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Erschiint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

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Samstag, den 14. Februar 1903.

Bestellungen &? Äs ^VHVUUi fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Ex- pedi^ an entgegengenommen._____

Deutsches Reich

Der Kaiser, der Kronprinz, Prinz Heinrich und andere Fürstlichkeiten haben den 9 Februar, als am Tage des Diensteintritts des Kaisers in das 1. Garde- regunent z- F. im Kreise des Offizierskorps zugebracht.

Der Kaiser stiftete dem fünften Armeekorps 50000 Mark.

Jm Reichstag begann am 7. Februar die Be­ratung des Etats des Reichsamts des Innern. Wohl kein Ressort irgend eines europäischen Ministeriums hat eine solche Ausdehnung wie das des Reichsamts des Innern: eine seiner wichtigsten Aufgaben ist die Sozialpolitik: Es wurde über die Einführung einer Wittwen- und Waisenversorgung und die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter debattiert, ferner noch über die Errichtung von Betriebsaussichtsbehörden, einen Zehn- stunden-Arbeitstag, welcher später auf acht Stunden verkürzt werden soll. Abg. Oertel verlangt, daß mehr zum Schutze des Mittelstandes getan werde. Staatssekretär Graf Posadowsky erläutert seine Aeuße­rungen, daß man überlebte Formen des Mittelstandes nicht ohne weiteres beleben könne, man könne den Innungen nicht gewaltsam ihre frühere Bedeutung wiedergeben. Soweit das Handwerk lebensfähig sei, werde die Regierung stets auf seinen Schutz bedacht sein. Nach der Einkommenstatistik nehme der Mittel­stand beständig zu, wenn auch die Zahl der selbstän­digen Leute abnehme. Die Regierung erwägt, jugend­liche Arbeiter und Frauen von gewissen gefährlichen gesundheitsschädlichen Betrieben ganz auszuschUeßen.

Am Dienstag stand noch eine Interpellation auf der Tagesvrdnnng, in welcher der Minister gefragt wird, wie es mit der Auszahlung der den Kriegs­veteranen gebührenden Beihilfe von 120 Mk. jähr­lich sei.

Abg. Nißler (kons.) begründet die Interpellation und weist daraus hin, daß diese nunmehr seit 33 Jahren schwebende Frage jetzt endlich gelöst werden müsse.

Staatssekretär Frh. v. Thielmann beantwortet die Interpellation und teilt mir, daß der Jnval denfonds in einigen Jahren, spätestens 1910, aufgezehrt sein würde. In dem vorliegenden Etat seien 9 Millionen für die Veteranen der Jahre 1804 bis 1870 eingestellt, eine Summe, die auch die Möglichkeit gewähren Würde, einer Reihe von neu hinzutretenden Veteranen die Bei­hülfe zu bewilligen. Welche finanziellen Konsequenzen der von dem Abg. Nißler vor zwei Jahren gestellte Antrag haben würde, könne man nicht bezeichnen, da sich nicht abschätzen lasse, wie groß die Zahl der nur zu einem Drittel erwerbsfähigen Veteranen sei, denen nach diesem Antrag allgemein die Beihülfe gewährt werden soll. . ,

Bei der Besprechung der Interpellation wird von den Abgg. Oriola, Dr. Arendt, Liebermann lebhafte Unzufriedenheit darüber geäußert, daß die Regierung nicht genügende Mittel für die Veteranen auswerfe. Die Wünsche dieser Abgeordneten werden znm Dell von den Abgg. Paasche, Gras Roon und CahenAp als zu weitgehend zurückgewiesen.

Daraus wird die zweite Lesung des Etats ve» Reichs­amts des Innern fortgesetzt. ,

Im Abgeordnetenhause ist der Antrag aus Ein­führung der geheimen Abstimmung bei den Landtags­wahlen und aus Aenderung der Wahlkreiseinteilung

Die Neuwahlen für den Reichstag finden be­stimmt in der Zeit vom 14.. Juni statt.

Die Generalversammlung des Bundes der Land­wirte im Zirkus Busch zu Berlin war von uiigefahr 8000 Personen besucht. Die Anwesenheit von Damen war diesmal untersagt Gegen 1 Uhr eröffnete g Frh. v. Wangenheim die Versammlung und gab Anen Rückblick über das Wirken des Bundes seit der vor zehn Jahren erfolgten Gründung. Die Aufgabe des Bm des sei die Bekämpfung der Caprivischen ^atiLik- Verträge. v. Wangenheim kommt dann auf ren Zo - tarif zu sprechen. Der Antrag Kardorff sei ein wi - schaftliches Unglück für die deutsche LändKrtschaft gewesen, Redner fährt dann fort: Wir haben ra.-

Zentrum nicht zu bekämpfen; wir müssen die katho­lischen Berufsgenossen auffordern, dafür zu sorgen, daß die Interessen der Landwirtschaft ihrer Wichtigkeit ent­sprechend im Zentrum vertreten sind. Die Erhaltung des Mittelstandes fei wichtiger als die Fürsorge für den reinen Arbeiterstand. Der Vorwurf der grund­sätzlichen Opposition sei falsch. Die Landwirtschaft werde immer nur staatserhaltend arbeiten können. Redner schließt seine beifällig aufgenommene Rede mit einem Hoch auf den Kaiser. Abg. Dr. Rösicke-Kaisers- lautern sagte, die Bülowsche Rede bedeute nur eine Fortsetzung der Caprivischen, und widmet den Mit­kämpfern des Bundes, die im verflossenen Jahrzehnt verstorben sind, einen Nachrus. Redner bedauert das Ausscheiden des früheren Mitgliedes v. Podbielski. Der Schutz des heimischen Absatzes vor dem Ausland­absatz solle in erster Linie stehen; bei Bülow fei es umgekehrt. Redner stellt fest, daß die Landwirte ein­mütig gegen den Antrag Kardorff seien Die Land­wirte mufften Heimatpolitik treiben, da die Regierung es nicht tue. Graf Bülow und feine Minister ergingen sich in Liebeswerbungen gegen das Ausland, selbst gegen die Sozialdemokratie. Im weiteren Verlauf der Generalversammlung sprach Stauffer II.-Eberlutzen über den Zolltarif und die zukünftigen Handelsverträge, v. Oldenburg-Januschau spricht ebenfalls über den Zoll­tarif und die Handelsverträge. Es sei ja zuzugeben, daß man mit dem neuen Zolltarif zu besseren Handels­verträgen gelangen könne als mit dem alten, aber es müsse richtig vorgegangen werden. Redner schloß mit einem Hoch auf den Bund der Landwirte, der monar­chisch und vaterländisch fei. An die Vorträge schloß sich eine lebhafte Erörterung. Abg. Dr. Diedrich Hahn teilte schließlich mit, daß Frh. v. Wangenheim und Rösicke wieder auf 5 Jahre zu Vorsitzenden des Bun­des gewählt worden seien. Hahn wandte sich ebenfalls nochmals gegen den Antrag Kardorff. Nachdem noch mehrere Redner im Sinne der Bundesanschauungen ge­sprochen hatten, schloß Frh. v. Wangenheim die General- Versammlung mit einem Hoch auf den Bund. In dem Geschäftsbericht wird festgestellt, daß man angesichts der bevorstehenden Reichstagswahlen alle Kräfte auf die Agitation, weniger auf die Werbung von Mit­gliedern gelegt habe. Die Mitgliederzahl beträgt rund 250,000, darunter 1455 Großgrundbesitzer. Von den Bundesmitgliedern wohnen 111,000 östlich und 133,500 westlich der Elbe. 50 Wanderlehrer haben 5217 Ver­sammlungen abgehalten. Die Genossenschaftsabteilung hat 467 Genoffenschaften vereinigt, 89 Spar- und Darlehnskafsen, 38 Ein- und Verkaufgenossenschaft 196 Milchverwertungsgeuossenschaften, 12 Brennerei- genossenschaften und 63 verschiedene Genossenschaften.

Der Wittwe des eben verstorbenen Staats­ministers v. Delbrück in Berlin gingen Beileidstele­gramme des Kaiserpaares, des Königs von Württem­berg, des Großherzogs von Baden und des Reichskanzlers zu. In dem Telegramm des Kaisers heißt es:Möge das Bewußtsein, daß er meinem Großvater und mir stets ein treuer, bewährter Diener gewesen ist, Ihnen ein kleiner Trost sein."

Das Sanatorium in La Metairie, wo Prin­zessin Luise Aufenthalt genommen hat, wird von Dr Johannes Martin, einem früheren Dozenten der Medizin an der Genfer Universität, geleitet. Die Prinzessin bewohnt eine neugebaute Villa, die völlig unabhängig von den anderen Anstaltsgebäuden liegt, und ist dort in ihrer Freiheit ebenso wenig beschränkt, wie in einem Hotel. ' _

Wie vorauszusehen war, wurde am U. Feb. von dem sächsischen Gerichtshof in Dresden die Kron- prinzessin des Ehebruchs mit dem Sprachlehrer Giron für schuldig befunden und auf Ehescheidung erkannt. Die Kosten fallen der Beklagten zur Last.

Äuslanv.

In Brüssel ist am 10. Februar der Italiener Gennaro Rubino zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt worden. Rubino hat im November einen Revolverschuß aus eine belgische Hofequipage abgefeuert in der Absicht den König Leopold II. von Belgien zu töten, ohne glücklicherweise Jemand zu verletzen.

Aus Paris wird gemeldet: Der Kriegsminister untersagte allen Offizieren und Beamten des Kriegs. Ministeriums jedwede Mitteilung, welcher Art |te auch

54. Jahrgang.

sei, bezüglich der gegenwärtig von der Presse in der Dreyfus-Angelegenheit gebrachten Polemik.

In Barcelona (Spanien) ist der Plan der Arbeiter, einen Gesamtansstand auszurufen, gescheitert, da die Straßenbahnschaffner und die Buchdrucker die Beteiligung verweigerten. In Eadie (Spanien) sind die Zeughansarbeiter und die Bäcker in den Ausstand getreten. Nach weiteren Nachrichten stieß in Barcelona eine anshundertMann bestehende Polizeitruppe auf 200 Aufständische, die sich stark verschanzten. Die Polizeitruppe verlor zwei Tote, darunter einen Offizier, und zwei Verwundete. Herangezogene Verstärkungen schlugen die Aufständischen, welche 15 Tote verloren, in die Flucht. Eine Anzahl Ausständiger, welche einen Straßen- karren aufhalten wollten, feuerten auf einen Polizei­sergeanten und den Wagenführer. Beide wurden verletzt. Ein Angreifer wurde festgenommen.

Aus Tanger wird gemeldet, daß der Prätendent Bu Hamara noch nicht von den Lein Varain, welche ihn gefangen halten, an den Sultan ausgeliefert fei. Die blutigen Kämpfe um die Person Bu Hamaras scheinen noch nicht beendet zu sein. Wie verlautet sandten die Häuptlinge der marokkanischen Sahara­stämme Bu Hamara große Unterstützungen, woraus sich ergiebt, daß die Aufstandsbewegung noch in vollem Gange ist und in Südmarokko fortgesetzt wird. Auch ein Teil der Kabylenstämme des Rifgebietes hat sich zu Gunsten des Thronbewerbers Bu Hamara erhoben.

Die Pest ist in Mazatlan (Mexiko) ausge­brochen. Die Geschäfte sind geschloffen, die Tätigkeit ruht. Ueber 12000 Einwohner verließen die Stadt.

BU Ereignisse in Penezuela.

Die Verhandlungen über Venezuela haben immer noch zu keinem Endresultat geführt, die ganze Angelegenheit kommt nun doch noch an das Haager Schiedsgericht. Deutschland verlangt einen Prozentsatz der Zölle in La Gueira und Puerto Kabello, bis die ursprüngliche Baarforderung von Dollars 340,000 gedeckt ist. Italien verlangt ebenso eine halbe Mill. Der Vertreter Venezuelas Bowen lehnt aber alle Vor­zugsrechte ab.

Im Inneren von Venezuela geht die Revolution inzwischen weiter. Castro sitzt ziemlich in der Klemme. Bei der ganzen besseren Bevölkerung ist er verhaßt, Alles wünscht ihn fort; Geld hat er nicht mehr viel, und es kommt jetzt in Folge der Blockade auch keins herein: mit der Munition steht es ebenso. Die Revo­lutionäre werden dagegen auf dem Wege über Columbia mit Munition versehen An Zahl sind sie den Re­gierungstruppen weit überlegen.

1500 Aufständische verwüsteten den Bezirk Rio Chio. 2000 Mann mit zwei Kanonen unter dem Befehl des Kriegsministers brachen auf, um die Auf- ständischeu anzugreifen._____

Lokales und provinzielles.

* Schlächtern, 13. Februar 1903.

* Falsche Koupons, die meist auf 17 Mk. 50 Psg. lauten, sind in Westdeutschland von einer offenbar weitverzweigten Schwindlergesellschaft in Umlauf gesetzt worden.

* Im Jahre 1838 wurde dem Gymnasial- Gesauglehrer Dr. ph.il. Wiegand in Kassel die Bear­beitung einer neuen, alle in Kurhessen im Gebrauche befindlichen Gesangbücher berücksichtigenden Auflage oe? Beckerffchen Choralbuch? übertragen. Dr. Wiegand verzichtete s. Zt. auf ein Honorar unter der Bedingung, daß dem den Druckkosten entsprechenden Verkaufspreise ein entsprechender Betrag zugesetzt und dadurch ein Fonds angesammelt werde, aus dessen Zinsen be­dürftigen Witwen und Waisen solcher Organisten und Autoren, welche sich in dem Kirchengesang besonders verdient gemacht haben, eine angemessene Unterstützung gewährt werde. In diesem Jahre kommen dieZinsen- einfünfte dieser Stiftung zum ersten Male zur Ver­teilung. Bis Anfang März sind Gesuche um Gewährung einer Unterstützung aus derselben durch Vermittlung der Superintendenten an Königliches Konsistorium einzureichen.

* Wässerige Kartoffeln mehlig zu machen. Um diesem besonders im nassen Jahren häufig vorkommen- den Mißstande abzuhelfen, wird geraten, die Kartoffeln vor der Zubereitung einige Zeit in der Nähe des warmen Ofens auszubreiten. Nachdem die überflüssige