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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 73,

Samstag, den 12. September 1903.

54. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Se. Majestät der Kaiser, der König von Sachsen und die übrigen Fürstlichkeiten wohnten am 9. Septbr. den Manövern bei. Um 2 Uhr nachmittags kehrte der Kaiser nach Merseburg zurück. Das Wetter ist kühl und stürmisch. Die rote Partei drängte die blaue zurück und stand bei und südlich von Roßbach mit dem 11. Korps, bei Branderoda und Freyburg mit dem 4. KorM Auf die Nachrichten jedoch, daß die rote riemäß Kmee zurückgehe, wollten die roten Korps UI pw -4 abrücken in der Richtung auf Camburg "men uh?' Von der blauen Partei staut das 19. Ko ., wievi/Weißenfels, das 12. Korps bei Stößen. Beide, mürdet^lten die Wethau überschreiten. Nachhesti- genKämp, tötig'yd) vonNaumburg schob sich die blaue Partei vor ^.pp^arschziel der roten Partei.

Se. Majepp' der Kaiser hat befohlen, daß bei der Ankunft des Großherzogs von Hessen in Kiel großer Empfang stattfindet. Der Stapellauf des Linienschiffes L findet am 18. d. At. mittags 12 '/2 Uhr mit großem militärischen Gepränge statt

Se. Majestät Kaiser Wilhelm trifft, wie die WienerPol. Korr." mitteilt, am 18. d. M., nach­mittags, von Ungarn kommend, über Wiener-Neustadt in Wien ein. In Wiener-Neustadt wird die Ehren- kompagnie des Feldjäger-Bataillons Nr. 17 im Bahn­höfe aufgestellt sein. Der Korpskommandant G. d. K. Graf Uexküll-Gyllenband und die den Ehrendienst versehenden Offiziere werben den deutschen Kaiser be­grüßen. Zum Empfange im Wiener Südpahrrhrffe werden sich der Kaiser und die Erzherzöge einfinden. Graf Bülow wird sich nicht im Gefolge des Kaisers befinden.

Ihre Majestät die Kaiserin hat in Magdeburg die Damen des landsässigen Adels, der höheren Offiziere und Beamten empfangen. Die Kaiserin hat ferner Gesangvorträgen in der Augustaschute beigewohnt sowie einigen Turnübungen der Schülerinnen. In Vogelfang bei Sommern besichtigte die Kaiserin die dortige Heilanstalt.

Der Staatssekretär des Reichsamts des Innern Graf Posadowsky hat sich an die Regierungen der Einzelstaaten wegen Herbeiführung der reichsgesetzlichen Regelung des Automobilverkehrs gewandt. Alle Re­gierungen haben dem Gesetzentwurf zugestimmt, er wird dem Reichstage wahrscheinlich schon in der näch­sten Session vorliegen.

Es ist nunmehr amtlich bestätigt, daß die Wahlmänner-Wahlen zum preußischen Landtag in der zweiten Novemberwoche vorzunehmen sind.

In den beatmen Münzstätten wurden im Monat August für 6327 720 Mk. Doppelkronen, für

3 357140 Mk. Kronen, sämtlich aus Privatrechnung,

iioMtiM u. Mloenliukü.

Roman von O. König Liebthal.

(Fortsetzung.)

Nun, wie wars bei den Zigeunern, Kind?" fragte Herr Raven,Du hast mir ja noch gar nichts von ihnen erzählt."

Ach ja," erwiderte sie schelmisch,beinahe hätte ich Euch die wichtige Nachricht vorenthaltei, die ich heute selbst erst erfahren habe. Denkt Euch, Tante wird bald .Hochzeit machen. Seht nur, wie glücklich sie aussieht!"

Alle Augen wandten sich nun der Tante zu, die drohend die Hand gegen Lucie erhob.

Wenn Du jetzt nicht artig bist, Lucie/ sagte sie, ohne ernstlich ärgerlich zu sein,dann gehst Du morgen allein nach bem Lager. Wie kann man bloß an das alberne Geschwätz der Alten glauben!"

Dann kommst Du mit" sprach Lucie lachend, sich zu Kurt Weubenb,nicht wahr? Es ist auch besser, wenn Tante zu Hause bleibt und ihren zukünftigen Bräutigam empfängt, der vielleicht morgen schon"

Weiter kam sie nicht, denn Kurt nahm sich seiner neuen Tante liebevoll an und hielt seiner übermütigen Braut den Mund zu, wofür er von Taute Ottilie einen dankbaren Blick erhielt.

Raven und Kurt von Hardeffels schienen in demselben Augenblick einen gleichen Gedanken gefaßt Ku haben, denn Unwillkürlich sah einer nach dem andern

für 5 60oo90 Mk. silberne Fünfmarkstücke, für 186682 Mark Zweimarkstücke, für 92 386,70 gjislrf Zehnpfennigstücke, für 122577,15 Mk. Fünfpfennig- stücke und für 30 947,73Mk. Einpfennigstücke geprägt.

Der 16. deutsche Anwaltstag wurde am 10. September in der Aula der Kaiser Wilhelms-Nniversität in Straßburg durch den Vorsitzenden des deutschen Anwaltsvereins Justizrat Erythropel-Leipzig eröffnet. Die Präsenzliste weist über 3u0 Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands auf.

Der gesamte Ueberschwemmungsschaden in der Provinz Schlesien beträgt nach derSchles. Ztg." mehr als 20 Mill. Mk. Es sind 81001 Hektar land­wirtschaftlich genutzter Fläche überschwemmt gewesen. Für die Wvhnnngs-Jnstandsetzung sind weit über 100 000 Mk. aus Staatsmitteln ausgegeben worden. Es wird angenommen, die Herbstbestellung könne den Leistungsunfähigen mit einer Auswendung von 300 000 bis 400 000 Mk. ermöglicht werden. Dieses Geld ist bereits angewiesen. Für die Durchdringung von Menschen und Vieh dnrch den Winter und bis zur nächsten Ernte werden Millionen erforderlich sein. Größere Summen baren Geldes sollen den Notleiden- den am 1. Oktober gegeben werden, um die Zahlung fälliger Hypothekenzinsen zu ermöglichen.

Auf Grund der Erfahrungen der von der Hochbahngesellschaft nach Paris entsandten Ingenieure soll über die bereits beschlossenen und noch zu treffenden Sicherheitsmaßnahmen nochmals eingehend beraten werden. Auf Veranlassung des Ministers Budde findet demgemäß abermals eine Konferenz statt.

£fV vielfacher Wünsche wird an eine Neu- uniformierung derArmee nicht gedacht. Dagegen will man im Falle einer Mobilmachung alles Auffallende der jetzigen Uniform nach Möglichkeit zu mildern suchen, etwa in der Art, daß Knöpfe und Beschläge brüniert würden und daß die Husaren-Regimenter in Litewka, die Kürassiere in blauem statt weißem Koller ausrückten.

Ausland.

Der König von Serbien verlieh dem 7. In­fanterie-Regiment den NamenKönig Peter," dem 6. Prinz Alexander," dem 11.Karageorg," dem 8. Fürst Alexander." Der König reihte darauf im Truppenlager von Banjica den Kronprinzen als Infanteristen in die Armee ein.

In Beirut fand ein blutiger Zusammenstoß zwischen Christen und Muselmanen statt, wobei 20 Personen getötet wurden.

Ueber die Lage in Syrien sind beunruhigende Gerüchte im Umlauf., Aus den Wüstengebieten Syriens in Kairo eingetroffene Beduinen sagen, daß sich die Drusen bewaffnet haben. Man befürchtet Massacres im Libanongebiet.

Eine größere militärische Operation wird in dem östlich von Monastir gelegenen Gebirgszuge von

hinüber, als wollten sie sich gegenseitig zuflüstern: Hub wenn Lucie doch Recht behielte!"

Mit schwerem Herzen mar Herr von Loschwitz von Waldenburg gegangen, nachdem auch der letzte Versuch bei dem Freiherrn von Harden els gescheitert war. Doch hatte er noch durch Zusall erfahren, welche Künste der Freiherr in Gemeinschaft mit Machow angewandt hatte, um ihn aus Waldenburg zu vertreiben, um dann selbst dieses zu erwerben. Und nun konnte er sich auch erklären, weshalb er nirgends Geld er­hielt und warum Machow die Hypotheken gekündigt hatte. Deshalb konnte er Waldenburg nicht seinem Gläubiger überlassen, sondern suchte einen andern Käufer, den er auch in Raven fand.

So fing Herr von Loschwitz auf seinem neuen Ve- sitztum Hohenstein mit frischer Kraft von vorne an Er hatte vollauf zu tun, denn auch dieses Gut War sehr vernachlässigt worden, Wie ehemals Waldenburg, und brächte deshalb nur wenig Einkünfte, obwohl das dreifache zu erzielen gewesen wäre. Sein Mut war nicht gesunken, und seine Güte und Liebe gegen die, die für ihn arbeiteten, fühlten auch die Hohensteiner bald. In der Arbeit fand er Ruhe und Frieden und suchte Waldenburg zu vergessen.

Auch heute kam er müde und abgespannt von einem kleinen Vorwerk, das zu Hohenstein gehörte, nach Hause. Eben hatte er sichs ein bischen bequem gemacht und niedergesetzt, um das Abendessen einzunehmen, als ihm ein Bote eine Depesche überreichte. Da er in den

Munihovo vorbereitet, da sich dort angeblich das Zentrum der Banden befindet. Die Ueberwachung der Bahnlinie Muftafa-Pascha-Konstantinopel durch Türken ist noch immer ungenügend und beschränkt sich nur auf größere Bahnobjekte, da die zur Ueberwachung der Bahn beorderten Truppen anderwärts verwendet wurden. Die Direktion der Orientbahn verlangte abermals aufs dringendste Verstärkungen. Das Ver­langen Würbe von der österreichisch-nngarischen Bot- schaft nachdrücklichst unterstützt._________________ _______

Males und Provinzielles.

Schlüchtern, 11. September 1903.

- -* Nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen muß die Zahlung für das im Laufe des Frühjahrs j. Js. bezogene Staatsloosholz bis spätestens den 1. Oktober j. Js. bezahlt, sein, widrigenfalls der An­spruch zum Bezüge des Holzes für das künftige Jahr verloren geht und außerdem sofortige kostenpflichtige Zwangsbeitreibung des rückständigen Loosholzgeldes unausbleiblich ist. Wir bringen dies zur Kenntnis der Leser unseres Blattes um sich eventl. vor Nachteil zu schützen und machen diejenigen, welche in den Wal­dungen der Stadt Schlüchtern Holz gekauft haben, darauf aufmerksam, daß die im Monat September j Js. fälligen Holzkaufgelder bei Meidung zwangsweiser Beitreibung vor dem 1. Oktober b. Js. bezahlt fein müssen.

* Am Mittwoch feierte die Knaben-Erziehungs- und Rettungsanstalt Hof Reich das Fest ihres 50j. Bestehens. Herausgeboren aus der Not der Zeit, aus dem Glaub - und der Liebe ernstgesinnter christ­licher Kreise, ist die Anstalt gewachsen und steht heute da als ein wichtiges Glied an dem lebendigen Orga­nismus der Inneren Mission in unserem engeren Hec, mtlande. Die Feier begann mit einem Festgottes- bien'i» in der Kirche zu S" achtern, in dem Herr Generalsuperindent Pfeiffer aus Casfel eindringlich u. innig über das Evangelium vom barmherzigen Sama­riter predigte. Ein aus den Zöglingen der Anstalt gebildeter Knabenchor wirkte dabei mit, da leider das Königliche Seminar durch anderweitige Verpflichtungen ferngehalten wurde. Die Placpfeier auf dem Gebiete der Anstalt nahm ihren Anfang um 3 Uhr u. dauerte bis 7 Uhr. Sie litt unter der ungünstigen Witterung schließlich doch weniger, als man anfänglich befürchtet hatte, da sie für die Teilnehmer, welche sich eingefun­den und, als Sturm und Regen einsetzte, auf den verhältnismäßig engen Raum des Turnsaales zusammengedrängt hatten, einen familiären herzlichen Charakter annahm. Herr Superintendent Orth hielt, während man sich noch im Freien befand, die ein­leitende Ansprache, begrüßte die Erschienenen, insbe­sondere den Herrn Generalsuperintendenten als Vertreter des Kgl. Kons., Herrn Reg.-Rat Dr. Schmid als Ver­treter der Kgl.Regierung. Herrn Pfarrer Schuchard von

letzten Tagen wegen eines Baues auf dem Vorwerk öfter solche empfangen hatte, glaubte er, daß es wieder eine geschäftliche Nachricht sei und öffnete dieselbe, ohne sich besondere Gedanken darüber zu machen.

Um so größer War nun seine Ueberraschung als er las:Kommen Sie sofort nach Waldenburg, habe Ihnen Wichtiges mitzuteilen.

Kurt von Hardenfels."

Nochmals las er dieselbe, dann legte er sie mit zitternder Hand aus den Tisch. Das Abendbrot rührte er nicht an, alle feine Gedanken waren wieder nach Waldenburg gerichtet und immer wieder fragte er sich, was denn Kurt von Hardenfels ihm wohl Wichtiges mitzuteilen habe. Auch konnte er es sich nicht erklären, warum gerade Kurt ihn nach Waldenburg rief und nicht nach Hardenfels. Dieses hätte er freilich nicht betreten, aber nach Waldenburg mußte er hin, obwohl gerade jetzt seine Anwesenheit in Hohenstein sehr nötig gewesen wäre, da am anderen Tage die neuen Maschinen aufgestellt werden sollten.

So machte sich denn Herr von Loschwitz am nächsten Morgen auf, um nach Waldenburg zu reisen, nachdem er entsprechende Anweisungen für den Aufbau der Maschinen gegeben hatte. Nach mehrstündiger Eisen­bahnfahrt hatte er die Stadt erreicht, nach der er früher oft genug von Waldenburg aus geritten oder gefahren war. Von dem Bahnhofsvorsteher, der ihn freundlich begrüßte, erfuhr er, daß der Waldenburger Wagen eben angekomnien sei, der ihn gewiß abholeu