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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Samstag, den 21. Februar 1903

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Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Ex- pedition entgegengenommen.______________

Deutsches Reich

Der Kaiser sprach am Mittwoch beim Reichs­kanzler und bei dem englischen Botschafter vor. Später hörte er im Schlöffe die Vorträge des Kultus- und des Finanzministers.

Reichstag, 17. Febr. Fortsetzung der zweiten Lesung des Etats und der mit dem Spezialetat für das Reichsamt des Innern verbundenen sozialistischen Erörterungen. Abg. Sachse (soz.) kritisiert die Auf- sichts- und Sicheryeitseinrichtungen und die Arbeits­bedingungen in den Bergwerken. Bergrat Meißner betont, daß die preußische Bergverwaltung alles auf- biete zum Wohle ihrer Arbeiter, die Berginspeklion werde mit größter Sorgfalt ausgeübt. Abg. Stock­mann (Reichsp.) wünscht ein Gesetz zur Bekämpfung der Trunksucht und über Kontraktbruch landwirtschaft­licher Arbeiter.

Am 18. Febr. ging es zwischen den Sozialdemo- kraten und dem Abg. Stöcker sehr lebhaft zu und man sagte sich gegenseitig keine Schmeicheleien, sondern suchte sich gegenseitig recht viele Beschuldigungen vor- zuwerfen. 'Nachdem, wie jetzt in jeder Sitzung, wieder mit den Abschweifungen von der fozialdemokratischen Gesetzgebung viele Stunden unnütz verredet wurden, hielt Abg. Beck eine Rede über ein Vogelschutzgesetz, es sei den Frauen die abgeschmakte Mode Vogelleichen auf den Hüten zu tragen, zu verbieten. Abg. Dr. Pachnicke wünscht eine einheitliche Verkehrsordnung für Fahrräder und Automobile. Staatsminister v. Paso- dowsky teilt mit, daß der Entwurf einer Novelle zum bestehenden Vogelschutzgesetz ausgearbeitet sei und dem Landwirtschaftsminister bereits vorliege. Bezüglich einer Verkehrsordnung für Fahrzeuge auf öffentlichen Wegen und Straßen sind alle Regierungen damit einverstanden, daß man einheitliche Grundsätze aufstellt, diese sind entworfen und liegen bereits den beteiligten Ressorts zur Begutachtung vor.

Abgeordnetenhaus 16. Febr. In erster Bera­tung wurde der Gesetzentwurf betreffend die Gebühren der Medizinalbeamten an eine 2igiiebrige Kommission verwiesen. An die gleiche Kommission ging ein Gesetz­entwurf über das Ausführungsgesetz zum Reichsseuchen- gesetz. 17. Febr. Beratung des Etat des Handels­ministeriums. Debatte über die Organisation von Baugewerbeschulen und über die Verwaltung der preu­ßischen Bernsteinwerke. Oeser und Gen. beantragen den Minister für Handel und Gewerbe zu ersuchen, in Gemeinschaft mit dem Herrn Finanzminister betv zoll­freien Veredelungsverkehr auf Grund des § 115 des Vereinszollgesetzes in solchen Fällen zu gestatten, in denen durch verschiedene Bemessung der Preise für in­ländische Rohstoffe und Halbfabrikate, je tradiern es sich um den Absatz im Jnlande oder im Arslande handelt, preußischen Unternehmern die Ausfuhr dieser Erzeugnisse unmöglich gemacht wird. Dieser Antrag wird nach mehrüündlicher Debatte von den Antrag­stellern zurückgezogen.

Am 18. Febr. wird über eine Reform das Börsen- gesetz und über Neueinteilung der Wahlkreise debattiert. Minister Möller erklärt dazu, daß die Börsengesezgebung Reichssache sei und die Neueinteilung der Wahlkreise nicht in sein Ressort gehöre. Dann wird übec Hand­werkergesetzgebung und die Schwierigkeit euer Ab­grenzung von Handwerk und Gewerbe gesprochen, ge­wünscht, das; nur diejenigen Lehrlinge ausbilder dürfen, die die Meisterprüfung gemacht haben. Schl iestich wird das Gehalt des Ministers bewilligt, ebenso ehe Reihe weitere Kapitel. Es folgt die Beratung über gewerb­liches Unterrichtswesen, wissenschaftliche und gemeinnützige Zwecke. Die Abgg. Lotichus, Funk und Dr. v Seefeld verlangen höhere Zuschüsse zu den Fortbildungsschulen in Nassau und obligatorische Einführung bu Fort- bildungsschulen. Minister Möller erklärt, das die Re­gierung vorläufig nicht von ihrer Stellung zu den Fortbildungsschulen abweichen könne, er giebt aber zu, daß das einzig richtige sei, die Fortbildungsschulen obli­gatorisch zu machen, aber nur unter der Bedingung, daß die Gemeinden einen erheblichen Teil dec Kosten tragen.

Sechzehn Millionen Briefumschläge für die bevorstehenden Reichstagswahlen find von der Regier­ung zur Ausschreibung gebracht worden. Die neuen Waylkouverts" sollen aus festem weißem Papier gefertigt werden und auf der Innenseite durch schwarzen Ueberdruck Lichtfestigkeit und völlige Nndurchsichtigkeit erhalten. Um die Erlangung dieses Riesenauftrages, wie er in diesem Umfang noch nie zur Vergebung gelangt ist, bewerben sich alle größeren Briefumschlag­fabriken Deutschlands. Mögltcherweise wird jedoch der Auftrag geteilt, damit mehrere Fabriken daran teilnehmen können.

Am 16. Februar trafen mit dem Postdampfer König Albert" 1« Offiziere und 515 Stann deutscher Truppen aus Sanghai ein. Am jLandungsplatze be­grüßte der kommandierende General von Massow im Aufträge des Kaisers die Heimgekehrten, denen er mit- teilte, daß der Kaiser ihnen seine Zufriedenheit sowohl für ihre militärische Tüchtigkeit als auch für ihre all­bekannte Disziplin und Manneszucht aussprechen lasse.

Der Bischof Dr. Kvrum von Trier hat seine Geistlichkeit beauftragt von den Kanzeln der Kirchen herab den Eltern zu verbieten ihre Kinder in die paritätische staatliche höhere Töchterschule zu schicken, da sie sich damit schwer versündigen und in Sakra- menlen der Buße nicht losgesprochen werden können. Dieser Fall wird demnächst den Preußischen Landtag beschäftigen.

Wusland.

Am 16. Februar erhielt Kommodore Scheder den Befehl, .die Blockade aufzuhebcn und die weg­genommenen venezolanischen Kriegs- und Handelsschiffe, einschließlich desRestaurador", an die venezolanische Regierung zurückzugeben.

Aus allen venezolanischen Häfen mit Ausnahme von Coro und Higuerote wird gemeldet, daß die Blockadeschiffe zurückgegangen sind. Sofort nach Ein­gang dieser Meldungen entsandte die Regierung nach allen Richtungen hin Truppen zur Unterdrückung des Aufstandes

Zur selben Zeit, als der König und die Königin von England am 16. Februar das Royal Herbert Hospital in Wvolwich besuchten, erfolgte in dem zwei englische Meilen davon entfernten Teile des Arsenals, in dein Patronen mit Schießbaumwolle gefüllt werden, eine Explosion. Die Explosion erfolgte in einem den Vorschriften gemäß isolierten Schuppen, in dem sich sieben Leute befanden. Der Schuppen wurde völlig zerstört und die Türme fingen Feuer. Die Feuerwehr des Arsenals war sofort zur Stelle, sie fand, daß drei Arbeiter getödtet waren. Einem war der Kopf ganz abgerissen. Die anderen mehr oder minder schwer Verletzten wurden sofort aus den Türmen herausge­zogen und es scheint wunderbar, daß überhaupt noch Jemand lebend entkam.

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fritz und in Salmünster erreicht und außerdem seien diese beiden Orte als Endpunkte gewählt, weil von Sterbfritz aus dann die Bahn in das Sinntal znr Heranziehung der Orte Motten, Rotten, Oberzell, Weichenbach, Heubach, Oberkalbach und Uttrichshausen verlängert werden könnte und von Salmünster der sogenannte Hutten'sche Grund für den Verkehr mit dem übrigen Kreis ausgeschlossen werden könnte. Der Vortragende teilte mit, daß besonders aus dem Sinn­tal verschiedene Zuschriften an ihn ergangen feien, aus denen klar hervorgehe, ein wie reges Interesse gerade in dieser Gegend dem Kleinbahn-Projekt ent­gegengebracht würde.,

Um die Kosten und Rentabilität des Projektes zu begründen schilderte Redner zunächst die Kleinbahnen im Kreise Gelnhausen, deren Baukosten, Rentabilitäts­berechnungen und die daselbst gemachten Erfahrungen; wir müssen uns aber aus Raummangel versagen, diese Ausführungen hier wiederzugeben. Den nun folgen­den Berechnungen sind die bargelegten im Kreise Gelnhausen gemachten Erfahrungen zu Grunde gelegt. Die Kleinbahn SterbfritzSchlüchternSalmünster würde eine Länge von 25 Kilom. erhalten und da der Kilom. 60 000 Mark Baukosten erfordert, so würden die Gesamtkosten einschließlich Betriebsmittel 1,5 Mill. Mark betragen. Diese Kosten würden aufgebrachr durch V- vom Staat ä 4% Zins, '/, vom Bezirks­verband ä 17,% Zins und 7,% Amortisation und ,/, vom Kreis, der diese Summe ca. 33/I/o Zins und 7,% Amortisation anleihen würde.

Es würden also aufzutragen sein durch den Betrieb

für den Staat 4% Zins von 500000 Mark =

für den Bezirksverband 1 7*% 3in£ und Amortisation von 500000 Mk.

für den Kreis3% 7. Zins und V2% Amortisation .. n aOOüOO Mk.

Hierzu kommen, wenn 4 Züge in jeder Richtung täglich fahren an Betriebs­kosten 2 X 4 X 365 X 25 Kilom. 7600!) Zugkilometer ä 0,50 Mk. =

Ferner zur Anjammlung eines Reserve­fonds und für Abschreibungen noch so daß die Gesamtausgaben

im Jahr betragen würden.

20000

10000

M'.

21250

Sa. 51250 Mk

36500 Mk.

12000

100000 Mk.

Maes und Provinzielles.

* Schtüchtern, 20. Februr 1903.

* Kleinbahn SterbfriySalmünster. Aus dem Vortrag des Herrn Bürgermeisters Salomon in der am 15. d. Nils, stattgehabten Versammlung geben wir nachstehenden Auszug:

Zunächst hob der Vortragende hervor, daß, wenn wir uns nicht von unseren sehr rührigen Nachbar­kreisen allen Verkehr aus dem Hinterland fortnehinen lassen wollen es höchste Zeit sei, auch für unseren Kreis der Hebung der Verkehrsverhältnisse durch den Bau von Kleinbahnen näher zu treten. Insbesondere würde der Verkehr aus dem Vogelsberge vollständig nach dem Kreis Gelnhausen und nach dem Groß- Herzogtum Hessen abgelenkt, und außerdem sei es dringend nötig, den östlichen Teil des Kreises mit der Kreisstadt in bessere Verbindung zu bringen, damit die entfernt liegenden Ortschaften wie besonders Ober- talbach und Uttrichshausen nicht auf den Verkehr nach den Nachbarkreisen Hersfeld und Fulda angewiesen blieben.

Alsdann wurde die vorgeschlagene Trace des Näheren begründet und hierbei betont, daß es dringend nötig sei, durch die Kleinbahn den Anschluß an die Hauptbahnen zu erhalten, damit der Güterverkehr ohne Umladen erfolgen kann, die Hauptbahnen würden bei Lage der Terrainverhält»isse am besten in Sterb-

Welche Einnahmen sind nun dieser Ausgabe gegen­über zu stellen?

A. Aus dem Personen-Verkehr.

Es soll angenommen werden, daß nur die Hälfte der Kreisbewohner also 14000 Personen die Hälfte der Bahnstrecke also nur 12,5 Kilom. nur 6mal im Jahr benützen und zwar 111. Klasse dies allein würde eine Einnahme ergeben von 14000 X 12,5 x 6 X 4 Pfennigen = 42,000 Mark. Verkehr von Auswärts soll ganz außer Ansatz bleiben.

B. Aus dem gewöhnlichen Stückgutverkehr.

Es soll angenommen werden, daß pro Kopf der in Frage kommenden Einwohner also 14000 pro Jahr 1 Tonne ä 20 Ztr. die Hälfte der Bahnstrecke also 12,5 Kilom. befördert wird. (Im Kreis Gelnhausen hat man der Rentabilitätsberechnung 2 Tonnen also das Doppelte zu Grunde gelegt).

Dies ergiebt 14üu0 x 12,5 / 1 Kilometertonne ä 10 Pfennigen 17,500 Mark.

C. Aus dem industriellen Güterverkehr.

Derselbe läßt sich nur schätzungsweise angeben, wird aber keinesfalls zu hoch geschützt mit 40,000 Mark.

D. An sonstigen Einnahmen.

Beförderung des Personengepäckes der Post, Ver­pachtung der Bahnhofswirtschaften der Lagerplätze rc. 500 Mark. Hierauf würden sich die Gesamteinnahmen auf 100000 Mark stellen uno hiermit die Ausgaben decken.

In seiner Schlußbetracktung hob der Vortragende dann hervor, daß die Rentabilitätsberechnung zweifel­los ergebe, daß es zum Mindesten die Mühe und Kosten verlohne ein spezielles Projekt für die Klein­bahn feststellen zu lassen. Die Anregung hierzu zu geben sei Zweck des Vortrages gewesen. Träger der Ausführung könne naturgemäß nur der Kreis sein und der Herr Landrat, dem er selbstverständlich erst von dem beabsichtigten Vorhaben in Kenntnis gesetzt habe, habe auch zugesagt einen entsprechenden Antrag die Kosten