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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 88.
Mittwoch, den 4. November 1903,
54. Jahrgang.
Amtliches.
J.-Nr. 2949 K.-A. Die Firma Sterbfritz'er Chamotte- und Tonwerke, I. Stock u. Co. beabsichtigt auf ihrem in der Gemarkung Sterbfritz telegenem Grundstück Kartenblatt G, ~ und G. 411 einen neuen Dampfkessel aufzustellen.
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe innerhalb 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht in dem Bureau des Unterzeichneten am
Freitag den 20. November d- Js.,
vormittags 11 Uhr
an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird.
Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können während der Dienststunden im Bureau des Kreisausschusses eingesehen werden.
Schlüchtern, den 30. Oktober 1903.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
Bekanntmachung.
Die diesjährigen Herbstkontrollversammlungen finden im Kreise Schlüchtern an den in nachstehendem Plane angegebenen Tagen und Plätzen statt.
Der Plan wird den Herrn Bürgermeister resp. Ortsvorstehern des Kreises Schlüchtern mit bem Ersuchen mitgeteilt, gefälligst in ortsüblicher Weise bekannt machen zu wollen, daß sich alle in ihren Gemeinden befindlichen Mannschaften nachstehender Kategorien an den angegebenen Gestellungstagen pünktlich einzufinden haben als:
a. sämtliche Reservisten der Jahrgänge 1896 bis einschl. 1903 sowie die Jäger der Klasse A. vom Jahrgang 1891 ab aufwärts;
b. diejenigen Wehrleute, welche zur Landwehr 2. Aufgebots überzuführen sind, das sind die in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1891 eingetretenen Mannschaften; '
c. die zur Disposition der Truppenteile Beurlaubten ;
d. die vor beendeter Dienstzeit wegen Dieustuntaug- lichkeit oder auf Reklamation und wegen anderer Gründe zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften;
-e . sämtliche Invaliden der Jahrgänge 1896 bis einschl. 1903 mit Ausnahme der als dauernd Ganzinvaliden anerkannten Mannschaften.
Das Geheiittnisdes Schleiers.
Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch Nachdruck verboten
„Mach', was Dir Deine Laune angiebt, ich wünsche Dir nur mit dem Arzt bessere Erfahrungen, wie wir mit dem Rechtsanwalt machten, von dem wunderliche Gerüchte in der Stadt umherschwirren."
„Was spricht man von ihm?" fragte Sabine hastig.
„Daß er seinen Bruder, den Kaufmann, fast zu Grunde richtete. Nach seiner Flucht, denn anders kann man seine Abreise nicht nennen, hatte dieser nichts weiter zu tun, als die Schulden seines liebenswürdigen Bruders zu bezahlen. Er war verschwenderisch und leichtsinnig und hatte ein Verhältnis mit einer Dame, welche der Grund zu seinem Verderben war."
„Das ist nicht wahr."
„Was weißt Du denn davon?" fragte der Graf überrascht. „Es ist die allgemeine Meinung, nur kennt niemand die Person, an welche er Hunderttausende verschwendete und welche seine Zukunft, seinen Beruf und vielleicht das ganze Dasein des begabten Jünglings zu Grunde richtete."
„Nach des Rechtsanwaltes Charakter zu schließen, klingt dies alles sehr unwahrscheinlich," sagte, ihre Aufregung verbergend, ßabine. ^enn man sein
1) Am Donnerstag, den 5. November 1903 nachmittags 2 Uhr in Salmünster auf dem Hofe der Oberförsterei für die Ortschaften Salmünster, Soden, Ahl, Wahlert, Eckardroth, Romsthal und Alsberg mit Hausen des Kreises Gelnhausen.
2) Am Freitag den 6. November 1903 vormittags 9'/- Uhr in Steinau im Schloßhof für die Ortschaften Steinau, Bellings, Huudsrllck, Kerbersdorf, Marborn, Marjoß, -Sarrod mit Rabenstein und Rebsdorf, Seidenroth.
3) Am Freitag den 6. November 1903
nachmittags 2'/, Uhr in Schlüchtern auf der Wiese hinter der Stadthalle für die Ortschaften Schlüchtern, Ahlersbach, Branden- stein, Breitenbach, Elm, Herolz, Hohenzell, Klesberg, Neustall mit Oberhof, Niederzell, Uerzell, Ulmbach, Vollmerz mit Hinkelhof, Ramholz, Wallroth.
4) Am Samstag, den 7. November 1903 vormittags 9 Uhr in Sterbfritz für die Ortschaften Sterbfritz, Altengronau, Breunings, Jossa, Mottgers, Neuengronau, Oberzell, Sannerz, Schwarzenfels, Weichersbach, Weiperz und Züntersbach.
Wer durch Krankheit oder dringende Geschäfte an dem Erscheinen bei der Kontrollversammlung verhindert ist, muß so rechtzeitig ein ärztliches Attest bezw. eine Bescheinigung der Ortsbehörde bei dem Melde-Amt Gelnhausen einreichen, daß die Befreiung noch vor der Kontrollversammlung mitgeteilt werden kann.
Die Richtigkeit der angegebenen Gründe, sowie etwa beizugebende ärztliche Atteste, letztere nur dann, wenn sie nicht durch einen Königlichen Kreisarzt ausgestellt sind, müssen ortsobrigkeitlich beglaubigt sein. Nur wer durch plötzliches Erkranken oder ganz unvorhergesehene dringende Geschäfte abgehalten ist, der Kontrollversammlung beizuwohnen, kann sich an, betreffender Kontrollversammlung mit Ueberreichung eines obrigkeitlichen bezw. ärztlichen Zeugnisses durch einen anderen entschuldigen lassen.
Unentschuldigtes Ausbleiben oder nicht pünktliches Erscheinen sowie Erscheinen auf einem nicht zuständigen Kontrollplatz wird mit Arrest bestraft.
Stöcke, Schirme usw. sind vor der Kontrollver- sammlung abzulcgen.
Die Herren Bürgermeister resp Ortsvorsteher werden ersucht, diese Bekanntmachung einige Tage vor den angesetzten Kontrolloersammlungen wiederholen und hierbei die zum Erscheinen Verpflichteten auf das Mit« bringen ihrer Militärpapiere (Paß mit Kriegsbeorderung Paßnotiz und Führungszeugnis) besonders Hinweisen zu lassen.
Gelnhausen, den 23. Oktober 1903.
Königliches Melde-Amt.
ernstes, stilles und zuverlässiges Wesen in Betracht zieht, mag wohl seiner Abreise eine andere Ursache zu Grunde liegen. Als wir ihn das letzte Mal sahen, erschien er mir sehr leidend."
„Das ist wahr," sagte Graf Gerendy, „jedoch läßt die Todeserklärung und deren schneller Widerruf, dann sein langes Fortbleiben und besonders die Absicht, seinen Beruf gänzlich aufzugeben, keinesfalls etwas Gutes vermuten, und Perzays Charakter und Vergangenheit erscheint entschieden in zweifelhaftem Lichte."
Sabine wollte antworten, doch wurde in diesem Augenblicke der Arzt gemeldet, welcher bald darauf ein trat.
Die Gräfin fuhr unwillkürlich zusammen. Graf Moritz stand auf und begrüßte Sigmund freundlich.
„Ich gehe," sagte er, „und will die Beratung nicht stören. Was wissen Sie von Ihrem Bruder?" wendete er sich dem Doktor zu.
„Er ist sehr krank. Als ich das Telegramm an Euer Gnaden absendete, lag er sterbend auf seinem Lager und ich glaubte nicht, daß er nochmals zum Leben erwachen würde."
„Sie haben sich mit dem Absenden der Nachricht zu sehr beeilt," sagte der Graf spöttisch. „Es ist sonderbar, daß Sie als Arzt den noch glimmenden Lebensfunken in Ihrem Bruder nicht bemerkt haben."
„Alle Umstände zeigten seinen Tod, es ist übrigens bei Lungen- und Herzkranken nichts Seltenes, daß solch' totesähnlicher Zustand eintritt."
Deutsches Reich.
— Das Kaiserpaar traf mit Umgebung am Sonnabend um 11 Uhr 35 Mm auf dem Hauptbahnhofe in Stettin ein und begab sich, vom Puolikum lebhaft begrüßt, nach der Vulkanwerft zur Taufe und zum Stapellauf des Linienschiffes „K."
— Das Linienschiff „Preußen" lief am 31. Oktbr. mittags 12 Uhr in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin glücklich vom Stapel. Den Taufakt vollzog die Kaiserin. Die Taufrede hielt Reichskanzler Graf Bülow.
— Die Kaiserin Auguste Viktoria wird der bevorstehenden Monarchenbegegnung nicht beiwohnen. Ob die Zarin den Zaren begleitet, steht noch nicht fest.
— Der Kaiser hat dem Eisenbahnminister Budde, welcher bisher Generalmajor a. D. war, zu den zur Disposition stehenden Offizieren überführen lassen. Diese Auszeichnung wird auf Buddes Werk über die französischen Eisenbahnen im Kriege 1870-71 zurückgeführt.
— Ueber die bevorstehende Zweikaiser-Zusammen- kunft wird jetzt berichtet, daß Kaiser Nikolaus und der Großherzog von Hessen sich heute Mittwoch zum Besuch Kaiser Wilhelms nach Wiesbaden begeben. Unser Kaiser erwidert den Besuch tags darauf in Wolfsgarten bei Darmstadt. Das russische Blatt „Moskowskija Wiedomosti" begrüßt mit aufrichtiger Freude die Zusammenkunft und sagt u. a.: Solche Zusammenkünfte mächtiger Monarchen fördern die Wahrung des Friedens besser als diplomatische Verhandlungen. Diese Zusammenkunft gewinnt noch an Bedeutung, weil zwischen den beiden Nachbarmächten keine Streitfragen vorliegen, und die Monarchen sich ganz den irgendwie den Frieden bedrohenden internationalen Fragen zu- wenden können. Trotz der schon länger bestehenden Gruppierung der Mächte hat deren Annäherung statt« gefunden, welche sowohl die europäische wie auch die asiatische Politik beeinflußt. Das Verdienst kommt in bedeutendem Maße Deutschland, welches streng den Standpunkt vertritt, daß die Mandschurei in das Interessengebiet Rußlands gehört. Zweifellos wird Deutschland auch in Zukunft die friedliche Politik Rußlands im fernen Osten fördern. Eine solche Politik ist auch für Deutschland selbst vorteilhaft, weil sich seinem Handel tn der russischen Mandschurei ein ebenso weites Absatzgebiet eröffnet wie im europäischen Rußland. — Solange Rußland und Deutschland dem Ziele der Wahrung des Friedens zustreben, unterstürzt durch Oesterreich-Ungarn einerseits und andererseits durch Frankreich und Italien, wird die Störung des Friedens europäischer Völker weder tn Europa noch in Asien gelingen.
— Die Königin Wilhelmina der Niederlande trifft am 5. November zur Besichtigung ihres Husaren- Regiments in Wandsbeck ein. Von dem Regiment
„Wie und wo ist er jetzt?" ~
„Er ist in Egypten, von wo er wohl nimmer zurückkehren wird."
„Allein?"
„Mit unserm Onkel, welcher im Auslande lebt und mich bei dem Kranken vertritt, denn ohne meinen Beruf gänzlich zu vernachlässigen, konnte ich nicht länger bei ihm verweilen."
„Der Graf grüßte und verließ den Salon, in welchem nur einige Minuten tiefe Stille herrschte.
Sabine beutele auf einen Sessel. Sie war in großer Verlegenheit, wie sie das Gespräch beginnen sollte und öffnete mehrmals die Lippen, um ihren Gast anzureden, schloß sie aber ebenso oft wieder.
«Wie Sie mir brieflich mitteilen, Gräfin, bedürfen Sie meines ärztlichen Rates," begann Sigmund endlich, welcher vergeblich auf eine Ansprache gewartet hatte.
„Ich bin krank, und da ich fürchte, daß unser Hausarzt mein Leiden nicht erkennt, möchte ich Ihren Rat hören. Ich glaube, ein Luftwechsel wäre mir nötig."
Sigmund erschrak.
„Empfiehlt Ihnen Ihr Arzt dies nicht?"
„Mein Mann will Pest nicht verlassen und beeinflußt vielleicht in dieser Beziehung den Arzt; denn dieser ist entschieden gegen eine Reise."
„Luftveränderung und die Zerstreuungen der Reise sind den meisten Kranken sowohl körperlich wie geistig dienlich," xntgegnete Sigmund etwas Msicher,