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Erscheint Nlittwoch und Samstag. ~ Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

M 92.

Btittwoch, den 18. November 1903.

54. Jahrgang.

Amtliches.

St. 1678. Die Termine für die Einkommensteuer-

Voreinschätzung 1904 sind folgendermaßen bestimmt: Bezirk 1. Schlächtern, Montag, 30. 11. 03,9 Uhr vm. 2. Salmünster, Donnerstag, 3. 12.03,9 3. Soden, Mittwoch, 2.12.03,9 4. Sieinau, Mittwoch, 2.12.03,9 5. Romsthal, Donnerstag, 3.12. 03,9'/^ 6. Ulmbach, Dienstag 1. 12.03,91/2 7. Mitersteinau,Dienstag, 1.12. 03,9 8. Breitenbach, Montag, 30.11. 03,9 9. Sannerz, Alontag, 7. 12.03,9'A 10. Elm, Sonnabend, 5.12.03,9 II.Gundhelm, Freitag, 4.12.03,9 12. Vollmerz, Donnerstag, 3. 12.03,9 4 13. Oberkalbach, Freitag, 4.12.^03,9 '/a 14. Oberzell, Mittwoch, 2.12.03,9'4 15. Stervfritz, Donnerstag, 3 12.03,9 16. SchwarzenfelsSonnabend, 5.12/03,9 '4 17. Altengronau, Sonnabend, 5.12.03,9 18. Hohenzell, Montag, 30.11.03,9'4 19. Marjoß, Dienstag, 1.12.03,9

Den Herren Vorsitzenden der VoreinschätzungS- Kommissionen wird, soweit es noch nicht geschehen sein sollte, im Laufe dieser Woche besondere Verfügung zu­

gehen.

Schlüchtern, den 16, November 1903.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission: Roth.

Bußtag.

Fast durch ganz Deutschland hin wird heute Buß­tag gefeiert. Der Bau des deutschen Reiches, der mit dem Bruderblut der deutschen Stämme gekittet wurde, soll ein gemeinsames Fundament haben das ewige Evangelium, und das deutsche Volk soll an diesem Tage sich gemeinsam besinnen, wo die stärksten Wurzeln seiner Kraft liegen. Saft und Kraft eines Volkes be« steht in dem Geist, der dasselbe beseelt. Was wir zur Gesundung unseres Volkes vor allem brauchen, das ist ein neuer Geist; der Geist der Gottesfurcht und der Zucht, der Geist der Wahrheit und der Treue, der Geist der Gerechtigkeit und der Bruderliebe, kurz der Geist des Evangeliums. Ohne diese können alle Machtmittel und alle äußeren Gesetze nichts helfen. Das Christentum lehrt den Mitmenschen als Bruder betrachten, dem man ohne Rücksicht auf Stand und Stellung Gerechtigkeit, Achtung und Liebe schuldet und den Besitz nicht als Raub der Selbstzucht und Genuß­sucht, sondern als Lehen Gottes, der Verpflichtungen gegen die Minderbegüterten und Bedrängten auferlegt. Möchte der Buß- und Bettag deshalb weite Kreise unseres Volkes aufs neue aufrufen zu tatkräftiger Arbeit, daß die Gedanken des Evangeliums für unser

Das Geherntnrs des Se^lerevs.

Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch Nachdruck verboten

Diese Frau ist eine verachtungswürdige Heuch­lerin. Ihr seid allezusamnien in ihr Netz geraten. Mas macht sie, daß/ ihre Verführungskünste stets ge- linzen?"

Klara!"

Du nimmst vergeblich ihre Partei. Gestern noch urteilest Du wie ich. Hast Du das Geheimnis des Schleiers durchschaut? Hob sie vielleicht das undurch­dringliche Gewebe von ihrem bezaubernden Antlitz. Schäme Dich, den eigenen Bruder zu opfern, das ist lvahre Geschwisterliche."

Du bist außer Dir, Klara, und urteilst ungerecht", fügte Bertalan, welcher sich getroffen fühlte, ernst Ich werde schnell Sigmund aufsuchen und ihn von der Gefahr benachrichtigen. Er nahm seinen Hut und entfernte sich, ohne auf den Zuruf seiner Frau, daß er ihn doch jetzt nicht finden würde, zu achten."

Klara blieb mit ihrem Kummer allein. Furcht be­mächtigte sich ihrer. Sollte der geheimnisvolle Schleier größeren Eindruck auf ihren Mann gemacht haben?

Perzay eilte unterdessen in Sigmunds Wohnzimmer, wnd ihn aber nicht zu Hause, denn um diese Zeit pflegte er seine Patienten zu besuchen und zu diesen zahlte er auch Sabine,

Privat- und Familienleben, für unseren Beruf und unseren gesellschaftlichen Verkehr, für unsere Gesetz­gebung und unser gesamtes Volksleben maßgebend werden.

Deutsches Reich.

Ein gutes Zeichen für den Gesundheitszustand unseres Kaisers ist darin zu erblicken, daß am Freitag Nachmittag einige Künstler vor dem Kaiser konzertieren durften. Die Künstler exekutierten etwa zwölf Musik­stücke vor dem Kaiser und bestätigten, daß der Monarch abgesehen von einer gewissen Schonung, die er feiner Stimme auf Rat der Aerzte noch auferlegt, den Ein­druck eines völlig Gesunden macht und besonders durch sein frisches Aussehen erfreute. Dem Konzert wohnten auch die Kaiserin mit der kleinen Prinzessin sowie der Reichskanzler Graf Bülow nebst der engeren Umgebung des Kaiserpaares bei.

Das Sonntag vormittag über das Befinden des Kaisers ausgegebene Bulletin lautet:Die wunde Stelle ist beinahe zugeheilt. Seine Majestät der Kaiser und König können seit Sonnabend die Flüster- sprache gebrauchen. Leuthold. Schmidt. Jlberg."

Nach einer aus Skierniewice am 16. Nov. vormittag an dieDarmstädter Zeitung" gelangten Nachricht, ist Prinzessin Elisabeth, Tochter des Groß- Herzogs, dort sanft entschlafen. (Die am 11. März 1895 geborene Prinzessin ist das einzige Kind des Großherzogs aus der jetzt geschiedenen Ehe mit Prinzessin Viktoria von Sachsen-Coburg. Die Trauer­nachricht kommt um so überraschender, als von einer Erkrankung der Prinzessin nichts verlautet war und die nachstehend, der obigen Nachricht widersprechende Meldung vorliegt.)

Der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen Amts Freiherr von Richthofen ließ Londoner Mel- dungen zufolge durch den amerikanischen Botschafter in Berlin, Tower, nach Washington berichten, daß Deutschland nicht die Absicht habe, gegen die amerika­nische Aktion auf der Landenge von Panama zu pro­testieren oder sich in die amerikanische Politik einzu- mischen. Deutschland sympathisiere vielmehr mit dem Bestreben der Vereinigten Staaten, die Ordnung auf der Landenge von Panama aufrecht zu erhalten. Gleiche Versicherungen erhielt das Washingtoner Staatsdepar­tement aus Paris und Rom.

Der kaiserliche Gouverneur in Windhoek tele­graphierte am 12. Nov.:Einzelheiten über die Er­eignisse in Warmbad fehlen noch. Die weißen Ansied­ler befinden sich anscheinend auf der Station in Sicherheit."

Für die Dauer des Aufenthalts der russischen Kaiserfamilie in Hessen war von der Societe generale in Petersburg an die Bank für Handel und Industrie in Darmstadt ein Kreditbrief in ganz außerordentlicher

Die Gräfin harrte mit Ungeduld des Arztes und war bereit, ihm seine unwahren Angaben über Theo­dors Aufenthalt, welchen sie so unerwartet erfahren hatte, vorzuwerfen.

Nach einiger Zeit hielt ein Wagen vor dem Palast des Grafen. Sigmund sprang heraus, eilte die Stufen hinan und begab sich in den neben der Gräfin Bou­doir gelegenen Salon.

Belieben Sie zu warten, Herr Doktor", sagte der Kammerdiener,der Herr Graf ist da drinnen und ich wage jetzt nicht hineinzutreten."

Sigmund blieb unmutig am Fenster stehen und schaute auf die Menschenmenge hinab, welche mit eili­gen Schritten ihren Geschäften nachging. Im höchsten Grade ungeduldig, wartete er des Augenblicks, da er Sabine Wiedersehen sollte.

Das Ehepaar drinn im Zimmer gab unterdeß in lauter Unterredung seinen Gefühlen und Leidenschaften Ausdruck, denn trotz des langherabhäugenden, schweren Damastvorhanges drang jedes Wort deutlich zu den Ohren des Arztes. Das Gespräch drehte sich um einen zu arrangierenden Ball. Der Graf wünschte ihn, die Gräfin war dagegen.

Derjenigen, der zu Liebe Du den Ball geben willst, kannst Du überall begegnen; es ist nicht nötig, sie hierherzuladen," sagte die Gräfin scharf.Es ist mir lästig. Du kannst Doch nicht verlangen, daß ich meine Nebenbuhlerin unterhalte."

,/Fch pfinsche über entschieden, daß der W ahge-

Höhe überwiesen worden. Wie dieWorms. Ztg." hört, sind während der sechs Wochen des Aufenthalts in Darmstadt und Wolfsgarten zur Kosteubestreitung für die persönlichen Bedürfnisse der Zarenfamilie und des Hofstaates etwa 260 000 Mk. abgehoben worden.

Als Leutnant im Großh. Dragonerregiment Nr. 23 in Darmstadt, vorläufig ohne Patent, wurde Graf Wilhelm von Schlitz gen. von Görtz, der Pate Kaiser Wilhelms, eingestellt.

Leutnant Bilse, welcher in Forbach den Roman Aus einer kleinen Garnison" herausgab, wurde wegen Beleidigung Vorgesetzter, Erregung von Mißvergnügen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde auf Konfiskation des Romans und auf Dienst- entlafsung erkannt. Der Anklagevertreter hatte ein Jahr beantragt.

Ausland. "

Der Pester Lloyd meldet: Die Frage des Schnellfeuergeschützes ist nunmehr zum Abschluß gelangt. Nachdem bereits früher über das Rohrmodell und die Munition die Entscheidung getroffen worden ist, ist jetzt auch das Modell der Oberlafette festgestellt wor­den. Das Rohrmodell kann aus Stahl oder Schmiede- bronce erzeugt werden. Für das neue Feldgeschütz ist das Rohrrücklaufsystem angenommen.

Wie derNewyork Herald" aus Bogota vom 10. d. M. meldet, ist Reyos als kolumbischer Friedens­gesandter für Panama mit einer grdßen bewaffneten Armee nach der Küste abgegangen. Der stellvertretende Präsident Holpuin erklärte, die kolumbische Regierung würd- ihren letzten Blutstropfen hingeben und ihren lehren G'nt auswenden, um den Aufstand in Panama niederzuwerfen. Bogota ist tut Belagerungszustände. Die Gesandtschaft der Vereinigten Staaten hat eine Schntzwache erhalten.__________________

Males und Provinzielles.

Schlüchtern, 17. November 1903.

* In Gelnhausen-Schlüchtern (bisher Fk) wurden" gewählt: für Meyenschein (K) 157, Müller-Fulda (Z) 60, Berta (wild-K) 19 Wahlmänner.

- * Die Eröffnungsvorstellung des Dilettanten­theaters des hiesigen Turnvereins war, wie nicht anders zu erwarten, -überaus zahlreich besucht. War es doch auch kein Wunder, nach dem zu urteilen, was das Programm aufwies, versprach man sich auch einen recht vergnügten Abend. Es würde zu weit führen, wenn wir alles Gebotene für die gute Ausführung hier nochmals ausführen wollten. Der zahlreiche Applaus nach jeder Aufführung war der beste Beweis dafür, daß alle Besucher vvlibefriedigt nach Hans kehrten. Wie wir hören, gedenkt der Turnverein vor Weihnachten noch eine Vorstellung zu geben, was wohl von allen Besuchern der letzten Vorstellung mit Freuden ausgenommen wird.

halten wird, sagte der Graf in befehlendem Tone.

Gut. bann reise ich am nächsten Tage ab."

Allein? Ich gehe nicht mit Dir."

Mit meinem Kammerdiener "

Wenn der Ball vorüber ist, habe ich gegen Deine Abreise nichts einzuwenden."

So lebte dieses Paar, seitdem die Flitterwochen vergangen waren. Der Gaue flog von Blume zu Blume, während die Fran sich anfangs betrübte und bekümmerte und dann liebte und wiederum betrogen ward. Nun wollte sie sich rächen und dann sterben. Was ihr Mann tat, wen er in ihr Haus zog und für wen sie heitre Miene zeigen sollte, war ihr gleichgiltig. Sie hatte längst gelernt, daß das Leben aus Heuchelei besteht und es darin zur Meisterschaft gebracht. Auch in diesem Augenblicke lächelte sie, als'ihr Mann mit dem ihr abgerungenen Versprechen davon ging, dann rief sie bitter:Also übermorgen tanzen wir."'

Als Graf Moritz den Empfangssälen durchschrilt, begegnete er Sigmund.

«Sie haben warten müssen", sagte er freundlich, indeß eine leichte Verlegenheit auf seinem G-sicht zu lesen war. Der Gedanke, daß der Doktor im Heben« zimmer viel von den Schattenseiten seiner Ehe gehört haben könnte, war ihm peinlich.Ich hoffe, Sie sind noch nicht lange hier."

Kaum einige Minuten. Ich glaubte, die Gräfin schliefe, da so tiefe Ruhe in dem Boudoir herrschte"

Fortsetzung folgt.