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Erschcint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

4. Mittwoch, den 14. Januar 1903. 54. Jahrgang.

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' '' fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Ex­pedition entgegengenoiumen.

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Mtlidjcs.

J.-Nr. 87 K. A. Der bei dem Privatier Julius Schäfer in Dienst stehenden Haushälterin Wilhelmine Döll zu Schlächtern ist für langjährige, treue Dienst­zeit eine Pränue von 10 Mark aus Kreismitteln be­willigt worden.

Schlächtern, den 5. Januar 1903.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat an die Berliner Stadtverordneten folgendes Handschreiben gerichtet: Die Stadtverord­neten haben mir an der Schwelle des neuen Jahres freundliche Glückwünsche gewidmet. Indem ich für diese Kundgebung danke, entbiete ich zugleich der Bürgerschaft meiner Haupt- und Residenzstadt meinen königlichen Gruß und Glückwunsch für das begonnene neue Jahr.

Ueber den Aufenthalt des Kaisers in Han­nover wird noch berichtet: Der Monarch hörte Sonn­abend Vormittag Vorträge des Männergesangvereins. Später ritt der Kaiser zur Parade über die Garni­son, worauf er die Fahnen ins Schloß zurück- führte. Dort hatte inzwischen der Verein ehe­maliger Hannoverscher Garde du Corps und ehemaliger Königsulanen aus Hildesheim Aufstellung genommen, etwa 100 Mann, an die Se. Majestät huldvolle Worte richtete. Nach einem Mahl im Kreise der Offiziere der Königsulanen wurde die Rückreise nach Berlin angetreten.

Seit Ende der Vorwoche ist das ganze kaiserliche Hostager von Potsdam nach Berlin verlegt, da die an den Glasern erkrankten beiden kaiserlichen Prinzen wiederhergestellt sind und nun auch die Kaiserin nach Berlin hat übersiedeln können. Der Kaiser ist aus Hannover nach Berlin zurückgekehrt, wo in dieser Woche die großen Hoffestlichkeiten beginnen. Der Geburtstag des Kaisers am 27. Januar wird in üblicher Weise gefeiert. Der dritte Sohn des Kaisers, Prinz Adalbert, soll nach einjährigem Besuch der Marineschule in Kiel int kommenden März die Offiziersprüfung ablegen.

Die Ankunft des deutschen Kronprinzen in Petersburg ist für den 19. d. Mts. angemeldet. Die Dauer des Aufenthalts des Prinzen, der im Winter­palais Wohnung nehmen wird, ist auf fünf Tage festgesetzt. Die in Petersburg ansässigen deutschen Reichsangehörigen beabsichtigen, die Gelegenheit be-

Line Hochzeitsreise.

Erzählung von F. Arnescldt.

(Nachdruck seriösen) Fortsetzung.

Als der Zug nach Verlauf einer halben Stunde in den Bahnhof der nächsten großen Station dampfte, standen die daselbst stationierten Polizisten schon bereit, den Wagen und dessen Insassen in Empfang zu nehmen. Der erstere wurde abgehängt und blieb, während der Zug weiterfuhr, unter Bewachung der Polizisten zurück. Auch der Tote wurde bis zur Ankunft der Gerichtsbe­amten in seiner Lage belassen.

Der Oberbeamte samt den in dem Wagen bei Auf­findung der Leiche anwesend gewesenen Schaffnern waren abgelöst worden, damit sie ihre Aussage unverzüglich abgeben konnten. Für die junge Frau und Dorothea hatte man im Bahnhofsgebäude Zimmer hergerichtet, und auch Benno Treueufeld mußte es sich gefallen lassen, in einem solchen, das obendrein noch scharf bewacht ward, den Morgen zu erwarten.

2.

Seit beinahe einem Jahrhundert bestand unter der FirmaTreueufeld u. Göldner" in der mittelgroßen Provinzialstadt M . . . . eine Droguen- und Farben- Handlung, welche sich bei ihren Abnehmern wie bei ihren Lieferanten des makellosesten Rufes erfreute. Wer daselbst kaufte, durfte versichert sein, daß er die besten Waren

sonders wahrzunehmen, und eine glänzende Festlichkeit zu veranstalten.

Der Kronprinz und Prinz Eitel Fritz kommen in der letzten Märzwoche nach Konstantinopel.

Die Besserung im Befinden des Königs von Sachsen hält an. Der König fühlt sich etwas kräftiger. Prinz Johann Georg reifte gestern Abend nach Wien, wo er bis zum 15. d. M. als Gast des Kaisers verbleibt.

Das von dem Mannheimer Katholikentag ein­gesetzte Komitee für einen Pilgerzug nach Rom im Frühjahr 1903 richtet einen Aufruf an alle wahren und warmen deutschen Katholiken und insbesondere an alle katholischen Vereine zu recht zahlreicher Beteiligung an dieser Jubiläumswallfahrt.

Nach den Bestimmungen der neuen Statuten der meisten landwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaften sind Betriehsunternebmer, deren Jahresarbeitsverdienst 2000 Mk. übersteigt, indessen über 3000 Mk. nicht hinausgeht, oder sofern sie nicht regelmäßig mehr als zwei Lohnarbeiter beschäftigen, berechtigt, sich selbst und ihre im Betriebe als Mitunternehmer tätigen Ehegatten gegen die Folgen von Betriebsunfällen zu versichern. Nach einer neuerdings getroffenen Ent­scheidung des Reichsversicherungsamtes ist die Berech­tigung . zur freiwilligen (Selbst-) Versicherung nicht nur denjenigen landwirtschaftlichen Betriebsunternehmer» eingeräumt worden, welche nicht regelmäßig mehr als zwei Lohnarbeiter beschäftigen, sondern auch allgemein und ausnahmslos solchen Unternehmern, deren Jahres­arbeitsverdienst 3ui0 Mark nicht übersteigt. Eine Erhöhung der Beiträge tritt in diesem Falle nicht ein Die Versicherung umfaßt auch die mit der Land- und Forstwirtschaft im Zusammenhänge stehenden Haus- wirtschaftlichen Verrichtungen, falls die Unternehmer hauptsächlich in ihrer Land-. und Forstwirtschaft be­schäftigt sind, und erstreckt sich in demselben Umfange auf bte Ehegatten der Unternehmer. Unternehmer, welche diese Berechtigung in Anspruch nehmen wollen, haben die Versicherung unter Angabe ihres Jahres­arbeitsverdienstes und der Zahl der von ihnen regelmäßig beschäfigten Lohnarbeiter bei den Sektionsvorständen schriftlich zubeantragen. Die Versicherung beginnt mitdem Tage, an welchem der Versicherungsantrag eingeht. Bei Berechnung der aus der freiwilligen Versicherung der Betriebsunternehmer zu leistenden gesetzlichen Ent­schädigungen (llnfailrenten u. s. w.) ist der von dem Regierungspräs identen festgesetzte durchschnittliche Jahres­arbeitsverdienst erwachsener Arbeiter zugrunde zu legen. __________________________________________________

Ausland.

Der König von Spanien, die Königin-Mutter, sowie die Jnfantin Maria Teresa, hatten am 10. b. Mts., wie herkömmlich, in Madrid dem Salve in der Kirche Buen Suceso beigewohnt und begaben sich dann und die angemessensten Preise erhielt, und an den großen Handelsplätzen würde kein Haus Anstand genommen haben, der Firma Treuenfeld u. Göldner zu einem sehr hohen Betrage Kredit zu gewähren. Ein solcher wurde jedoch niemals beansprucht. Die ersten Be­gründer des Hauses hatten es sich zum Grundsätze ge­macht, ihr Geschäft nie weiter auszudehnen, als die dafür erforderlichen Büttel reichten; und die Söh le und Enkel setzten ihren Stolz darin, den Traditionen der Väter streng zu folgen.

Sie hatten es bei dieser Art der Geschäftsführung zu einem soliden Wohlstände gebracht, aber keine Reich­tümer angehäuft, und manche jüngere Firma war neben ihnen glänzender emporgekommen. Trotzdem oder vielleicht um desfentwillen hatte aber kein Kauf­mann in der ganzen Stadt eine so hohe gesellschaft­liche Stellung wie die jeweiligen Vertreter der Namen Treuenfeld und Göldner. Sie durften ihre Frauen aus den ersten Familien der Stadt und Provinz wählen. Ihre Töchter heirateten in ebensolche Kreise, so daß sie nicht nur mit dem höheren Bürger und Beamtenstaude, sondern auch mit dem Adel ver­schwägert war.

Dreimal hintereinander hatte es sich getroffen, daß ein Treuenfeld und Göldner jeder nur einen einzigen Sohn gehabt, welche in jungen Jahren an bem Ge­schäfte 1 beteiligt wurden und an die Stelle ihrer Väter getreten waren, wenn diese sich betagt zurück-

zu Wagen nach ^dem königlichen Palaste zurück. Hinter ihnen fuhr der Wagen des Oberkammerherrn Herzogs von Sotomayor. Eben war die Plaza be Oriente erreicht, als ein Revolverschuß gegen den zweiten Wagen abgegeben wurde. Als der König den Schuß vernahm, beugte er sich aus dem Wageufenster, wurde aber von der Königin-Mutter wieder auf seinen Sitz zurückgezogen. Der Verhaftete, namens Feito, erklärt, er habe nicht beabsichtigt, irgend jemanden von der königlichen Familie zu töten, sondern den Oberkammer­herrn Herzog von Sotomayor, gegen den er ernste Beschwerden habe. Er leugnet, Anarchist zu sein, und giebt an, er sei mit einer Französin verheiratet, die im Irrenhause sei. In seinen Taschen fand man mehrere Papiere, darunter. eingeschriebene Briefe an verschiedene Monarchen Europas. Feito machte seine Aussagen beim Verbör ruhig, doch gcht aus seinen Reden hervor, daß er nicht klaren Geistes ist. Eine Depesche des Ministers des Innern an die Präfekten stellt fest, daß der von Feito verübte Anschlag gegen den Oberkammerherrn Herzog von Sotomayor und nicht gegen den König gerichtet war. Dem König wurden von hervorragenden politischen Persönlichkeiten zahlreiche Kundgebungen der Loyalität dargebeachl.

In einer Burenversammlung in Prätoria, die nach der Ueberreichung der Burenadresse an Chamber- lain und seiner Antwortrede abgehalten wurde, hoben die Burenführer hervor, es sei offenbar, daß Cham- berlain über die in den Friedensbedingungen gemachten Zugeständnisse nicht hinauszugehen gedenke; es sei da-- her nutzlos, neue Forderungen aufzustellen. Sie könn­ten den Buren nur raten, sich in die Lage zu fügen und zusammen mit der britischen Regierung an der. Wohlfahrt des Landes zu arbeiten.

Die Blockade der venezolanischen Häfen ist inzwischen noch verschärft worden, offenbar zu dem Zweck, daß bem Herrn Castro und feinen Freunden ihr Einlenken nicht wieder leid werde. Kaiser Wilhelm hat angeordnet, daß die Mannschaften sämtlicher deutschen Seestreitkräfte in Venezuela, einschließlich der Schul­schiffe, Kriegsgebührnisse erhalten. Die Bekannt­machung der Blockade am 20. Dez. v. I. gilt dabei als Beginn der Mobilmachung. Die Nachricht, Frank­reich wolle sich an der Blockade der venezolanischen Küsten beteiligen, wird amtlich bestätigt. Die Ant­wort des Präsidenten Castro ist jetzt in Berlin üb er­gehen worden. Sie enthält die in allgemein zustimmenden Ausdrücken abgesagte Annahme der Forderungen der Mächte. Es wird nunmehr die Ausgabe der Diplomatie sein diese Zusage in durchaus befriedigende Form zu bringen und es werden zu diesen: Zwecke die Verhand­lungen fortgesetzt. Die Zusage Castros beweist, daß die örtliche Blokade nicht wirkungslos geblieben ist, vor allem aber läßt sie darauf schließen, daß Castro die Hoffnung verloren hat, daß die Vereinigten Gästen, um, eye sie ins Erbbegrabms der Familie zur Ruhe bestattet wurden, noch eine Spanne Zeit be­haglicher Muße zu genießen.

Die Geburt von Benno Treuenfeld gab die Hoff­nung, daß es auch in der tommenben Generation bei dem alten Herkommen bleiben werde; sie verwirklichte sich jedoch nicht; im Göldner'schen Hause blieb der heißersehnte Stammhalter aus. Und auch sonst schien es, als wollten zunächst die Verhältnisse in beiden Familien durch ihre Gestaltung darauf hinweisen, daß auf dieser Erdenichts dauernd ist, als der Wechsel."

Das Treuenfeld'sche Haus ward nicht, wie in ver­gangenen Tagen, belebt und verschönt durch Töchter, welche die Verbindungen mit angesehenen Familien noch verzweigter machen konnten; Bennos Mutter kränkelte seit der Geburt des Knaben und starb, als er sechs Jahre alt war. Sein Vater, der die Gattin tief be­trauerte, konnte sich nicht so schnell zu einer zweiten Wahl ' entschließen, und ehe er noch dazu gekommen war, seinem Hause wieder eine würdige Leiterin und Repräsentantin zu geben, ereilte den gesunden, kräf­tigen Mann durch einen Sturz mit bem Pferde ein jäher Tod. Benno war neun Jahre alt, als man seinen Vater blutend und bewußtlos in's Haus brächte; wenige Tage später stand er, gänzlich ver­waist, an dessen Bahre.

(Fortsetzung folgt.)