Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 101.
Samstag, den 19. Dezember 1903.
54. Jahrgang.
Ve r z e ich n i s der am 21. Nov. 1903 der Körungs-Kommission in Schlächtern vorgeführten resp, angekörten Zuchtbullen
Standort.
Besitzer.
Abstammung.
Alter.
Farbe.
Haar.
Haut.
Kopf.
Horn.
Hals.
Bug.
Rumpf
Rückenlage.
Schwanzlage.
$in>an$
Beine
Stellung
Ballung
3st angefört mit 9k.
ßemetllnngen
Sfmaqenfefi
Bgmstr. Elm
S. Reinzucht
15 Mon.
gelbschak
normal
normal
gut
gut
gut
gut
gestr.
gut
gut
gut
8- gut
8- gut
gut
" r
W. In», für
N. nicht zu
Neuengron.
Flinner
15 Mon.
gelbschak
rauh
gut
gut
ff
gut
gut
gut
schm.
st.ang
gut
LeMig
8- gut
2
Entenfang
Siebenlist
if
17 Mon.
gelbschak
normal
weich
stark
stark
3 gut
gut
norm.
gut
gut
e.st. a.
z. gut
h. kuh
z. gut
2
. empfehlen
Vollmerz
Gutsverwalt.
03
14 Mon.
rotschak
//
normal
gut
gut
gut
s. gut
gut
s. gut
gut
gut
et.fein
gut
gut
i
,,
ff
//
14 Mon.
gelbschak
rauh
z. gut
gut
z. gut
Wams.
üßcr&auf
8- gut
gut
gut
z. gut
8- gut
2
ff
ff
//
15 Mon.
gelbschak
weich
gut
z. gut
s. gut
s. gut
f. gilt
gut
et. h.
gut
gut
gut
1
ff
//
f!
14 Mon.
gelbschak
fein
ff
z. gut
gut
ff
z. gut
z. gut
überb.
gut
gut
gut
2
F. Kr. Sch.
Steinau
Weitzel
S. Kreuzung
16 Mon.
gelbschak
fein
//
lang
stark
schm.
gefircii
weich
3- gUt
gfit
Out
2
nicht z. empf F. Kr. Schi.,
Entenfang
Siebenlist
15 Mon.
gelbschak
fein
M
schmal
stumpf
schm.
ff
gestr.
gestr.
schmal
z- gut
z. 0«t| kurz
l schw
2
nicht z. umv. abgekört
Nerzell
Gemeinde
24 Mon.
gelbschak
fein
norm.
gut
stark
z- gut
etw. l.
wams.
e. ges.
8- gut
kurz
gut
gering
Aufgestellt. Sä
hlüchtern, den 22. Novbr
. 1903.
Die Körungs-Kommission: §
lohlhepp.
Preiß
Siemon.
Jeder-
zeit werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung mit amtl. Kreisblatt
von der Expedition entgegengenommen.
Inserate finden in der „Schlüchterner Zeitung", da sie in jedem Orte des Kreises in beträchtlicher Anzahl verbreitet ist, den sichersten Erfolg. Die immer wiederkehrenden Annoncen zeugen am besten hierfür.
Deutsches Reich.
— Prinz Heinrich begab sich am 16. Dezember nach Potsdam, um sich gemeinsam mit dem Kaiser zur Hofjagd in die Göhrde zu begeben.
— Prinzregent Luitpold von Bayern nahm am Dienstag die Glückwünsche der bayerischen Armee zu seinem 6 j jährigen Generalsjubiläum entgegen.
— Nach den in Schwerin mit Bestimmtheit auftretenden Gerüchten wird die Verlobung des Großher- zogs Friedrich Franz mit der Herzogin Alexandra von Cumberland am Abend des 21. d. Mts. in Gmunden
proklamiert und am 22. d. Mts. in Meklenburg amtlich bekannt gegeben werden.
— Im Reichstage wurden am Donnerstag und Freitag die EtatsVerhandlungen fortgesetzt. Die Donnerstag-Sitzung gestaltete sich zu einer solchen Niederlage für die Sozialdemokratie, wie sie wohl selten eine erlebt hat. Zuerst hielt Bebel eine seiner Brandreden bekannten Stils. Er ließ an der gesamten äußern und inneren Politik des Reiches kein gutes Haar, zog wider den Egoismus und die Habsucht der Besitzenden zu Felde und pries die Uneigennützigkeit und die Gesetzlichkeit der sozialdemokratischen Arbetter- tchast in allen erdenklichen Tonarten. Da erhob sich der Reichskanzler Graf von Bülow zu einer Abfertigung so schneidig und scharf, so gründlich und geistvoll, wie sie der Sozialdemokratie vom Regierungslische aus seit lange nicht zn teil geworden ist. Mit überlegenem Humor nagelte Graf Bülow den Redner der Umsturz- partei auf seine zahlreichen Widersprüche fest und zeigte an der Hand von Tatsachen, insbesondere auch des Dresdener Parteitages, was die Nation von der Sozialdemokratie zu erwarten habe. Nachdem sodann noch der sächsische Bundesbevollmächtigte Dr. Fischer die Angriffe Bebels auf die sächsische Regierung zuruck- gewiesen hatte, sprach zum Schluß als Redner der Konservativen, Abgeordneter Graf zu Stollberg, der insbesondere die Frage der Handelsverträge und die agrarische Frage beleuchtete. — Am Freitag wurden die Verhandlungen mit einer Rede des nationalliberalen Tr. Sattler eingeleitet, der eine Finanzreform großen Stiles forderte. Ihm folgte zunächst der Kriegsminister von Einem, der die Angriffe Bebels auf die Heereseinrichtungen in gebührender Weise zurückwies. Den Beschluß bildete sodann eine Rede des Abgeordneten Eugen Richter, der in wenig wirksamer Weise
neten Eugen Richter, der in wenig wirigimer gegen die Finanzreform und unsere Kolonialpolitik
polemisierte. , j
Die Verhandlung des Regierungsanirags aus Ver ^ r ^mM^er sich gegen Bilse, längerung des Handelsprovisoriums mit England unter-
brach am Samstag als erster Punkt der Tagesordnung die Etatsdebatten. Einer der neuen Männer des Reichstags, der jugendliche Graf Reventlow, Führer des Bundes der Landwirte und der Antisemiten in Schleswig Holstein, eröffnete die Debatte mit einem lebhaften Angriff auf die handelspolitischen Sünden, die unsere Regierung auf diesem Felde im Schuldkonto hat. Lebhafter Beifall zeugte dafür, daß der Redner die Stimmung und die Ueberzeugung weiter Kreise des Hauses getroffen hatte. Und doch, nach einer halben Stunde war alles vorbei. Graf Kanitz gab dem Vorredner in vielem Recht; auch er wollte einen gleichen Antrag stellen, aber er hat schließlich davon abgesehen, weil er schließlich doch das Vertrauen wiedergewonnen habe, die Regierung werde es schon recht machen. Hierauf erhob sich Graf Posadowsky, um die Regierung zu verteidigen: Sie müßre ja „ein Waisenknabe" sein, wenn sie sich wirklich so passiv .verhalten hätte, wie Graf Reventlow behaupte. Und der Staatssekretär des Innern — der Reichskanzler hatte es nicht für nötig gehalten, zu erscheinen — vermochte allerdings mit einem Teilbeweis für seine Pflichterfüllung aufzuwarten: Mit fast verständiger Promptheit hatte sich ein Depeschen- bote eingestellt, der die Nachricht brächte, daß Indien soeben die Strafzölle aus Zucker für die an der Brüsseler Konvention beteiligten Staaten aufgehoben habe. Der preußische Finanzminister, Freiherr v. Rheinbaben,sprach namens .Preußens für die Reichsfinanzreform. Der Nachfolger des Herrn von Miguel, der so jung an Jahren und noch jünger an Aussehen die höchste Stufe der preußischen Beamtenlaufbahn erklommen hat, bewies schon bei der Tarifdebatte im vorigen Herbst, daß er sich nicht scheut, den Boden des preußischen Landtags einmal .mit dem des Reichstags zu vertauschen, dem Miguel möglichst fernzubleiben pflegte. Frhr. v. Rheinbaben diente Eugen Richter vor allem mit der Waffe des Humors.
Der Präsident Graf Ballestrem machte am Momag dem Hause Mitteilung von der Audienz des Präsidiums beim Kaiser. Er erzählte, daß der Kaiserlich an dreiviertel Stunden mit ihnen unterhalten habe, und zwar in voller Frische; der Kaiser sei in bester Stimmung gewesen und habe sich sehr huldreich gezeigt; die Stimme sei voll und klar wie früher gewesen, höchstens habe noch ein leichter Schleier auf seinem Klang gelegen. Das Haus begrüßte die erfreuliche Nachricht mit lebhaftem Beifall. Als erster Redner des Tages trat Adg. Bebel, der ja schon zum zweiten Mal in diesen Etatkämpfen das Wort ergriff, in die Schranken. Er wandte sich vor allem gegen Bülows letzte Rede. Dann vertiefte sich Bebel in militärische und hochpolitische Fragen. Er sprach 2% Stunden. Und es folgte sofort eine zweite Auflage der Rede des Reichskanzlers eine zweite, aber nicht allzu sehr verbesserte. Ein paar glückliche Stöße gelangen dein Grafen Bülow, so, als er Herrn Bebels Beyauplung, in den Kasernen werde am meisten geschimpft, mit der Versicherung beantwortete, er wisse den Ort, wo noch mehr geschimpft werde, und er wisse anch den Mann, er wolle ihn nur nicht nennen. Nachdem Graf Bülow mit einem Appell an die Einigkeit und Opferwilligkeit der bürgerlichen Parteien geschloffen, nahm der Kriegsminister von Einem das Wort. Er wies Bebels Ausführungen
über das Milizheer, militärische Erziehung usw. zurück.
Der Reichstag ist am Dienstag nach Erledigung des englischen Handelsprovisoriums in die Ferien gegangen. Die Debatten waren scharf, die Tagung kurz. Die Interpellationen wurden bis zum Januar zurückgestellt. Das Haus war gut besucht. Am Bundesratstische saßen Graf Bülow, Graf Posadowsky, Frhr. v. Stengel, Frhr. v. Richthofen, v. Einem, Krätke, Möller und andere. Auf der Tagesordnung stand- zunächst die dritte Beratung der Vorlage betreffend Verlängerung des Handels-Provisoriums mit England. Sie wurde nach kurzer Debatte in der Fassung der zweiten Lesung (Dauer bis 1905) mit großer Mehrheit definitiv angenommen. Nächste Sitzung 12. Januar Nachmittags 2 Uhr.
Ausland.
-- Die Japaner landeten kürzlich in Mokoh Marinetruppen, um Ausschreitungen ausständiger Arbeiter zu unterdrücken. Die Japaner feuerten auf die Volksmenge und töteten mehrere Personen. Der Ausstand koreanischer Kulis, die in der Niederlassungen der Fremden beschästigt sind, führte zu Zusammenstößen zwischen Deutschen, Japanern und Koreanern. Man glaubt, die Angelegenheit giebt zu lokalen Verwickelungen Anlaß. Es ist möglich, daß Korea die Landung japanischer Truppen übel aufnimmt.
„Daily Mail" meldet aus Kobe vom 14. ds.: Ein Telegramm aus Soenl berichtet, ein Abkommen zwischeen Rußland und Korea wurde am 9. Dezbr. unterzeichnet. Es werde in demselben die Anstellung je eines russischen Majors und Hauptmanns in jedem koreanischen Bataillon vorgesehen. Im Notfalle solle auch ein russischer Offizier die kaiserliche Leibgarde befehligen.
— In mehreren russischen GonvernemcntS ist infolge der diesjährigen Mißernte die Bevölkerung beinahe dem Hungertods preisgegeben. Besonders schlimm steht es im Gouvernement Tomsk, von wo die den Petersburger Zeitungen zugegangenen Nachrichten trostlos lauten. Der von den Bauern eingebrachte Winterroggen enthält einen so starken Zusatz des der Gesundheit gefährlichen Mutterkorns, daß verschiedentlich Vergiftungsfälle nach dem Genuß von Brod vorgekommen sind, das aus diesem Korn gebacken wurde. Die Landpolizei hat zwar sofort Maßnahmen getroffen, die Bauern auf diese Gefahr hinzuweisen, allein das hat bei der unverständigen Bevölkerung wenig geholfen.
— In der letzten Woche sind in Rio de Janeiro 21 Personen au der Pest gestorben, 2.5 Personen sind erkrankt.
— Aus eine im italienischen Senat von Vitelleschi gestellte Interpellation über den Stand der internationalen Beziehungen Italiens erwiderte Ministerpräsident Giolitti, er könne nur wiederholen, was er im Programm des Kabinetts erklärt habe, nämlich, daß Italien die Erhaltung des Friedens und der Freundschaft mit den übrigen Mächten anstrebe, Dem Dreibünde werde von der Regierung die größte Bedeutung beigelegt. Alle irredentistischen Bestrebungen feien stets energisch unterdrückt worden, auch unter dem vorigen Kabinet, das sei auch von den auswärtigen Regierungen anerkannt worden. Niemand zweifle an die Loyalität Italiens und er — Giolitti — würde nicht auf seinen Posten bleiben, wenn ihm nicht gestattet wäre, das aufrecht zu erhalten, was für die Ehre des Landes notwendig sei