Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
3, Samstag, den 10. Januar 1903. 54. Jahrgang.
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Amtliches.
Die Kreissparkasse ist bis auf weitere Bekannt- machung für das Publikum geöffnet:
Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag vormittags von 8—12 Uhr und nachmittags von 2-4 Uhr. Mittwoch nur vormittags von 8-12 Uhr.
Schlüchtern, den 1. Januar 1903. ' ,
Die Direktion der Kreissparkasse Pfalzgraf. Bratfisch. Weitzel.
Teu^eis Reich
— Sr. Majestät der Kaiser ist am Donnerstag Nachmittag 4'/, Uhr in Hannover eingetroffen und hat sich, von dem zahlreich versammelten Publikum herzlich begrüßt, nach dem Residenzschlosse begeben. Zur festlichen Abendtafel waren die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden geladxp. Dein Kaiser zur Seite saß rechts Graf Walherf^.Zst.Us der Präsident des Pro- vinziallandtags Fürst zu In-und Knipphausen. Abends war im Hostheatt Festvoistellung „Aida". Gestern machte Se. Majestät einen Jagdausflug nach Springe in Begleitung der vorgenannten 2 Herren, heute findet Parade statt.
— Am 7. Januar, dem Todestage der Kaiserin Augusta, hatte die Kaiserin Augusta-Stiftung von der üblichen Gedächtnisfeier absehen müssen, weil wegen Krankheit unter den Zöglingen die Weihnachtsferien eine unbestimmte Verlängerung erfahren haben. Es haben 'daher nur der Kurator der Stiftung, General der Infanterie v. Strubberg, und die Oberin Fräulein v. Grünewald in dem mit einem wundervollen Blumenflor dekorierten und erleuchteten Mausoleum einen Kranz niedergelegt. 'Die Frau Großherzogin von Baden, welche, wie auch das erbgroßherzogliche Paar, einen schönen Kranz auf den Sarg ihrer Mutter hatte niederlegen lasfen, hatte in einem an den General v. Strubberg gerichteten Telegramm der wehmütigen Erinnerung dieses Tages warmen Ausdruck gegeben. Auf Anordnung der Kaiserin wurden die Glocken der Gnadenkirche in der Mittagsstunde zum Gedächtnis an die erlauchte Entschlafene geläutet. Der Kaiser war in der 10. Stunde bei dem Mausoleum vorgefahren und hatte für sich und die Kaiserin einen Kranz niedergelegt.
— Der Kronprinz wird Ende März Bonn verlassen und vorläufig wieder im 1. Garde-Regiment z. F. aktiven Dienst "tun. Wie verlautet, soll er zum Hauptmann und Chef der 2. Kompagnie ernannt werdeiu^^—!—-s—s
Line Hochzeitsreise
Erzählung von F. Ameseldt.
(Nachdruck verboten) Fortschang.
„Die gnädige Frau hat es ihm und hat es mir geschrieben. Auf meinen Knieen habe ich ihn gebeten, nach Hause zurückzukehren; er wollte nicht. Kaum, daß er sich bewegen ließ, die Reiseroute zu ändern. Er wollte nicht hören, nun hat er suhlen müssen, der Heimal so nahe, hat ihn der Mörder doch erreicht." _
Dorothea hatte die Worte mit einer solchen Haft hervorgesprudelt, daß es unmöglich gewesen wäre, sie zu unterbrechen, selbst wenn die Zuhörer die Absicht gehabt hätten; eine solche war aber nicht vorhanden. Benno Treuenfeld hatte die Arme unterschlagen und betrachtete die Alte mit heimlichem Grauen.
„Benno, was bedeutet das alles?" fragte die junge Frau mit bebender Stimnie. „Ist unser Zusammentreffen in dieser furchtbaren Stunde mehr als das Werk des Zufalls?"
Er legte ihr die Hand auf den Arm.
„Still, still, Erna", bat er, und j.tzr klang seine Stimme weich und traurig, „nicht hier will ich Dir Rede stehen. Es ist eine lange Geschichte, voll Irrtum und Frevel, die ich Dir zu berichten habe."
„Die Geschichte sollst Du den Richtern erzählen Md ich erzähle sie auch!" schrie Dorothea, die kein
— Erbprinz Bernhard von Sachsen-Meiningen wird mit seiner Gemahlin Prinzessin Charlotte, ältesten Schwester des Kaisers, am 16. n. M. das Fest seiner silbernen Hochzeit feiern. Der Ehe entsproß eine einzige Tochter, Prinzessin Feodora, welche seit Okt. 1898 mit dem Prinzen Heinrich XXX. Reuß, Major im Leib-Grenadier-Regiement Nr. 8. zu Frankfurt a. O., vermählt ist. Die Feier wird, wie die „B. B.-Z." hört, in einfacher Weise auf Schloß Erdmannsdorf in Schlesien stattfinden.
— Dem Vorsitzenden des Teutschen Kriegerbundes, General der Infanterie z. D. v. Spitz, ist die Mitteilung zugegangen, daß die Kaiserin mit Genehmigung des Kaisers das Protektorat über die Kriegerwaisenhäuser übernommen hat. — Die Leiter des Kriegerbundes klagen, daß die Opferwilligkeit im Nachlassen sei. Die Hoffnung, daß es im Jahre 1902 gelingen werde, die auf deni Kyffhäuser-Deukmal noch lastenden Schulden abzutragen, hat sich nicht erfüllt. Zur Zeit ist das Denkmal noch mit 50 700 Mark Schulden belastet. Die Kriegervereine sind deshalb ersucht worden, am Geburtstage des Kaisers noch einmal Sammlungen für das Denkmal zu veranstalten. Die üblich m Sammlungcn für die Waisenhäuser sollen an diesem Tage wegfallen. Die freiwilligen Sammlungen am Geburtstage des Kaisers haben in den Jahren 1899 bis 19U2 den Betrag von rund 64(00 Mk. ergeben, die zur Schuldentilgung verwandt werden konnten.
— Der Postetat für 1903 sieht 2000 neue Assisten- teustellen vor. Da man nach der Ankündigung des Staatssekretärs im Reichstage hätte erwarten müssen, daß 3ui 0 etatsmäßige Stellen vorgeschlagen würden, fordert die „D. Post-Ztg." die Beamten auf, schleunigst beim Reichstag um Erhöhung dieser Etatsposition zu petitionieren.
— Den Wert der Gesamtausfuhr Deutschlands nach Nordamerika betrug im letzten Jahre rund 470 Mill. Mk. oder 62 Mill. mehr. Dies ist die höchste Ziffer der Ausfuhr nach Amerika, die wir bisher zu verzeichnen hatten.
— Der berühmte Chirurg Prof. v. Esmarch in Kiel, der mit einer Tante der Kaiserin vermählt ist, feiert am 9. Januar seinen 80. Geburtstag. An dem Fest beteiligen sich Prinz Heinrich von Preußen und zahlreiche deutsche Gelehrte.
— Der Kronprinzessin von Sachsen ist die Klage des Kronprinzen auf Aufhebung der ehelichen Gemeinschaft zugestellt worden; sie wird ihrerseits von dem Recht Gebrauch machen, daraufhin die Ehescheidung zu beantragen.
— Das sächsische Oberlandesgericht hat hinsichtlich der Pfändbarkeit der Nähmaschine dahin entschieden, daß eine in der gemeinschaftlichen Wohnung der Eheleute befindliche Nähmaschine nicht als ein ausschließlich zum per,önlichen Gebrauche der Frau be
Wort von den halblaut geflüsterten Worten des jungen Mannes verloren hatte. „Halten Sie ihn fest, binden Sie ihn, er ist der Mörder!"
„Wahnsinnige Beschuldigung!" rief die junge Frau. „Ich habe den Mörder gesehen. Ich erwachte, als mein armer Mann mit ihm rang; ich sah, wie erden Stoß führte und sich aus dem Fenster schwang. Benno Treuenfeld kain erst, nachdem ich zweimal vergeblich um Hilfe gerufen und das Notsignal gegeben hatte. Bei seinem unvermuteten Anblick wurde ich ohnmächtig." .
Dorothea schlug ein höhnisches Gelächter auf, das angesichts des Toten doppelt gräßlich kla tg. „Fein ausgeklügelt", höhnte sie, „wer es nicht besser wüßte, möchte sich anführen lassen."
„Ich schwöre —"
„Was eilt Ihr Schwur? Wer weiß, ob"
„Weib lästere nicht", donnerte ihr Benno Treuen- feld zu.
„Mörder, Deine Frechheit geht zu weit!" zischte sie. „Bindet ihn, laßt ihn nicht entschlüpfen."
„Ruhig, Frau", gebot ihr der Oberbeamte; unseres Amtes ist, weder zu verhaften noch zu verhören; wir haben nur dafür zu sorgen, daß der Tote wie die Lebenden dem Gerichte überliefert werden."
„Was soll das heißen, mein Herr, fragte Benno Treuenfeld mit hochfahrendem Ton. „Ist der Wahnsinn ansteckend. Wollen Sie vielleicht mich, wollen S'e vielleicht gar jene Dame da als Gefangene behandeln?"
stimmtes Arbeitsgerät anzusehen sei und deshalb auch nicht als Alleineigentum derselben gelten könne. Nach den heutigen Anschauungen und Lebensbedürfnissen bilde die Nähmaschine vielmehr einen Teil des Hausgerätes, deren sich die Frauen nicht für ihre eigene Person, sondern in ihrer Eigenschaft als Hausfrau und Mitglied der Familie bediene. Als unentbehrliches Hausgerät sei die Nähmaschine nur zu erachten, wenn der Schuldner eine starke Familie habe, in diesem Falle diene sie zur Erhaltung eines angemessenen Hausstandes.__________
Ausland.
— Die in Rom eingetroffenen Nachrichten aus Konstantinopel bestätigen, daß der Sultan eher einen Krieg wagen als sich dem Machtgebot der Mächte unterwerfen würde. Seit einiger Zeit lasse Äet Rüstungen betreiben. Kürzlich habe er die Werft von Ansaldo in Genua mit dem Bau zweier Torpedoboote beauftragt und einen Vertrag über Lieferung von 300 000 Mausergewehren abgeschlossen.
— Sägasta, der frühere spanische Ministerpräsident ist am Dienstag im Alter von 75 Jahren gestorben. Die Nachricht wurde in ganz Spanien mit allgemeiner Teilnahme ausgenommen. Sagasta war ein energischer Staatsmann, "welcher mit Spanien viel durchleben mußte. Er sah Spaniens Ruhm sinken durch den Zusammenbruch der spanischen Kolonialmacht. Ihm gelang es die offene Revolution, die Spanien oft bedrohte, jedesmal zu verhüten.
- - Das Regierungsblatt „El Liberal" in Caracas, Venezuela, veröffentlicht eine Mitteilung des venezolanischen Konsuls in Curocao, daß die Offiziere der deutschen Kreuzer „Falke" und" „Vineta" in lebhaftem Verkehr mit dem Führer der Aufständischen, General Matos, stehen, der sich in Curacao aufhält.
Die Aufständischen brachten den Truppen Castros bei Guatire, ungefähr 8 Stunden von Caracas, eine vernichtende Niederlage bei, General Riero schlug die von Castro befohlenen Angriffe auf seine Stellung außerhalb Coros zurück. — Aus Puerto Cabello wird gemeldet, der Pöbel drohe die Stadt anzuzünden und die Revolution auszurufen.
— Alle Meldungen aus Marokko bestätigen den Rückzug des Prätendenten und die Unterwerfung einer Anzahl aufrührerischer Stämme. Es steht nun dahin, ob es dem Sultan gelingen wird, sich gegenüber seinem zum Oberbefehlshaber der Truppen eingesetzten älteren Bruder zu behaupten. Für einen Sieg der strenggläubigen, fremdenfeindlichen Richtung spricht die schnelle Rückkehr des schottischen Generalinstruktors der scherifischen Armee, der eben erst von England in Fetz eingetroffen war, nach Tanger. -
— Nach einer Meldung des „Dailp Graphic" aus Aden sammeln sich die britischen Truppen zum Kampfe aegen den „tollen Mullah" im Somaliland bei Obbia
„Ich habe bereits erklärt, daß es nicht meines Amtes ist, zu verhaften, erwiderte der Beamte gelassen ; „wohl bin ich verantwortlich, daß nichts geschieht, wodurch der Tatbestand verdunkelt werden könnte, daß niemand sich entfernt, dessen Zeugnis von Wichtigkeit sein kann. Sie werden es sich gefallen lassen müssen, Ihre Fahrt zu unterbrechen und auf der nächsten Station zurückzubleiben, „ich habe bereits dorchin telegraphieren lassen."
„Daß man die Missetäter in Empfang nimmt, grollte Benno.
„Nicht ich bediene mich der Bezeichnung," versetzte der Oberbeamte kalt; im übrigen tue ich meine Pflicht.
Benno Treuenfeld wandte ihm den Rücken und wollte in das von ihm inne gehabte Kouppe zurückkehren, aber der Oberbeamte bedeutete ihm, daß er samt der jungen Frau, dem Arzte und einem Beamten in dein anderen Kouppee Platz zu nehmen habe. Mit einem verächtlichen Achselzucken fügte sich Benno schweigend dem Befehl.
Die alte Dorothea war nicht zu bewegen, den Toten, den man mit einem Tuche bedeckt hatte, zu verlassen; sie kauerte neben ihm. Auch der Oberbeamte blieb, nachdem er das Zeichen gut Weiterfahrt des Zuges gegeben hatte, samt einem Untergebenen in dem Kouppee, welches der Schauplatz der grausigen Nachtszene gewesen war.
(Fortsetzung folgt.)