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chlüchtemerKitung

Erschunt Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 57.

-Fortwährend werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung mit amtl. Kreisblatt von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen- genommen.

Dentsches Reich.

Se. Majestät der Kaiser ist an Bord der Hohenzollern" von Bergen wieder in See gegangen.

Auf kaiserliche Verfügung wird der drittälteste kaiserliche Prinz Ai>albert zu seiner letzten Ausbildung zum Seeoffizier im Herbst dieses Jahres nach Ostasien reisen, um an Bord des großen KreuzersHertha" Dienst zu tun. Dieses Auslandskommando des Prinzen wird ungefähr zwei Jahre dauern.

Aus Kiel wird gemeldet, der Gerichtsherr der zweiten Instanz, Admiral von Köster, habe gegen das Urteil im Fall Hüssener Revision eingelegt.

Am N. Juli wurde das Denkmal des Gründers der katholischen Gesellenvereine, Kolping, vor der Atinoritenkirche in Köln, in welcher Kolping begraben liegt, feierlich enthüllt. Die Zahl der Teilnehmer be trug etwa 15000.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat, wie dieNationalzeitung" mitteilt, nach Einsicht einge­forderter Berichte der Direktionen zur Herbeiführung eines einheitlichen Verfahrens bestimmt, daß bei der Annahme weiblicher Personen für den Fahrkarten­ausgabe-, den Telegraphen- und Ferusprechdienst sowie den GüterabfertigungSdienst und und bei thr°r späteren Uebernahme in das diätarische Staatsbeamtenverhältnis folgende Grundsätze zu beachten sind:

1. Die geforderte gute Schulbildung, Schreib­gewandtheit und deutliche Handschrift sind vor der Annahme durch eine Vorprüfung nach zuweisen. Soweit die Bewerberin durch ihre Zeugnisse eine höhere Schulbildung als die der Volksschule nachweist, bleibt es dem Ermessen der königlichen Eisenbahndirektionen überlassen, von der Abnahme der Vorprüfung abzu- sehen. 2. Innerhalb der 6 monatlichen Probezeit ist die Dienstanfängerin, soweit angängig, nicht nur für den Dienstzweig, für den sie angenommen ist, sondern auch tunlichst für die anderen Dienstzweige, in denen weibliche Personen beschäftigt werden können, aus- zubilden, um ihre Verwendbarkeit in den verschiedenen Dienstzweigen zu ermöglichen. 3. Nach Beendigung der Probezeit hat der Jnspektionsvorstand oder sein Vertreter sich durch eine Prüfung die Ueberzeugung zu verschaffen, ob die Dienstanfängerin die für ihren Dienstzweig erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse besitzt. Auf Grund des Berichts des Dienstvorstehers fläföenWürTO^^

Roman von O. König-Liebthal.

(Fortsetzung.)

Herr von Loschwitz machte sich stark; er wollte dem Freiherrn nicht zeigen, wie sehr er litt.

Der Diener führte ihn in den Salon und bald er­schien der Herr des Hauses.

Ei, guten Morgen, Loschwitz!" begrüßte ihn der Freiher, der wohl wußte, weshalb Loschwitz zu ihm kam, mit einem eigentümlichen Lächeln.Wie gehts?" Waren lange nicht hier. Sie sind doch nicht krank gewesen? Angegriffen sehen Sie allerdings aus!"

Loschwitz hatte sich gesetzt; er beantwortete diese Fragen nicht, dieses Lächeln widerte ihn an und am liebsten wäre er gleich wieder aufgestanden und nach Hause geritten. Doch bezwäng er sich.

Mich führt eine Bitte zu Ihnen, Herr Freiherr," sagte er mit fester Stimme, den Freiherrn ansehend.

Der Angeredete nickte verständnisvoll und erwiderte: Bitte, reden Sie; ich bin wirklich neugierig, womit ich Ihnen gefällig sein kann, Herr von Loschwitz."

Wie Sie wissen werden, Herr Freiherr, ruhen auf Waldenburg zwei Hypotheken, die zwar an sich hoch erscheinen, aber für Waldenburg nichts bedeuten."

So!" unterbrach ihn der Freiherr,das ist mir bis heute nicht bekannt gewesen."

Aus mir unbekannten Gründen," fuhr jener fort, ^ist mir das Geld gekündigt worden und in vierzehn

Samstag, den-18. Juli 1903.

über Führung und Leistungen, des Ergebnisses der Prüfung und einer Aeußerung des Jnspektionsvorstandes beschließt die königliche Eisenbahndirektion über die Bei­behaltung der Dienstanfängerin.

Die Berichte heben übereinstimmend hervor, daß die weiblichen Bediensteten sich zu den Dienstver­richtungen, in denen sie beschäftigt werden, in jeder Weise eignen und daß ihre Leistungen überall be­friedigt haben.

Ausland.

Der Papst hat in der Nacht zum 15. Juli das Bewußtsein vollständig verloren, die Extremitäten sind bereits erkaltet; man wagte nicht mehr zu hoffen, daß er die Nacht überleben wird. Die drei Neffen des Papstes, Ludwig, Camillo und Richard Pecci, sowie der Großpönitentiar des heiligen Stuhles sind in den Vatikan berufen worden. Alle Fenster des Vatikans sind erleuchtet. Ein Kurier ist zu allen Persönlichkeiten gesandt worden, welche im Falle des Todes des Papstes im Vatikan anwesend sein müssen.

Die österreichischen, russischen und englischen konsularischen Vertreter haben von Uesküb eine Reise durch das Vilajet gemacht und dabei nach der ,Times^ festgestellt, daß die türkischen Beamten furchtbare Schandtaten an einer großen Anzahl von Bulgaren verübt haben. Die Mitteilungen über diese Schand­taten sollen in Sofia arns neue Entsetzen und Unwillen hervorrufen. Nichts destoweniger gilt der Frieden als gesichert. Der Sultan ermöglicht durch die zahlreichen Begnadigungen von bulgarischen Aufrührern der bul­garischen Regierung eine Mäßigung des Tones ihrer Beschwerden, was die Gefahr eines unvorhergesehenm Zwischensatzes bedeutend einschränkt.

Zu den russischen Stimmen über den Besuch Loubets in England gesellt sich nun auch ein Artikel der in Paris erscheinendenRevue Russe," die man als ein Organ der russischen Diplomatie betrachten darf. Der Artikel beginnt mit dem Satze, daß über den Festen, welche zu Ehren Loubets in London ver- anstaltet wurden, der Einfluß Rußlands schwebte. Es sei bezeichnend, daß der Besuch Loubets kurz nach bmi Besuche des Khedive bei König Eduard erfolgte. Rußland liege daran, das England nicht fortwährend den guten Glauben der Mächte betreff Aegyptens ver­letze. Rußland sei zu stark, als daß man es während der französisch-englischen Liebesmähler auch nur einen Augenblick hätte vergessen können. England habe bei dem Empfange Loubets bestimmte Absichten gehabt, die sich wohl auf Aegypten bezögen. Der Artikel schließt:England wird jedesmal mit Rußland rech­nen müssen, wenn es behauptet, andern Mächten Freundschaft zu erweisen. Was den Balkan angeht, Tagen schon muß ich es zurückzahlen. Meine Be7 mühungen, den Zahlungstermin hinauszuschieben, sind vergeblich gewesen; auch ist es mir nicht gelungen an anderer Stelle Geld zu erlangen. Nur ungern bin ich heute zu Ihnen getcmmen, Herr Freiherr, um von Ihnen Hilfe zu erbitten. Schlagen Sie mir diese ab, so muß ich Waldenburg verkaufen."

Der Freiherr hatte scheinbar aufmerksam zugehört.

Darf ich wisfen, wer Ihr Gläubiger ist, Herr von Loschwitz? Vielleicht kann ich mit "dem Manne reden, daß er Ihnen---"

Rein, nein, Herr Freiherr", wehrte Loschwitz ab, Machow ist unerbitterlich."

Das tut mir leid, zu hören, Herr von Loschwitz," entgegnete der Freiherr mit heuchelnder Stimme. Aber ich begreife nicht, wie Sie soweit kommen konnten, da Sie Waldenburg doch schuldenfrei übernommen hatten! Wie haben Sie es bloß fertig gebracht, in sieben Jahren achthunderttausend Mark zuzusetzen?"

Ich denke, Herr Freiherr, das brauche ich Ihnen nicht mehr zu erklären", erwiderte Loschwitz stolz. Sie wissen, daß ich für meine Person so gut wie nichts gebraucht habe. Zwar habe ich Waldenburg schuldenfrei übernommen; doch wissen Sie, wie ich es übernommen habe. An Stelle der alten, zerfallenen Hütten der Arbeiter stehen die neuen Familienhäuser, in denen jetzt zufriedene, glückliche Leute wohnen. Ein schönes Gotteshaus schmückt das Dorf, während die Einwohner von Waldenburg früher stundenlang zur

54. Jahrgang.

g! '""M »II«MMMI so kann England sich ebenfalls nicht schmeicheln, das Petersburger Kabinett umgeftimmt zu haben. Man weiß sehr wohl an den Ufern der 9ieiva, was die tugendhafte Entrüstung bedeutet, die man an der Themse gegen König Peter den Ersten und die neue Regierung von Serbien an den Tag legte."

DemGaulois" zufolge wurde zwischen Del- cassee und dem italienischen Botschafter der Tag des Besuches des Königs Viktor Emanuel auf den 1. Ok­tober festgesetzt,

Ueber die Vernichtung einer großen Menge von Vorräten in Südafrika hat das englische Kriegs- ministerium nähere Einzelheiten veröffentlicht. Am 23. März 1903 entschied eine in Pretoria zusammen­tretende Kommission von Offizieren, daß 300320 Pfund Hafer zum größten Teil als unbrauchbar sofort zu vernichten seien. Es wurden ferner 800 Pfund Bisquits als ungenießbar zur Zerstörung bestimmt. Endlich entschied die Kommission nach Oeffnung einer sehr großen Zahl von Fleisch- und Gemüsekonserven­büchsen, daß sämtliche Konserven in ver­dorbenen Zustande seien, und daß deshalb der gewaltige Bestand von 1,669,382 Rationen ver­nichtet werden mußte. Da die Konserven innerhalb der letzten 2 Jahre geliefert worden waren, und die Lieferanten für den Zeitraum von 2 Jahren Garantie geleistet hatten, werden die Lieferanten den ganzen Schaden zu tragen haben.

In diesem Jahre wird zum erstenmal in der Weltgeschichte die Tatsache zu verzeichnen fein, daß die Frauen politisches Stimmrecht ausüben. Es geschieht dies bei den Wahlen für das Parlament des australi­schen Staatenbundes. Nach den letzten Aufstellungen sind 850030 stimmberechtigte Frauen in Australien vorhanden. In Neu-Südwales und Viktoria sind fortschrittliche Frauenvereine und radikale Frauen- verbände bereits eifrig mit der Aufstellung eines radi­kalen Programms für die weiblichen Wähler beschäftigt. Aus Melbourne geht demDaily Chronicla" ein Schriftstück zu, welches interessante Aufschlüsse über die politischen Ziele der wahlberechtigten Frauen gibt. Das Dokument wurde von den Vertretern der weib­lichen Wähler Melbournes ausgestellt und enthält folgende Forderungen: 1. Jnbezug aus Gleichberech­tigung der Frau vor dem Gesetz. a. Männer und Frauen sollen vor dem Gesetz des Staatenbundes voll­ständig gleichberechtigt sein. Der Unterschied des Geschlechts soll weder bei Ehen, noch bei Ehescheidungen, noch in anderer rechtlicher Beziehung einen Einfluß ausüben, b Alle Aemter des Staatenbundes sollen zu den gleichest Bedingungen und mit den gleichen Gehältern für Männer und Frauen offen sein. Lediglich das Verdienst und die Brauchbarkeit sollen bei Ernennungen zu Staatsstellen ausschlaggebend sein. Kirche wandern mußtem Keiner im Dorfe konnte lesen oder schreiben. Sie wuchsen auf als Tiere unter den Tieren in gänzlicher Unwissenheit, in Vorurteilen, Verwöhnung und Aberglauben. Ich baute eine Schule, stellte einen tüchtigen Lehrer an und die Kinder auf der Straße zeigens mir, daß mein eingeschlagener Weg der richtige war und ist. Sie werden später einmal tüchtige Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden. Kranke und Sieche starben elendiglich dahin; ich habe einen Arzt angestellt, der sich um die Kranken kümmern muß und sie mit freier Medizin versorgt. Gehen Sie jetzt durch Waldenburg, Herr Freiherr, und Sie werden sehen, das Kapital, was ich dort angelegt habe, trägt hundertfache Zinsen."

Schweigend hatte der Freiherr zugehört. In seinem Innern bewunderte er Herrn v. Loschwitz und jedes seiner Worte, das dieser geredet hatte, fühlte es als Anklage gegen sich selbst. Aber Herr von Hardenfels war nicht der Mann, der sich von sentimentalen Ge­danken beherrschen ließ; edlere Gesinnungen und Gefühle wichen bald aus seinem verstockten Herzen.

Und was haben Sie nun erreicht? Wohin hat Sie die Ausführung dieser philantropischen Gedanken geführt? In den Abgrund in den Ruin, Herr von Loschwitz, aus dem auch ich Sie nicht mehr erretten kann. Meinen Sie etwa, daß Sie durch Ihre über­triebene Fürsorge für Ihre Untergebenen bessere Ar- better erhalten haben! In ihrer Unwisfenheit und Dummheit fühlen sich diese Menschen glücklich. Werden