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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 25. November 1903

54. Jahrgang

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Amtliches.

J.-Nr. 3192 K.-A. Diejenigen Herren Bürger- Mister, welche noch mit Einreichung des durch die Msblatt-Verfügung vom 8. November 1900 Kreis­

statt pro 1900 Nr. 47 erforderten Berichts über sie Zahl der in den Gemeinden vorhandenen deckfähigen Kühe und Rinder sowie der -Zucht­bullen im Rückstände sind, werden hierdurch an Erledigung mit Frist von 8 Tagen erinnert.

Schlüchtern, 21. November 1903.

Der Königliche Landrat: Roth.

Deutsches Reich.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin Achten am Freitag einen Spaziergang im Park von Ianssouci. Sonnabend vormittag nahm der Kaiser die Beförderungsmeldung des Prinzen Albert von Schleswig-Holstein entgegen und hörte die Vorträge des Staatssekretärs des Reichsmarineamts und des ßefs des Marinekabinetts. Am Sonnabend, dem Ädestage der Kaiserin Friedrich, gingen der Kaiser 1 jib die Kaiserin mittags 12 P« Uhr zu Fuß vom Neuen Palais nach dem Mausoleum, wo sie am Sarkophage der Kaiserin Friedrich einen Kranz aus Lorbeer und weißen Rosen niederlegten; Prinz Joachim «d Prinzessin Viktoria Luise legten ein Bukett aus Chrysanthemum nieder. Nachdem die hohen Herr- ichaften eine Zeitlang in stiller Andacht im Mausoleum verweilt hallen, begaben sie sich zu Fuß nach Sans- jouci und von dort nach dem Neuen Palais zurück.

Die Besserung im Befinden Dr. Majestät des Kaisers macht erfreuliche Fortschritte, er geht seiner baldigen Genesung entgegen, und Ende dieses Monats hirb die ärztliche Behandlung des Monarchen jum Mchluß gebracht werden. Voraussichtlich wird der Äser im Januar eine Reise nach dem Süden unter nehmen, die jedoch nicht durch seinen körperlichen Zu­stand veranlaßt wird. Ueber die Zeit, wann diese Reife angetreten wird, und über ihr Ziel, sind noch keine Bestimmungen getroffen worden, wahrscheinlich wird der Kaiser überhaupt nicht an einem bestimmten Orte des Südens seinen Aufenthalt nehmen, sondern am Bord derHohenzollern" einige Zeit im Mittel- meer kreuzen.

Sr. Maj. der Kaiser empfing am 23. November bett Botschafter Frhr. Speck v. Sternburg, den Admiral Frhr. v. Seden-Bibran und den Graf of Lonsdale.

DasMilitärwochenblatt" meldet: Die General­leutnants von Hugo, kommandierender General des 13. Armeekorps, von Braunschweig-, kommandierender General des 17. Armeekorps, von Hugo, General- inspekteur des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens, Hentschel von Gilgenheimb, kommandierender General bes 15. Armeekorps, sind zu Generalen der Jnfantrie befördert.

S^S GeheiMMs des SetzLeieVs.

SRoman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch

Nachdruck verboten

Warum? Woraus schließest Du das?" fragte Klara überrascht.Sähest Du sie?"

Was führt sie her? was wollte sie von Bertalan?"

Schmucksachen brächte sie, Diamanten und Perlen, ivelt^e, wie sie behauptete, einen hohen Wert haben und Theodor gehören sollen. Nicht wahr, eine uner­hörte Großmut, welche selten bei solchen Wesen zu Men ist. Erst herauszulocken und dann zurückgeben. Doch gelang ihr dafür, von Bertalan Theodors Aufen- zu erfahren, und nun wird sie wohl bereits die ^eise nach dem Comersee angetreten haben."

Sigmund hörte mit offenem Munde, starr vor Staunen, diese Mitteilung. Sein Herz erschrak, aber e jauchzte zugleich vor Freude. Der finstre Hinter­grund, welcher bis jetzt die Liebe nicht voll hatte her- dorbrechen lassen, war plötzlich verschwunden; hell und klar wurde es vor seinem Blick. Der Leidenschaft können wir Vieses verzeihen, aber nicht der Be­rechnung. Die wenigen anklagenden Worte Klara's brachten einen günstigeren Eindruck bei Sigmund hervor, als durch eine stundenlange Lobeserhebung erreicht werden könnte.

Verwundert sah sie eine ihren Absichten ganz ent- ^gengesetzte Wirkung.

Das Gesamtresultat der Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause ist folgendes: Gewählt sind:

Konservative

148

Freikonservative

54

Zentrum

97

Nationalliberale

79

Freisinnige Volkspartei

23

Freisinnige Vereinigung

8

Polen

13

Dänen

2

Bund der Landwirte Reformpartei Fraktionslose

2

2

5

Die Konservativen gewinnen 9 Sitze und verlieren 5, die Freikonservativen gewinnen 4 und verlieren 8, das Zentrum gewinnt 2 und verliert 5, die Nanonal- liberalen gewinnen 12 und verlieren 7, die Freisinnige Volkspart ei gewinnt 4 und verliert 8, die Freisinnige

Bereinigung verliert 2, während. die losen 1 Sitz verlieren und 5 gewinnen.

Sonnabend vormittag 10 Uhr garten die feierliche Vereidigung der

Fraktionslosen

fand im Lust- Rekruten der

Garnisoneu Berlin, Chartottenburg, Spandau, Lichter­felde statt. Dieselbe erfolgte durch den Generaloberst Hahnke in Gegenwart des Kronprinzen, der übrigen hier weilenden Prinzen, sowie der gesamten Generalität.

In Schöneberg ist die Einsührung einer Auto mobilfeuerwehr von der Stadtverwaltung beschlossen worden.

Leutnant Bilse hat das Urteil des Kriegsgerichts angenommen, und da der Gerichtsherr keine Revision eingelegt hat, so ist dasselbe am Mittwoch abend rechts­kräftig geworden. Bilse wird seine Strafe int Metzer Bezirksgefängnis verbüßen, und zwar in Einzelhaft. Der Verurteilte wird demnächst ein Gnadengesuch ein» reichen und darum bitten, die Dienstentlassung in den sogenannten schlichten Abschied umzuwandeln, da ihn bei der Abfassung des Buches keine unehrenhafte Motive geleitet hätten.

Zur Inspizierung des Trainbataillons Nr. 16 weilte der kommandierende General Stötzer aus Metz einige Tage in Forbach. Man hält allgemein diese außerordentliche Besichtigung, für eine Vorläuferin zahlreicher Verabschiedungen und Versetzungen; ja, man spricht sogar davon, daß das ganze Bataillon wieder nach Metz, wo es früher stand, verlegt werden soll.

DieDarm st. Ztg," veröffentlicht folgenden Dankerlaß des Großherzogs von Hessen:Allerhöchster Dankerlaß! Aus Anlaß des Hinscheidens der Prinzessin Elisabeth, meines innig geliebten Kindes, sind mir aus allen Teilen meines Landes und aus allen Kreisen der Bevölkerung zahlreiche Zeichen aufrichtiger Mittrauer warmer und treuer Anteilnahme zugegangen. Wenn nächst dein festen Glauben an Gottes Güte und Weis­heit mir in meinem großen Schmerze etwas Trost und

Fürchtest Du nicht die Folgen?" fragte sie Sig­mund, da dieser nichts antwortete.

Was für Folgen?"

Nun, wenn Gräfin Gerendy an den Comersee reist und dort Theodor und Adrienne findet."

Wer sagt, daß unter dem dichten Schleier sich Gräfin Gerendy verbirgt?"

Klara brach in ein lautes, spöttisches Gelächter aus-

Denkst Du, daß eine so öffentlich betriebene Sache verborgen bleiben kann, oder daß Helmbergs mit ihretwegen das Verhältnis mit Dir lösten? Theodor ist der Gräfin wegen zu Grunde gegangen und der Schulden halber, die er um ihretwillen machte, da- vongelaufen, und jetzt bist Du auf dem besten Wege, Dir an ihm ein Beispiel zu nehmen und da anzu- fangen, wo er aufhörte."

Klara!"

Und nicht nur Du allein, sondern ich möchte selbst nicht für Bertalan einstehen. Wenn Du ihn nach der Begegnung hättest sehen können, wie er, seine Worte bereuend, hierher eilte und in ratloser Verwirrung gut zu machen verlangte, was er in seiner Aufregung getan, so würdest Du diese kecke, zudring­liche Frau, welche nicht nur die beiden unverheirateten Brüder, sondern auch den älteren, verheirateten, in ihre Netze zu ziehen sucht, ebenso verdammen, wie ich."

Ich verbiete Dir, in dieser Weise von ihr zu sprechen. Du kennst sie gar nicht, und wenn Bertalan Theodyrs Aufenthalt verriet, tat er unrecht, das hast

Stärke verleihen kann, so ist es der Blick «uf Mein treues Volk, das an der Bahre meines Lieblings mit mir trauert. Tiefbewegt sage ich allen, die in diesen Tagen schwersten Leidens teilnehmend meiner gedacht haben, von Herzen Dank. Ich ersuche Sie, diesen Er­laß zu veröffentlichen. Darmstadt, 20. November 1903. An den Staatsminister Dr. Rothe. Ernst Ludwig."

Prinz Albert von Schleswig-Holstein-Zonderburg- Glücksburg, Major beim Stäbe des Regiments Gär des du Korps, ist unter Beförderung zum Oberstleutnant zum Kommandeur des Garde-Kürassier-Hegiments er­nannt.

Ausland.

Das italienische Königspaar trat am Samstag Vormittag von Windsor aus die Rückreise nach Italien an. Der König, die Königin, der Prinz von Wales und der Herzog von Connaught geleiteten die Gäste zum Bahnhöfe. Nach herzlicher Verabschiedung setzte sich der Zug um 9 Uhr 40 Minuten in Bewegung.

Die Gerüchte, König Peter von Serbien habe einen Schlaganfall erlitten, sind unbegründet. Der Ge­sundheitszustand des Königs ist vollkommen zufrieden­stellend.

Wie der kaiserliche Generalkonsul in Kapstadt meldet, besagt die letzte von der Grenze eingetroffene Depesche, daß das Hauptlager der Bondelzwarts in den Karasbergen von den deutschen Truppen umzingelt sei und die anderen Stämme sich ruhig verhalten. Warm­bad ist in den Händen der Deutschen.

Zwischen den Werkstättenarbeitern und der Direk­tion der Staatseisenbahngesellschaft in Wien ist ein ernster; Konflikt auSgebrochen, weil die Direktion die Arbeiter zwingen will, aus früheren Akkordarbeiten eut= standen» Manko zu ersetzen.

- Auf Befehl des Bundesrats wurden in Genf bei bekannten Anarchisten Haussuchungen vorgenommen und daraufhin mehrere russische Anarchisten verhaftet. Diese werden wahrscheinlich aus der Schweiz ausge­wiesen werden. Die Verhaftungen sollen mit der jüngst erfolgten Ausweisung des russischen Spitzels Nabino- witsch in Zusammenhang stehen.

Lokales miß ProviuMes.

Schlüchtern, 24. November 1903.

r Ein seltenes Jagdglück hatte vorigen Freitag der Förster Herr Schneider aus Elm. Derselbe schoß in der Elmer Gemarkung einen Zahnender, welcher ein Gewicht von über 200 Pfund hatte. Leider konnte Herr Schneider sich nicht seiner seltenen Jagdbeute freuen, denn der Hirsch übersprang noch das Jagd­gebiet und so fiel derselbe einem hiesigen Jäger in die Hände.

r. Nachdem schon seit längerer Zeit die Fabrik Solitaria, »hier, elektrisches Licht hat. b emn es jetzt

Du aber nicht zu verantworten. Auch ist o durchaus nicht die Absicht, Bertalan in ihre Netze zu ziehen. Ich kann Dir versichern, daß sie ihre Hände nicht nach Deinem Besitz ausstreckt und Dir Deinen Mann überläßt."

Klara verstummte.

Sigmund verließ das Gemach und begab sich in höchster Aufregung auf sein Zimmer, wo er Bertalau vorfand.

Kommst Du von Klara?" fragte Bertalau hastig.

Ich komme von ihr, sie hat mir alles mirgeteilt; das Geheimnis des Schleiers aber hättest Du einer Frauenzunge nicht anvertrauen sollen, das war un­recht von Dir."

Sie fand selbst heraus, wer sich unter dem Schleier verbirgt, und Rosa hörte auf dem Ball die Worte des Juweliers, als er mir die Perlen zeigte, welche Theodor ihr schenkte und welche ich bezahlen mußte."

Die Perlen erhieltest Du nun zurück

Was soll ich mit ihnen machen?"

Behalte sie, bis die Geschichte eine andere Wen­dung nimmt. Theodor wird wohl darüber verfügen. Wir müssen ihn verständigen, daß er entweder vom Comersee abreisen, oder Farbe bekennen und der Gräfin die Wahrheit gestehen soll."

Reist die Gräfin nach Italien?"

Sehr bald; übermorgen giebt sie einen , großen Ball und verläßt am nächsten Tage Pest."