Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Mittwoch, den 1. Juli 1903.
54. Jahrgang.
Einladung zum Abonnement
auf die
Scfifücfitcrncr Leitung
mit amtlichem Kreisblatt
Die Schlüchterner Zeitung, die älteste r Zeitung des Kreises Schlüchtern, (54. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge in unserem Reiche wie auch im Auslande.
Unter „Lokales und Provinzielles" berichtet die Schlüchterner Zeitung über alle neue und bemerkenswerte Vorkommnisse aus dem Kreise und der Provinz.
Die Schlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.
Inc O ^"den in der über alle Ort- ■ schaften des Kreises und weiter hinaus verbreiteren Schlüchterner Zeitung wirksame Verbreitung. Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Kreisblatt 1 Mark.
Um gest. Neubestellung bittet höflichst
Expedition der Schlüchterner Zeitung.
Deutsches Reich.
— Seine Majestät der deutsche Kaiser richtete an den Präsidenten Roosevelt folgendes Telegramm:
Bei meiner Ankunft in Kiel wurde ich von dem schönen amerikanischen Geschwader begrüßt und hatte das Vergnügen, den Admiral Cotton und die Kapitäne zu empfangen. Es war Ihrerseits ein sehr glücklicher Gedanke, das Geschwader nach Kiel zu senden, und ich bin dank diesem Umstände in der Lage gewesen, das prächtige Flaggschiff „Kearsarge" heute zu besichtigen, wobei ich den Kapitän zu dem außerordentlich hohen Maße von Tüchtigkeit und Eleganz des Schiffes und zu dem guten Aussehen der tapferen Mannschaft beglückwünschen konnte. Mit dem Ausdruck meines wärmsten Dantes versichere ich Ihnen, daß das Geschwader hier herzlich willkommen itt und hoffe, ihm seinen Aufenthalt angenehm machen zu können. Jedermann wird sich darum bemühen, daß es sich hier heimisch fühle in Erwiderung des freundlichen Empfanges, der meinem Bruder von den Bürgern Amerikas zu teil geworden ist. Wilhelm, J. R.
Auf dieses Telegramm erwiderte Präsident Roosevelt: „Ich danke Ew. Majestät für die huldvolle Be- Willkommnung des Geschwaders der Vereinigten Staaten und für die in Ew. Majestät Depesche ausgesprochenen anerkennenden Worte. Ich erhielt vom Admiral Cotton bereits Mitteilung über die Freundlichkeit, die Ew- Majestät ihm und seinem Geschwader erwiesen haben. Diese Zeichen der Freundschaft und des Wohlwollens Ew. Majestät für die Vereinigten Staaten machten auf mich einen tiefen Eindruck. Ich erwidere die in Ew. Majestät Depesche zum Ausdruck gebrachten Gefühle auf das Herzlichste.
Theodore Roosevelt.
— Der Kaiser hat der „Köln. Ztg." zufolge dem Marine-Atlacha bei der französischen Botschaft in Berlin Kapitän Grasen de Sugny die Besichtigung der Schiffe des ersten Geschwaders, der Reichswerft, der neuen Torpedostation Mnerwik bei Flensburg und des dort stationierenden Torpedoschulschiffes „Blücher" in und nach der Kieler Woche gestattet.
— Der deutsche Kaiser hat, wie aus Belgrad gemeldet wird, als erster auf die amtliche Mitteilung des Königs Peter 1. von seiner Thronbesteigung geantwortet. Die in französischer Sprache abgefaßte Depesche hat in deutscher Uebersetzung folgenden Wortlaut:
Ich habe die Anzeige, durch welche Eure Majestät mir die Mitteilung von Ihrer Thronbesteigung machten, empfangen und nehme von dieser Mitteilung Nouz. Ich hege die Hoffnung, daß Eure Majestät Ihr Bemühen darauf richten werden, daß die guten Beziehungen, welche seither zwischen Deutschland und Serbien geherrscht haben, in Zukunft aufrecht erhalten und sich weiter entwickeln werden. Ich gebe dem Wunsche Ausdruck, daß die Regierung Eurer Majestät
eine Periode des Friedens und des Fortschrittes für Ihr Königreich inaugurieren möge. Wilhelm.
- - Der Großherzog Friedrich Wilhelm von Mecklen- burg-Strelitz beging mit seiner Gemahlin, der Groß- Herzogin Augusta Karolina, Tochter des am 8. Juni 1850 verstorbenen Prinzen Adolf von Großbritannien und Irland, Herzogs von Cambridge, am Sonntag, den 28. Juni, die Feier der diamantenen Hochzeit. Die Vermählung des Jubelpaares, von dem der Großherzog im 84., die Großherzogin im 81. Lebensjahre steht, fand am 28. Juni 1843 im Buckingham- palast in London statt. Der Großherzog wurde als Sohn des am 6. September 1860 verstorbenen Groß- Herzogs Georg und dessen am 30. Dezember 1880 verstorbenen Gemahlin, Prinzessin Marie von Hessen- Cassel, am 17. Oktober 1819 zu Neustrelitz geboren und erhielt seine wissenschaftliche Bildung durch Lehrer des Strelitzer Gymnasiums, worauf er die Universität Bonn bezog. Der Großherzog ist der älteste deutsche Fürst und der dem Patent nach älteste General (seit 1845) der preußischen Armee.
— Graf Waldersee taufte in Kiel am 27. Juni den auf der Kaiserwerft erbauten Kreuzer „Ersatz Kaiser" auf den Namen „Roon". Das neue Schiff lief glücklich vom Stapel.
— Ueber Wahlschwindeleien in Berlin berichtet die „Post": Die Wahlfälschungen aufzudecken, ist an der Hand von Drucksachenversendungen an die Wähler im Verein mit genauer Kontrolle der Wählenden, und zwar im 2. Berliner Wahlkreise möglich geworden. Diese Versendungen sind in diesem Jahre zum ersten Mate durch die Post erfolgt. Von den verschickten Briefen an die 81,000 Wähler des zweiten Berliner Wahlkreises sind etwa 5000 als unbestellbar zurückge- kommen mit Bemerkungen wie: „Adressat verstorben, Adressat unbekannt, verzogen, Adressat verzogen nach (Angabe des Ortes)." Von diesen 5000 verzogenen oder verstorbenen Adressaten haben aber nichtsdestoweniger rund 1000 gewählt! Unter diesen Wählern befindet sich z. B. der seit längerer Zeit in Swine- münde weilende Kaufmann Hökscher, auf dessen Namen am 16. Juni gewählt worden ist, obgleich Hökscher am Wahltage gar nicht in Berlin geweilt hat, ferner der Chemiker Auerbach, welcher seit 4 Wochen in der Ratsapotheke in Thorn tätig ist, auf dessen Namen aber ebenfalls am 16. Juni gewählt worden ist. Höchst merkwürdig ist es, daß im Hause Blücherstraße 67 sieben Wahlberechtigte verzogen waren, unbekannt wohin, und daß diese Sieben dennoch sämtlich gewählt yaben. Im 95. Bezirke ereignete sich der wunderbare Fall, daß auch ein Wähler sein Wahlrecht ausgeübt hat, obgleich er im Gifängnisse zu Tegel saß! Tote sind sogar herangeschleppt: Wir führen hier einige Namen und Adressen an, welche beweisen, in welch einem Umfange der unerhörteste Wahlschwindel von den „Genossen" betrieben ist. Es wählten im 95. Bezirk: Heinrich, Gottlieb, Invalide Möckernstraße 94 (befindet sich im Gefängnis Tegel); 92. Bezirk: Glatte, Ernst, Referendar, Teltowerstraße 16 (verstorben); 24. Bezirk: Schmidt, Gottfried, Korbmacher, Anhalter- straße 7 (verstorben); 145. Bezirk: Robert, Karl, Arbeiter, Dieffenbachstraße 68 (verstorben) usw.
Die angeführten Fälle genügen wohl, um zu beweisen, wie systematisch der Schwindel betrieben ist. Da bereits Anzeige erstattet wurde, wird wohl die eingehende Untersuchung dieser sauberen Schwindelmanöver nicht lange auf sich warten lassen. Es ist auch bereits Protest gegen die Wahl eingelegt und es wird sich bei einer Neuwahl zeigen, ob die Sozial- demokratie ohne Schwindel wieder 34,000 Stimmen zusammenbringt.
Von der Skrupellosigkeit der sozialdemokratischen Agitation führt die „Danziger Ztg." ein Beispiel an aus dem Wahlkreise Marienwerder. Der dortige sozialdemokratische Kandidat ist ein Herr Bartel in Danzig. In einem Dorfe bei Marienwerder erklärten die Arbeiter auf Frage des Besitzers, wen sie am Wahltage wählen würden, daß sie nicht den Herrn Witt in Nebrau, sondern Herrn Bartel in Danzig ihre Stimme geben werden. Denn stimmten sie so, so würden sie vom Kaiser jeder zu Neujahr fünf Morgen Land und eine Kuh erhalten. Das sei ihnen von einem Herrn, der ihnen Zettel für Bartel gegeben, ausdrücklich gesagt worden, so wolle es der Kaiser.
Auf den Einwurf des Besitzers, daß sie solchen Unsinn doch nicht glauben sollten, bemerkten sie überzeugt, darauf wären sie schon von den fremden, guten Herren aufmerksam gemacht worden, daß die Zusage von ihren Brotherren als Lüge hingestellt werden würde, sie sollten und wollten sich dadurch aber nicht beirren lassen. Und der Erfolg war eine ganze Reihe sozialdemokratischer Stimmen.
Die „Schles. Ztg." führt als schlagendes Beispiel dafür, daß die Sozialdemokratie ihre Erfolge vielfach nur der Wahlträgheit der bürgerlichen Wähler zu danken hat, den Berlin benachbarten Wahlkreis Charlottenburg an, wo der Sozialdemokrat Zubeil mit rund 74000 Stimmen gewählt wurde und seine bürgerlichen Gegner zusammen 59 000 Stimmen erhielten, während ungefähr 50000 Wähler ihr Wahlrecht nicht ausgeübt haben. Wenn das schlesische Blatt die Vermutung ausspricht, daß diese 50000 Säumigen vorwiegend den bürgerlichen Parteien angehört haben, so kann der in Charlottenburg ansässige Schreiber dieser Zeilen diese Annahme nur durchaus bestätigen. In dem an die Kurfürstenstraße angrenzenden vornehmsten Stadtviertel Charlottenburgs war in fast allen Wahllokalen die Beteiligung recht flau, int Gegensatz zu den Bezirken mit starker Arbeiterbevölkerung nach der Spree zu. Wir fuhren am Abende vor der Wahl mit einigen verabschiedeten Offizieren zusammen aus Berlin nach Charlottenburg zurück und einer der Herren tat die charakteristische Aeußerung: „Ich gehe nicht erst wählen, Zubeil kommt doch durch." Wenn solche Männer, denen es ihr Herkommen zur Pflicht machen müßte, ihre Stimme gegen die Sozialdemokratie abzugeben und denen es an Zeit zur Ausübung des Wahlrechts wahrlich nicht gebricht, den Weg zur Urne scheuen, so ist dies das charakteristischste Beispiel für das geringe Pflichtgefühl der bürgerlichen Kreise. Im 6. Berliner Wahlkreise war es übrigens nicht viel besser. Hier sind 79 000 sozialistische Stimmen abgegeben worden und 32000 bürgerliche, während 54000 Wähler ihre Pflicht nicht taten. Auch hier beweist die ungeheure, für den sozialdemokratischen Bewerber abgegebene Stimmenzahl, daß unter den 54000 Trügen sicherlich nur wenig Sozialdemokraten gewesen sind. Es wäre zu allgemeinen» Nutz und Frommen, wenn in solchen Wahlkreisen, in denen notorisch die bürgerliche Bevölkerung ihre Pflicht nicht getan hat, an der Hand der Wahllisten festgestellt würde, welcher Prozentsatz von Angehörigen bestimmter Berufe (Kaufleute, höhere Beamte,' verabschiedete Offiziere, Gelehrte und Künstler) der Wahlpflicht genügt, bezw. nicht genügt hat. Dann würden sich vielleicht lehrreiche Schlüsse ziehen lassen über das Verhältnis, in dem Bildung und jener politische Sinn, den schon der griechische Philosoph von dem Staatsbürger verlangte, zu einander stehen.
— Der Plan für die Sommerübungsfahrt der heimischen Schlachtflotte ist nach der „Nat.-Ztg." folgender: Das 1. Geschwader geht am 7. Juli durch den Kaiser Wilhelm-Kanal nach der Nordsee, manöveriert dort gemeinsam mit der 1. Torbedoboots- flottille bis Mitte Juli, bunkert am 16. Juli vor Wilhelmshaven und tritt am 17. Juli die Reise nach den nordischen Gewässern an. Nach dem Anlaufen der norwegischen Häfen dampft die Flotte um Skagen und sucht Kiel auf, wo ein Teil der Schiffe die Vorbereitungen für den Zusammentritt der Nebungsflotte trifft. Der andere Teil geht nach der Nordseestation.
— Der Minister für Landwirtschaft, Doniänen und Forsten hat, der „Voss. Ztg." zufolge betreffs der Vorbereitung für den Forstverwaltungsdienst neuerdings bestimmt, daß die Zulassung zu'der Laufbahn für den königlichen Forstverwaltungsdienst nur demjenigen gestattet werden kann, welcher 1) das Zeugnis der Reife von einem deutschen Gymnasium, einem deutschen Realgymnasium, einer preußischen oder einer dieser gleichstehenden außerpreußischen deutschen Ober- realschule erlangt und in diesem Zeugnisse ein unbedingt genügendes Urteil in der Mathematik erhalten; 2) das 22. Lebensjahr noch nicht überschritten hat. Die Direktoren der höheren Lehranstalten sind auf diese Bestimmung besonders hingewiesen worden.
— Die nach Beendigung ihrer Studienreise durch die Vereinigten Staaten zurückkehrenden deutschen Landwirte äußerten sich nach einer Newyorker Meldu i^