Einzelbild herunterladen
 

t

M 68.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

k fb )n INI

Ijf

^ Iti r 1

Amtliches.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher wer­den hierdurch an die sofortige Erledigung meiner Verfügung vom 13. August St. 1245 betr. die Wahlen der Mitglieder der Voreinschätzungs- Kommissionen erinnert.

Schlüchtern, den 25. August 1903.

Der Vorsitzende der Einkomniensteuer-Veranlagungs-Kommission: Noth.

Deutsches Meidj.

Seine Majestät der Kaiser traf am Montag morgen 8,25 mit dem Kaiserlichen Sonderzug bei der Wärterbude Nr. 39 der Linie Mainz-Alzey ein. Der Kaiser trug die Uniform seines hessischen Infanterie- Regiments Nr. 116. Zum Empfange waren anwesend der Großherzog von Hessen, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, der Gouverneur und der kommandierende General mit seinem Stäbe Ferner meldete sich sogleich bei der Ankunft des Kaisers Prinz Andreas von Griechenland als beim Dragoner-Regiment Nr. 23 eingetreten. Die Herrschaften be­stiegen die Pferde und begaben sich auf denGroßen Sand." Hier fand zunächst ein regle- mentarisches Exerzieren des 6. Ulanen-Regiments statt. Dann folgten Gefechts-Uebungen, an welche sich ein Parademarsch «»schloß an dem die Infanterie-Regimenter 87, 88, 115, 116, 168 unb 170, die Unteroffizierschule Biebrich, das Artillerie-Regiment Nr. 3, das Pionier- Regiment 21, Husaren-Regiment 13, Ulanen-Regiment 6, Feldartillerie-Regiment 27 und die 2. Abteilung des Feldartillerie-Regiments Nr. 63 teilnahmen. Der erste Vorbeimarsch erfolgte in Kompagnie- Hezw. Eskadron- und Batteriefront, der zweite Vorbeimarsch in Regimentskolonne. Die berittenen Kolonnen gingen im Trabe vorbei. Beide ma^e führte der Kaiser das 116. Regiment, der Großherzog das 115. Regiment vor. Nach dem Parademarsch bildeten die Truppen Spalier. Der Kaiser und der Großherzog setzten sich an die Spitze der Fahnenkompagnie und der Standarten- eskadron und führten unter dem Geläute der Glocken von Mainz und unter dem Jubel einer zahlreichen Menge die Fahnen durch die schlich geschmückten Straßen der Stadt nach dem großherzoglichen Schloß. Nach Einbringung der Fahnen begrüßte Der Ober­bürgermeister den Kaiser im Vestibül des Schlosses im Namen der Stadt Mainz. Der Kaiser dankte in warmen Worten. Hierauf fand im großherzoglichen Schloß größere Frühstückstafel statt.

Nach der Frühstückstafel besichtigten der Kaiser, der Großherzog und die übrigen Fürstlichkeiten, die unlängst eingeweihte Christuskirche, zu deren Erbauung der Kaiser seinerzeit einen namhaften Beitrag gespendet hatte. Hierauf begab sich der Kaiser mit dein Groß- Herzog und den übrigen Fürstlichkeiten zum Bahnhof,

1 u Ä

i

Ijaröenfess u. Masornkurg.

Roman von O. König Liebthal.

(Fortsetzung.)

Es ist der alte Steffen gewesen, den Sie trasen"' erwiderte er endlich, ich wußte nicht, daß mein Vater diesen alten, kranken Mann arbeiten ließ, sonst hätte ich es zu verhindern gesucht."

Lueie Raven hatte nichts anders von ihm erwartet; aus allem, was sie gesehen und gehört, wußte sie, daß Kurt von Hardenfels edlere Gesinnungen hatte, als sein Vater.

Ich werde dafür sorgen," fuhr er fort,daß das in Zukunft nicht mehr geschieht, noch heute werde ich dem Ober-Inspektor den Befehl geben, baß der alte Steffen von jeder Arbeit, auch von der leichtesten für immer zu befreien ist."

Lueie Raven wußte, daß der junge Freiherr über die Ausführung dieses Befehls strengstens Wachen würde und dankte ihm herzlich für die Erfüllung ihrer Bitte. Schneller schritten sie nun vorwärts.

Unterdessen saß die Freiin mit ihren Gästen noch immer in der Laube. Tante Ottilie war von dem liebenswürdigen Wesen der Freiin ganz entzückt.

Wann wird Ihr Herr Gemahl zurrückkehren?" fragte Raven die Freiin.

Ich weiß es nicht bestimmt; doch wird er sicher nicht mehr lange bleiben, da seine Koffer gestern an­gekommen sind."

Mittwoch, den 26. August 1903.

wo sich die Spitzen der staatlichen, städtischen und Militärbehörden zur Verabschiedung eingefunden hatten. Um 3 y, Uhr erfolgte die Abfahrt des kaiserlichen Sonderzuges nach Cronberg, wohin Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen den Kaiser begleiten.

Um 4,47 Uhr traf der kaiserl. Sonderzug in Cronberg ein. Auf dem Bahnhof waren der Landrat des Obertaunuskreises, Regierungs^at Ebbinghaus, und die Stadträte von Cronberg erschienen. Die Feuerwehr, die Militär-, Krieger- und Schützenvereine sowie die Schulen hatten an den Straßen Aufstellung genommen. Die Auffahrt nach dem Schloß Friedrichs­hof erfolgte in 3 Wagen, im ersten saß der Kaiser und die Prinzessin Friedrich Karl.

Ihre Maj. die Kaiserin und Königin besuchte am Montag Vormittag, begleitet von der Hofdame Frl. von Gersdorff und dem Vize-Ober-Zeremonien- meistcr Exzellenz von dem Knesebeck, das Diakonissen- Haus, welches mit Guirlanden und Fahnen festlich geschmückt war. Am Portal des Hauses wurde Ihre Majestät von der Frau Oberin und den Herren des Vorstandes: Kousistorial Präsident v. Altenbockum, Oberpräsident Graf von Zedlitz-Trützschler, General- Superintendent D. Lohr, Rentner Wittmer, Direktor Henkel und dem Hausgeistlichen Pfarrer I). Sarde- mann, empfangen. Nachdem Ihre Majestät die ganze Anstalt besichtigt hatte, besuchte Höchstdieselbe das Elisabethenkloster, dann die Krankenküche und fuhr von den Hochrufen der inzwischen zahlreich angesammelten Menge begleitet, nach Schloß Wilhelmshöhe zurück. Am Nachmittag wohnte die Kaiserin mit dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria Luise einem Konzert zum Besten des Vaterländischen Frauenvereins bei. welches von dem Verein für Kirchenmusik Musica sacra" verunstaltet war.

-- Der Großherzog von Sachsen-Weimar und seine junge Gemahlin kommen am 29. August nach Berlin, um ihren Antrittsbesuch beim Kaiserpaar zu machen. Am Dienstag fand der feierliche Einzug in Weimar statt.

Der Staatssekretär im Reichs-Schatzamt, Frhr. V. Thieleniann ist von seinem Amt entbunden worden. Zu seinem Nachfolger ist der Königlich Bayerische Staatsrat Freiherr von Stengel ernannt.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands findet gegenwärtig in Köln statt. Das von der Versammlung an den Kaiser gesandte Telegramm lautete:Ew Majestät bittet die üO.Generalversammlung den Ausdruck ihrer ehrerbietigsten Huldigung entgegen« nehmen zu wollen. In unwandelbarer Treue zu Ew. Majestät und seinem erlauchten Hause wird sie auch in diesem. Jahre bestrebt sein, in Vaterlandsliebe und wahrer christlicher Gesinnung zum Heile eines einträchtigen Zusammenwirkens von Staat und Kirche ihre Ver­bandlungen zu führen und ihre Beschlüsse zu fassen."

Darf ich mir eine Frage erlauben, gnädige Frau?" Bitte, Herr Raven/

Und nun erzählte dieser seine Begegnung mit dem Freiherrn, wie dieser seine Hilfe zurückgewiesen hatte.

Wissen Sie vielleicht den Grund dafür, gnädige Frau?" fragte Raven, als er geendet hatle.

Mein Mann hat mir nie darüber gesprochen, Herr Raven; sollte er sich Ihnen gegenüber schroff gezeigt haben, was ich tief bedauern müßte, so hat das wohl darin seinen Grund, daß er es immer noch nicht überwinden kann, Waldenburg damals nicht er­halten zu haben."

So?" sagte Raven nachdenklich. Ich danke Ihnen, gnädige Frau."

Tante Ottilie hatte keine Ruhe mehr.Wir müssen fahren; laß immer anspannen," sagte sie zu ihrem Schwager,inzwischen wird wohl Lueie mit ihrem Begleiter hier sein."

Bemühen Sie sich nicht, Herr Raven," sprach die Freiin, als sie bemerkte, daß dieser gehen wollte. Sie drückte auf den Knopf einer elektrischen Klingel, worauf bald ein Diener erschien, der die Befehle seiner Herrin empfing.

Da kommen sie!" rief Tante Ottilie aus, als sie Lueie mit Herrn von .Hardenfels bemerkte. Die Freiin sah auf und lächelte und auch Herr Raven schien jetzt einen besonderen Gedanken gefaßt zu haben, denn auch sein Blick ruhte sinnend auf dem ankommen­den Paar Tante Ottilie aber sagte sich:Nein, diese

54. Jahrgang.

An der landwirtschaftlichen Hochschule und an der tierärztlichen Hochschule in Berlin ist, wie bereits früher an der landwirtschaftlichen Akademie in Bonu- Poppelsdorf, eine Prüfung für Tierzuchtinspektoren zur Einführung gelangt. Diese Prüfungen sind dazu bestimmt, junge Leute, welche Neigung und Anlage für tierzüchterische Tätigkeit zu besitzen glauben, anzu- regen, eingehendere Studien auf diesem Gebiete zu treiben. Zugleich soll ihnen Gelegenheit gegeben werden, einen Nachweis erfolgreicher wissenschaftlicher Vertiefung in die tierzüchterischen Spezialwissenschaften durch das Bestehen einer Prüfung zu führen.

Ausland.

Der langjährige englische Premierminister Lord Salisbury ist am Samstag abend gestorben.

Marquis Robert Talbot von Salisbury ist geboren am 3. Februar 1830.

In England sind große Neberschwemmungen infolge heftiger Regengüsse eingetreten. Die Lage ist in verschiedenen Bezirken außerordentlich kritisch, ein großer Teil der Ernte ist vernichtet worden.

Die Tätigkeit des Vesuvs, wird jetzt von Erd­stößen'begleitet, die zum Glück leicht sind und keinen Schaden anrichte». Lavamassen und Steine- werden mehrere hundert Meter hoch geschleudert.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 25. August 1903.

* Die Fahnenweihe des Kriegerverein Schlüchtern gestaltete sich zu einem recht schönen Feste für die ganze Stadt und alle Festteilnehmer. Die Stadt hatte ihr Festgewand angelegt, die Häuser waren mit Blumen, Guirlanden und Fahnen reichlich geschmückt. Das Fest wurde eingeleitet am Sonnabend Mend mit einem vorzüglichen Konzert der Bataillons« kapelle des »0. Jnf.-Reg. unter Leitung ihres sehr tüchtigen Kapellmeisters Herrn Haberland auf dem herrlich gelegenen, prächtig geschmückten Festplatz. Sonntag früh 6 Uhr durchzog die genannte Kapelle die Stadt und weckte die Bewohner mit Musik aus ihrem Schlummer, an den Wohnungen des Herrn Amtsrichter, des Herrn Bürgermeister und des Herrn Lotz wurdeHalt" gemacht und den Herren ein Ständchen" gebracht. Nach dem Vormittags-Gottes- dienst war von 1112 Uhr Konzert auf dem Fest­platz. Punkt 3 Uhr setzte sich der imposante Festzug vom Festplatz aus in Bewegung und durchzog die Hauptstraßen der Stadt, überall aufs herzlichste begrüßt und von den Damen mit Blumensträußchen bombardiert. Der Festzug war wie folgt zusammen gestellt: Vor- reiter, Radfahrerverein auf schön geschmückten Rädern, Musik, Vorstand des Hessischen- und Schlüchterner Krieger-Vereins, Festjungfrauen mit noch verhüllter neuen Fahne, die Kriegervereine Fulda, Bellings, Breiten.

Lucie! Wer hätte das gedacht! Meine Ahnung hat mich nicht betrogen. Sonst hat sie immer über die Männer gespottet, aber den Freiherrn hat sie unge­schoren gelassen. Jetzt kommt sie mit ihm an, als wenn sie sich schon unterwegs verlobt hätten. Nun, dieser Herr soll 'mir als Neffe willkommen sein."

Auf der Heimfahrt nach Waldenburg wurde nicht viel gesprochen. Wohlbehalten langten sie dort an und bald lagen die Bewohner des Schlosses Walden­burg im tiefsten Schlummer.

Bald darauf kehrte der Freiherr von Hardenfels von seiner Reise zurück. Flüchtig begrüßte er seine Frau und Kurt, ohne ihnen irgend welche Mitteilungen von seiner Reise zu machen. Die Freiin fragte auch nicht darnach; er würde ihr doch nicht die Wahrheit gesagt haben. So nahmen die alten, traurigen Tage wieder ihren Anfang. Den Glauben und die Hoffnung, daß er jemals wieder besser werden würde, 'hatte die Freiin längst aufgegeben. Sie lebten nicht mitein­ander, sondern einander, und dies auch nur, wenn Gäste auf Hardenfels waren, es mußte doch der Schein gewahrt werden vor der Welt.

Eines Tages saß der Freiherr in seinem Arbeits- zimmer. Die Pläne und Zeichnungen von Waldenburg studierte er nicht weiter; seine Gedanken waren nicht mehr auf den Erwerb dieser Herrschaft gerichtet, son­dern vielmehr auf die gänzliche Vernichtung des Schlosses von Waldenburg, in welchem der wohnte, der ihm zuvorgekommen war. (Fortsetzung folgt.)