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M 86 Samstag, den 25. Oktober 1902. 53. Jahrgang.
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abend kam es in ben Straßen zu großen Ansammlungen. In der Nacht wurden alle Wände des polnischen Vereinshauses mit Tinte bespritzt. Sämmtliche Glasscheiben wurden durch Steine zertrümmert. Mehrere Arbeiter die in den Vorderzimmern schliefen, wurden leicht verletzt. Gestern früh hatten sich auf dem Wege vom Bahnhöfe bis zum Vereinshause viele Tausende von Deutschen angesammelt, welche die ankommenden polnischen Delegirten nicht in die Stadt lassen wollten. Mehrere hundert Arbeiter aus Galizien mußten um- kehren. Auch zu Prügeleien kam es, bei denen einige Verhaftungen vorgenommen wurden. Als der Landtagsabgeordnete Stojanowski das Vereinshaus verlassen wollt», wurde nach ihm mit Eiern und Steinen geworfen. Auch nach dem Reichstagsabgeordneten Bomba wurde mit Steinen geworfen. Auf die Ermahnungen einiger älterer Bürger beruhigte fi I> schließlich die Menge. Stojanowski konnte unbehelligt zur Kirche gehen. Die Rückreise der meisten fremden Delegirten konnte erst erfolgen, nachdem sie auf Umwegen zum Bahnhöfe gelangt waren. Weitere Ausschreitungen kamen nicht vor.
Rom, 22. Okt. Von hier wird gemeldet, daß der Papst an den Kaiser von Oesterreich und an den Prinzregenten von Bayern Schreiben sandte, in denen er um Gastfreundschaft für die französischen Congregatio- nisten bittet
Paris, 23. Okt. Das Nationalkomitee der Bergarbeiter in Charleroi hat beschlossen, behufs Herbeiführung einer internationalen Bergarbeiterbewegung Abordnungen nach Deutschland und England zu senden.
Loudou, 19. Okt. Amtlich wird gemeldet: Die Kolonne Swaynes hatte zwei Zusammenstöße mit den Streitkrästen des Mullah bei Erego in der Nähe von Mudug am 6. d. M. Nach lebhaftem Kampf würbe der Mullah mit großen Verlusten zurückgeschlagen. Die Engländer verloren 2 Offiziere und 50 Mann an Todten. Zwei Offiziere und 100 Mann wurden verwundet. Da die Eingeborenentruppen sehr erregt waren, zog sich Swayne nach Bothotle zurück, um Verstärkungen zu erwarten. Der Mullah rührt von allen Seilen Verstärkungen herzn.
London, 22. Okt. Ans Briesen, die aus Somaliland hier eingetroffen sind, geht hervor, daß swayne schon vor dem Abgang der letzten Depeschen eine ganze Reihe unglücklicher Gefechte zu bestehen hatte, daß ferner fast alle Kameele getödtet, die Vorräthe aufgebraucht waren und Mangel an Munition und Wasser bestand. Auch wird in den Briefen gemeldet, baß der Mullah am 12. September zwei Marimge- schütze nahm. Reuter meldet aus Simla, außer den ersten Bombaygrenadieren aus Aben sind auch die 2. Grenadiere aus Indien nach Somaliland beordert, möglicherweise folgen noch weitere Truppen.
London, 21. Okt. „Daily Mail" meldet aus Konstantinopel nach dort aus Arabien eingelaufenen Nachrichten: Arabische Seeräuber-Dhaus griffen auf der Höhe von Massauah ein italienisches Kauffarthei- schiff'an. Zwei iralienische Kanonenboote gingen darauf gegen die Piraten vor und verfolgten sie nach Midi an der arabischen Küste. Die beiden Kriegsschiffe bombardirten diese Stadt, da die Seeräuber dort Zuflucht gesunden hatten. Das italienische Kauffarthei- schiff setzte seine Fahrt nach dem Hodeida an der arbischen Küste fort und forderte die türkischen Behörden auf, die Piracenschiffe einzufangen. Die Behörden waren jedoch nicht im Stande, dies zu bewirken.
Aus der Pforte vt man über das energische Eingreifen Italiens bestürzt. — Der „Standard" meldet aus Peking, 4 britische Kanonenboote haben Befehl erhalten, nach Henkan abzugehen. Die Maßregel steht int Zusammenhang mit der Ermordung der britischen Missionare in der Provinz Hunan.
— 200 nothleidende, aus Südafrika zurückgekehrte Reservisten hielten am Sonntag in London eine Ver sammlung ab. Die Redner schilderten in drastischer Weise, wie sie von dem Kriegsamt, der Presse und dem Publikum bei ihrer Heimkehr im Stich gelassen, wie ihr Heim zerstört, Hunger und Krankheit in ihre Familien eingezogen feien, wie aber auch namentlich gewisse Arbeitgeber sich ihre Nothlage durch lächerliche Lohnangebote zu Rügen zu machen versuchten. Den ausgestellten Sammelkästen flossen nicht allzu reiche Gaben zu; am willigsten gaben die Frauen.
&d>ftl4l litt AM»auf bie Schlüchkei ner Zeitung" ^l^vUUIltylllmerben noch fortwährend von allen -._----~".! " .- Postanftalten und Landbriesträgern, scwie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser wird an Bord seiner Pacht „Hohenzollern" am 6. November zum Besuche König Eduards in England eintreffen und 9 Tage dort verweilen.
Der Kaiser beabsichtigt in Kiel zur Vereidigung der Marinerekruten im November einzutreffen Gleichzeitig wird der Monarch die neuen Trockendocks der Kaiserwerft besichtigen und beim Eindocken des ersten Schiffes zugegen sein..
— Aus Anlaß des Geburtstages der Kaiserin er- schienenMittwoch Mittag die KommandeurederPotsdamer Regimenter zur Gratulation im Neuen Palais, während die Musik des 1. Garderegiments der hohen Frau, die Morgens die Glückwünsche ihrer Familie entgegengenommen, ein Ständchen brächte. Abends fand eine Theatervorstellung statt, wobei „Michel Perrin" und „Eine Parthie Piquet" aufgeführt wurden.
— Am Schlüsse der am Dienstag stattgesundmen Sitzung stimmte der Reichstag zunächst über den Roggen- zoll ab und lehnte die Anträge Wangenheim und Heim ab und nahm den Commissionsantrag, betreffend einen Mindestzöll von ö'/, Mark mit 187 gegen 132 bei 5 Stimmenthaltungen an.
— Die Kommission des Reichstages zur Vorbe- rathung des Gesetzentwurfes betreffend den Schutz der Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben beginnt Dienstag ihre Arbeiten.
— Dem Bundesrath ist der Entwurf einer Verordnung über den Kleinhandel mit Garn zugegangen. Dieser Entwurf hat lediglich eine unwesentliche Ergänzung der unter dem 20. November 1900 ergangenen und am 1. Januar 1903 in Kraft tretenden Bekanntmachung, welche für ‘ den Einzelverkauf von Garnen die Jnnehaltuag bestimmter Gewichtseinheiten und die Angabe der Gewichtsmenge vorschreibt zum Gegenstand. Es sollen nämlich von diesen Vorschriften ausgenommen werden neben den baumwollenen Nähgarnen, die aus Holzrollen gemacht sind, auch baumwollene Nähgarne, die auf Papierhülsen aufgemacht. sind, die einschlägige Neberschrift würde hiernach lauten: Die Vorschriften dieser Verordnung finden keine Anwendung a) auf Garne, die zum Zwecke der Fertigstellung von halbfertigen Waaren in Verbindung mit diesen feilgehalten werden : b) auf baumwollene Nähgarne, die auf Holzwolle oder auf Papierhülsen aufgemacht sind; es auf Garne, die dem Käufer angemessen oder zugewogen werden.
— Post- und Telegraphie. Dem Reichstag ist eine Statistik der deutschen Reichspost zugegangen. Danach betrug die Gesammtzahl der Postanstalten 32,299, die der Fernfprechanstalten 15,200, die der Beamten und Ilnterbeamten über 200,000, die der Postsendungen aller Art 5321 Mill., der Gesammlbetrag der Werthangaben und des vermittelten Geldverkehrs fast 26 Milliarden. Die Gesammteinnahmen der Ver- ualtung beliefen sich auf 413 Millionen, die Gesammt- ausgaben auf 393 Millionen, so daß der Ueberschuß 2o Millionen Mark betrug. Jni Jahre vorher harte er noch nicht 12 Millionen Mark betragen. An Zeitungen hat die Post 4'/, Millionen Exemplare und 1138 Millionen Nummern befördert.
— Die Reichspostverwaltung hat eine Verfügung erlassen, wonach die Meldung von Krankheitsfällen die • entsprechend dem Reichsseuchengesetz vom 30. Juni 190 ' anzeigepflichtig sind (Lepra, Cholera, Flecktyphus, Gelbfieber, Pest, Pocken,) portofrei geschehen kann. Die Polizeibehörden haben den Meldepflichtigen auf Verlangen Meldekarten für schriftliche Anzeigen unentgeltlich zu verabfolgen Für die Meldung von Pestsällen ist ein Formular festgestellt. worden: beabsichtigt ist die Herstellung einer, einheitlichen, bei sämmtlichen gemeingefährlichen Krankheiten verwendbaren Postmeldekarte.
Ausland.
Wien, 20. Oft. Die Blätter melden aus Bielitz: Anläßlich der Einweihung und Eröffnung eines polnischen Arbeiterheint.es befand sich die deutsche Bevölkerung der Stobt. in großer Erregung. Schon am Sonn
Orient. Am Sonntag wurde in Anwesenheit des Prinzen und der Prinzeftln von Rumänien, der Minister, der fremden Gesandten und Militärattaches und der Mitglieder der Donau-Kommission der Donau-Kanal zwischen Tultsch und Sulina, durch den die Strecke um 22 Kilometer verkürzt wird, eröffnet.
Der Kaiser von China hat im Sommerpalast Empfang abgehalten. Alle Mitglieder des diplomatischen Corps und die Kommandeure der Schutzwachen der Gesandtschaften waren anwesend mit Ausnahme des englischen Gesandten Satow. Dieser hat jeden gesellschaftlichen Verkehr mit dem chinesischen Hof abgelehnt wegen der Rechtsbeugung in der Angelegenheit der Ermordung der Missionare Bruce und Lewis in der Provinz Hunan, wo die für die Ermordung der Missionare verantwortlichen Beamten freigelassen wurden, während man einige einfältige Levte enthauptete.
Lokales und Provinsieltes.
* Schlächtern, 24. Oktober 1902.
— * Heute Morgen passirte Seine Kgl. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen auf der Durchreise von Darmstadt nach Brandenburg die hiesige Station.
—* Eine geordnete Buchführung kann allen Ge- Werbetreibenöen und Handwerkern nicht genug empfohlen werden. Bn der heutigen Geschäftslage im Gewerbe sind die Verhältnisse durch die große Konkurrenz unv den maschinellen Betrieb fdfarf zugeschnitten. Die gesteigerten Anforderungen an den Handwerkerstand, die enge Verbindung zwischen Handel unb, Gewerbe, welche auch den Handwerker gewissermaßen zum Kaufmann macht und endlich die Noth- Wendigkeit, den Kunden Kredit gewähren zu müssen, machen es auch dem einfacheren Geschäftsmann zur Pflicht, eine zuverlässige Buchführung anzulegen. Nur bei einer solchen ist er in der Lage, feinen Vermögensstand, Gewinn und Verlust, am Jahresschluß sicher zu übersehen und auf Grund einer richtig ausgestellten Bilanz bei etwaiger Steuerreklamarion auf Erfolg rechnen zu können.
—* Ernannt wurde der Forstaufseher Achen bach zu Fulda zum Förster auf die Försterstelle Rohrbacherhof zu Marjoß u der Oberförsterei Marjoß.
—* Der Hauptgewinn der preußischen Klassen- lotterie, 500 OüO Mark, fiel auf Nr. 201 693.
—* 20 131 Handwerksbetriebe gibt es nach einer von der Handwerkskammer aufgestellten Statistik im Reg.-Bez. Cassel (mit Ausnahme des Kreises Schmal- kalden). Davon haben in den Städten 8103, aus dem Lande 12 028 ihren Sitz.
Langenselbold, 21. Okt. Schon seit Anfang September herrschen hier Masern, Scharlach und vereinzelt auch Diphteritis. Namentlich, die ersteren nehmen täglich an Ausdehnung zu und haben schon in Verbindung mit Lungen- oder Hirnentzündung einige Opfer gefordert, unter anderen in einer Woche die beiden Töchterchen des Metzgers S.
Wenings, 17. Okt. Zwei Granaten von der Beschießung des Galgenbergs herrührend wurden von hiesigen Leuten gefunden. Die Militärbehörde sandte auf Anzeige einen Oberfeuerwerker von Darmstadl hierher, welcher die Geschosse auf dem Felde sprengte.
Gaffel, 22. Okt. Im Stecher'schen Steinbruch bei Wolfsanger Würbe eine große Anzahl Knochen vorsündfluthlicher Thiere — sogar Zähne im Gewicht je von 4 und 5 Pfund Schwere — aufgefunden. Der hochinteressante Fund soll theils dem hiesigen, theils dem Berliner Naturalien-Museum überwiesen werden.
Lüdenscheid, 23. »jh. Gestern Abend schleuderte hier ein Arbe ter seinem 21 jährigen Sohne eine brennende Petroleumlampe ins Gesicht. Der Sohn starb unter entsetzlichen Schmerzen. Die herbeieilende Mutter, der Bruder und der wüthende Vater wurden von den Flammen ergriffen uno schwer verwundet in das Hos- piral gebracht.
Wiesbadeu, 21. Okt. Der 46 Zähre alte Wilh. Wendland dahier besam am Samstag Abend, als er die Lampe anzündete, einen Anfall von Epilepsie. Da er mit der Lampe zu Boden fiel, erplodirte diese und Wendlands Körper wurde völlig verbrannt, so daß sein Tod nach kurzer Zeit erfolgte.