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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich l Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 90.

Mittwoch, den 11. November 1903

54. Jahrgang

3

Deutsches Reich.

Wie die beiden Kaiser Abschied nähmen, darüber wird genauer aus Wolfsgarten berichtet: Ein paar Minuten blieben der Kaiser und der Zar im Warte- sälchen, dann nahmen sie auf den Bahnsteig Abschied. Der Kaiser richtete in französischer Sprache verbindliche Worte des Dankes an den Zaren und schüttelte ihm die Hand. Dann umarmte und küßte er den Groß- Herzog von Hessen, sie schieden mit dem gegenseitigen Gruß:Weidmannsheil!" Zum Schluß sagte der Kaiser seinem Bruder auf englisch:Good bye!" Der Prinz erwähnte, daß in acht Tagen sein Urlaub abgelaufen ffei. Der Kaiser, der schon eingesttegen war, erzählte noch, er habe bei der Marine einen Chaffeur für sein Automobil bestellt.Das ist vor- tresflich", erwiderte nach derFrkf. Ztg." Prinz Hein­rich,wir haben bei der Marine sehr geeignete Leute tafür." Woraus zu ersehen, daß die sogenannten .Großen der Erde" gern gerade so harmlos plaudern wie die gewöhnlichen Sterblichen. Inzwischen hatte der Zar mehreren Herren des Gefolges die Hand gereicht und ihnen auf DeutschGute Nacht" gewünscht Punkt 10 Uhr meldete der Stationsverwalter die Ab­fahrtbereitschaft, die Maschinen zogen an, der Kaiser grüßte mit winkender Hand durchs Wagenscuster, der Zar dankte und mit Hurra dampfte der Zug ab.

DieNordd. Allg. Ztg." ist ermächtigt, das Folgende zu veröffentlichen: Se. Majesiät der Kaiser haben sich am 7. November der Operation eines Stimmlippen-Polypen unterzogen. Die Operation wurde von Geheimrat Prof. Schmidt ausgeführt und verlief ganz glatt. Se. Majestät ist bis zur Heilung der Operationswunde nur die Emthaltung desyLtiun - gebrauchs auferlegt.

Potsdam, den 7. November 1903.

v. Leuthold, Moritz Schmidt, Jlberg.

DieNordd. Allg. Ztg." fährt fort: Das Ergeb­nis der von Geheimrat Orth aUsgeführten mikroskopi­schen Untersuchung ist folgendes: Der Polyp besieht aus sehr weichem, nur wenige Zellen enthaltende Binde­gewebe, das von regelmäßigem, überall scharf gegen das Bindegewebe abgegrenztem Plattenepithel überzogen ist. Ein Teil der Bindegewebszellen enthält feine braune Pigmentkörnchen, offenbar von früher statt gehabten kleinen Blutungen herrührend. Der Polyp enthält eine größere Anzahl dünnwandiger Blutgefäße, es handelt sich also um einen durchaus gutartigen bindegewebligen Polhpen.

Ueber das Befinden des Kaisers ist am Sonntag morgen nachstehendes Bulletin ausgegeben worden: Der Kaiser hat den Sonnabend ruhig im Zimmer verbracht und die Nacht ohne Unterbrechung geschlafen. Das Aussehen der kleinen Wunde ist durchaus zu- friedenstellend. Schinerzen und sonstige Beschwerden

Schleiers.

Roman von H. v. Benitzki, aus bem Ungarischen von C. Langsch

Nachdruck verboten

Der junge Perzay wußte nicht, warum ihm die Bitte Freude verursachte. Er versprach zu kommen und entfernte sich.

Nicht lange, und Du bist ganz in meiner Hand." flüsterte die Gräfin, indem sie ihm lächelnd nachvlickte. Durch Dich werde ich mich an Theodor rächen und ihm den Schmerz bereiten, welchen er mir verursachte."

Sigmund begab sich nach Hause.

Er fühlte sich sonderbar und ungewöhnlich erregt. Er konnte au nichts anderes denken, als an die mit der Gräfin gehabte Unterredung. Er begann das jahrelange Verhältnis zwischen Theodor und Gräfin Gerendy und all' die leichtsinnigen Streiche, welche er um ihretwillen verübt hatte, zu begreifen.

Bei seiner Rückkehr fand er auf dem Tische einen Brief mit der Handschrift seiner »Braut.' Zerstreut öffnete er ihn, während ihm der Gräfin wunderbares Gesicht und ihre herrliche Gestalt vor Augen schwebte. Kaum hatte er aber die ersten Zeilen gelesen, als er einen Ruf der Ueberraßtmng ausstieß und immer wie­der von neuem begann er zu lesen. Er traute seinen Augen kaum, deu her Inhalt war zu unglaubwürdig. Mas war geschehen, warum schrieb sie diesen Bries.

im Halse sind nicht vorhanden. Die Temperatur be­trug 36,3, der Puls 60.

V. Leuthold, Moritz Schmidt, Jlberg.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel, vollständig überraschend und unerwartet trifft diese Nachricht ein. Es hat bisher nicht das geringste verlautet von einer Erkrankung unseres Kaisers. Gerade in den letzten Tagen der vergangenen Woche war der Kaiser durch die Mouarchenzusammeukunft in Wiesbaden und Darmstadt ganz besonders in Anspruch genommen; keinerlei Anzeichen ließen ahnen, daß der Kaiser, der sich mit gewohnter Frische und Spannkraft all den zahlreichen, anstrengenden Verpflichtungen eines solchen Ereignisses unterzog, von einem Leiden befallen war, das einen operativen Eingriff nötig machte.

Die Operation eines Polypen ist heutzutage bei dem fortgeschrittenen Stande der ärztlichen Kunst unter normalen Verhältnissen eine Kleinigkeit, sie gehört zum Tagewerk des Spezialisier! und wurde wohl kaum auch bei der Person unseres Kaisers besondere Auf- regung hervorrufen, wenn nicht die Stelle, an der sich der Polyp gezeigt hat, unwillkürlich Erinnerungen wachriefe an eine für das deutsche Volk unendlich trübe Zeit, die Leidenszeit des Vaters unseres Kaisers.

Zwischen einem Polypen und dem Leiden, welchem Kaiser Friedrich erlegen ist, Kehlkopfkrebs, besteht ein bimmehveiter Unterschied, aber wir empfinden und leiden nachwirkend gerade im jetzigen Augenblick unter den! Eindruck einer VertuschungWethode, welche im Jahre 1888 der engliche Arzt Makenzie anzuwenden für gut hielt und die das Vertrauen in offizielle Bulletins auf lange erschüttert hat.

Es waren damals deutsche Aerzte, die sich, sobald sie zur Unterschrift der Bulletins zugelassen wurden, 'offen und ehrlich über dru wahren Cha.akir. Bc. Leidens Kaiser Friedrichs auSspracheu. Da es diesmal drei deutsche Aerzte, darunter ein hervorragender Spezialist von großem Rufe, sind, welche das Gewicht ihrer Autorität in die Wagschale werfen und Wor.e der Beruhigung an das deutsche Volk richten, schwinden die bangen Zweifel und befestigt sich die Hoffnung auf die schnelle Wiederherstellung unseres allgeliebten Kaisers.

Ausland.

Infolge der energischen Schritte des deutschen Konsuls in Belgrad ist Aussicht Vorhanden, daß die Forderungen der deutschen Gläubiger an den Nachlaß des serbischen Königspaares Voll befriedigt werden. Der ehemalige Hofmarschall des Königs Alexander, Nikolajewiffch, verläßt Belgrad, um sich in Deutschland mit seiner Familie niederzulaisen.

Ueber die Veranlassung zum Aufstand in Warmbad meldet ein Telegramm eines Londoner Blattes aus Kapstadt: Ein deutscher Missionar aus

Ich sende Ihnen den Ring, der uns band und gebe Ihnen Ihr Wort zurück. Längere Er­klärungen sind überflüssig, da sie den Grund meiner Handlungsweise recht gut kennen. Ich mag die lästige Zugabe meiner Mitgift nicht sein. Damit Sie aber meinen Schritt völlig begreifen, so erfahren Sie, daß ich sowohl, ivie Ihr Bruder, weiß, wer bei Juwelier B. die Perlen kaufte, die auf dem letzten Ball die allgemeine Aufmerksamkeit erregten.

Rosa Hemberg."

Den Rest des Abends verbrachte er in fieberhafter Unruhe und dachte kaum an seine Braut. Das Bild einer anderen Frau, andere Hoffnungen nahmen ihn bis zum Morgen gefangen. Er verbrachte eine schlaf­lose Nacht und zählte die Stunde, bis das erwachende Geräusch der Straße den Morgen verkündete.

Sie besitzen wohl ein Zaubermittel, Herr Doktor,

sagte Graf Moritz, als sie am andern Tage in Sa- binens himmelblau ausgestaWetes Boudoir traten.

Meine

Seit gestern herrscht wieder Ruhe bei uns.

Frau spricht nichts mehr von der Abreise."

Die Gräfin verlangte meinen Rat, doch waAx

ich nicht gleich einen entscheidenden Ausspruch zu tun", sagte Sigmund. Ich mH ihre Krankheit beobachten Nach ein paar Wochen erst werde ich mich über das, was zu tun ist, äußern."

Gerendy lachte.

Frauenleiden, Laune und Einbildung ist die ganze Krankheit", sagte er.Alle Frauen sind krank, wenn

Damaraland berichtet die Ursache des Aufstandes im Süden des deutschen Schutzgebietes sei folgende: die deutsche Regierung befahl füllen Eingeborenen, ihre Waffen zeitweilig abzugeben; sie sollten registriert werden. Die Boudelszwarts verweigerten dies, worauf Leutnant Pobst mit wenigen Mann von Warmbad abging, um mit ihrem Häuptling zu verhandeln. Dabei teiln es zu einem heftigen Streit. Der Häupt­ling wurde frech, und Aobst schoß ihn mit einem Re­volver nieder. Hierauf griffen die Eingeborenen die deutsche Abteilung an und töteten 3 Mann. Der Rest entkam nach Warmbad, das später von den Bondelzwarts erobert wurde. Man glaubt, daß im ganzen nicht mehr als 15 Deutsche in Warmbad ge­tötet wurden, obwohl die Zahl durch Morde in außen­liegenden Distrikten erhöht sein kann.

Zur Landtagsivahl.

Am 9. November fand in Gelnhausen eine zahl- reich besuchte, von dem Komitee für die Wahl Bertas einberntene Wählerversammlung statt. Durch die An­wesenheit beider Kandidaten gestaltete sich die Ver­sammlung zu einer äußerst interessanten, wohl der interessantesten aus der ganzen Wahlkampagne. Berta entwickelte sein von ihm speziell für die Interessenten hiesiger Gegend unabhängig von politischer Ge­sinnung ausgearbeitetes Programm, welches mit Enthusiasmus ausgenommen wurde. Die Versammlung, die von allen Berufsständen, darunter die angesehendsten Persönlichkeiten Gelnhausens - am Vorstands lisch hatte Herr Bürgermeister Schösfer und Herr Stadt­verordnete Vorsteher Meles Platz genommen besucht war, : ab dem Ausdruck, daß man auch in Gelnhausen eiitfeb' yseu ist, nächsten Donnerstag die Wahlmänner im Herrn Berta zu wählen.

Als erster Debatter meldete sich ein Herr v. Stein, der in dem für das süddeutsche Ohr grade nicht an­genehm klingenden bekannten schnarrenden Ton, erst nochmals mit der fürchterlichen Entstehungsgeschichte der beiden Kandidaturen, die Hörer langweilte und dann versuchte, Herrn Berta damit etwas am Zeuge zu flicken, indem er ihm vorwarf, er (Berta) habe zu Unrecht in der Schlüchterner und anderen Wahlver- sammlnngeu erklärt, die GelnhänserZeitung habe von seiner Kandidatur, Rechtfertigungen oder Aehnlichem, keine Notiz genommen. Als Redner aber zugab, nur der erste Artikel von Berta sei aus Versehen von der betreffenden Zeitung unberücksichtigt geblieben, gab ihm die Versammlung durchAha", großes Gelächter usw. kund, daß sie seine diesbezüglichen Ausführungen in der richtigen Weise aufgefaßt und er sie gerade Von dem Gegenteil dessen überzeugt hatte, was er eigentlich wollte, daß aber vor allen Dingen Herr Berta auch in dieser seiner Aeußerung nur die Wahr- Heit gesagt und nacb wie vor makellos dasteht. Nach-

sie sich langweilen. Sabine sehnt sich nach Italien, wo sie geboren ist und ich wünsche, daß Sie Ihren ärztlichen Einfluß ausbieten, ihr die Reise auszureden."

^Es kommt darauf an", entgegnen Doktor Perzay ernst,ob eine Lusiberänderung nötig ist, und ob die Wieweit der Gräfin angegriffen sind."

_Sie sind zum Frauenarzt geboren und werden es auf diesem Felde weit bringen", sagte lachend der Graf und verließ das Zimmer.

Bald darauf trat Sabine ein. Ein Morgenkleid aus kostbarem Plüsch, in denselben zarten Farbentönen gehalten, wie die schwellenden Ottomanen und üppigen Polster, umfloß in weichen Falten ihre schönen und schlanken Glieder.

Sie nahmen Platz. Sigmund, von ihrem Anblick berauscht und befangen, erkundigte sich zagcnd nach ihrem Befinden. Sabine, welche sich des Eindruckes, den sie mache, wohl bewußt war, antwortete:Ausgezeichnet, denn Ihre Erscheinung, Ihre Stimme, Ihre Beweg­ungen zaubern mir Bilder der Vergangenheit vor, welche mein Herz erzittern lassen. Für mich ist Ruhe der Tod. Ich suche mit fiebernder Aufregung alles, was Eindruck auf mich machen könnte."

Und gerade das müssen Sie vermeiden, es richtet Ihre Nerven völlig zu Grunde."

Ich bin gewöhnt, zu fühlen, etwas zu erwarten und zu erhoffen. Ruhe und Stille machen m.ch krank. Ich möchte fliehen, aus dieser Atmosphä re forteilen, ich sehne mich dahin, wo alles blüht wo daß