Einzelbild herunterladen
 

MuMemerMmg

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 51.

Samstag, den 27. Juni 1903.

54. Jahrgang.

Einteilung zum Abonnement

auf die 8c!llüsterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt.

Die Schlüchterner Zeitung, die älteste Zeitung des Kreises Schlächtern, (54. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge in unserem Reiche wie auch im Auslande.

UnterLokales und Provinzielles" berichtet die Schlüchterner Zeitung über alle neue und be­merkenswerte Vorkommnisse aus dem Kreise und der Provinz.

Die Schlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.

finden in der über alle Ort- O schaffen des Kreises und weiter hinaus verbreiteren Schlüchterner Zeitung wirk- same Verbreitung.

Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Kreisblatt

1 Mark.

Um gefl. Neubestellung bittet höflichst

Expedition der Schlüchterner Zeitung.^

Jetzt beitretende Abonnenten erhalten bis 1. Juli die Zeitung gratis zugestellt.

Deutsches Reich.

Seine Majestät der Kaiser traf am 22. Juni nachmittags 6'/4 Uhr an Bord derHohenzollern," die von dem KreuzerNymphe" und dem Depe;chen- bootSleipner" begleitet war, in Cuxhaven ein.

Abends 8 Uhr wurde auf dem DampferMoltke" von der Hamburg-Amerika-Linie ein Festmahl gegeben, an dem der Kaiser teilnahm. Der Ehrenpräsident des Norddeutschen Regattavereins, Bürgermeister Dr. Mönckeberg brächte ein Hoch auf den Kaiser aus.

Seine Majestät der Kaiser ist am 24. Juni von Cuxhaven abgereist und hörte auf der Fahrt von Brunsbüttel nachKiel dieVorträge desChefs desZivil- und des Marinekabinets. Beim Eintreffen in dem Kieler Hafen führte dieHohenzollern" auch die amerikanische Flagge. Der Kaiser stand auf dem Vorderdeck und salutierte andauernd. Nachdem dieHohenzollern" fest­gemacht hatte, meldeten sich Prinz Heinrich und der Stationschef Admiral Köster. Ferner empfing der Kaiser auf derHohenzollern" den Adniiral und den Kommandanten des amerikanischen Geschwaders. Die Kaiserin und Prinz Adalbert sind abends aus Plön eingetroffen und begaben sich an Bord derHohen­zollern."

Erzählung Don F. Arnefeldt. (Nachdruck »erb olen) Fortsetzung.

Wieder hatte er zum Spiel seine Zuflucht genommen, und als Paris sich leerte, den Weg nach Ostende ein­geschlagen, von wo er später nach Monaco zu gehen gedachte. Er kam nicht mehr so weit; der Arm der Vergeltung ereilte ihn schon an den Gestaden der Nordsee. Sein furchtbarer Wahlspruch, der ihn auf die Bahn des Verbrechens geführt, war an ihm zum Verräter geworden und hatte ihn der verdienten Strafe überliefert.

Das Urteil gegen Günther lautete auf Tod, die Gnade des Landesherrn wandelte es indes in lebens­längliche Zuchthausstrafe um. Ehe man ihn jedoch zur Verbüßung derselben an einer der großen Landes­strafanstalten abliefern könnte, fand - man ihn eines Morgens tot in seiner Zelle. Er hatte sich am Tür­pfosten aufgehängt. . . .

Benno, Erna, konnt ihr mir verzeihen!" Mit diesen Worten eilte, gebrochen und in Tränen aufgelöst, Frau Göldner den, jungen Paar entgegen, als es, von dem Rechtsanwalt begleitet, in der Wohnung im Hotel anlangte,, welche Erna für die Zeit ihres Aufenthaltes in G . . . daselbst gemietet, und die sie auch beibe­halten hatte, als sie sich auf ihre geheimnisvolle Reise begab. Der Anblick der tiefgebeugten Frau hatte et- was Erschütterndes. Die Tochter schloß sie in die

Prinz Friedrich Heinrich von Preußen nahin die auf ihn gefallene Wahl zum Präsidenten der Deut­schen Landwirtschafts-Gesellschaft für 1903/04 an.

Anläßlich der am 20. Juni erfolgten Voll» zieAng des Vertrages betr. den Verzicht Schwedens auf das aus dem Malmöer Vertrage herrührende Wiedereinlösungsrecht an Stadt und Herrschaft Wis- mar telegraphierte der Großherzog von Mecklenburg an den König von Schweden: Nachdem mit dem heutigen Tage der Vertrag betreffend den Verzicht Schwedens auf das Wiedereinlösungsrecht an Wismar vollzogen worden ist, gestatte ich mir, Eurer Majestät noch einmal meinen aufrichtigsten Dank auszusprechen für die gnädige und wohlwollende Gesinnung, welche Eure Majestät mir und meinem Lande in dieser An­gelegenheit in so reichem Maße bewiesen haben. Der König antwortete: Eurer königlichen Hoheit für das gestrige Telegramm meinen herzlichsten Dank aus­sprechend, sende ich meine aufrichtigsten Wünsche für das zukünftige Wohl Wismars.

Die neue Station für drathlose Telegraphie in Brunnsbüttelkoog wurde jetzt mit dem neu kombi­nierten System Slaby-Arco-Braun-Siemens ausgestat­tet. Ursprünglich war die Station für das System Braun-Siemens bestimmt. Sie tauschte in den letzten Tagen erfolgreich telegraphische Nachrichten mit der Hohenzollern", Helgoland, Cuxhaven und Hamburg aus und wird in nächster Zeit eine Verständigung mit dem Feuerschiff aufnehmen und allmählich den gesam­ten welleutelegraphischen Verkehr mit den Stationen am Nordostseekanal und mit den diesen passierenden Kriegsschiffen aufrecht erhalten.

Die drei amerikanischen KriegsschiffeChicago", Sau Fraucisco" undKearsarge" sind am 23, Jum im Kieler Hafen eingetroffen und haben unter dem üblichen Salut die Liegeplätze eingenommen. Befehls­haber ist Admiral Co.ton. Durch den Kaiser-Wilhelm- Kanal traf der amerikanische KreuzerMachias" ein. Der amerikanische Admiral Cotton stattele kurz nach dem Eintreffen des Geschwaders dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich im Schlosse einen Besuch ab, den Prinz Heinrich im Laufe des Nachmittags an Bord desKearsarge" erwiderte. Auch der amerikanische Konsul begab sich an Bord desKearsarge".

Die Neumarkt-Schützengesellschaft in Halle a. S. feiert gegenwärtig das Jubiläum ihres 300jährigen Bestehens. Die städtischen Behörden waren durch De­putationen vertreten, die Glückwünsche überbrachten, der Kaiser widmete der angesehenen Gesellschaft als Festgeschenk eine künstlerisch ausgektattete Fahne, die Reg.-Präsident Frhr. von der Recke mit einer Ansprache übergab, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, daß sich die Bürgerschaft trotz der Erfahrungen der letzten Tage (sozialdemokratische Reichstagswahl) allezeit als Ehrhaft, Wehrhaft, Seßhaft erweisen werde.

Arme.

Verzeihe auch Du mir Mutter", bat sie,ich habe Dir durch mein rätselhaftes Verschwinden schweren Kummer bereitet."

Das" hast Du, mein Kind, das hast Du!" schluchzte die Muttero, Du weißt nicht, wie grenzenlos ich ge­litten habe, und doch auch, damit habe ich eine Schuld gegen Dich begangen, ich glaubte, ich glaubte"

Laß es gut sein, Mutter", wehrte Erna, die ein tiefes Mitleid mit der armen Frau empfand; aber diese erklärte entschieden:

Nein, Ihr müßt alles wissen, nur wenn Ihr mir verzeiht, kann ich versuchen, wieder ruhig zu werden. Ich glaubte, Du habest Dich nicht frei von der Schuld an der furchtbaren Tat gefühlt und seiest entflohen, um Dich der Strafe zu entziehen. Ich glaubte, es sei Benno gelungen, sich schon früher mit Dir ins Ein­vernehmen zu setzen, und der Zusammenstoß zwischen ihm und Rehfeld sei mit Deinem Vorwissen geschehen."

Bei diesem Geständnis wich die jun :e Frau doch unwillkürlich einen Schritt zurück.'O, Mutter, wie wenig kanntest Du Deine Tochter, wie wenig kanntest Du den, welchen Du so lange Deinen Pflegesohn ge­nannt", sagte sie sanft; aber das Wort traf Frau Göldner doch sehr empfindlich.

Ich weiß es ja!" rief sie in schmerzlichen Tone, ich habe mein Kind auf immer verloren."

Nein, Mutter, das hast Du nicht," entgegnete Erna und schmiegte sich von neuern an sie, und jetzt

Ausland.

Die bereits vom Schweizerischen Nationalrat genehmigte Vorlage betreffend die Neubewaffnung der Feldartillerie mit Krupp'schen 7,5 cm Rohrrücklauf- Geschützen wurde vom Ständerat mit 27 gegen 11 Stimmen angenommen.

Am 24. Juni nachmittags um 6 Uhr setzte der Papst im Thronsaal, umgeben vom Hofstaat und den neuen Kardinälen, darunter Erzbischof Fischer-Cöln, den Kardinalshut auf. Die in Begleitung des Erz- biscbofs Fischer weilenden Personen und andere deutsche Geistliche waren zugegen. Der Papst richtete an die Kardinäle freundliche Worte. Die Kardinäle statteten hierauf Kardinalstaatssekretär Rampolla einen Besuch ab.

Die Konflikte an der bulgarischen Grenze mehren sich. Am 21. Juni wurde im Rhölopegebirge bei Ladschene zwischen den beiderseitigen Grenzposten den ganzen Tag ein lebhaftes Gewehrfeuer unterhalten, in dem 20 Türken und 1 Bulgare gefallen sein sollen. Den Anlaß bot ein Versuch der Türken, die Leiche eines auf bulgarischem Gebiete gefallenen Pomaken zurückzubringen. Ferner wird gemeldet, daß die Türken den Grenzpunkt Sultantepe im Ruengebirge, welcher die Straße von Dupnitza^ nach Küstendil be­herrscht, mit 4 Bataillonen, 25 Geschützen und 4 Eskadronen, angeblich in Verfolgung zweier Banden, besetzt haben.

Am 22. Juni entbrannte bei Bodena ein er­bitterter Kampf türkischer Truppen mit bulgarischen Vanlen.

Aus Konstantinopel wird berichtet, daß die Kurden ein armenisches Kloster angriffen, plünderten und 6 Mönche töteten. Am nächsten Tage plünderten sie einige armenische Dörfer und töteten die angesehensten Bewohner.

Die Truppen des Sultans von Marrokko er­litten bei Tazza eine schwere^Niederlage. Ihr Verlust wird auf 300 Mann geschätzt.

Der neue König Peter I. von Serbien ist am 22. Juni von Genf abgereist. Die Abreise des Königs glich einem Triumphzuge. Die Bevölkerung Genfs wurde von Enthusiasmus ergriffen, als der König den Bahnhof verließ. Sein Salonwagen war mit Blumen gefüllt. Der König antwortete aus die Grüße der Bevölkerung mit Handküssen.

Vor seiner Abreise richtete der König von Serbien an den Bundesrat und an die Genfer Regierung ein Telegramm, in dem er für die gastliche Aufnahme in der Schweiz dankt.

Nach 45 Jahren ist Peter Karageorgjewitsch, der als 14jähriger Knabe seinem Vater ins Exil folgte, in seine Geburtsstadt und in sein Vaterland als König Peter I. am 24. Juni eingezogen. Einige Minuten vor 10 Uhr erdröhnten die Festungskanonen. Pünktlich um 10 Uhr brauste der Hofzug ein. Zivio-Rufe

trat auch Benno, der bisher abseits gestanden hstte, herzu und ergriff ihre Hand. Sie zuckte heftig zu­sammen, als sie diese Berührung fühlte.

Grollen sie mir noch immer? fragte er.

Nein, Benno, ich habe keine Ursache dazu; aber Du, Du kannst mir nicht verzeihen. Ich hatte Dich in Verdacht, nächst Dorothea war ich die Hauptzeugin gegen Dich und"

Und ich hatte Ihnen allen Grund zu Ihrem ge­geben! fiel Benno ein.In der Einsamkeit meines Gefängnisses habe ich Zeit genug gehabt, mein ganzes leben zu überdenken, meine Handlungsweise zu prüfen, Einkehr bei mir selbst zu halten, wie ich es bisher noch nie getan, und da bin ich zu der Einsicht gekommen, daß uns im Leben so leicht kein Mißgeschick ganz ohne unsere Schuld begegnet. Nach dem Auftritte, den ich Ihnen in Rehfelde machte, nach der Hast, mit der ich den Reisenden nachgesetzt war, mußten Sie mich für den Mörder halten."

Benno hat Recht, Mutter, nichts trifft uns ganz ohne unsere Schuld", versetzte Erna,auch ich habe gefehlt."

Du?" riefen Benno und die Mutter wie aus einem Munde.

Ich habe gefehlt gegen Dich, Mutter, daß ich Jahre lang hinter Deinem Rücken mit Benno korre­spondierte; ich habe gegen Dich gesündigt, Benno, daß ich mich irre an Dir machen ließ; ich hätte an Dich glauben sollen," (Schluß folgt.)