Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 91. Mittwoch, den 12. November 1902. 53. Jahrgang.
üUfh>llttttAMiauf bic -Schlüchrerner Zeitung" yi'^l’UU-liyi-lliverbtn noct) fortwährend von allen ..............-Postanstalten nndLnndbriestrügcrn, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Die Leser der „Schlüchterner Zcitmig" bitten wir, interessante Vorfälle, alles für einen größeren Kreis Wissenswerte, der Redaktion mitzuteilen. Wahrheitsgemäße Korrespondenzen über interessante Vorfälle werden gerne honoriert. Vereinsnachrichten, Bericht über Versammlungen, Festlichkeiten, bitten wir uns gütigst einzusenden, wir werden sie dann dankend zum Abdruck bringen.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser in England. An dem Gottesdienst in Sandringhani nahmen der Kaiser, die Königliche Familie, Lord Roberts mit Gemahlin, Balsour, Eham- berlain mit Gemahlin und die übrigen Gäste theil. Der Bischof von Ripon hielt die Predigt. Er sprach die Hoffnung auf eine Zeit aus, too die Rassenunter- schiede zurücktreten und die Menschheit eine einzige brüderliche Gemeinschaft bilden würde, gedachte dann der langen Krankheit und der Genesung des Königs sowie des Krönungstages und fuhr fort: Der Monarch des uns verwandten Volkes ist gekommen, nicht als Suverän, sondern als Verwandter und Freund, um unsere Freude zu theilen, wie er vor kurzem auch das Leid des englischen Volkes theilte.
— Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich trafen vorige Woche in Cöln ein und wurden am Bahnhöfe vom Oberbürgermeister Becker und dem Beigeordneten Hesse empfangen und nach dein Gürzenich geleitet. Die Prinzen gedenken auch der Galavorstellung der Madame Sarah Bernhardt beizuwohnen.
— Königs-Einjährige. Das preußische Kriegsministerium ist berechtigt, mittellosen Leuten mit dem Zeugniß zum einjährig-freiwilligen Dienst Logis, Kost und Kleidung auf Staatskosten zu gewähren. Am 1. Oktober ist, wie verschiedentlich berichtet wird, eine große Anzahl solcher „Königs-Einjährig-Freiwilliger" in das Heer eingetreten, weil den Eltern wegen der schlechten Geschäftslage es nicht möglich ist, den jungen Leuten den erforderlichen Zuschuß zu gewähren. Durch drese Vergünstigung wird den jungen Leuten in Bezug auf Ausbildung, Dienst und späteres Avancement keinerlei Beschränkung auferl.'gt.
— Das Komitee für Krebsforschung leitet eine weitere Sammelforschung in denjenigen Gegenden Deutschlands in die Wege, wo anscheinend nach dem Ergebniß der ersten Umfrage besonders zahlreiche Krebs- erkrankungen Vorkommen. Die Aussendung der Fragebogen wird demnächst erfolgen. Außerdem sollen in einzelne dieser Gegenden Aerzte gesendet werden, um dort eigene Studien anzustellen.
— Nothstandsarbeiten. Wie jüngst der preußische Eisenbahnminister, so hat jetzt auch der bayerische Mi- nister des Innern zur raschesten Inangriffnahme der genehmigten öffentlichen Bauten zur Milderung der winterlichen Arbeitslosigkeit aufgefordert. Vornehmlich sind inländische Arbeiter zu beschäftigen.
— Ein Transport deutscher Burenkämpser, welche kürzlich aus den Gefangenenlagern auf Sr. Helena, Ceylon und Indien zurückgekehrt waren, ist an Bord des Dampfers „Hans Woermann" von Hamburg aus nach Deutsch-Südwestafrika eingeschifft worden, um dort beim Bahnbau u. f. w. Beschäftigung zu suchen. Die Leute wurden nach eingehender Prüfung zur Verwendung tu dem dunklen Erdtheil als besonders tauglich befunden, da sie sämmtlich viele Jahre in Südafrika ansässig waren und mit den dortigen Verhältnissen genau vertraut sind. Der Alldeutsche Verband,. auf dessen Kosten die ehemaligen Burenkämpfer verschickt worden sind, hat jedem derselben freie Eisenbahnfahrt nach Hain- burg, ein Zehrgeld von 30 Mark und freie Dampferfahrt nach Swakopmund bewilligt. Ferner wird ihnen bei der Landung in Deutsch-Südafrika für den ersten Bedarf eine Baarsumme von je 150 Mark ausgehändigt fverden,
Ausland.
Wien. Vorige Woche erfolgte im Schlöffe zu Laxenburg die officiclle Verlobung der Erzherzogin Elisabeth Ainalie, der jüngsten Tochter des verstorbenen Erzherzogs Carl Ludwig und der Erzherzogin Maria Therese, mit dem Prinzen Alois vonLichtenstein. Die Vermählung erfolgt wegen der Familientrauer für die Erzherzogin Margaretha Sofia von Württemberg vermuthlich erst im März 1903.
Petersburg, 10. Nov. Amtlich wird mitgetheilt, daß im Amur- und Küstengebiet nur noch vereinzelte Cholera fälle vorgekommen sind. Im Kwantunggebiet ist die Epidemie erloschen, in Odessa war kein pestverdächtiger Fall mehr zu verzeichnen. Nach Meldungen aus dem Altaigebiet herrschen in dem dortigen Kreise die Pocken. Im Dorfe Mischeilokoje sind von 2942 Einwohnern 107 erkrankt, von diesen 41 gestorben. Es fehlt an ärztliche Hilfe.
Petersburg, 10. November. In der Umgegend von Elisabethgrad wurde die Post überfallen. Der Postillon und der Conducteur wurden verwundet und 12000 Rubel geraubt. — Die Newa ist bei Schlüssel- burg leicht gefroren. Die Schiffahrt ist dort eingestellt.
Venezuela. Das amtliche Blatt veröffentlicht einen Brief über einen großen Sieg der Regierung bei La Victoria, der zur VernichtungderArmeeder Aufständischen führte, die jetzt in der Richtung auf Guarico fliehen. General Riera soll gefallen sein.
Zürich,' 10. November. Die Zerstörung der schweizerischen Kaffeeplantage Helvetig in Guatemala durch den Ausbruch des seit Menschengedenken erloschenen Vulcans Santa Maria bestätigt sich in vollem Umfange. Die Katastrophe dauerte 48 Stunden, in welcher Zeit ' in Folge dichten Aschenregens völlige Finsterniß herrschte. Die ganze Pflanzung wurde unter einer mehr als 2 Meter tiefen Schicht vulcanischer Asche begraben. 600 Personen kamen um's Leben.
Lokales und Hovinzielles.
* Schlüchtern, 11. November 1902.
*— Die in unserer letzten Nummer gebrachte Notiz über die Wahl des Herrn Bürgermeister Salo« mon ist durch ein Versehen des Setzers anstatt im Jnseratentheil in den redaktionellen Theil gekommen. Wir bedauern dieses Versehen und wollen dasselbe hiermit aufgeklärt haben.
* Der Fernsprechverkehr zwischen Schlüchtern, Hat- tenhof und Kerzell ist zugelassen worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von drei Minuten beträgt je 20 Pfg.
O Von der Post wird viel darüber geklagt, in wie bedenklichem Maße die Zahl der unanbringlichen Postsendungen von Jahr zu Jahr zunimmt. Nach den uns zugehenden Mittheilungen ist es allerdings kaum glaublich, wie leichtfertig oft die Absender bei der Auflieferung der Postsendungen verfahren. Namentlich sind es die Ansichtspostkarten, die bei Gelegenheit von Ausflügen, auf Reisen u. s. w. vielfach in vergnügter Laune geschrieben werden, bei denen am meisten in dieser Beziehung gesündigt wird. Oft genug kommt es vor, daß auf solchen Karten die Adresse fehlt. Ferner wird häufig die Frankirung der Karten ver- geffen, was dann zur Folge hat, daß der Empfänger, statt über die Sendung erfreut zu sein, die Einnahme aus leicht erklärlichem Verdruß wegen des von ibm abverlangten Nachportos verweigert. Da in den Fällen der einen wie der anderen Art auch die Absender sich häufig unzureichend oder auch garnicht genannt haben, so steht die Post bei aller „Findigkeit" vor der Frage, wer der Empfänger oder der Absender der Karte ist, rathlos gegenüber und die Sendungen bleiben unan- bringlich. Die Post hat deshalb schon dazu schreiten müssen, über den Briefkasten in Badeorten, beliebten Ausflugsorten, häufig besuchten Aussichtspunkten ic., wo Ansichtspostkarten in Massen aufgeliefert werden, Tafeln mit kurzen, in die Augen fallenden Inschriften anzubringen, welche die Absender auf das Erfordermß der vollständigen Aufschrift und der Frankirung Hinweisen die in den Zeitnngen vielfach — wie aber aus obigen Thatsachen erhellt - sehr mit Unrecht bespöttelt worden ist Aber auch bei Briefen und anderen Sendungen lassen es die Absender bei der Abfassung der Aufschrift leider nur zu oft an der nöthigen Sorg
falt fehlen. Der Empfänger ist meist ungenau bezeichnet ; es fehlt Vorname, Stand, Wohnort, Straße, Hausnummer oder es ist nicht angegeben, ob der Adressat im Vorder- Hinter- oder Gartengebäude, im ersten, zweiten u. s. w. Stockwerk, rechts oder links vom Flur wohnt, Angaben, die namentlich bei Sendungen nach großen Städten bei dem häufigen Wohnungswechsel, dem Wandel im Geschäftsleben und dem unablässigen Zuzug von Fremden oft unerläßlich. Ferner werden Briefe häufig verschlagen und erst nach vielen Irrfahrten bestellbar, wenn es außer dem Orte der Bestellung noch andere Orte gleichen Namens giebt und die Absender es unterlassen haben, die geographische Lage des Bestimmungsortes entweder nach Provinz, Regierungsbezirks, oder nach einem Fluß, Gebirge u. s. w. genauer zu bezeichnen. Bei Sendungen nach Landeten ohne Postanstalt wird in den Aufschriften oft der Name der Bestellungsanstalt vergessen. Schließlich sind die Briefaufschläge oft in unleserlichen Schristzügen geschrieben. Wie leicht kann z. B. bei undeutlicher Schrift der Ortsname Homburg für Hamburg, Altena für Altona, Harleshausen für Herles- hausen gelesen werden. Welche große Last durch die Sendungen mit unzulänglicher Aufschrift der Post erwächst, geht z. B. aus der Thatsache hervor, daß bei größeren Postämtern, besonders mit mehreren Beamten besetzte Dienststellen bestehen, die sich mit nichts weiter als mit der Ermittelung der Empfänger ungenau adressicter Briefsendungen befassen. Daß solche Sendungen, wenn der Empfänger glücklich ermittelt wird, ihm r/.it einer oft erheblichen Verspätung zugehen können, davon scheinen sich die Absender vielfach keine Vorstellung zu machen. Aber nicht blos eine deutliche, jeden Zweifel ausschließende Bezeichnung des Empfängers und des Bestimmungsortes ist erforderlich, es wäre auch gut, wenn man sich daran gewöhnen möchte, auf dem Briefumschläge stets den Namen usw. des Absenders anzugeben, damit die Post in der Lage ist, falls die Sendung aus irgend einem Grunde unbestellbar bleibt, sie dem Absender ohne Weitläufigkeiten zurückzugeben. Denn wenn dies nicht gelingt, werden die Sendungen nach einer dreimonatigen Lagerfrist dem Feuer übergeben. Es ist erstaunlich, welche große Anzahl von Briefen unbestellbar bleibt und mangels irgend welcher Anhaltspunkte dem Absender nicht zurückgegeben werden kann. So sei angeführt, daß die Zahl der im Jahre 1901 im ganzen Reichspostgebiet uneinbringlich gebliebenen Postsendungen, die der Vernichtung preisgegeben werden mußten, sich auf nicht weniger als 13 281 83 Stück belief. Wenn man bedenkt, wieviel Aerger und Verdruß meist entsteht, wenn eine Postsendung, die man längst in den Händen des Empfängers wähnt, durch die eigene Schuld des Absenders ihre Bestimmung verfehlt hat, so ist es erklärlich, welche Wichtigkeit einer bis ins Kleinste gehenden Genauigkeit bei Abfassung der Briefaufschrift beizumeffen ist. Vielleicht können diese Zeilen dazu beitragen, hierauf hinzuweisen.
* Die Gewinnliste der Düsseldorfer Ausstellungslotterie liegt für unsere Abonnenten zur Einsichtnahme in der Expedition auf. Merkwürdig ist, daß die Lotterie neben ihren 3956 Gewinnen noch 17 700 Kompott- löffel zu je 5 Mark Wert als niedrigste Gewinne verteilt.
Elm, 11. November. Dem Eisenbahn-Rangiermeister a. D. Konrad Iahn ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden.
*— Die Vorturnerstunde des Ober-Fulda-Gaucs, die am Sonntag Morgen in Hersfeld stattfand, war von 51 Vorturnern besucht. Am Nachmittag fand der Gauturntag statt. Herr Lehrer Eichmann begrüßte die einzelnen Vertreter. Nachdem über einige turnerischen Angelegenheiten und über Festsetzung des nächsten Gauturnfestes, welches in Hersfeld stattfinden soll, beraten war, wurde zur Gauvorstandswahl geschritten. Gewählt wurden: Eichmann-Hersfeld zuni 1. und Ebert-Bebra zum 2. Gauvertreter; Laufer-Hersfeld zum 1. und Körner-Rotenburg zum 2. Gauturnwart. Beisitzer wurden: Kreß-Schlüchtern, Balsam-Hersfeld, Möller- Salzschlirf.
Cassel. Vor einigen Tagen ereignete sich in Bettenhansen an einem Neubau ein schwerer Unglücksfall. Der in Cassel wohnende Klempnermeister Anselm stürzte