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SchlüchternerMung

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1 » fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Ex­pedition entgegengenommen.

Deutsches Reich.

Der Kaiser wird, soweit bis jetzt feststeht, wie alljährlich am 20. April Berlin verlassen, um bis zum 23. April zum Besuch des Großherzogs von Sachsen- Weimar auf der Wartburg zu weilen. Dann wird er am 30. April in Bückeburg an der Hochzeit des Großherzogs von Sachsen-Weimar mit der Prinzessin Karoline von Reuß ä. L. teilnehmen, und von dort aus die Reise nach Italien antreten. Er wird am 2. Mai in Rom eintreffen und etwa eine Woche bei den italienischen Majestäten weilen. Von Italien wird er sich zunächst nach Donaueschingen zum Fürsten Fürstenberg begeben und alsdann nach einem kurzen Aufenthalt in Straßburg etwa von Mitte des Monats Mai an einen Aufenthalt im Schloß Nrville bei Metz nehmen. Gegen Ende des Monats Mai wird er wieder in Berlin bezw. im Neuen Palais bei Potsdam zurückerwartet.

Die Kaiserin sieht zu ihrem eigenen lebhaften Bedauern nach ärztlichem Rat genötigt, auf die Teil- na^me an der Reise des Kaisers nach Italien zu verzichten.

Der Teutsche Kronprinz und Prinz, Eitel Friedrich besichtigten Sonnabend Nachmittag in Be- gleimna des Kronprinzen und der Kronprinzessin die Sehenswürdigkeiten in Athen. Abends besuchten sie mit der Königlichen Familie das Theater.

Am Sonntag morgen nahmen die Prinzen an der Ostermesse in der Königlichen Kapelle teil. Abends fand im Schlosse ein Galadiner statt, welchem der Premierminister, der Minister des Auswärtigen und die Mitglieder der Deutschen Gesandtschaft beiwohnten. Der König überreichte dem Kronprinzen und Prinz Eitel Friedrich das Großkreuz des Erlößerordens. Bei dem Diner brächte der König in deutscher Sprache einen Trinkspruch auf die Prinzen aus, in welchem er seiner großen Freude über den Besuch des Deutschen Kronprinzen und des Prinzen Eitel Friedrich Ausdruck verlieh, die er von ganzen, Herzen willkommen heiße. ' Nach den, Diner unterhielt sich der Kronprinz mit dem Minister des Auswärtigen und sprach hierbei seine lebhafte Befriedigung über den bereiteten herz­lichen Empfang aus.

Ein parlamentarischer Berichterstatter verzeichnet das Gerücht, daß dem Reichstage noch ein Nachtrags­etat zugehen werde. Darin soll die von der Budget­kommission und vom Plenum abgelehnte Forderung für den Neubau des Reichsmarineanits in veränderter Form unter Ermäßigung des Kostenanschlags wieder

Line Hochzeitsreise

Erzählung von 8. Arnefeldk.

(Nachdruck verboten)

Fortsetzung.

Sie sollen es sogleich erfahren. Ich habe Ihnen bereits mitgeteilt, daß ich in Wien in dem Augenblicke auf dem Bahnhof ankam, wo der Zug, in dem Herr und Frau v. Rehfeld befanden, im Begriffe stand, ab- zugehen, und daß ich nur noch Zeit hatte, in ein Koupee zu springen. Es saßen schon drei Herren darin; lch war jedoch viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt, um auf meine Reisegefährten zu achten. Zwei derselben stiegen bald wieder aus, der dritte blieb und suchte mich sehr gegen meinen Willen in ein Gespräch zu ziehen und ward mir auch dadurch lästig, daß er, so oft der Zug hielt, aus dem Wagen kletterte und sich dabei so ungeschickt benahm daß er bald stolperte und auf mich fiel, bald mein Reisegepäck Herunterwarf, das er dann immer wieder mit einer Entschuldigung in Ordnung brächte. Jetzt weiß ich, daß diese anscheinende Tölpelei Absicht gewesen ist."

Wieso?"

Er ersah dabei die Gelegenheit, mich zu berauben, und hat mir den Dolch entwendet, der in meinem Ueber- zieher steckte, den ich ausgezogen und neben mich gelegt hatte." . Ä

Der Reisende 'war aber nicht mehr in dem Koupee, Sls der Mord geschah."

Samstag, den 18. April 1903

ausgenommen werden, nachdem die Besitzer der in Frage kommenden Grundstücke an der Bellevuestraße ihre Angebote erniedrigt haben.

Die Auswechselung der Ratifikationsurkunden zu dem Vertrage zwischen dem Deutschen Reiche und dem Großherzog von Luxenburg vom 11. November 1902 über den Beitritt der Wilhelm-Luxemburg-Eisen- bahnen wurde im Auswärtigen Amte vollzogen.

Wie aus Berlin gemeldet wird, ist nunmehr endgiltig beschlossen worden, die Reichstags-Stich- Wahlen am 25. Juni stattfinden zu lassen.

Zu der am 15. April in Bremen stattgefundenen Eröffnung des neunten internationalen Kongresses gegen den Alkoholismus waren die Teilnehmer sehr zahlreich eingetroffen. Neben vielen Vereinigungen des In- und Auslandes hat eine Anzahl Städte offizielle Vertreter entsandt. Die preußische Regierung vertrat Staatssekretär Graf Posadowsky, die gemein- sam mit dem Bürgermeister Pauli das Ehrenpräsidium über den Kongreß übernommen hatte.

Zur Lage des deutschen Arbeitsmarktes schreibt dieArbeitsmarkt-Korresp": Wer aus kleinen An­zeichen Rückschlüsse auf die Veränderungen im wirt­schaftlichen Leben zu machen weiß, wird gegenwärtig den Nachrichten aus dem Bekleidungsgewerbe eine gewiffe Bedeutung beilegen. Es kann kein Zufall sein, daß in den Berichten der deutschen Arbeitsnachweise, wie sie allmonatlich an die Berliner ZeitschriftDer Arbeitsmarkt" gerichtet werden, über den Monat März gleichzeitig von einer Reihe rheinischer Arbeitsnach- wnse (Köln, Mainz, Heidelberg, Konstanz, Freiburg, Pforzheim), aber auch anderer, nord- und süddeutscher (Kiel, Nürnberg) mitgeteilt wird, daß nach Schneider- gesellen die Nachfrage sich in einem Umfange bewegt, der nicht mehr befriedigt werden kann. Diese Wirkung hatte im Vorjahre der herannahende Frühling nicht geübt. Das läßt darauf schließen, daß in der großen Masse der Bevölkerung die während der Krisis ge­minderte Konsumtionsfähigkeit zurückzukehren beginnt. Der Arbeitsmarkt im Bekeidungsgewerbe gestattet in dieser Beziehung einen Rückschluß auf die Lage der Familienhaushalte im Allgemeinen. Die Annahme stimmt' mit den ziffernmäßigen Ergebnissen überein, die über den März an die genannte Zeitschrift gemeldet wurden. Auf 100 offene Stellen kamen an den Arbeitsnachweisen des Deutschen Reiches 124,6 Arbeit­suchende, während es im entsprechenden Monat des Vorjahres 148,6 gewesen waren. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt deckt sich ziemlich genau mit den Berichten aus unseren Jndustriebezirken, sowie mit der Kurs­bewegung an der Börse, die allerdings schon wieder von einem Optimismus beseelt war, der sich in aller­letzter Zeit einer Korrektur unterziehen mußte. Die Steigerung der Montanwerke stimmte nicht zu der Ab-

Nein, er war auf der Station vorher ausgestiegen und nicht wiedergekommen."

Wissen Sie, wie er aussah und wie er gekleidet ging?"

Ungefähr. Er hatte blondes Haar, einen roten Bart und trug eine grüne Joppe und einen grauen Hut mit einer Feder."

Der Landrichter blickte betroffen auf; das war genau die Beschreibung, welche Frau v. Rehfeld von dem Mörder gegeben hatte; bald lächelte er aber still vor sich hin, er glaubte, die Erklärunge dafür bereits gefunden zu haben.

Der Schaffner hat ausgesagt, Ihr Reisegefährte habe den Zug auf jener Station verlassen", fuhr er fort.

Kann er nicht heimlich wieder eingestiegen sein?" entgegnete Benno.Der Zug stand lange genug still. Die Türen waren geöffnet."

Herr v. Rehfeld und seine Gemahlin hatten das Koupee nicht verlassen."

Nein, ich auch nicht; aber Dorothea war ausge­stiegen. Als man sie wecken wollte, lag sie in einem tiefen, unnatürlichen Schlaf und! O, mein Gott", unterbrach er sich,jetzt wird mit auch das klar."

Was?"

Als der Rotbärtige ausstieg, stolperte er wieder; dabei kam er mit der Hand, in der er das Tuch hielt, meinem Munde und meiner Nase so nahe, daß ich einen scharfen Duft einatmete. Gleich darauf überfiel

54. Jahrgang.

E»-«^«, ------- satzstockung im Bergbau, und ebenso wenig zu der noch keineswegs befriedigenden Lage im Eisengewerbe. Eine durchgreifende Besserung hat sich bis jetzt erst im Textil- und im Baugewerbe gezeigt, wo der März eine erhebliche Zunahme der Neueinstellungen gebracht hat. Im großen und ganzen lassen sich die Nach­richten vom Arbeitsmarkt dahin zusammenfassen, daß die Lage zwar noch nicht normal, aber die Besserung doch wiederum ein gut Stück vorwärts gerückt ist.

An Reichsmünzen wurden ausgeprägt im Monat März für 10542680 Mk. Doppelkronen, 1284050 Mk. Kronen, 3062190 Mk. Fünfmarkstücke, 988362 Mk. Zweimarkstücke, 2292526 Mk Einmarkstücke 192093,50 Mark Fünfzigpfennigstücke, 83753,50 Mk. Zehnpfennig­stücke, 1671,15 Mk. Einpfennigstücke.

Ausland.

Das russische Kaiserpaar wird von Moskau auch für kurze Zeit nach Darmstadt reisen. Von dort aus soll ein Besuch in Italien stattfinden, wobei noch nicht feststeht, ob eine Begegnung mit dem italienischen König in Rom oder anderswo stattfindet.

Der russische Minister des Aeußern teilte dem russischen Botschafter in Konstantinopel mit, daß Kaiser Nikolaus auf die Depesche, welche den Tod Schtscherbinas meldete, eigenhändig die. Worte geschrieben habe: L-chtscherbina starb als edler Held in Ausübung seiner Pflicht.

Rußland verlangt als Entschädigung für die Familie des russischen Konsuls Schtscherbina 120000 Franken, dit Entsendung von 20000 Mann anatolischer Truppen nach Abt-Serbien zur ständigen Niederhaltung der Albanesen und endlich die Errichtung einer Sühne- kapelle auf dem Tatorte. Der Mörde wurde zum Tode verurteilt.

Am 12. April wurde in Madrid eine Ver­sammlung von Republikanern abgehalten, die von 15 000 Personen besucht war. In derselben wurde mitgeteilt, daß auch in den Provinzen an zahlreichen Orten Zusammenkünfte unter Beteiligung von mehr als 300 000 Republikanern stattgefunden hätten. Es wurden sehr erregte Reden gehalten, die von Hochrufen auf die Republik begleitet waren. - Zn der Versammlung in Barcelona hatten sich 20 000 Personen eingefunden. Es wurde der Beschluß gefaßt, alle Republikaner zu einer Partei unter alleiniger Führung von Salmeron zu vereinigen.

Nach einer Meldung aus San Salvador hat sich Juan Arias, der zum Präsidenten ernannt worden ist, während General Sierra den Oberbefehl über die gegen Bonilla entsandten Regierungstruppen übernommen hatte, Bonilla ergeben, dessen Truppen ^ie Haupt­stadt Tegucigalpa eingenommen haben.

Am Freitag kam es in Smerdesch, Vilajet Monastir, zu einem Zusammenstoß zwischen eine r Ab- mich eine tiefe Müdigkeit, so daß ich einschlief und nicht gewahr wurde, daß der Schaffner die Tür schloß und der Zug sich wieder in Bewegung setzte."

Was wollen Sie daraus folgern?"

Daß der Bösewicht mich und auch die Kammerfrau betäubt bat, um sein Verbrechen ungestört ausführen zu können."

Sie sind doch aber dazugekommen."

Die Betäubung ist bei mir unvollständig gewesen und hc t nur kurze Zeit vorgehalten. Den ersten Hilferuf, den Frau v. Rehfeld ausgestoßen hat, habe ich, wie ich mich jetzt entsinne, wie aus weiier Ferne, wie im Traume vernommen; beim zweiten fuhr ich empor und stürzte in das Koupee."

Sie untersuchten Herrn v. Rehfeld's Wunde?"

Nein, ich bin ihm gar nicht zu nahe gekommen. Bei meinem unvermuteten Erscheinen fiel mir die Dame ohninächtig in die Arme; gleich darauf hielt der Zug, und man sprang dem Unglücklichen bei."

Benno schwieg; auch der Landrichter saß einige Minuten nachdenklich.Jchffnache Ihnen mein Kompli­ment", sagte er dann.Sie haben in aller Eile eine Fabel ersonnen, die sich hören läßt."

Eine Fabel!" rief Treuenfeld.Sie glauben mit nicht?"

Nur haben Sie dabei einige wichtige Umstände, außer Acht gelassen", fuhr der Landrichter, ohne auf Unterbrechung zu achten, fort.

(Fortsetzung folgt.)