob hervor, den Erschienenen werde heute in Er­innerung sein, was Jeder in dem Jahre gemeinsamer Arbeit Herrliches gesehen und erlebt. Der Dank hier­für gebührt dem Kaiser, nach dessen Entschluß zunächst die Flotte und dann ein Armeekorps,hinausgegangen seien. Bendemann toastete auf den Graken Waldersee und dankte Waldersee für sein Erscheinen trotz des ihn in der letzten Zeit betroffenen schmerzlichen Verlustes. Das Quartier Waldersees im Winterpalast zu Peking sei stets eine Stätte edelster Gastlichkeit und aufrichtiger Kameradschaft gewesen. Generalmajor von Trotha feierte Waldersee und hebt die Begeisterung hervor, die die Chinakämpfer erfüllt habe auf die Kunde, daß der Feldmarschall an ihre Spitze gestellt sei. Alle j würden mit gleicher Freude und Begeisterung einem i neuen Rufe folgen. Der l7. Oktober möge ein Merk- j mal sein für das, was wir in kriegerischer Hinsicht'

sämmtliche Räume sie unter Führung verschiedener Abgeordneter in Augenschein nahmen. Besonders ließ Fürst Herbert Bismarck es sich angelegen sein, den Führer der Buren zu machen; u. a. geleitete er sie an die im Vorzimmer des Bundesrathsaales aufgestellte Büste seines Vaters. Er erklärte den Generalen ver­schiedene Einzelheiten an der Büste und vertiefte sich darauf mit ihnen in ein längeres Gespräch, das auch auf die kriegerischen Ereignisse in Südafrika Bezug nahm. In die Wandelhalle zurückgekehrt, ließ sich Fürst Herbert Bismarck dort inmitten der drei Generale photographiren; dann begaben sich die drei auf die Abgeordnetentribüne im Sitzungssaal und verweilten daselbst kurze Zeit, während der sozialdemokratische Abgeordnete Antrick bei der dritten Stunde seiner Dauerrede angelangt war. Das Erscheinen der drei Generale rief im Sitznngssaale förmliche Sensation hervor. Im Nu war der während der Rede Antricks völlig verödete Saal dicht gefüllt. Die Augen der Abgeordneten sowohl ivie des massenhaft anwesenden Publikums waren unausgesetzt auf die drei Buren­helden gerichtet, während Graf Posadowsky, um nicht etwa unbewußt amtlich von ihnen Notiz zu nehmen, sein Gesicht hinter einer großen Zeitung versteckte, ganz im Gegensatz zu den württembergischen Ministern v. Pieschek und Zeyer, welche sich vorher den drei Generalen hatten vorstellen lassen. Präsident Graf Ballestrem, der den Generalen in der Wandelhalle begegnete, hat ihre nähere Bekanntschaft nicht gemacht. Zu irgend welcher Kundgebung während des Aufent­halts der Buren im Reichstagshause ist es nicht ge­kommen.

Die Burengenerale haben Deutschland wieder verlassen und haben sich nach England begeben. Von dem Resultat ihrer dortigen Verhandlungen wird es vermuthlich abhängen, ob sie noch einmal nach Deutsch­land zurückkehren werden. Die überwältigenden Kund­gebungen, welche in Berlin gelegentlich des Empfanges und der Anwesenheit der Buren stattgefunden haben, waren der Ausdruck der Stimmung nicht nur der Berliner Bevölkerung sondern des gesammten deutschen Volkes.

Vom 22. bis 26. d. Mts. findet im Abgeord­netenhause die Internationale Tuberkulosekonferenz statt. Mit ihr ist eine Ausstellung verbunden.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Im Verlauf der gestrigen Ver­handlung über die Ausgleichsfrage im Ungarischen Abgeordnetenhause erklärte der Ministerpräsident v. Szell auf die Anfrage des Abgeordneten Pichler (Kossuthpartei), ob eine Verlängerung des Handels­vertrages mit Deutschland eintreten könne, bevor der gemeinsame autonome Zolltarif fertiggestellt sei, folgen­des: Nachdem in den Handelsverträgen die Verlängerung regelmäßig durch Nichtausübung des Kündigungsrecht stivuliert imb vorgesehen sei, könne die Verlängerung nicht als neuer Vertragsabschluß betrachtet werden; somit könne gesetzmäßig eine Verlängerung der Handels­verträge stattfinden, selbst wenn der autonome Zolltarif nicht ins Leben treten sollte.

Frankreich. Die Pariser Blätter beschäftigen sich mit einem angeblichen großen Skandal im französischen Marine-Ministerium. Der Kabinetschef des Marine- Ministeriums soll einen Schweizer Namens Picket im Marinebureau angestellt haben, wo er an den Plänen für die Herstellung neuer Unterseeboote mitarbeitete. Dieser Rietet wird beschuldigt, die Pläne an Deutsch­land verrathen zu haben. Der Marineminister wird sich in der Kammer deswegen zu verantwvrteu haben.

Wilkesbarre, 16. Okt. Das Ende des Kohlen- arbeiterausstandes kann erst erkärt werden, wenn eine Versammlung der Grubenarbeiter ihre Genehmigung ertheilt hat. Die ausführenden Ausschüsse der einzelnen Distrikte sind heute zur Berathung zusammen getreten und beschlossen, die Versammlung für Montag hicr- selbst einzuberufen.

In der am Freitag stattgefundenen Berathung beschlossen die ausführenden Ausschüsse der Gruben­arbeiter der verschiedenen Distrikte einstimmig, der auf Montag einzuberufenden Konvention der Grubenar­beiter zu empfehlen, zur Arbeit zurückzukehren und die schwebenden Fragen der Kommission zur Ent­scheidung zu überlassen.