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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

JE 27.

Samstag, den 4. April 1903.

54. Jahrgang.

Bestellunaen w»

' n fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Ex­pedition entgegengenommen.

Amtliches.

J. N. 428. Die Wittwe des Bauern Georg Rüffer zu Wallroth beabsichtigt, auf ihrem in der Gemarkung Wallroth gelegenen Grundstück Kartenblatt P. Parzelle 73/18, 74/18 einen Kalkofen zu errichten.

Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kennt­nis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzu- bringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwen­dungen in diesem Verfahren nicht niehr angebracht werden.

Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht

Mittwoch, den 22. April d. Js.

vormittags 11 Uhr

vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei benierkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird.

Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können während der Dienststunden im Bureau des Kreis- Ausschusses eingesehen werden.

Schlüchtern, den 2. April 1903.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.

Palmsonntagmorgen-

Es fiel ein Tau vom Himmel himmlisch mild,

Der alle pflanzen bis zur Wurzel stillt;

Laß dein Sehnen,

Laß die Tränen!

Es fiel ein Tau, der alles Dürsten stillt.

Ein sanftes Saufen kommt aus hoher Luft.

Still grünt das Tal und steht in Veilchenduft;

Göttlich Leben

Fühl' ich weben,

Ein sanftes Saufen kommt aus hoher Luft.

wie Engelsflügel blitzt es über Land,

Nun schmückt dich, Herz, tu an ein rein Gewand;

Sieh, die Sonne

Steigt in Wonne, wie (Engelsflügel blitzt es über Land.

Macht weit das Tor! Der König ziehet ein,

Die Welt soll jung und lauter Friede sein;

Streuet Palmen!

Singet Psalmen!

Hosianna singt, der König ziehet ein!

Emanuel Geibel.

Konfirmation.

Ein wichtiger Tag für die jungen Christenkinder, die Schule und oft auch Vaterhaus hinter sich zurück­lassen und nun hinaus ins Leben treten. Wie nötig ist es in solcher ernsten Zeit, den Beistand Gottes zu suchen für die kommenden Lebenswege. Wie trefflich schickt es sich, daß die Kirche in diesem Zeitpunkt die Herzen der so weit herangewachsenen Kinder durchs Wort und feierliche Handlung stärkt und zu den Gnadenquellen des heiligen Abendmahls führt. Gerade die auf die Konfirmation folgenden Jahre sind für die Jugend am gefährlichsten. Da sollten alle, die ihre - Kinder und ihr Volk lieb haben, zusammenwirken, daß die guten Eindrücke der Kindheit nicht verloren gehen. Staat und Gemeinde, Eltern und Arbeitgeber, Lehr- und Dienstherren sind vor Gott verantwortlich für die ihnen anvertrauten Persönlichkeiten der männlichen und weiblichen Jugend. Viel kommt darauf an, daß gleich der Tag der Konfirmation im Hause richtig begangen wird und neben der Freude an diesem ersten erreichten Ziel des Lebens auch der Ernst gegenüber der Zukunft sein Recht behält, daß nicht am Nachmittag und Abend ausgerissen wird, was am Vormittag ge-

pflanzt ist. Die weitere Feier des Konfirmationstages entscheidet ost über den weiteren Lebensgang. Ein gutes Wort ist wohl am Platze, noch mehr hingebende Tat, wenn der konfirmierte nun ins Leben Hinaus­tritt. Die Pflichten der Eltern finden ihre Ergänzung in den Aufgaben der Lehrherren und neuen Vorge­setzten. Nun tuen gute Freunde not, die in diesem wichtigen Lebensabschnitt zur Seite stehen. Die Jugendvereinigungen aller Art wollen solche gute Freunde sein. Zu der sich immer weiter ausbreitenden Arbeit der Jünglings- und Jungfrauenvereine treten neue Bestrebungen hinzu. So ist's ein trefflicher Dienst, am Konfirmationstage schon und weiterhin immer wieder die jungen Leute darauf hinzuweisen als auf einen guten Kameraden im Leben. Zu solchen Dienst will der Konfirmationstag jeden ermähnen, der mit der Jugend Berührung hat.

Deutsches Reich.

Der Kaiser traf mit Gefolge am 2. April kurz vor 7 Uhr früh in Kiel ein, nahm die Meldung des Stationschefs von Koester, des Kommandanten Oberst­leutnants Duerr und des Polizeipräsidenten entgegen und begab sich dann unter dem Salut der im Hafen liegenden Schiffe mittels Salon-Pinasse an Bord der Hohenzollern". Um 77, Uhr morgens verließ die Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord, gefolgt von dem kleinen KreuzerNymphe" und dem Depeschen- bootSleipner" unter dem Salut der Kriegsschiffe den Hafen und trat die Fahrt nach Kopenhagen an.

Die Vorbereitungen zum Empfange Kaiser Wilhelms sind jetzt beendet und werden gewiß einen glänzenden Anblick bieten, wenn das Wetter einkaiserliches" wird. Der Kaiser wird eines der vier Palais am Amalien- platze bewohnen; die drei anderen werden vom König, bom Kronprinzen und vom Prinzen Christian bewohnt.

Die ZeitungDaneborg", das Organ des Justiz­ministeriums, bewillkommnet den Kaiser Wilhelm und schreibt: Der Kaiser wird nicht nur Gast des Königs, sondern des ganzen Volkes sein. Der Kaiser hat durch die Dispositionen, die er für seinen Besuch getroffen hat, gezeigt, daß er von dem Wunsche beseelt ist, das kennen zu lernen, was Dänemark auf dem Gebieie des Geistesund der Arbeit erreicht hat. Er wird ein auf­merksamer Beobachter sein. Denn seine weitumfassenden Interessen und Kenntnisse sind nicht nur tn Leustcyiaud anerkannt, sondern weit über dessen Grenzen. Wir wünschen, daß der Kaiser den Eindruck gewinnt, daß das dänische Volk sich seiner geringen Große bewußt ist, aber daß Dänemark zu derfetben Zeit bestrebt ist, einen Beitrag zu der gemeinsamen Kulturarbeit der Völker zu leisten. Wir finb im höchsten Grade daran interessiert, daß man in unserm mächtigen Nachbarstaat im Süden uns richtig kennt und versteht, so wie wir sind. Denn nur aus diesem Verständnis heraus taun sich gute Nachbarschaft entwickeln. Alle Dänen, die mit dem Kaiser in diesen Tagen in Berührung kommen, werden deshalb alles tun, damit dieser Besuch Gelegen­heit giebt, die Möglichkeiten zu entwickeln, die er in sich trägt.

Das Befinden der Kaiserin ist andauernd gut, der Verlauf des qaeilungsprozesses ein durchaus regel­rechter, sodaß von weiterer Berichterstattung vorderhand Abstand genommen wird.

Der Deutsche Kronprinz und Prinz Eitel Frwünch trafen am 31. März in besten: Wohl;em in Kauo ein. Am 1. April begaben sich die Prinzen von PsmaUla mit einem Dampfer der Suezkanal-Gesestschnfl nau) Port Said, von wo aus sie abends in Lee gingen.

Prinz Waldemar von Preußen, der älteste (-4 jährige) Sohn des Prinzen Heinrich hat sich, in Be­gleitung seines Erziehers von Kiel nach Dresden ve- geben, um im Sanatorium des D.. Lahmann aus dem Weißen Hirsch" wiederum einen mehrwöchigen Kur aufenthalt zu nehmen. Der Prinz hat eine zu dem Lahmannschen Sanatorium gehörige Villa bezogen, die eigens für ihn herge.ichet wurde und in der er bereits im Vorjahre längere Zeit gewohnt hatte. Von dem gegenwärtigen Aufenthalt des jungen Prinzen auf dem Meißen Hirsch wird seine völlige Wiederherstellung erhofft. Nach einer früheren Darstellung des Leidens

des jungen Prinzen ist seine Gehfähigkeit unvollkommen entwickelt.

Im Herrenhause erklärte Landwirtschaftsminister v. Podbielski, daß im vorigen Herbst eine Fleischteuerung, aber keine Fleischnot, bestanden habe. Wie er aber damals gleich prophezeit habe, seien die Preise bald wieder zurückgegangen, bis jetzt für Schweine um 30 bis 32 Mark. Allerdings hätten die großen Berliner Schlächter die Fleischpreise trotzdem auf der früheren Höhe gehalten. Die von der Regierung an gestellten Erhebungen seien noch nicht sertiggestellt, würden aber sobald wie möglich veröffentlicht werden. Diese Erhebungen würden, das könne er schon jetzt sagen, klar ergeben, daß an der Teuerung des vorigen Jahres nicht die Produzenten, sondern die Händler und Schlächter den Hauptanteil gehabt hätten. Augen­blicklich seien die Schweinepreise so niedrig, daß sie schon bald auf dem Punkt angelangt seien, wo die Schweinemast aufhöre, rentabel zu sein. Die Grenz­sperre müsse unter allen Umständen aufrecht erhalten werden. Bei völlig offenen Grenzen würden die Fleischpreise zu schwankend und würde die Seuchenge- fahr zu groß werden. Als wirksames Mittel zur Be­kämpfung der Seuchen hätten sich die Grenzsperren außerordentlich bewährt.

Der Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika v. Leutwein trat die Rückreise nach Afrika an.

Als Aufgaben der kommenden Legislaturperiode des Reichstags werden offiziös folgende Fragen in den Vordergrund gestellt: Erneuerung der Handelsverträge, Armeevorlage infolge Ablaufs des Quinquennals, Gesetz über die Auslandsflotte, ostafrikanische Zemral- bayn. Die Reichsfinanzresorm dürste sich dazu gesellen, ebenso die Reform des Strafprozesses, d-e Reform des Milttärpensionsgesetzes und die des Börsengesetzes.

Die konservative Partei hat auf ihren kürzlich stattgefundenen Delegiertentag folgende Beschlüsse ge­faßt. Wirtschaftspolitik. 1. Es wird gefordert, daß die bestehenden Handelsverträge baldigst gekündigt werden, 2. daß bei Neuordnung unserer Handelsbe­ziehungen die Meistbegünstigung nicht ohne vollkommen gleichwertige Gegenleistungen eingeräumt wird; 3. es |t>U nur solchen Handelsverträgen zugesttmmt werden, welche unter gleichmäßiger Berücksichtigung aller Fab itauouszweige die Lage der Lantwirtschaft wesent- uu) beirrn uno jm ihr Gedeihen ausreichende Grund­lagen bieten 4. Eine Abschwächung der gegenwärtigen Börsengesetzgebung ist zu verhindern.

Arbelterfursorge und Mittelstand. 1. Die konser­vative Parier 'reibt nicht Sozialpolitik, um nicht uner­füllbare Versprechungen, wohl aber will sie tue uner^chütterl-chen Grundsätze des Christentums und deren Berärigung in der Gesetzgebung zur Geltung gebracht seyen. 2. Die Fürsorge für die wirtschaftlich Schwachen, welche durch die Allerhöchste Boqcyaft Kaiser Wilhelms 1. vom 17. November Idol ernge- leuei ist, hat sich nicht nur auf die Arbeiter, für welche durch Arbetterschutz- und Versicherungsgesetze inzwischen bereits Bedeutendes erreicht worden ist, zu erstrecken. Der Mittelstand in oußt und Land l^audwerrer, Kleingewerbe, Heiner und mittlerer Grundvesttz u[io; von dessen Gedeihen die Erhall.ng des lüuieiluuüev ab ängig ist, erscheint auf das höchste gefährdet unb ist zum TAl unter die wirtschaftliche Lage von Lohn- aibeuen t,e...dge,unken. Die für den Mittelstand Miabwctsda.ru ..ßnahmen h^ier wird Bezug auf Punct y uuo - v... ........ uoen Parteiprogramms genominen) ,m -m. .m^e. yru^uszujchiebeu. o. blieben erfiuv. ..c.......... Partei: a) die weitere Ausgestaltung ve_. m.oeir..,nutzes, namentlich mit Bezug auf die ^.beu der Frauen und einher, so weit Gesundheit und Familienleben gefährdet erscheinen; b) die Verbesserung der Arbetterversichexungsgesetze, wobei dem Plan einer Wittwen- und Warsenversichec- ung ernstlich näher zu treten ist. 4. Der konservativen Partei würde das freudige Eintreten für die Arbeiter« furforge wesentlich erleichtert werden, wenn die Re­gierungen im Reich und in den Einzelstaaten sich aus­nahmslos entschließen möchten, a; für die Erhaltung und Förderung des Mittelstandes, b) für einen besseren Schutz der nationalen Produktion, c) gegen die gemein-