54. Jahrgang
Mittwoch, den 25. Februar 1903.
Erschnnt Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Bestellunqen «
i > fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegengenommen.
Teutsches Reich
— Der Kaiser richtete nach der Aufhebung der Blockade in Venezuela an den Kommodore Scheder folgendes Telegramm:
„Ich habe aus Ihren Berichten mit Befriedigung die Ueberzeugung gewonnen, daß Sie, die Kommandanten und die Besatzungen Meiner Schiffe in den venezolanischen Gewässern während der Blockade- Operationen unter schwierigen Verhältnissen in vollstem Maße Ihre Schuldigkeit getan und Ihre Aufgabe gelöst haben. Mit Genugtuung nehme Ich, nachdem nunmehr die Blockade aufgehoben ist, hieraus Veranlassung, Ihnen und .bett Ihnen unterstellten Offizieren und Mannschaften Meine vollste Zufriedenheit für die geleisteten Dienste auszusprechen, und beauftragte Sie dies bekannt zu geben.
— Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. hat sich in einem Schreiben an das Vorstandsmitglied der deutschen Orientgesellschaft, Admiral Hollmann, über den Vor- trag den Professor Delitzsch über „Babel und Bibel" vor dem Kaiser gehalten hat unter anderem wie folgt ausgesprochen:
„Daher ist es meine Auffassung, daß unser guter Professor hierfür der lieber die Religion als solche bei seinen Verträgen in unserer Gesellschaft anzuführen und zu behandeln vermeidet. Dagegen was die Re- ligivn, Sitten ic. der Babylonier in Beziehung zum Alten Testament bringt, ruhig schildern möge. Für mich ergiebt sich daraus die nachstehende SchlH- folgerung:
a) Ich glaube an Einen, Einigen Gott.
b) Wir Menschen brauchen, um ihn zu lehren, eine Form, zumal für unsere Kinder.
c) Diese Form ist bisher das Alte Testament, in seiner Form wird unter der Forschung und den Inschriften und Grabungen sich entschieden wesentlich ändern; das schadet nichts, auch daß dadurch viel vom Nimbus des auserwählten Volkes verloren geht, schadet nichts. Der Kern und Inhalt bleibt immer derselbe, Gott und Sein Wirken!
Nie war Religion ein Ergebnis der Wissenschaft, sondern ein Ausfluß des Herzens und Seins des Menschen aus seinem Verkehr mit Gott."
Der Vertrag „Babel und Bibel" besagt, daß zwischen den Lehren und Auszeichnungen im alten Testament und der allen babylonischen Kultur ein Zusammenhang bestehe; mehrere hervorragende Gelehrte, unter denen auch Professor Delitzsch, wollen das aus den ausgegrabenen Aufzeichnungen, welche
M
Eine Hochzeitsreise
Erzählung von F. Arneseldt.
(Nachdruck »erboten) Fortsetzung.
Erna teilte ihre Ze it zwischen den Eltern und Rehfelde, wohin sie außer der Güte, mit welcher ihr die Besitzer begegneten, noch ein anderer Magnet zog — Benno's Briefe.
Der junge Mann war nach der Kapstadt gegangen um dort als Korrespondent in ein kaufmännisches Geschäft zu treten, um sich zunächst mit den Verhältnissen vertraut zu machen und so viel zu erwerben, daß er selbstständig ein Geschäft beginnen könne. Regelmäßig trafen seine Briefe bei Herrn und Frau v. Rehfeld und durch deren Vermittelung an Erna ein. Er verhehlte nicht, mit welchen Schwierigkeiten er zu kämpfen habe, und daß es harte Arbeit kosten werde, sein Ziel zu erreichen, aber er war guten Mutes und flößte der Geliebten durch seine frische frohe Zuversicht Hoffnung und Freudigkeit ein.
Sie bedurfte derselben; denn ihr Leben war immer schwerer und düsterer; sie ging von einem Krankenbett an das andere. Frau von Rehfeld verfiel in eine lange, schleichende Krankheit, der sie erlag, gerade als Benno nach einem vierjährigen Aufenthalte am Kap zuerst mit Bestimmtheit von den guten Erfolgen seiner Tätigkeit berichtete und seine Heimkehr für einen nicht allzufernen Zeitpunkt in Aussicht zu stellen vermochte.
neuerdings bei der Ausgrabung in Babel gefunden sind behaupten.
— Der Kronprinz hat das Protektorat des im Juni stattfindenden Deutschen Bundesschießens in Hannooer übernommen.
— Reichstag vom 19. Febr. Debatten über Anmeldung von Warenzeichen, Teaterzensur, unlauterer Wettbewerb im Kohlenhandel, Reformbedürftigkeit des Börsengesetzes, Erwerb und Verlust der Reichsange- Hörigkeit und Förderung der Binnenfischerei. Staatssekretär Graf Posadowsky erwidert, daß im letzten Jahre über 1100 Warenzeichen angemeldet sind, bisher 60 000 eingetragen, und' doch die neuan- gemeldeten mit den bisherigen verglichen werden müßten, das erfordere Zeit. Die Teaterzensur könne ihre Aufgabe nie ganz erfüllen, das beste Zensor sei der gute Geschmack des Publikums. Der Verkauf der Brennmaterials nach Gewicht habe außerordentliche technische Schwierigkeiten, ein preußischer Antrag zur Reform be Börsengesetzes liege vor, ein Gesetzentwurf über Reichsangehörigkeit würde der nächsten Session vorgelegt. Hiermit schließt die Aussprache. Das Gehalt des Staatssekretärs wird bewilligt.
20 . Februar. Zum Kapitel: Allgemeine Fonds, wird die Resolution, den Reichskanzler zu ersuchen geeignete Maßregeln zu ergreifen zur Beseitigung und Verhütung der Reblauskrankheit in Elsaß-Lothringen, einstimmig angenommen. Dann werden bewilligt Mk. 50,000 zur Aufwendung für Einrichtungen und Veranstaltungen, die allgemeinen Interessen des deutschen Handels und Gewerbes dienen, ebenso Mk. 75000 zur Förderung des Absatzes landwirtschaftlicher Erzeugnisse und zur Unterstützung wissenschaftlicher technischer und allgemeiner Bestrebungen auf dem Gebiete der Landwirtschaft, ferner die Titel Reichs- kommissariate für Auswanderungswesen, Ausgaben für die Reichsschulkommission, Bundesamt für Heimatswesen, Schiffsvermessungsamt, entscheidende Diziplinar- behörden und Behörden für die Untersuchung von Seeunfällen.
Am 21. Febr. Beratung über das Kapitel „Statistisches Amt". Nach einer Debatte über die deutsche Handelsstatistik und über die Gehaltsverhältnisse der Bureauvorsteher und andere Beamte des statistischen Amtes wird das Kapitel bewilligt, ebenso ohne Debatte das Kapitel Normaleichungskommission.
— Das Abgeordnetenhaus bewilligte am 19. Febr. ohne erhebliche Debatte den Handelsetat. Es folgt die Beratung des Bergetats, welche am 20. Februar fortgesetzt und erledigt wurde. Am 21. Feb. Beratung über einen Gesetzentwurf über die Bildung eines Aus- gleichfonds für die Eisenbahnverwaltung. Es sollen die jeweiligen Etatsüberschüsse zunächst zur Bildung oder Ergänzung eines Fonds bis zur Höhe von 200 Millionen verwendet werden, und zwar: 1. zur Bildung iSäESäss^easiEBsawasaa^^
Ein Jahr nach dem Hinscheiden ihrer gütigen Freundin hatte er dem fernen Freunde den Tod ihres Vaters zu melden, der seit dem Zusammenbruch seines Geschäfts ein menschenscheues Wesen gehabt hatte, sicherlich verfallen und endlich still und schmerzlos hinübergeschlummert war.
Das junge Mädchen konnte mit dieser Trauerkunde eine Freudenbotschaft Verbinben. Ihr Vater hatte Benno verziehen. Wenige Tage vor seinem Tode hatte er Erna, als er sich mit ihr allein gesehen, sie herangewinkt und ihr zugeflüstert: „Ich kann Dir nichts hinterlassen, armes Kind, so will ich Dir denn noch geben, was Dir doch das Wertvollste ist: meine Vergebung für Beneo und meinen Segen zu dem Bund mit ihm, wenn er je wiederkehrt. Aber laß es die Mutter nicht hören, laß mich ruhig sterben," fügte der bis ans Ende schwache Mann hinzu.
Sehnsüchtiger als je harrte Erna auf Bennos Antwort, auf diesen so inhaltreichen Brief; aber er ließ lange, sehr lange auf sich warten. Herr v. Rehfeld, durch dessen Hände seit dem Tode seiner Gemahlin die Korrespondenz der beiden jungen Leute gegangen, zuckte die Achseln und suchte sie in einer Weise zu trösten, der man das Gezwungene anmerkte, so daß sie sich dadurch nur noch mehr beunruhigt fühlte.
Ein zweiter Brief den sie absandte, blieb ebenfalls ohne Antwort, ein dritter hatte das gleiche Schicksal. Von Angst und Sorge verzehrt, beschwor Erna den Vetter, sich an das Konsulat zu wenden und Erkundi-
oder Ergänzung eines außerelarsmüßigen Dispositionsfonds der Eisenbahnverwaltung in Höhe von 30 Millionen, zur Vermehrung der Betriebsmittel, Erweiterung und Ergänzung der Bahnanlagen, sowie zur Grunderwerbung behufs Vorbereitung derartiger Erweiterungen im Falle eines nicht vorher- zusehenden Bedürfnisfes der Staatsbahnen bei zu erwartender Verkehrssteigerung. 2. Zur Ausgleichung eines rechnungsmäßigen Minderüberschuffes der Eisenbahnverwaltung, insoweit derselbe nicht durch einen etwaigen Ueberschuß im gesamten übrigen Staatshaushalt gedeckt wird. 3. Zur Verstärkung der Deckungsmittel im Etat behufs angemessener Ausgestaltung des Extraordinariums der Eisenbahnverwaltung nach näherer Bestimmung des jeweiligen Etats. Die Einnahmen unb Ausgaben des Ausgleichsfonds sind in der jährlichen Etatsübersicht nachzuweisen. Ueber die Verwendung des Dispositionsfonds ist dem Landtag Rechenschaft zu geben. Zur erstmaligen Auffüllung des Fonds für die unter Ziffer 1 genannten Zwecke sollen 60 Millionen durch Anleihen flüssig gemacht werden, aber mit der Maßgabe, daß in einem und demselben Jahre nur 30 Millionen verwendet werden. Das Gesetz ist eine Novelle zum Schulventilgungsgesetz von 1897, wonach sämtliche Etatsüberschüsse zur L-chulden- tilgung verwandt werden müssen. Die Vorlage geht an eine Budget-Kommission.
Ausland.
— Im Pariser Senat. Bei fortgesetzter Beratung des Gesetzes über die zweijährige Militärdienstpflicht nahm das Haus nach kurzer Erörterung die Artikel 50—68 über die Kapitulationen an und begann dann die Beratung der Artikel, welche von der Zivilversorgung der Kapitulanten handeln.
Deputiertenkammer. Das Haus nahm bei der Werterberatung des Gesetzes über die Hausbrenner von Branntwein einen Zusatzantrag an, der dahin zielte diejenigen Brenner von der Steuer zu befreien, die nachweisen, daß sie nicht mehr als 50 Liter Alkohol jährlich herstellen können.
— Der Korrespondenz des Madrider „Jmparcial" in Tanger erhielt aus Fez einen vom 15. Februar datierten Brief, nach welchem die dem Sultan ergebenen Truppen am 11., 12. und 13. Februar einen Kampf zu bestehen hatten gegen den Nachbarstamm des Hyainas, ohne jedoch mit dem Gros der Streitkräfte des Prätendenten zusammengestoßen. Wo sich letztere gegenwärtig aufhalte, wisse man nicht genau. Der Verlust be« Truppen des Sultans sei bedeutend, der der Aufständischen noch größer.
— Einer Depesche aus Caracas zufolge ist in Ma- racaibo die Nachricht von einer neuen Niederlage der Aufständischen eingegangen. Die Regierungstruppen hätten ein Geschütz, viel Waffen und Schießbedarf erbeutet.
gütigen einzuziehen- Nach bangem Harren brächte er die Antwort in einem amtlich beglaubigten Schreiben, — es war nicht wie sie gefürchtet hatte, die Todesnachricht des Geliebten, sondern die Mitteilung, Benn o Treuenfeld stehe im Begriffe, sich mit der Tochter eines der reichsten Diamanthändler in Kapstadt, dessen Namen genannt war, zu vermählen.
Erna sank ohnmächtig zusammen und verfiel in eine Krankheit, die Tage lang einen bedenklichen Charakter anzunehmen drohte.
4.
Schneller, als zu hoffen gewesen, hatte Erna die Krankheit überwunden und körperlich Gesundheit und Kraft wiedergewonnen; allerdings war ihr auch die aufmerksamste und sorgfältigste Bedienung zu Teil geworden. Herr v. Rehfeld, der während ihrer Krankheit die Residenz nicht verlassen, hatte die ausgezeichnetsten Aerzte zu Rate gezogen und von seinem Gut seine Milchschwester, die ehemalige Kammerfrau seiner Gemahlin, eine ihm unbedingt ergebene, ältere, sehr erfahrene Frau, kommen lassen, die sich mit Ernas Mutter in die Pflge teilte. Die letztere legte eine Aufopferung und Selbstverleugnung an den Tag, wie sie ihrer Natur sonst fremd war; um desto tiefer fühlte sich die Tochter dadurch gerührt. Noch viel stärker griff ihr etwas Anderes ans Herz.
(Fortsetzung folgt.)