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Mittwoch, den 7. Oktober 1903

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IV

Deutsches Reich.

Se. Majestät der Kaiser hörte am Sonnabend vormittag im Jagdschloß Rominten die Vorträge des Kultusministers Studt und des Landwirtschaftsministers v. Podbielski. Der Kaiser erlegte in den Romintener Revieren 4 Sechzehuender, 2 Vierzehnender und 2 Zwölfender. In den letzten Tagen ging der Kaiser einem aus dem Revier Szeldtkehmen gemeldeten Vier- undzwanzigender nach; die Förster waren zwei Tage lang auf der Spur, und Radfahrer standen bereit, den Kapitalhirsch sofort zil melden, doch ist jetzt die Suche aufgegeben worden. Der Kaiser hat Rominten am Montag verlassen. Er begab sich mittels Sonderzuges zunächst nach Elbing und fährt alsdann nach Cadinen weiter. Von dortaus reiste der Kaiser am Dienstag nach einem etwa zweistündigem Aufenthalte in Marien- burg, wo das Hochschloß besichtigt wird, über Berlin nach Jagdschloß Hubeitusstock in der Schorfheide.

Am Sonnabend Abend hatte der Kaiser in Ro- minten großes Jagdglück. Er schoß einen Achtzehn-, zwei Sechzehn- und einen Vierzehnender.

-- Se. Majestät der Kaiser, der im ganzen 1» Hirsche erlegte, hat Montag abend Rominten verlassen.

Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich sind einer Einladung des Herzogs Karl Theodor in Bayern zur Jagd in Kreuth gefolgt.

Die bevorstehenden Hochzeitsfeierlichkeiten in Darmstadt werden jedenfalls sehr großartig ausfallen. Die Liste der fürstlichen Hochzeitsgäste, die außer dem russischen Kaiserpaar und den Anverwandten des Großherzogs an den Feierlichkeiten zur Vermählung des Prinzen Andreas von Griechenland mit Prinzessin Alice von Baltenberg teilnehmen werden, steht nun­mehr fest. Am vorigen Freitag erfolgte die Ankunft des Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen und des Großfürsten und der Großfürstin Sergius von Rußland. Am 4. Oktober kamen Prinzessin Beatrice von Battenberg und ihrer Tochter Viktoria aus England an. Am 5. Oktober werden die Königin von England mit ihrer Tochter Prinzessin Viktoria, Herzogin Wera, Großfürstin von Rußland, Großfürst und Großfürstin Georg von Rußland und von Mitgliedern des griechischen Königshauses der König und die Königin, der Kronprinz und die Kronprinzessin, die Prinzessinnen Georg, Nikolaus und Christoph und Prinzessin Helene eintreffen. Am 6. Oktober, dem Tag vor der Hochzeit, treffen Prinz Waldemar von Preußen, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Prinz Albert zu Schleswig-Holstein und Herzog von Teck.

In Preußen kommt die Wahlbewegung für die Landiagswahlen allmählich in regern Fuß. Bereits haben zwei große Parteien, die Nationalliberalen und das Zentrum programmatische Kundgebungen in Form von Wahlaufrufen erlassen. Die Frage nach den

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54. Jahrgang

Wahltermin hat ihre Beantwortung dahin gefunden, daß die Urwahlen am 12. November und die Abge- orduetenwahleu am 2 0. Ndvember stattzufinden haben. Ob sich die Wahlbewegung durch das Eingreifen der Sozialdemokratie diesmal lebhafter gestalten wird, bleibt abzuwarten. Auf freisinniger Seite scheint keine Lust vorhanden zu sein, sich durch ein Zusammengehcn mit der Sozialdemokratie zn kompromittieren. Die Art und Weise, wie Bebel auf der an den sozial­demokratischen Parteitag in Dresden angeschlossenen Konferenz der preußischen Parteitags-Delegierten die Frage behandelt hat, war am allerwenigsten dazu ge­eignet, in diesem Punkte eine Wendung herbeizuführen. Das kaudinische Joch, das der sozialdemokratische Parteiführer dort für den Freisinn aufrichtete, bürste auch jene liberalen Taktiker zurückschrecken, welche bis­her vielleicht geneigt waren, dem Trugbilde einer geschlossenen Reaktion" das Phantom einer von den Nationalliberalen bis zur Sozialdemokratie reichenden liberalen Opposition" entgegenzustellen.

Auf das vom nationalliberalen Delegiertentag in Hannover an den Kaiser abgesandte Huldigungs­telegrammist folgende Antwort eingetroffen:National­liberaler Parteitag, Hannover. Se. Majestät der Kaiser und König lassen für das Gelöbnis der Treue und der Segenswünsche bestens danken. Auf Aller­höchsten Befehl: Der Geheime Kabinettsrat von Lucanus."

nur eine Scheere und ein großes Taschenmesser ge­funden. Sofort, nachdem er in einem Polizeiwagen untergebracbt war, zog er jedoch einen billigen fünf- schüssigen Bulldogg-Revolver aus ein Art großer Uhr­tasche, die in seinen Beinkleidern angebracht war. In dem Wagen entspann sich ein verzweifelter Kampf. Die beiden Beamten, welche Elliot begleiteten, konnten ihn nur mit Beistaud anderer Personen überwältigen.

Mutes und Provinzielles.

Schlächtern, 6. Oktober 1903.

* Um den Freunden und Gönnern der Turnsache über die während der Sommermonate gemachten turnerischen Fortschritte Rechnung abzulegen, veran- staltete der hiesige Turnverein am letzten Sonntag sein diesjähriges Abturnen verbunden mit Wetturnen, das sich eines ziemlichen Besuches zu erfreuen hatte. Die Leistungen im Turnen waren als sehr gute zu be­zeichnen, und aufs neue zeigte die Turnerschar, was sie unter Leitung ihres rührigen Turnwarts Herrn Kreß während der Sommermonate geübt haben, an Geräten sowohl wie Freiübungen und Turnspielen. Der Abend fand die Turner, sowie Freunde der Turnsache vereint mit ihren Damen im Saale der Turnhalle, wo der schönen Knnst Terpsichorens mit gleicher, wenn nicht noch größerer Ausdauer gehuldigt wurde.

Nachfolgende Turner erhielten Preise: ~ ......522

Ausland.

In einer Versammlung in Utrecht in Transvaal hat Botha angekündigt, daß er, Dewet und Delarey sich demnächst nach Indien begeben werden, um die dorr lebenden unversöhnlichen Baren zur Rückkehr zu veranlassen. Es heißt, die Burengenerale werden am 15. Oktober nach Indien und von dort nach Europa reisen.

Nach in Saloniki angelangten Konsulatsdepeschen ist der Aufstand im Sandschack Serres mit großer Heftigkeit ausgcbrochen. Zahlreiche Ortschaften, dar- umer auch solche mit starken Garnisonen, werden von den Aufständischen hart bedrängt und mit Dynamit angegriffen. Infolgedessen ersuchten die Militär­behörden um schleunige Verstärkung der dortigen Garnisonen.

In Rilo sind wiederum über tausend Flüchtlinge angekommen. 'Sie berichten von neuen blutigen Kämpfen, die unter Führung Zontschews und Hankows stallgefundea haben.

Im weißen Hause in Washington erschien dieser Tage ein Mann, der den Präsidenten Roosevelt zu sprechen verlangte. Während er mit dem dienst tuenden Polizeibeamten sprach, zog er einen Revolver, wurde aber von dem Polizeibeamten nach heftiger Gegenwehr entwaffnet. Es wurden bei ihm nach der Untersuchung

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Punkten.

Öberpräsident der Provinz Hessen-Nassau,

Uns flefjeiinnts ö. Sattlers.

Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch.

Nachdruck verboten.

I.

Es war ein düsterer Novembernachmittag; im däm- meruden Halbdunkel saß Gräfin Sabine am Kamin, und schaute träumend in die Flammen. Schattige Zitrouenhaine, veilchenbedeckte Wege erstanden vor ihrem Blick. Epheuüberrangte Felsenstufen führten zur Höhe, auf welcher einsam ein Kloster lag; drunten spülten wogend grüne Meereswellen, darüber wölbte sich der ewig lächelnde Himmel ihrer Heimath. Seufzend gedachte sie der sonnigen Fluren, wo sie als Kind gespielt, und wo nun ein bleicher Jüngling wandelte. Ach, sie durfte nicht sehnend seiner denken, und doch gehörte ihm all ihr Sinnen und Trachten.

Graf Moritz, ihr Gatte, trat ein. Sabine. fuhr empor; vor der rauhen Wirklichkeit versanken die be- zaubernden Bilder ihrer Phantasie.

Schlechte Nachricht!" sagte ärgerlich der Graf. »Ich bekam einen Brief aus Cannes, worin mir Dr. Perzay den Tod seines Bruders, unseres Anwaltes anzeigt."

. Todtenbleich, mit geschlossenen Augen fiel Sabine w den weichen Sessel zurück. Die Flamen des Kamins warfen ungewissen Schein auf ihre zitternde Gestalt.

Du schweigst," sprach vorwurfsvoll ihr Gatre,

«Was geht Dich auch unser Anwalt, die Geschäfte, die

Prozesse, wie die Zukunft an! In der milden Luft Deines duftigen Boudoirs verbringst Du Deine Tage, dem ©runbfatj Deiner Heimat, dein dolce farniente huldigend und träumst von früh bis Abends von " Orangenblüten und Wellengemurmel. Die Sorgen, Lasten und Mühen läßt Du mir."

Die Gräfin antwortete nicht.

Sprich, rühre Dich, sage daß Du lebst! Dieses Schweigen ist unerträglich. Nur die zuckenden Lider Deiner geschlossenen Augen zeigen, daß Du nicht tot bist."

Ich bin krank."

.Einbildung! Du langweilst Dich. Gehe in Gesell­schaften und unterhalte Dich wie früher. Gesang und Lustbarkeiten werden Dich zerstreuen, Die Einsamkeit ist nicht gut und gediehet Gedanken Lasse Dir huldigen, Deine Schönheit bewundern, und Dein Leiden wird'verschwinden. Sonst warst Du sprühend und gesund. Warum erfreut Dich jetzt nichts mehr?"

Sabine preßte die Hände vor ihr Angesicht und athmete schwer, .doch kam kein Laut über ihre Lippen. Umsonst wartete der Graf auf Antwort, sie war stumm stumm wie das Grab.

Er nahm seinen Hut.So kommen wir zu keiner Unterhaltung," sagte er verdrießlich,ich will Deine Träume nicht stören und gehe."

Was sagtest Du?" fragte endlich vom Fieber durchschauert Sabine, indem sie ihn zurückhielt.Wer starb wann, wo? Woher hast Du die Nachricht?'

Exzellenz von Windheim, ist von seiner Urlaubsreife in der Schweiz nach Casfel zurückgekehrt. Der Ober­präsident übernahm nunmehr definitiv die Amtsgeschäfte und trat eine Dienstreise nach Berlin an, von der er am 11. ds. Mts. nach Cassel zurückkehrt.

* Die Wahl macht sich nun auch in unserem Kreise immer mehr bemerkbar. Wie aus dem In­seratenteil ersichtlich findet nächsten Freitag hier im Deutschen Kaiser" eine Wählerversammlung statt, in welcher Herr Pfarrer Meyenschein sprechen wird. Dem Vernehmen nach, soll nächsten Sonntag nach­mittag in Sterbsritz auch eine Wühlerversammlung stattfinden, in welcher sich der Kandidat der Konser- vativen Partei Herr Bürgermeister Berta zu Soden sich den Wählern des Kreises Schlüchtern vorstellen wird.

* Wichtig für die Fortbildungsschule. Ein Buch­druckereibesitzer in B. hatte mehrere seiner Lehrlinge Graf Moritz wandle sich zurück.

.Erinnerst Du Dich an den jungen Rechtsgelehrten Theodor Prrzay, der an einem Lungenleiden erkrankt, ins Ausland nach Cannes reiste?"

Gewiß, Du erwähltest ihn ja zu Deinem Anwalt."

Er war mehr als das, war meine rechte Hand. Jcb konnte mich völlig auf ihn verlassen. Nun, dieser junge Mann ist schnell und unerwartet gestorben. Sein Tod setzt mich in die größte Verlegenheit; ich weiß nicht, was ich ohne ihn beginnen werde."

Er sprach heftig und wandle sich von der Thür zurückkehrend Sabinen zu, welche ihn mit weit geöff­neten Augen und zitternden Lippen anschaute.

Ist dies wirklich wahr?" fragte sie zögernd.

Da ist das Telegramm seines Bruders Sigmund, der ihn begleitete. Lies; er teilte mir das traurige Ereignis mit."

Sabine nahm die Depesche, richtete die Augen darauf, sah aber nichts. Die Buchstaben verschwimmen vor ihrem Blick, kalter Schweiß trat auf ihre Stirn. Plötzlich entglitt das Papier ihrer Hand, und sie stürzte ohnmächtig zu Boden. Ueberrascht und er­schrocken beugte sich ihr Gemahl zu ihr herab.

II.

In der Königstraße erhebt sich das große, drei­stöckige Haus der Familie Perzay, welches auch nach der Eltern Tode die drei Brüder in der größten Einigkeit bewohnten. Bertalon, der älteste von ihnen, war verheiratet, die beiden jüngeren speisten bei ihm.