SchlüchterimMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg. ---- ■ „ms - - .. - ----------------------------------------------- -------------- ----------------------------------------------------------- -------------- . - i- -in - |j .....7--" ' ' ------------------ ' —......-~ - eM 46. Mittwoch, den 10. Juni 1903. 54. Jahrgang.
Beftellunaen&# «^'^ wnvuw^y^ fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegengenommen.
Amtliches.
Deichstagsmahl.
Die Vorschrift in § 21 des neuen Wahlreglements
vom
28. Mai 1870
28. April 1903
wonach alle Stimmzettel und
Umschläge, soweit sie nicht dem Wahlprotokolle beizu- sügen sind, einzuschlagen und zu asservieren sind, sowie der Vordruck im drittletzten Absätze des Wahl
protokolls baben nach einer Mitteilung des Herren Ministers mehrfach zu der irrtümlichen Auffassung geführt, als seien die unverwendet gebliebenen Umschläge bis auf Weiteres bei den Wahlvorstehern zu asservieren oder dem Wahlprotokolle beimfügen. Dieser Auffassung gegenüber hat der Herr Minister hervorgehoben, daß sich der § 21 des Reglements nur auf solche Stimmzettel und Umschläge bezieht, welche bei der Wahl abgegeben worden sind, auf die unverwendet gebliebenen Umschläge aber keine Anwendung findet.
Dementsprechend ist der oben bezeichnete Absatz des Wahlprotokolls wie folgt handschriftlich zu ändern:
Die nicht zur Verwendung gelangten Umschläge ( . . . Stück) sind an die Ausgabestelle zurückge- geben worden.
Die Herren Wahlvorsteher mache ich hierauf mit dem Ersuchen aufmerksam, mit den unverwendet gebliebenen Umschlägen nach Maßgabe meiner Bekanntmachung vom 25. Mai d. Js. zu verfahren.
Schlüchtern, den G. Juni 1903.
Der Königliche Landrat: I. V.: Goerz.
Behufs Herstellung einer Decklage auf der Hanau- VachaJr Straße im Orte Fliehen wird diese Straßen- strecke vom Montag, den S. bis Mittwoch, den 17. Juni 1903 für den Fuhrw rksverkehr gesperrt.
Der Verkehr zwischen Schlüchtern bezw. Hof und Heid und Neuhof kann während dieser Zeit über Rückers und Schweben umgelcitet werden.
Auf Fuhrwerke für landwirtschaftliche Zwecke findet die Sperre nach der Polizeiverordnung vom G. April 1877 keine Anwendung.
Fulda, den 3. Juni 1903.
Der Königliche Landrat.
Deutsches Deich.
— Die in unserer letzten Nummer erwähnten Ansprachen Sr. Majestät des Kaisers und des Oberbürgermeisters von Frankfurt a. M. am 4. Juni bei
Line Hochzeitsreise.
Erzählung von F. Arnefeldt.
(Nachdruck verboten) Fortsetzung.
„Das sind die Eisenbahnbeamten, die auf das Notsignal herbeikamen," hieß es; „der Herr dort ist der Arzt, der zusällig im Zuge war; dort kommt die Neh- seldffche Dienerschaft, mir der alten Kammerfrau; und jetzt fährt Frau v. Rehfeld mit ihrer Mutter vor," flüsterte man, als ein Wagen sich im raschen Trabe räderte, war aber sehr enttäuscht, daß nur eine alte Dame ansstieg, welche das bleiche, vergrämte Gesicht Zu Boden gesenkt hielt und sich auf den Arm eines Dieners stützte.
„Die Mutter kommt allein; wo ist die "Tochter?" ging es fragend durch die Reihen. „Sie ist die Haupt- Zeugin."
„Sie ist verhaftet, sie ist mitangeklagt," käm die Antwort von der einen Seite.
„Nein, sie ist entflohen und wird steckbrieflich verfolgt", berichteten andere. „Ihre Mitschuld ist so gut wie erwiesen; es wird dem Gerichte zum schweren Vor- wurf gemacht, daß man sie so lauge aus freiem Fuße gelaffen hat."
„Die Rehfeld'schen Verwandten haben bereits den Antrag gestellt, das hinterlassene Vermögen mit Beschlag zu belegen, da man doch unmöglich der Mörderin ^ie Verfügung darüber überlassen könne."
dem Besuch des Kaiserpaares im Römer zu Frankfurt a. M. lauteten:
Eure Kaiserliche und Königliche Majestäten bitte ich, für die huldvolle Gewährung dieses Rathausbesuches namens der hier versammelten städtischen Behörden ehrfurchtsvollsten Dank darbringen zu dürfen. Nahezu 500 Jahre sind vergangen, seit das älteste Rathaus dieser Stadt, wovon wir Kunde haben, der Donierweiterung, und insbesondere dem Bau des großen Turmes, weichen mußte. Damals, im Jahre 1405, erwarb in Wirrenreicher und schwerer Zeit der Rat das Haus zum Römer und den angrenzenden Besitz und, erbaute darin alsbald die noch heute als Zeichen starken und selbstbewußten Bürgersinnes ragenden Römerhallen und bald darauf den Kaisersaal. Und seitdem ist das Regiment dieser Stadt von dieser Stätte aus ge- sührt worden, welche zugleich den Kaiserwahlen und und den Messen dienstbar war, und deren Namen deshalb allüberall in deutschen Landen vertrauten Klang besaß. Bange Sorge erfüllte daher die Herzen, als in neuester Zeit angesichts der raschen Bevölkerungszunahme und der gewaltig wachsenden, kulturellen und sozialen, wirtschaftlichen und technischen Aufgaben der Stadtverwaltung die alten Räume zu eng wurden lind immer gebieterischer die Notwendigkeit eines Rathauses und damit die Frage hervortrat, ob denn die städtischen Behörden wirklich ihren durch die Erinnerungen eines halben Jahrtausends geweihten Römer verlassen sollten. Es erschien unmöglich; und getreu bent Goetheschen: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es zu besitzen," suchten und fanden wir endlich mit Hilfe begnadeter Künstler den Weg, der die Möglichkeit gab, unter Beseitigung entbehrlich gewordener oder untergeordneter Bauteile und durch Anfügung neuer, dem 'gegenwärtigen Bedürfnis angepaster Räume, in engem Anschluß an den alten Römer und doch ohne Gefährdung seines eigenartigen Bildes, einen geräumigen, straßenüberspannenden und erweiterungsfähigen, an die gewundenen Straßen der Altstadt und ihren baulichen Charakter sich eng anschmiegenden Neubau zu errichten, und so der Väter Erbe auss Neue uns zu eigen zu machen. Heute nun sind wir glücklich, als ersten, festlichen Akt in diesem neuen Saal die Huldigung der städtischen Behörden vor Euren Majestäten vollziehen und so auch für die neuen Räume des alten Römers eine persönliche Beziehung zu unserem erhabenen Herrscherhaus begründen zu können Wohl ist die besondere Verbindung, welche in dem alten Reich zwischen Kaisertum und Kaiserstadt und Römer bestand, lang und unwiederbringlich gelöst. Um so fester aber nnd unlöslich sind die Bande, welche biefe Stadt und das ganze wirtschaftliche
Es war in allen diesen Dingen ein Körnchen Wahrheit. Erna's rätselhaftes Verschwinden hatte ihre Mutter mit der bangsten Besorgnis erfüllt und auch dem bereits gegen sie erhobenen Verdachte neue Nahrung gegeben; besonders war es die alte Dorothea, die mit lauter Stimme ausschrie, die Frau sei im Bewußtsein ihrer Schuld entflohen. Es hatte auch seine Richtigkeit, daß Seitenverwandte, die durch das Testament des verstorbenen Herrn v. Rehfeld sich schwer geschädigt glaubten, Versuche gemacht hatten, den günstig erscheinenden Augenblick zur Vernichtung des Testaments zu benutzen; noch waren keinerlei Schritte gegen Erna geschehen und konnte nichts getan werden, da sie nichts begangen hatte, was dieselben zu rechtfertigen geeignet war.
Sie befand sich auf freiem Fuße; sie besaß das Recht sich hinzubegeben und aufzuhalten, wo sie wollte; sie war gesetzlich keinem Menschen Rechenschaft von ihrem Tun und Lassen schuldig. Ihre plötzliche, geheimnisvolle Entfernung mochte unschicklich für eine junge Witwe sein, die unlängst unter so erschütternden Umständen den Gatten verloren hatte; sie mochte damit rücksichtslos gegen ihre Mutter, unklug gegen sich selbst gehandelt haben; verdächtig aber und in gewisser Beziehung auch strafbar ward sie erst, wenn sie sich zu der heutigen Verhandlung, zu der sie geladen war, nicht einfand.
Und fast schien es, als irgend ein Hindernis einge- treten; denn der Beginn der Sitzung verzögerte sich
und geistige Schaffen, das Blühen und Gedeihen ihrer Bürgerschaft mit dem unter dem Erbkaisertum der Hohenzollern geeinten neuen Reich verbinden. In Treue fest zu Kaiser und Reich! Das sei daruni auch heute unsere Losung und unser Gelöbnis. Mit diesem Gelöbnis aber steigen zugleich aus treuem Herzen und ehrfurchtsvollem Sinne heiße Wünsche empor, daß der Ewige Euer Majestät Herrschersorgen und Herrschermühen, Wirken und Schaffen allzeit segne, und Euren Majestäten den kostbaren Schatz am schönstem, menschlichem Glück erpalte und bewahre, und so erschalle kenn nun zum erstenmal in diesem Saale der begeisterte Ruf: „Seine Majestät, unser allergnädiger Kaiser und König Wilhelm II., und Ihre Majestät, unsere Kaiserin und Königin, leben hoch!"
Nach diesen Worten bot der Oberbürgermeister dem Kaiser den Ehrentrunk in einem vom Stadtrat Metzler gestifteten, künstlerisch ausgesührten silbernen Pokale dar.
Auf die Worte des Oberbürgermeisters antwortete der Kaiser mit folgender Rede:
„Es ist mir ein Bedürfnis, im Namen Ihrer Majestät der Kaiserin und in meinem der Stadt Frankfurt aus tiefstem Herzen warmen Dank zu sagen für die Tage, die sie uns bereitet. Spontan, ein Ausdruck herzlichen Gefühls, war der gestrige Empfang, getragen von dem aus vielen tausend Kehlen gesungenen deutschen Liede; es war so recht das Bildnis der sich kräftig regenden, nach allen Richtungen sich entwickelnden, großen Metropole, der Erfolg dessen, was das Schwert meines siegreichen Großvaters für das Vaterland errungen hat, ein Beweis dafür, wie gut es Frankfurt unter der preußischen Krone gegangen ist. Vom Kyffhäuser her zog meine Bahn zur alten Römerstadt hin. Das Kyffhäusertor ist gesprengt, und offen sind die Tore und Gassen der Stadt Frankfurt geworden, vergangen die alten Zeiten und zur Geschichte geworden. Das neue Deutsche Reich hat Frankfurt zur neuen Bedeutung sich entwickeln sehen, und so war es denn mein Wunsch, wie schon in früherer Zeit aus Frankfurt die ersten, schönen Sprießlinge des deutschen Liedes entstanden, und wie heute zum erstenmale in Ihren Mauern deutsche Männer sich versammelt Haben, um nach alter Sitte im Lied miteinander zu ringen. So möge in Verbindung mit der modernen Entwickelung und Ausgestaltung der Stadt wie hier im Rathause die Pflege der alten Traditionen und der alten Geschichte der Stadt Hand in Hand gehen, denn nur, wer seine Geschichte pflegt, wer seine Traditionen hochhält, kann in der Welt^etwas werden. Die Ordenskette, die Sie um die Schultern Ihres Oberbürgermeisters glänzen sehen, ist ein Beweis dafür, wie gerade auf einem weit über die dafür angesetzte Stunde. Die Zeugen und die Geschworenen waren an ihren Plätzen; aber der Gerichtshof säumte zu erscheinen, und auch der berühmte Verteidiger aus der Residenz, dessen Plaidoyer alle Welt mit so großen Erwartungen entgegensah, hatte sich noch nicht eingefunden.
Von Minute zu Minute stieg die Ungeduld; der weite Schwurgerichtssaal war erfüllt von einem Summen und Brausen, als wollten sich die Wogen des Meeres darüber hinwälzen; es zischelte und wisperte in den Gängen und Korridoren; selbst in die entlegensten Büreauzimmer drang die Kunde, daß sich etwas Ungewöhnliches sich zugetragen haben müsse.
Derjenige, welcher der kommenden Stunde allen ani ruhigsten entgegensah, war die Hauptperson, war Benno Treuenfeld selbst. Sein Verteidiger hatte ihn besucht und ihm Kunde gebracht von dem, was Erna für ihn getan und noch tat, und daß man dem wahren Mörder auf der Spur sei. Er war herzlich dankbar dafür; Erna's umwandelbare Liebe und Aufopferung leuchtete ihm wie ein Stern in der Nacht seines Unglücks; aber er glaubte nicht, daß ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sein würden. Das Gefängnis hatte seinen Mut und seine Spannkraft gebrochen; er konnte nicht merhr wünschen, nicht mehr hoffen, eine stumpfe Gleichgiltigkeit hatte sich seiner bemächtigt.
(Fortsetzung folgt.)