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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 M. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 21. November 1903

Amtliches

J.-N. 3152 K.-A. Am Mittwoch, den 2. Dezember d. I., vormittags 11 Uhr, findet im hiesigen Kreis­hause ein Kreistag statt.

Schlüchtern, den 12. November 1903.

Der Königliche Landrat: Roth.

An unsern Gräbern.

(Zum Totensonntag.)

Im Schmuck der Liebe grünt die Stätte, Da, wo das Leben abgeblüht,

Das Wie Wie Wie Wie Wie

Leben, das so schnell entschwindet, dort das Abendrot verglüht;

Knospen, die sich nicht erschließen, Blumen, die im Sturni verwehn; Blätter, die vom Baume fallen, Halme bei der Schnitter Mäh'n.

Und trauernd an der Teuren Grabe Fühlst Du aufs Neu' der Trennung Schmerz, Fühlst Du aufs Neu', was Du verloren: Das einsam und verwaist Dein Herz! Es webt um Deine Trauerkronen, Erinnerung den Rosenflor.

Und zaubert Deinem armen Leben Noch einmal Glück und Liebe vor.

Es streift Dein Blick der Gräber Reihen, So reich geschmückt so einfach schlicht. Wie kann Dein Herz so gut verstehen, Was ihre stumme Sprache spricht; Der Jugend unerschlosf'ne Blüte, Die heißen Wünsche unerfüllt, Ein reiches, arbeitsvolles Leben, Aus dem ein Born des Segens quillt.

Wie viele Liebe, treues Sorgen, Deckt hier die kühle Erde zu! Wie manches Herz, friedlos auf Erden, Fand hier erst die ersehnte Ruh'! Wie viele still geweinte Tränen, Wie viele ungenützte Kraft!

So manches, ach! verfehlte Leben, Das Schmach u. Kummer Andern schafft!

Und Leid u. Sorge, Lust u. Schmerzen, Des Reichtums Glanz, der Armut Last, Es schwindet alles, wie ein Schemen, Und alle halten gleiche Rast Vielleicht wie bald! wird diese Reihe Durch Dich noch um ein Grab vermehrt, Drum segnend trag hinein ins Leben, Was Dich der Gräber Sprache lehrt:

Schnell eilt die Zeit!

Was Du gesät, reift für die Ewigkeit!

Da* Geheimnis bei Schleiers.

Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch Nachdruck verboten

Sie können eintreten, meine Frau erwartet Sie. Die Reise ist noch immer für ihre Idee; wenn sie gar so darauf besteht, so soll sie immerhin gehen. Reden Sie nichts dagegen. Vielleicht tut es ihr gut, ihren Wunsch erfüllt zu sehen."

Der Arzt verneigte sich, und der Graf ging hin- aus. _ ~

Mit finstrer Stirn begab sich Sigmund in Sabines Kabinet. Er wollte seine Patientin auf keinen Fall reisen lassen, oder sie als Hausarzt begleiten.

Sabine saß am Kamin, als Sigmund eintrat, und ihre Augen glänzten vor triumphirender Freude.

Wann besamen Sie die letzte Nachricht vom Comersee?" fragte sie lächelnd, indem sie ihn bedeutete, Platz zu nehmen.

Der Arzt wurde totenbleich.Es ist lange her," entgegnete er stockend und unwillkürlich vor ihrem forschenden Blick die Augen senkend.

Ich bewundere Ihre Aufrichtigkeit," sagte die Gräfin mit ihrer einschmeichelnden Stimme, ich be­wundere, daß Sie jetzt den Aufenthalt Ihres Bruders nicht mehr verleugnen, sondern ihn so ruhig eiuge- lleben."

Deutsches Deich.

- Da der Heilungsprozeß an der linken Stimm- lippe bei Se. Maj. dem Kaiser regelmäßig verläuft werden zunächst keine weiteren Bulletins ausgegeben.

Das Kaiserpaar unternahm am Montag einen Spaziergang im Parke von Sanssouci. Am Dienstag hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militär­kabinetts.

Ueber den Tod der Prinzessin Elisabeth wird folgende Mitteilung, welche am 16. November in Coburg eintraf, veröffentlicht: Heute vormittag um 107, Uhr traf aus Skierniewice in Rußland ein Tele­gramm der russischen Kaiserin bei der Großherzogin von Hessen ein, durch welches diese an das Kranken­lager ihrer tags zuvor schwer erkrankten Tochter, der Prinzessin Elisabeth, berufen wurde. Die Abreise sollte sofort um 1'/- Uhr erfolgen, da traf kurz vor t2 Uhr die Nachricht von dem Ableben der Prinzessin ein. Als Todesursache wird ganz plötzlich eingetretener Brech­durchfall angegeben. Auch sollen bie Krantheits- erscheinungen sich erst am Abend zuvor gezeigt haben. Prinzessin Elisabeth von Hessen ist das einzige Kind aus der Ehe des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen mit Viktoria Melita, P inzesfin von Sachsen- Coburg-Gotha, einer der Töchte. des als Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha verstorbenen zweiten Sohnes der Königin Viktoria von England. Die Prinzessin wurde am 11. März 1895 - Darmstadt geboren. Noch in aller Erinnerung ist bie Trennung der Ehe ihrer Eltern, welche im Dezember 1901 erfolgte. Seit­dem lebte die kleine Prinzessin abwechselnd in Darm-

54. Jahrgang.

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es oft geschieht, mit Oelfarbe oder einem Zusatz von Oelfarbe zum Firnis gestrichen werden, da durch die Oelfarbe ein luftdichter Abschluß herbeigeführt und so ein Verdunsten der beim Aufwischen der Dielen etwa eindringenden Feuchtigkeit verhindert und die Schwamm- bildung begünstigt wird.

Ausland.

Die JachtViktoria Albert" mit dem italieni­schen Königspaar an Bord ist am 17. November in Portsmouth (England) eingetroffen. Der Prinz von Wales begab sich an Bord und begrüßte die Maje­stäten.

: König Christian IX. vollendete am Sonntag das 4. Jahrzehnt auf dem Throne. Am Abend des Jubiläumstages fuhr der König nach der Familien- tafel mit den Mitgliedern des Königshauses durch die festlich beleuchteten Straßen von Fredensborg und wurde begeistert begrüßt. Dem Könige gingen Hunderte von Glückwunschtelegrammen zu, darunter solche von fast allen Fürstlichkeiten Europas.

Die russische Regierung soll entschlossen sein, auf der ganzen Strecke der sibirischen Bahn ein zwei­tes Geleis zu legen. Bestätigt sich diese Angabe und wird der Entschluß zur Tat, dann sind die Schienen­walzwerke nicht nur Rußlands auf 10 Jahre mit Arbeit versorgt.

stadt und in Cobrw Tod während eines :

g. Nun hat sie der unerbittliche Besuches bei der Schwester ihres

Vaters, der Kaiserin Alexandra, dahingerafft.

Die Beisetzung der Prinzessin Elisabeth erfolgte am Donnerstag nachmittag 3 Uhr in Darmstadt.

Die Obduktion der Leiche der Prinzessin Elisabeth hat ergeben, daß die Ursache des so plötzlich eingetre­tenen Todes in einem mit ungewöhnlicher Heftigkeit aufgetretenen Bauchttphus zu suchen ist.

Nach denNeuest. Nachr." stehen auf der Kandidatenliste zur Bischofswahl in Mainz: Bistum- Verweser Dr. Selbst, Pfarrer Forschner und General­vikar Domkapitular Dr. Engelhardt, Dompfarrer Goe- decker, Pfarrer Körner und .Dr. Steinbeißer zu St. Gereon in Köln.

Das Kultusministerium macht in einer Ver­fügung darauf aufmerksam, daß es geboten erscheint, bei dem vorgeschriebenen Oelfarbenanstrich der Schul- zimmerwände eine möglichst Helle blaue Farbe zu ver­wenden, da die jetzt in vielen Fällen, namentlich bei

Wales und Provinzieller.

Schlü ern, 20. November 1903.

* Bei der heute m gen in Salmünster stattge- fundenen Landtagswahl .m Kreise Schlüchtern Geln- Haufen wnrde Herr Pfarrer Meyenschein zu Altenhaßlau mit 181 Stimmen als Abgeordneter auf die nächsten 5 Jahre gewählt. Herr Bürgermeister Berta zn Soden erhielt 23, Herr Richard Müller zu Fulda 51 Stimme...

* Der Bußtag ist ernst und still verlaufen. Spätherbstliche Witterung gaben dem ernsten Tage auch äußerlich ein düsteres Gepräge. Leer und ruhig war es auch auf den Straßen, da nicht nur infolge des Geschäftsschlusses, sondern auch durch das Be­dürfnis vieler, den Bußtag in der stillen Häuslichkeit zu verbringen, eine Verminderung des öffentlichen Ver­kehrs stattfand. Die Kirche war dicht gefüllt von Gläubigen, die Stärkung an Gottes Wort suchten und fanden, und die in Demut vor Gott sich beugten, ihm Opfer der Anbetung, der Buße und des Dankes dar-

späterer Erneuerung des Anstrichs gebrauchte dunkle Farbe auf die Lichtverhältnisse der Klassen ungünstig einwirkt. Es sei ferner zu beachten, daß die Fußböden der Schulzimmer stets nur mit Firnis und nicht , wie führen müssen.

brachten. So hat auch diesmal der Bußtag gezeigt, daß das deutsche Volk z seinem weitaus größten Teile ein im tiefsten Wesen religiös angelegtes Vol ist, und daß man barum berechtigte Hoffn ing ! aben kann, daß es seine hohen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben zu erfüllen und im V ein mit Kirche und Staat die Wege,zu finden wisse.- wird, welche die Menschheit zu den lichten Höhen der Nächstenliebe, Versöhnung und Freiheit von Sorge und Kummer

Ich gestand nichts ein. Meine Verwandten, Tamerlan und seine Tochter wohnen dort."

Theodor ist nicht dort?"

Ich kann darauf nicht mit Gewißheit antworten; wie ich Ihnen gestern sagte, kenne ich seinen jetzigen Aufenthalt nicht."

Sie tauschten einen Blick. Die glänzenden Augen der jungen Frau wurden um einen Schatten dunkler, des Doktors Blicke hefteten auf ihrem Antlitze.

Die Flammen des Kamins beleuchteten sanft ihre Züge, die ganze Gestalt schwamm in warmem zittern­den Licht. Das innere Feuer hob und senkte ihren Busen, und die feuchtschimmernden schwellenden Lippen, der glühende schmachtende Blick ihres Auges ent­zündeten heiße Begierden in ihm, er mußte alle Kraft aufbieten, um sich zu bezwingen, um nicht zu den Füßen des gefährlichen Weibes, das einen Andern liebte, zu stürzen und ihr zurufen:Zertritt mich wie einen Wurm, und ich werde glücklich sein, zu Deinen Füßen sterben zu dürfen."

..Warum wollen Sie mich täuschen?" fragte Sabine.In wessen Interesse tun Sie es? Ich schmeichle mir, daß Sie mein Freund sind."

Ich bin Ihr Sklave!" entgegnete Sigmund erregt.Verfügen Sie über mein Leben."

Ist dies wahr? Ich zweifle daran."

Wie soll ich Sie davon überzeugen?" Geben Sie Theodor in meine Hand." Wozu? Es wäre Sünde, den $ruber der Rache

zu überliefern. Mit meiner Einwilligung werden Sie Theodor nicht Wiedersehen."

Sabine lächelte in der ruhigen, selbstbewußten Art, welche nur ihr zu eigen war. Es glich der Ruhe der Natur vor dem Sturm, die doch das Unwetter schon in sich birgt. Ein Donner, und der Orkan bricht los, ein Wort, und alle Leidenschaft empören sich.

Sie wollen mir also das Geheimnis des Comersee's nicht verraten?" fragte Sabine sanft und leise.

Er giebt dort kein Geheiinnis."

Und wenn ich es herausfinde? Das Herz der Frau, das sich so leicht betrügen läßt, das sie zu Allem fähig macht, das Herz erzählte mir die Ge­schichte des blauen Sees. Es erzählte mir einen Roman unter Orangen und Veilchenduft begonnen, von lauen Nächten und Zitronenhainen begünstigt. Doch wird dieser Roman ein finsteres, blutiges Ende haben. Ein Ende, wie die Tragödien, in denen die Rachegöttinnen die Geißel schwangen und eines sterben muß, damit das andere glücklich sei. Nach drei Tagen reise ich an den Comersee. Ich bin dort zu Hause. Mein Vater war in Bergamo Sternkundiger. Ich lernte aus den Himmelskörpern die Zukunft sehen. Ein bleicher Stern blickte allabendlich durch Monate am Himmel, dann ging er unter und verschwand in Nichts. Wir werden uns seinen Untergang bald an ben' Ufern des Comersee's anschauen."

Verzweistungsvoll hatte sie die letzten Worte ge­sprochen, in ihrer Brust tobte der Sturm. Sigmund