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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Samstag, den 17. Januar 1903.

54. Jahrgang.

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Bestellunaen L^s fortwährend von allen

Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Ex­pedition entgegengenommen.

Deutsches Reich.

Der Kaiser ist am l 5. Januar vormittags gegen 11 Uhr zum Besuch des Fürsten Eulenburg in Liebenburg eingetroffen.

Der Kronprinz reiste mit Gefolge am 14. Januar abends 11 Uhr mittelst Sonderzug nach Petersburg ab. Seine Majestät der Kaiser begleitete den Kronprinzen bis an den Waggon und verabschiedete sich hier auf das herzlichste. Ferner waren der russische Botschafter Graf Osten-Sacken und die Herren der russischen Bot­schaft erschienen.

Der Reichstag nahm am 13. Januar seine Arbeiten wieder auf. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Resolutionen zum Zolltarif. Zunächst wird verlangt, daß unter Hinzuziehung von Vertretern des inländischen Tabakbaues in eine Prüfung eingetreten wird hinsichtlich der Ausführungsbestimmungen zun, Tabaksteuergesetz im Interesse der kleinen Tabak­bauern. Diese Resolution wird einstimmig enge- nommen, Am 14. d. Mts. wurde die zweite von der Zolltarifkommission beschlossene Resolution, die ver­bündeten Regierungen aufzufordern, zu erwägen, ob nicht durch Einführung verschiedener Zollsätze für rohes und gereinigtes Petroleum die Schaffung einer in­ländischen. Raffinerie-Industrie möglich sei, beraten.- In namentlicher Abstimmung wird diese Resolution mit 152 - gegen 70 Stimmen angenommen. Am Donnerstag, fand die Beratung der ResolutioiOüber die Kündigung der Meistbegünstigungsverträge zu allen denjenigen Ländern, wo diese Verträge den deutschen Interessen nachteilig gewesen sind, statt.

-T- Die letzte Session der 19. Legislaturperiode des Preußischen Landtages wurde am Dienstag Mittag 12 Uhr im Weißen Saale des Königlichen Schlosses eröffnet, nachdem vorher in üblicher Weise Gottesdienst für die Mitglieder beider Häuser des Landtages abgehalten worden war. Wie in den drei letzten Jahren, so hatte auch diesmal der Kaiser den Ministerpräsident Grafen Bülow mit der Eröffnung beauftragt. -Die Thronrede hat irgend welche positive Ueberraschungen nicht gebracht und war im ganzen recht knapp-und anspruchslos gehalten. Am 14. d. brächte. .Finanzminister v. Rheinbaben den Etat ein, aus dem ersichtlich ist, daß die Grundlagen unserer Finanzen trotz' einiger Mindereinnahmen im Eisen­bahnwesen, nach- wie vor gesund sind. Die Forsten, Bergwerke .und: direkten Steuern ergeben Mehrein­nahmen.

- - Die Gesamtzahl der Bismarck-Denkinäler be-

Erzählung von F. Arnefeldt.

(Nachdruck verboten) FvrtsrKuUg.

Die Vertretung der Firma ging nun bis zu der Zeit, wo der kleine Treuenfeld ein Mann geworden sein würde und seinen Platz im Geschäfte einnehmen durfte, ganz allein an Herrn Göldner über, der auch Bennos Vormund und Pflegevater ward. Das dicht neben dem GöldNerffchen belegene Treuenseld'sche Haus wurde der Obhut eines bejahrten Dienerpaares über- geben, und der Knabe siedelte gänzlich in das Haus seines Vormundes über, wo Raum in Hülle und Fülle für ihn war; denn auch dort fehlte es an einer fröhlichen Kinderschar. Es hatte den Anschein, als wolle das Geschick mit der Firma Treuenfeld und Göldner zu Ende eilen.

Dem Göldner schen Ehepaare waren schnell hinter­einander mehrere Kinder geboren worden und bald nach der Geburt wieder gestorben; nur eine Tochter hatte im Gegensatz zu ihren Geschwistern die großen dunkel­grauen Augen, die sie dem Lichte geöffnet, nicht wieder geschlossen; sie war und blieb das einzige Kind ihrer Eltern.

Als Benno inS Haus kam, war die kleine Erna drei Jahre alt. Er hatte das von den Eltern, wie von seiner ganzen Umgebung angebetete Kind schon piit einer für den wilden, feurigen Knaben wunderbaren

trägt 146, die der Bismarck-Säulen und -Türme 155, einschließlich der im Bau begriffenen._

Auslanv.

Kardinal Parochi, welcher als einstmaliger Nach­folger des Papstes galt, ist am 15. d. in Rom im Alter von 70 Jahren gestorben. Er war einer der gebildesten Kardinale.

Die plötzlich eingetretene Kälte, verbunden mit großer Kohlenot, hat über die Nordhälfte der Vereinigten Staaten von Amerika großes Elend gebracht. Die Not der unbemittelten Bevölkerung wird noch durch die er­höhten Preise des Petroleums gesteigert.

Der Sultan von Marokka hat eine große Nieder­lage erlitten. In den Gesandtschaften in Tanger herrscht Beunruhigung. Eine halbe Tagereise von Tanger entfernt fanden Kämpfe statt, viele Leute sind getötet. Die Bevölkerung verlangt Schutz durch Kriegsschiffe, Frauen und Kinder flüchten nach Tanger. Am 9. Januar verließen die deutschen Kaufleute und der deutsche Vizekonsul Fez, ebenso die übrigen Europäer. Der Sultan ist entmutigt und will abdanken. Der Prätendent glaubt, daß ihm der Sieg sicher sei.

Aus Caracas wird gemeldet: Die venezolanische Regierung, welche 2 500 000 Bolivares brauche, habe alle hervorragenden Handelsleute auf die Präfektur in Caracas berufen, um diese Summe durch eine be­sondere Besteuerung der reichsten Bürger zu erlangen. Die Familie Guzman-Blanco soll allein mit 20000 Boli­vares besteuert werden. In Cumana hat der eng­lische Blockadekreuzer sämtliche venezolanischen Boote weggenommen und fortgeschafft.

Wie aus Pretoria gemeldet wird, befinden sich, einer amtlichen - Statistik zufolge, in Transvaal und bvm Ständestaat gegen 5000' Wittwen m>b Waisen. Das ist entsprechend der Bevölkerungszahl der ehe­maligen Republiken ein ganz ungeheurer Prozentsatz.

Aus Sofia wird gemeldet: Die Nachrichten aus Macedonien und Albanien lauten wiederum be­drohlich. Die türkischen Truppen und die Albanesen verübten arge Greueltaten. Die christliche Bevölkerung flüchtet in Massen.

Aus Schanghai wird gemeldet: Infolge eines Erdrutsches stürzte in Hsiakchan, in der- Nähe von Nanking, ein neuerbautes Warenlagerhaus in den Fluß. Ungefähr hundert Eingeborene sollen dabei ertrunken sein.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 16. Januar 1903. Bericht über die Verwaltung der Stadt Schlüchtern 1902.

VI. Polizeiverwaltung, 1. Fleischschau.

Im Jahre 1902 wurden geschlachtet (Vorjahr in Klammern) 514 (498) Stück Rindvieh, 532 (606) Innigkeit geliebt, als :r es nur gelegentlich in dem beiden Nachbarhäusern gemeinsamen großen Garten oder bei seinen Besuchen im Göldner'schen Hause ge­sehen hatte; nun er aber täglich und stündlich mit Erna zusammen war, erhielt seine Zärtlichkeit für sie etwas Leidenschaftliches und zugleich ungemein Rührendes.

Trotz seines trefflichen Herzens, seines guten Kopfes und seiner durchweg edlen Natur machte Benno seinen Lehrern und Erziehern viel zu schaffen; denn er war >.ufbrausend und jäh zornig und kannte sich in Augen­blicken heftiger Erregung selbst nicht; in den Händen des kleinen Mädchens war er aber ein weiches Wachs. Erna besänftigte ihn mit einem Blicke. Strich sie ihm mit ihrer winzigen Kinderhand über das Gesicht, so legte sich die heiße Glut, die Stirn und Wangen um­wallte; er ward ruhig und willfährig; ein von ihr herge­stammeltes Wort war ihm Befehl. Der schöne, stolze Knabe, der über sein Alter hinaus groß und kräftig war, kroch als Pudel oder Pferd vor Erna auf allen Vieren und ließ sich von ihr peitschen oder das Haar zerzausen. Kein Baum war ihm zu hoch, wenn eine auf dessen Spitze befindliche - Frucht ihr besonders lockend erschien; unbedenklich sprang er in's Wasser oder in einen Sumpf, wenn die von ihr gewünschten Nymphäen oder Vergißmeinnicht in anderer Weise nicht zu erreichen waren.

' Erna war es so gewohnt, sich mit allen ihren kind­lichen Anliegen an Bennv zu wenden, sie war der.Ge- währung ihrer Wünsche von ihm so gewiß, daß er ihr

Kälber, 2053 (2399) Schweine, 304 (328) Stück Schafvieh und 35 (55) Ziegen.

Die erhebliche Abnahme bei den Schlachtungen an Kälbern und Schweinen ist lediglich eine Folge der hohen Fleischpreise, wodurch der Konsum eingeschränkt wurde.

2. Das Arbeiterversicherungswesen.

An Rentenempfängern lebten am Schlüsse des Jahres 19< >2 in der Stadt: 10 Unfallrentenempfänger, die in Summa lo4i Mark Renten empfingen. 21 Jn- Validenrentenempfänger, die in Summa 2773 Mark Renten empfingen, 4 Altersremenempfänger, die in Summa 517 Mark Renten empfingen.

VII. Das Schulwesen.

1. Die Lateinschule.

Die Schülerzahl beträgt im Schuljahr 1902/03 nur 46 gegen 5t des Vorjahres, da infolge Abganges zahlreicher Schüler der Unter-Tertia die Bildung einer Ober-Tertia in diesem Schuljahr unterblieben ist. Bei normalem Zugang zu Ostern 1903 und da die Bildung eha.r Ober-Tertia gesichert ist wird die Schüleczahl wieder entsprechend steigen.

,T 2.. Die Stadtschule.

'Nachdem der Stadtschullehrer Walther am 1. Januar 1902 zum ordentlichen Seminarlehrer ernannt worden war, wurde an seiner Stelle der Lehrer Georg Flemmig in Niederzell zum Stadtschullehrer gewählt und von Königlicher Regierung in Cassel vom 1. März 1902 ab zum Lehrer an unserer Stadtschule ernannt.

Infolge Zunahme der katholischen Schulkinder in den hiesigen Schulen hat die Königliche Regierung angeordnet, daß für die vorhandenen 14 katholischen Schulkinder ein besonderer Religions-Unterricht ein ge­riet wird und solle derselbe mit Ostern 1903 einge­richtet und 200 Mark hierfür in den Etat ausge­nommen werden.

3. Die Fortbildungsschule

Die Schülerzahl ist von 60 auf 80 gestiegen und darf dies wohl teilweise als ein erfreuliches Zeichen für die Vergrößerung unserer gewerblichen Betriebe angesehen werden, andererseits kommt darin aher wohl auch zum Ausdruck, daß es den Gewerbetreibenden in kleinen Städten bei den zunehmenden Lohnansprüchen immer schwerer wird ältere Arbeiter zu erhalten und find sie mehr auf- Lehrlinge und junge, noch gewerbe- schulpflichtige, Gesellen und Gehilfen angewiesen. Im Interesse eines gedeihlicheren Unterrichtes hatte der Vorstand versuchsweise den Wochentags-Unterricht auf Montag und Donnerstag nachmittags von 13 Uhr verlegt (anstatt abends von 79 Uhr). Infolge Einspruches der Hälfte der beteiligten Gewerbetreiben­den wurde dies wieder abgeändert und die Zeit von 68 Uhr abends festgesetzt.

4. Die seit Ostern 1901 in der Stadt in's Leben gerufene höhere Mädchenschule wird im Schuljahr wie eine Art Allmacht erschien. Bei ihm fühlte sie sich geborgen, und während sie ihn tyrannisierte, blickte sie doch wie zu ihrem natürlichen Beschützer zu ihm auf.

Mit jedem Jahre schien die Liebe der Kinder zu einander zu wachsen, Benno lehrte Erna die Anfangs­gründe des Lesens und Schreibens mit einer seinem Wesen sonst sehr fremden Geduld; er überwachte ihre Schularbeiten und half ihr dabei, ja als das siebenjährige Mädchen die Masern hatte, weinte der dreizehnjährige Knabe Tränen des Schmerzes und des Ingrimmes, als ihm verwehrt ward, an Erna's Lager zu wachen.

Schon damals stand in seinem Herzen, wie in seinem Willen fest, daß Erna einmal seine Frau werden müsse, und das Gleiche ward von den Verwandten, den Freunden Unb Dienern des Hauses als etwas Selbstverständliches angenommen; es war ja nur natürlich, daß die beiden einzigen Sprossm der Häuser Treuenfeld und Göldner sich zu einem noch innigeren Bunde als die Väter ver­einigten.

Auch Herr Göldner erging sich zuweilen in solchen Zukunftsträumen, fand aber, wenn er sie in Gegenwart seiner Frau auszuspinnen versuchte, keinen Anklang bamit, sondern im Gegenteil, eine recht entschiedene Abweisung. Frau Göldner liebte Benno nicht; sie war eifersüchtig auf die Liebe, welche er für ihre Tochter hegte, eifersüchtig auf die Zärtlichkeit, die Hingebung und das Vertrauen, das Erna für den zum Jüngling herangewachsenen Benno hegte, deffen Wesen ihr außer­dem unsympatisch war. (Forts. folgt.)