Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeige» kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.
M ot Mittwoch, den 29. Oktober 1902. 53. Jahrgang.
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RO^^NAFS^r^H die Lchlüchrcrucr Zeitung" M^^^NL4tz^HItwcrdcn noch fortwährend von allen -- — -—— Postanstalten und Landbriesträgern, favie von der Expedition entgegen genommen.
Arntliches.
Donnerstag, den 30. d. Mts., Nachmitags 2 Uhr, iverden vor- der Wirthschaft des Herrn Conrad Freund in Schlächtern Die in der Schweiz an tiefernsten Simmenthaler Boll- blntMinder öffentlich versteigert, wozu die Besteller iniD Liebhaber eingeladen werden.
Schlächtern, den 27. Oktober 1902.
Der Vorstand der ZuchtgenosselWaft-: Pfalzgraf.
Deutsches Reich.
Der Kaiser trifft nach neuer Bestimmung am Montag, 1. Dezember in Groß-Strehlitz ein, am Tage daraus nimmt er an den Jagden im Revier des Grafen von Tsihirschky-Renard theil und am 3. -Dezember wird er von dort Weiterreisen.
— Kaiser Wihelm tvird bei seinem Besuche in England in einem Hafen an der Küste von Heut (an= den. Der Kaiser werde wahrscheinlich nicht aus Sandringham, wie zuerst geplant, sondern aus Windsor der Gast König Eduards sein. Einer der Gründe für diese Aenderung ist die zarte Gesundheit der Prinzessin von Wales. Alan erwarte, das? der König von Portugal zugleich mit dem Kaiser bei König Eduard zu Besuch sein werde. Kaiser Wilhelm, der wahrscheinlich London nicht besuchen werde, habe den Prinzen von Wales zu den kaiserlichen Hofjagden in der Letzlinger Haide eingeladen.
— Prinz Eitel Friedrich ist am Sonntag Abend 11V« Uhr in Bonn eingetroffen. Zur Begrüßung am Bahnhöfe hätte sich der Kronprinz, der bereits um 10 Uhr aus Blanken berg eingetroffen war, sowie die Eomilitonen des Corps Borussia eingefunden. Eine nach Tausende zählende Menschenmenge brächte dem Prinzen Eitel Friedrich begeisterte Hurrahs dar.
, — König Georg von Sachsen wird Anfangs 9to= WOer den Kaiser Franz Joses in Wien besuchen, zum erstenmal seit seiner Thronbesteigung.
— Der Kronprinz von Dänemark, der seit 1-SS8 Chef des 14. Husaren-Regiments ist, wird aus Aulaß seines Besuches am Berliner Hof auch seinem Regi- mente in Cassel einen Besuch abstatteu.
— Der Reichstag hab Samstag die Berathung der Vieh- und Fleischzölle begonnen. Die fünfeinhalb- stündige Debatte bestand in der Hauptsache aus einem großen Rededuell zwischen dem Abgeordneten Brbel einerseits, welcher eine dreieinviertelstündige Rede hielt, zwischen dem Landwirthschaftsminister v, Podbielski und dem freikonservativen Abg. Gamp andererseits. Das Haus war während der ganzen Sitzung beschluß- unsähig, es waren zu keiner Zeit 100 Abgeordnete im Sitzungssaal. Die Debatte wurde auf Montag Mittag 1 Uhr vertagt.
Der Reichstag setzte die Berathung des Zoll- tarifgesei es Freitag bei den Mindestsätzen für Pferde fort. Abg. Graf Kanitz (k.) betont die Nothwendigkeit, daß Deutschland sich in seinem Pferdebestand nach 'Möglichkeit vom Auslande unabhängig mache. Abg. Haase (Soz.) bekämpft de» Pferdezoll, da der kleine Alan» das billige ausländische Pferd brauche. Abg. Steinhauer (fr. Bgg.) meint, eine Aenderung der Kör- orduun,, int Interesse der kleinen Bauer» wäre nützlicher als eine Zollerhöhung. Landwirthschaftsminister von Podbielski betont, daß gerade die kleinen Besitzer von der Pferdezucht Vortheil haben. Abg. v. Treuen- fels (k.) bemerkt, die inländische Pferdezucht werde geschädigt durch die Beschälung durch ausländische Pferde Abg. Stadthagen (Soz.) bestreiket die Nothwendigkeit des hohen Pferdezolls. Der Redner wird wiederholt durch Zurufe von der rechten Seite unterbrochen. Nach einer Reihe persönlicher Bemerkungen und nach Ab- lUmung des Antrags von Wagenheim wurden die Kom- vlissionsbeschlüffe mit 132 gegen 106 Stimmen angenommen. Alsdann wurden auch die Sätze des allgemeinen
Tarifs in einfacher Abstimmung angenommen Die Mindestzölle für Pferde sollen also betragen bei einem Werthe des Pferdes bis ö00 Mark 24 Mark, bis 1000 Mark 72 Mark, bis 2.500 Mark 144 und für mehr als 2500 Mark 288 Mark. Der Reichstag kommt schneller vorwärts als man gedacht, obwohl noch immer wenig Anssicht vorhanden, daß die Vorlage Gesetz wird. Die Getreidezölle und der Pferdezoll sind bereits erledigt und Sonnabend begann die Berathung der Viehzölle. Hauptredner war Abg. Bebel sSoz.), der über 3 Stunden sprach. Seine Partei, sagte er, werde nicht Obstruktion treiben, aber alle geschäftsordnungsmäßigen Mittel anwenden, um gegen die Vorlage einen Kampf bis aufs
Messer zu führen. Gestützt auf ein sehr reiches Zahlen- 'dem Quai aus Frachtwag»» und Fässern Barikadeu Material suchte er nachzuweise», daß die Lage der deutsche» s her, steckten Strohladungen in Brand und plünderten Viehzüchter eher eine Herabsetzung, ja Abschaffung, als'' eine Erhöhung der Zölle rechtfertige. Die Fleischnoth sei nicht aus gesundheitspolizeilichen Gründen erlassen
worden, sondern um die Einfuhr zu erschweren. La»d- Wirthschastsminister von Podbielski wies diesen Vorwurf zurück und ermannte die vaterlandsliebenden Abgeordneten, sich zusammen zu schließen, um die Agitation der Unzusriedene» zurückzuweisen. Abg. Gamp (Rp.) erklärte, die Behauptung Bebels über das Fleischschaugesetz fei eine frivole Verdächtigung und wurde dafür zur Ordnung gerufen.
— Im November 1899 wurde bekanntlich das Samoa-Abkommen getroffen, wonach die Insel Upolu und Savai an Deutschland fielen. Zugleich würbe zwischen Deutschland, England, Nordamerika vereinbart, daß die Frage der Entschädigung der bei den vorhergehend.». Wirren, besonders der Beschießung durch englische und amerikanische Schiffe Betroffenen einem Schiedsgericht vorgelegt werden sollte. Diese Entscheidung wurde dem König von Schwede» überlassen. König Oskar hat nun festgestellt, das? England und Amerika für den durch die Beschießung entstandenen Schaden anfzukommen haben.
Wegen Mangels an Lehrern haben, wie die
Regierung zu Potsdam in der letzten Nummer des Zeitverhältnisse temerfbar, und man sieht beut Winter
amtliche» Schulblattes für bett Regierungsbezirk Pots- mit einiger Sorge entgegen, da zu der immer wachsenden baut mittheilt, am 1. Oktober ds. Js. 70 LMerstelleu Arbeitslosigkeit eine starke Steigerung der Lebensulittel- im Regierungsbezirk nicht besetzt werden können. l und Feuernnaspreise hinzugetreten ist. D “ " '
— Die inrernationale Konferenz
Telegraphie wird Anfangs April nächsten Jahres in ist außerdem der Brotpreis erhöht worden. Dazu Berlin zusammentreten. Die meisten Staaten haben sind die Preise für Fleisch so gestiegen, daß im Osten ihre Theilnahme zugesagt, bis auf England, das aber i Londons viele Schlächter ihre Lüde» schließe» müßte», wahrscheinlich ebenfalls theiluehme» dürfte. \ weil die Arbeiterbevölkerung dieser Gegend die Fleisch-
— Die Verlegung des Gmeralkommcmdos des preise nicht mehr bereiten kann. Bei dieser Theuerung bayerischen 2. Armeekorps von Würzburg nach Landau ‘ macht das Handelsamt bekannt, daß die Zahl der ist nach Mittheilungen, die der Bürgermeister erstge- j -------™
nannter Stadt ini Magistrate machte, des Kostenpunktes wegen für die nächsten Jahre noch nicht zu erwarten.
Die Summe, die den Burengeneralen anläßlich
ihrer Anwesenheit in Berlin bisher zur Verfügung gestellt werden konnte beträgt außer den 250 000 Mk. die ihnen sofort bei ihrer Ankunft übergeben wurden, etwa 72 000 Mk., von denen 15 000 an die Generale direkt gelangten, während 30 OOÖ bereits bei der K»r- uitb neumärkischen ritterschaftliche» Darlehnskasse eingezahlt wurden. Die Versaminlung in der Philharmonie brächte etwa 14 000 Mk., von denen nur etwa 1000 Mark au Unkosten abgehen. Außerdem sind beträchtliche Summen bei einzelnen Zeitungen eingegangen, deren Ablieferung noch aussteht.
Berlin, 25. Okt. Dem Tuberkulosekongreß ging ein Telegramm des Kaisers zu, für den Gruß dankend und seine Freude aussprechend, daß es gelungen sei, durch die Gründung eines internationalen Central- bureaus einen festen Stützpunkt zum gemeinsamen Vorgehen aller Kulturländer gegen die Volkssenche nnd zugleich ein neues Bindeglied der zivilisirten Völker mit den auf die Wohlfahrt der Menschheit gerichtete» Bestrebungen 31t schaffen. Anschließend an die Verlesung des Kaisertelegramnies wurden Telegramme der Kaiserin, des Präsidenten Lonbet, der Könige von Schweden, von England, von Belgien, von Dänemark und dem Bundespräsidenten der Schweiz verlesen. In die wissenschaftliche Tagesordnung eintretend, sprach Andvorde-Christiania zur Frage der Tuberkulose im Kindesalter.
— Aus N e w - P o r k wirb dem „B. T." gemeldet: Komuiaudenr Beehler, der frühere Mlitarattachee in Berlin, überbrachte dem Präsidenten Roosevelt die
Grüße des Prinzen Heinrich. Er theilte auf Befragen des Präsidenten seine Ansichten über die europäische Marine mit; er stellte dabei die deutsche Marine besonders wegen ihres ausgezeichneten Personals ant höchsten und sagte, bic deutsche Flotte sei an thatsächlich kampffähigen Schiffen fast dreimal so stark wie die amerikanische.
Cöln, 24. Okt. Der „Cöln. Volksztg." zufolge, ist die Wahl des neuen Erzbischofs am G. November.
Ausland.
Paris, 23. Okt. Dem „Temps" wird aus Dü»-
firmen gemeldet, ausständige Hafenarbeiter stellten aus
ferner das Haus der Handelsfirma Wimille und zün-
beten dasselbe an, doch wurde das Feuer rasch gelöscht. Da Dünkirchen Festung ist, wurde vom Platzkvmman-
bauten der Belagerungszustand proklamier " Der Bürgermeister übergab alle Befugnisse dem Platzkom- mandanten, der dem Vernehmen nach 4 Regimenter zur Aufrechterhaltung der Ordnnng verlangen will. Alle Häuser sind versperrt, die Kaufläden verrammelt.
Paris, 26. Okt. Heute wurde in Nantes das Denknial des im Transvaalkriege gefallenen französischen Oberst de Villebvis-Marenil enthüllt.
London, 25. Okt. König Eduard empfing gestern in der Zeit von 11 bis halb 3 Uhr nicht weniger als 500 Personen. -- Die Stadt, die zum heutigen Um« zuge des Königspaares reich geschmückt ist, bietet ein festliches Bild. Viele tausend Schaulustige sind einge- troffen.
London, 27. Okt. Nach eurer amtlichen Mit- th.eilung wird Kolonialminister Chamberlain im letzten Theil des November Südafrika besuchen, um sich über die durch Beendigung des Krieges und Regelung bn1 Verhältnisse in den neuen Kolonien gestellten Anf- : gaben ein klares Bild zu verschaffen.
Auch in England »rächen sich jetzt die ungünstigen
; und Feuerungspreise hinzugetreten ist. Die Kohlen für drahtlose' sind bedeutend theurer, als im Vorjahre; in London
Beschäftigungslosen in stetem Wachsen geblieben ist,
sodaß der Arbeitsmarkt von heute der schlechteste sei seit zehn Jahren. Zu der großen Zahl der Beschäftigungslosen und den erhöhten Preis«, für Lebe»s-
bedürfnisse kvinmt noch ein dauerndes Sinken der Arbeitslöhne. Alles in allein ein trübes.Bild.
Lokales and Provinzielles.
* Schlüchtern, 28. Oktober 1902.
*— Der Andrang zur Aufnahme in die hiesige Präparandenanstalt ist in biefem Jahre als ein großer zu bezeichnen. Zirka 50 Schüler hatten sich zur Aufnahmeprüfung angemelchet, von denen 37 ausgenommen werden konnten.
* — Die Zwanzigpfennigstücke aus Nickel. Der „Reichsanz." veröffentlicht eine N kanntmachung des Reichskanzlers vorn 16. Oktober, welche besagt: „Der Bundesrath bestimmte, das? die Zwanzigpfennigstücke aus Nickel vom 1. Janur 1903 nicht mehr als gesetzliches Zahlungsuiittel gelten, außer mit den mit der Einlösung beauftragten .Kassen, und daß alsdann Niemand verpflichtet iä, sie in Zahlung zu nehmen. Sie werden bis 31. Dezeinber 19' 3 bei den Reichsund Landeskassen in Zahlung wie zur Umwechselnng angenommen.
Fulda. Vorige Woche staub der Installateur Jakob Meckel von hier unter der Anklage falscher Anschrildi- gung vor der hiesigen Strastammer. Aus dem Zuchthaus Ziegenhain wurde Meckel von einem Gendarinen hierher gebracht. Es wurden 6 Zeugen und 2 Schriftsachverständige vernommen. Erst nach l 1 llhr Abends wurde das Urtheil verkündet: es lautete auf 9 Monate Gefängniß. Der Staatsanwalt hatte 2 Jahre Gefängniß beantragt.