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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 15. November 1902.

53. Jahrgang.

SMMhtttflM1auf bie »Schlüchierner Zeitung" ^t^t-UUliytSlrocrbcn nod) fortwährend von allen ----- '-" - 'Postan'ialtcn nNdLandbriesträgern, sewie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Der Kaiser in England. Der deutsche Kaiser, der König und der Prinz von Wales verließen Sand- ringham kurz nach 9 Uhr und begaben sich im Auto­mobil nach dem Jagdrevier. Die Hühnerjagd dauerte zunächst bis 1 Uhr. Die Jagdgesellschaft bestehend aus acht Herren, begab sich zu einem auf dem Felde errich­teten Zelte, vor dem alsbald die Königin, die Prinzessin Victoria und die Prinzessin Karl von Dänemark mit Gefolge in acht Wagen eintrafen. Nach dem Frühstück begaben sich die Königin und die übrigen hohen Damen nach dem Schlosse von Sandringham zurück, während der Kaiser, der König und der Prinz von Wales die Jagd wieder ausnahmen und bis zum Eintritt der Dunkelheit fortsetzten. Wie nunmehr festgesetzt ist, wird Kaiser Wilhelm Sonnabend Vormittag 11 Uhr von Wulferton abreisen und sich nach Lowtser Castle, dem Sitze des Carl Lonsdale, begcben, wo er gegen 7 Uhr Abends eintreffen wirb.

Fürst Eulenburg, unser Botschafter in Wien, ist mit ben gesetzlichen Wartegeldcru in den einstweiligen, nicht dauernden, Ruhestand versetzt und vorn Kaiser durch daS Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichen­laub ausgezeichnet worden.

Busland.

Rom. Italien und die Türkei schlössen ein Ab­kommen in dem Streite wegen der Seeräubereien im Roten Meere ab, dessen Hauptpunkte solaende sind: fientörung ->>v Mrrslwfo*E<r oer P^aieusci-ifte, exem- plarische Bestrafung der Piraten, welche Türken sind, Auslieferung der in Erythräa beheimateten Piraten, das Versprechen der Türkei, die Seeeäuberel künftig streng zu ahnden, Zahlung von 1k>000 Francs an die Hinterbliebenen der zwei getöteten 'tilienischen See­leute Zahlung von 19600 Thalern zu Gunsten früher geschädigter Angehöriger Erythräas md Meistbegün- stigung für Schiffe aus Erythräa.

London, 11. November. DieTines" meldet aus

Der Prätendent griff am 3. d. Nts bei Tages­anbruch mit großem Gefolge die marischen Truppen an und drang in deren Lager ein '" Truppen des Sultans sammelten sich jedoch, schlüge; die Rebellen in die flucht verfolgten sie und brachten men groge Ver­luste bei ' Der Prätendent floh mit engen Mann auf ein Schloß, das die Truppen dann mangelten. Das Schloß wurde gestern genommen, der ^lätendent ent­kam jedoch. Viele Rebellen wurden gangen oder ge-

New-York. Einem Telegramm a'- Caracas zu­folge sind die beschädigten Brücken dereutschen Bahn­linie wieder hergestellt. Die Flucht.-r Armeen der Aufständischen dauere fort. In amtsten Kreisen fei man der Ansicht, Matos habe sich der Richtung auf Tucacas zurückgezogen. Castro be am Sonn­abend 150» Niann entsandt, um Co anzugreften, und beabsichtige, Coro, Barcelona, Boliv und Cumana unverzüglich wieder zu erobern.

- DemNew-York Herald" wir aus Chicago gemeldet: Wie ein hervorragender Mier in Texas und einer der bedentendsten Viehhändltberichten, be­absichtigen die Inhaber von Fleischvendhäusern in Texas, welche sich zu einem groyen Rumichmift ver­einigten die Einrichtung einer Dampfime zwischen dem Golf von Mexiko und Europa den trans­atlantischen Handel der südwestlichen Sten mit zu- bereitetem Fleisch- ___

Lokales und Provinsielle

* Schlüchtern, 14. Nobler 1902.

_ * Der Vorstand der Gewerblicheurtbildnngs- schule hatte in seiner vorletzten Sitzung Pluß gefaßt, den Unterricht an den Wochentagen her seither Montag und Donnerstag von 7 . i Jknb-3 abgehalten wurde auf 2 3 Uhr ^"age zu verlegen. Die Gewerbetreibenden suhlten Mich diese

Brandwunden erlitten, daß es kaum wieder aufkommen dürfte.

Ein Glückspilz ist der 15jährige Kellnerlehrling Pöschel im Hotel Kurhaus in Oppelsdorf bei Zittau. Zwei Lose der Wohlfahrtslotterie spielte der junge Ganymed. Das eine kam mit 10 Mk., das zweite aber mit dem Hauptgewinn von 100 000 Mk. heraus. Der glückliche Gewinner hat über den ihm zu Teil gewordenen Goldregen völliges Stillschweigen beob­achtet. Erst bei der Auszahlung wurde die Sache bekannt. ...

Ein Wort an unsere Landwirte.

Die Erntearbeiten sind beendet, die Sanien der Winterfrüchte finddem dunklen Schoß der heiligen Erde" anvertraut; nur hie und da sieht man noch einen Landmann in emsiger Eile den Rest der Ernte ein- heimsen oder die verspätete Saat beendigen. Es kommt jetzt die Zeit, in welcher der Landwirt sich über das vergangene Wirtschaftsjahr Rechnung ablegen muß, in welcher er sich zu fragen hat, ob seine Wirtschafts­weise die richtige war, ob es nicht möglich ist, in Zu­kunft besser zu wirtschaften u. s. w. Sollte es nicht manchen Landwirt geben, der, wenn er offen und ehr­lich sich diese Frage beantwortet, sich sagen muß, daß er selbst einen Teil der Schuld an dem Rückgang seiner Wirtschaft trägt und sich entschließt, in Zukunft eine andere Wirtschaftsweise einzuschlagen? Das Lesen guter landwirtschaftlicher Bücher und Zeitschriften während des Winters wird manchen älteren Landwirt Mittel und Wege finden lassen, um zur Verbesserung seiner wirtschaftlichen Lage beizutragen.

Es bedarf keines Beweises, daß zur Zeit die Land­wirtschaft sowohl im Osten wie im Weften unseres Vawrland.es sich in einer Notlage befindet. Aber es ist verkehrt vom Landwirt, wenn er alle Hoffnung aus eine Karte setzt, wenn er alle Hilfe bom Staate erwartet. Der Staat kann und wird Manches thun zur Befferung, aber der Landwirt selbst niuß ebenfalls mit Hand an­legen. Wenn er selbst nicht zu der Einsicht sammt, daß der Landwirt der Gegenwart, um den zur Zeit gestellten Anforderungen gewachsen zu sein, nicht nur eine gründliche praktische Schulung durchmachen, sondern auch theoretisch genügend gebildet sein muß, um die Fortschritte der Technik und der Wissenschaft verwerten zu können, dann werden auch die höchsten Schutzzölle ihm nicht den erhofften Nutzen für die Dauer bringen können. Eine gründliche praktische und theoretische Durchbildung ist eine unerläßliche Bedingung, um heut­zutage und in Zukunft dauernd mit Erfolg wirtschaf­ten zu können.

Sehen wir uns einmal die Ausbildung des Land­wirts zu seinem Berufe an. Im Westen und Süd­deutschlands, wo der Kleingrundbesitz vorherrschend ist, erhält in der Regel der junge Landwirt keine theore­tische Ausbildung, sondern der angehende Landwirt erlernt nach seiner Entlassung aus der Volksschule die Praxis in der elterlichen Wirtschaft und glaubt damit vollständig genug gethan zu haben. Daß aber eine derartige Vorbereitung zum landwirtschaftlichen Beruf nicht geeignet sein kann, um tüchtige Landwirte heran- zubilden, das muß nicht nur jeder vernünftige Landwirt, sondern überhaupt jeder vernünftige Mensch einsehen. Wohl ist es in den letzten Jahren besser geworden. Der kleine Landwirt ist vielfach bestrebt, seinen Söhnen eine bessere Fachbildung geben zu lassen, er schickt sie in landwirtschaftliche Winterschulen und thut wohl daran. Denn die landwirtschaftlichen Winterschulen sind so eingerichtet, daß sie die geeignetsten Bildungs­stätten für den kleinen Landwirt sind.

Doch giebt es noch viele Landwirte, welche noch nicht zur Einsicht gekommen sind. Wie oft hört man auf dem Lande noch abfällige Urteile über die land­wirtschaftlichen Schulen! Da sagt der eine:Was will mein Sohn denn auf der landwirtschaftlichen Schulet ich kann denselben besser lehren, den Dünger bereiten, den Pflug führen u. s. w." oderWenn der Bauer studiert hat, dann will er den großen Herrn spielen und die Arbeit mag schaffen, wer will."" In diesem. Tone kann jedoch nur ein gedankenloser Mensch reden, der sich noch nicht einmal die Mühe genommen hat' sich über den Zweck und die Einrichtung der Winter-

Einrichtung sehr benachtheiligt und petitionirten dahin­gehend an den Magistrat um Abhilfe. Auf Grund dieses berief der Vorsitzende Herr Bürgermeister Salomon eine Vorstandssitzung und wurden dazu gleichzeitig eingeladen die Vorstände des Handels- u. Gewerbevereins u. die der beiden Innungen. Nachdem Alle für und wieder die Verlegung besprochen, wurde von Seiten des Vor­standes Beschluß gefaßt, die Unterrichtsstunden auf 6 8 Uhr Abends zu verlegen.

* Am 15. November wird in dem benachbarten Orte Kressenbach (Landbestellbezirk Steinau) eine Posthilfsstelle eröffnet, deren Verwaltung dem Bürger­meister Müller i bertragen ist.

* Die Eisenbahndirektion in Frankfurt hat die Lokomotivführer wiederholt darauf Angewiesen, daß das Qualmen undDampfablassen der Lokowotven während des Haltens auf den Bahnsteigen und in der Nähe be­wohnter Gebäude, ferner das übermäßig lange Pfeifen mittelst der Dampfpfeife streng verboten sei und in Zukunft bestraft werden solle.

Hana», 13. Nov. Das Schwurgericht hat die Ver­handlung gegen den Amtsgerichtssekretär Emil Stuck- ntaim aus Bergen wegen Unterschlagung im Amte auf die nächste Schwurgerichtsperiode vertagt und den An­geklagten für 6 Wochen der Irrenanstalt in Marburg zur Beobachtung seines Geisteszustandes überwiesen.

Langendicbach, 13. Novemb. Plötzlicher Todesfall. Wie wir bereits berichteten, war die Ehefrau des Fa­brikarbeiters Ferdinand Schäfer eines sehr raschen Todes gestorben. Unkontrollirbare Gerüchte verbreiteten sich in unserem Orte; auch der Todenbeschauer trug manche Bedenken. Die Ortspolizeibehörde veranlaßte daher die Obduktion, welche im Leichenhause durch die beiden Herren Kreisärzte von Hanau uTi^4M~trftm-ittT-^5vtfetT^^ a usge-

führt wurde. Ueber das Resultat der Sektion verlautet nichts bestimmtes. Die im Magen noch Vorgefundenen Ueberreste sollen zur weiteren Untersuchung an die Universitätsklinik in Marburg emgesandt werden.

Friedewald, 13. November. Dieser Tage stießen Arbeiter, welche mit dem Bau einer Wasserleitung be­schäftigt sind, in der Nähe unserer Kirche auf ein Massengrab, welches jedenfalls vom 30jährigen Kriege herrührt. Von Särgen war gar nichts zu sehen, da­gegen liegt der Kopf auf einem Ziegelstein und eben­so bedeckt das Gesicht ein gewölbter Ziegelstein. Die Schädel waren noch sehr gut erhalten.

Schlitz, 14. November. Montag Nachmittag um 2 Uhr fand die feierliche Beisetzung der Frau Gräfin von Schlitz, genannt v. Görtz und der Frau Gräfin Anna v. Görtz, geb. Prinzessin v. Sayn-Wittgenstein- Bcrleburg statt. Sämmtliche Vereine von Schlitz und Umgebung mit ihren Fahnen waren erschienen, während die Kriegervereine auf dem Wege zum Kirchhofe Spalier bildeten. Zwei Musikkapellen befanden sich im Zuge. An erster Stelle wurde der Sarg der Frau Gräfin v. Görtz getragen, dem die katholische Geistlichkeit voraus- ging. Alsdann folgte die evangelische Geistlichkeit mit dem Sarge der Mutter des Herrn Grafen.

Von der Rhön, 10. Nov. Die Aussichten für den projectirten Eisenbahnbau Fulda-Meiningen über die hohe Rhön sind im Steigen begriffen. Die Regierung von Sachsen-Weimar stellt gegenwärtig mittels Frage­bogen Erhebungen über die wirthschaftlichen und Ver- kehrsverhültnisse der an der Linie interessirten weima- rischen Gemeinden an. Die Linie wird 105,5 Kilom. lang werden und steigt von Fulda bis Frankenberg 491 Nieter, um von da bis Meiningen 475 Meter zu fallen. Die Steigung ist nirgends größer als 1:80 und in kleineren Raten als 300 Nieter nicht anzu- wenden. Kunstbauten sind außer einer Werrabrücke wenig erforderlich.

Vermischtes

Biebrich, 12. Nov. In Abwesenheit der Eltern steckte das 2'/,jährige Kind eines Kaufmanns in der Adelheitstraße durch Spielen mit Zündhölzchen das Bett in Brand, in dem sein 1 Vr jähriges Schwester­chen lag. Das Kind wurde zwar noch lebend aus den Flammen herausgeholt, doch hat es so schwere