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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

32 91.

Samstag, den 14. November 1903.

54. Jahrgang.

M bester geweis

für den sicheren Erfolg des Jnserierens in der über den ganzen Kreis und weiter hinaus zahlreich verbreiteten

Schlüchterner Zeitung

mit amil Kreisblatt

muß die Tatsache der ständig. Wiedsrernenernng aller Anzeigen-Aufträge gelten.

Deutsches Reich.

Sr. Maj. der Kaiser hörte am Dienstag nach der Frühstückstafel den vor der Tafel nicht beendeten Vortrag des Chefs des Marinekabinetts.

Das am 11. Nov. vormittags ausgegebene Bulletin über das Befinden des Kaisers lautet:Sr. Maj. dem Kaiser und König ist der gestrige Spazier- gang gut bekommen Die Wunde ist von gutem Aussehen und beginnt sich zu verkleinern. V. Leuthold, Dr. Schmidt, Jlberg."

Wie die Blätter berichten, war es der näheren Umgebung des Kaisers seit etwa drei Wochen ausge­fallen, daß die Stimme des Kaisers permanent heiser und belegt klang.

Auf ein vom Bürgermeister Dr. Pauli in Bremen namens des Senats an Sr. Maj. den Kaiser gerichtetes Telegramm, worin der lebhaften Freude über das günstige Befinden Sr. Maj. Ausdruck ge­geben war, ging nachstehende Antwort ein:Ich danke dem Senat der Freien und Hansestadt Bremen und seinem Präsidenten für den Ausdruck seiner Teilnahme. Ich hoffe bei einiger Schonung in Kürze gänzlich wieder bergestellt zu sein. Wilhelm I. R."

Die Prinzessin Alice von Großbritannien, die Schwester des jungen Herzogs von Sachsen-Kvbnrg- Gotha (Herzog von Albany), hat sich mit dem Fürsten Alexander von Teck verlobt.

An Stelle der verstorbenen Großindustriellen Krupp und Stumm hat der Kaiser, wie dasBert. Tgbl." hört, zwei andere Großindustrielle aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet ins Herrenhaus berufen.

Der neueKunze-Kalender" für das höhere Schulwesen Preußens zeigt nach demHan Cour.", daß die Zahl der anstellungsfähigen Kandidaten von 340 (am 1. Mai 1902) auf 204 (am 1. Mai 1903) gesunken ist. In diesem Zeitraume sind 466 Ober- lel rer an preußischen höheren Knabenschulen angestellt worden (aus dein Kalender selbst sind allerdings nur 447 Anstellungen zu ersehen, und zwar 81 für Reli­gion und Hebräisch, 111 für Latein und Griechisch, 106 für Französisch und Englisch, 53 für Mathematik und Physik, 25 für Naturwissenschaft, 71 für Deutsch, Geschichte und Erdkunde). Da bis zum 1. Mai 1904

anstellungsfähig werden, so würde, selbst wenn man alle anstellungsfähig gewor­denen Kandidaten als Oberlehrer anstellen wollte, der gegenwärtige Bestand für den Bedarf nicht ausreichen; denn für die ziemlich bedeutende Anzahl von Schulen, die im letzten Schuljahre neubegründet worden sind, werden scbon recht viele neue Stellen geschaffen werden müssen, ganz abgesehen von dem Ersatz für die ge­storbenen, bezw. in den Ruhestand getretenen Ober­lehrer. Man sieht übrigens bei den Neugründungen, daß trotz der Gleichberechtigung aller höheren Lehr­anstalten, die freilich noch nicht ohne jede Einschränkung durchgeführt worden ist, eine gewisse Vorliebe für Lateinschulen bestehen bleibt. Einer weiteren Neu- gründung von Lateinschulen wird der große Mangel an klassischen Philologen entgegentreten. Nur 59 an- stellungsfähige Kandidaten sind für dies Fach jetzt vorhanden; außerdem 33 Probanden, sowie 47 (+ 5) Seminarkandidaten. Dagegen empfiehlt sich der Aus­bau der Realanstalten, da an Neuphilologen und Ma thematikern, die ja jetzt noch recht knapp sind, in ca. zwei Jahren kein Mangel mehr sein wird.

Ausland.

In einer in Rom im Konsistorium gehaltenen Ansprache führte der Papst aus, er habe vergebens versucht, auf das Pontifikat zu verzichten, aber indem er sich dem Willen Gottes unterwerfe, werde er sich bemühen, daß ihm anvertraule Gut des Glaubens zum Heile aller zu bewahren. Notwendig sei, daß der Papst in der Regierung der Kirche frei und keiner Macht unterworfen sei. Demgemäß bedauere er, indem, er sich seiner Pflicht und Heiligkeit des Eides als Priester wohl bewußt sei, die sehr schwere Beleidigung, die der Kirche in dieser Beziehung widerfahren sei. Er sei überrascht über die Neugier, die man Hinsicht lich des Programms, seines PontifikatS gezeigt habe, da ei doch keinen anderen Weg gehen könne, als den, den seine Vorgänger gegangen seien. Zurückweisen müsse er die Meinung, daß der Papst sich nicht mit Politik beschäftigen dürfe, denn es sei unmöglich, die Politik vom Stinte des Oberhirten über Glaube und Sitten zu trennen, namentlich wenn der Papst Be­ziehungen zu Fürsten und Regierungen aufrecht erhal­ten soll, um die Sicherheit der Freiheit der Katholiken zu schützen. Der Papst fährt fort, er glaube nicht den Triumph -der Wahrheit unb Gerechtigkeit erleben zu sönnen, ebensowenig wie ihn seine Vorgänger hätten sehen können. Dennoch werde er sich bemühen, die Wahrheit und Guten zu befestigen und unter denen auszubreiten, welche nicht übel gesinnt seien.

Eine in Berlin eingetroffene Meldung des kaiserlichen Gouverneurs von Deutsch-Südwestafrika besagt, das Hauptmann von Koppy am 1. November mit einer kleinen Abteilung Warmbad erreicht und die

höchstens 243 Probanden

Stationsvorräte intakt vorgefunden habe. Der neue Sammelplatz des Feindes sei unbekannt. Schwierige Wasser- und Weideverhältnisse machen größere Opera­tionen auf dem Schauplatz der Unruhen gegenwärtig unmöglich. Die Verbindung mit Warmbad ist durch Witboipatrouillen hergestellt.

Ein Telegramm aus Santo Domingo (Amerika) meldet, daß die Aufständischen die Stadt am 7. d. M. beschossen haben, ohne jedoch derselben einen Schaden zuzufügen. Der Komandani der Aufständischen habe die Uebergabe der Stadt verlangt, diese sei verweigert worden. Die Feindseligkeiten seien wieder ausgenommen worden. Vorräte seien hinreichend vorhanden.

Aus Santo Domingo wird ferner gemeldet, daß die Beschießung von San Pedro de Mascoris durch einen dominikanischen Kreuzer am Mittwoch nach zwe- undeinhalb Stunden vorher ersolgter Ankündia: geschah. Am Mittwoch fuhr der Kreuzer ab, " daß der Versuch einer Truppenlandung, unternom wurde. Durch die Beschießung ist ' n r w/ wwrr

an amerikanischem Eigentum angerichtet. Die Stim­mung ist sehr feindselig gegen Amerika.

Mutes und Provinzielles.

Schlächtern, 13. November 1903.

* Auf der großen Internationalen Geflügel- Ausstellung vom 7.--9. November d. I. in Saarbrücken erhielt lHerr Hildebrand, hier, auf sein ausgestelltes Geflügel folgende Preise zuerkannt: 3 Ehrenpreise, 4 erste, 4 zweite und 1 dritten Klassenpreis.

* Bevor man seine Einkäufe besorgt, lese man den Anzeigenteil derSchlüchterner Zeitung". Die dort abgedruckten Anzeigen erweisen jedermann den großen Dienst, sich in Ruhe seine Einkäufe überlegen und diese dann schnell und gut erledigen zu können.

Die am 2. November in hiesiger Stadt ab­gehaltene Viehzählung ergab folgendes Resultat: 104 Pferde, 2 Esel, 493 Stück Rindvieh.

* Der außerordentliche Pfarrer Junker wurde zum selbständigen Verweser der Pfarrei Oberkalbach bestellt

* Der Winter hält langsam seinen Einzug und beginnt auch schon hier und da das Hausschlachten, zumal die Wurstkammern längst geleert sind. Bei der verschärften Fleischbeschau werden alle diejenigen Familien, welche in der glücklichen Lage sind, so ein fettes Borstentier zu schlach-en, gut tun, dieses vorher zu versichern, weil Finnen und Tuberkulose auch unter den Schweinen häufiger wie früher vorkommen. In jeder Ortschaft ist ein Ortsvertreter der Kreis-Ver­sicherungsanstalt, welcher Schlachtschweine 24 Stunden vor der Tötung gegen billige Prämien in Versicherung nimmt. Wird das geschlachtete Tier vom Fleischbe­schauer beanstandet, so zahlt die Kreisversicherungs­anstalt den vollen versicherten Wert des Tieres.

Ma> GeheiMnis des Sehlerevs.

Roman von H. v. Benitzli, aus dem Ungarischen von C. Langsch

Nachdruck verboten

Die Ereignisse der letzten Monate waren so uner- toartet über ihn hereingebrochen und hatten so sehr fein ruhiges und glückliches Leben verwirrt, daß Clara, Mtye seit Jahren mit ihm in der friedlichsten Ehe lebte, ihn in seiner jetzigen Gemütsstimmung kaum Weber erkannte.

Nun traf ihn von neuem die unangenehme Nach­richt, daß Rosa Sigmund den Ring zurückgeschickt habe! Weinend erzählte sie, daß er es nicht einmal für nötig gehalten, ein Wort zu erwidern, noch einen Schritt zur Aussöhnung zu tun.

Der alte Heinberg stand in nahen Beziehungen, zu bet Firma Perzay und war außerdem mit Bertalan eng befreundet. Nun waren alle Verbindungen gelöst Er wußte nicht, was zwischen Sigmund und Rosa borgefallen war, aber er ahnte, daß Theodor leicht­sinnige Streiche verübt hatte. Den Kopf in die Hand gestützt, grübelte er und sah finstere Wolken sein und seiner Brüder Zukunft verdunkeln.

Der Eintritt des Dieners störte ihn aus seinen Sinnen. Dieser kannte seine Verstimmung und näherte sich ihn, zögernd.Die Dame," begann er. auf die halbgeöffnete Tür zeigend,welche schon einmal hier. )var,"

Bertalan machte eine abwehrende Bewegung, aber in demselben Augenblicke erschien die hohe, in einen Mantel gehüllte Gestalt jener tiefverschleierten Dame in der Tür. Sie trug ein kleines Kästchen in der Hand. Er verließ seinen Platz und ging mit kaltem ernsten Gruß einen Schritt entgegen, während sich der Diener zurückzog.

Mit ruhigen Schritten und sicherer Haltung, wie bei der ersten Begegnung, eilte sie zum Schreibtisch und legte jenes Kästchen darauf nieder.

Ich übergebe dieses Ihrer Obhut," sagte sie ohne jede weitere Einleitung.Es befinden sich Schmnck- sachen im Werte von 40000 Gulden darin, welche bis jetzt unter meiner Verantwortlichkeit stauben, aber das Eigentum der Familie Perzay sind; ich gebe sie in Ihre Hände, da ich auf unbestimmte Zeit verreise."

Ich nehme nichts an," sagte Bertalan kühl, denn ich weiß nichts von der Existenz des Schmuckes; au^erbem verfügt der Stellvertreter meines Bruders nicht über eine so große Summe, um den Schmuck übernehmen zu können, und ich sage nicht gut dafür."

Das ist auch nicht nötig; verwerten oder behalten Sie das Kästchen. Von diesem Augenblicke an ist der Schmuck nicht mehr mein Eigentum," sagte die Dame entschieden und wollte das Zimmer verlassen.

Ich erhebe Einspruch gegen ihr Fortgehen," rief Bertalan erregt und stellte sich der Dame entgegen. Entweder gehen Sie mit dem Kästchen oder gar nicht."

Sie wollen Gewalt gegen mich anwendenA"

Gerade so, wie Sie mit dem Hierlassen des Kästchens."

Das ist keine Gewalt, sondern Bitte, inniges Flehen," sagte mit süßem, schmeichelnden Ton, welcher noch nie seinen Eindruck verfehlt hatte, die Fremde, und Bertalan stand betroffen vor ihr und kämpfte gegen den Zauber dieses Klanges.

Ich weiß, daß Sie ein Vorurteil gegen mich haben," sagte sie schnell den guten Eindruck benützeud. O, wüßten Sie doch, wie wenig Recht Sie dazu haben. Sie kennen mein Schicksal nicht und wissen nicht, wie sehr ich mich sehne, von diesen Schmucksachen loszukommen. Sie würden meine Bitte nicht ab­schlagen, um mein Leiden zu vermehren."

Sie glitt mit der Hand [unter den Schleier und brach in heftiges Weinen aus.

Perzay war ergriffen. Frauentränen verfehlen selten ihre Wirkung bei den Männern, und wenn Bertaian auch entschiedener, strenger und zehn Jahre älter wie sein Bruder war, so besaß er denselben Fämilienfehler: die Schwäche und Weichherzigkeit.

Stumm und unschlüssig betrachtete er die reizende Gestalt, dann wandle er sich an den Schreibtisch zu bem fraglichen Kästchen zurück.

Wenn diese Schmucksachen Theodor gehören," sagte er leise und ungewiß, ob er Recht tue,so übergeben Sie ihm dieselben doch selbst."

^Theodor!" rief die Fremde voll Bitterkeit, ^

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