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Erscheint Mittwoch und Sanistag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
2M 83. Mittwoch, den 18. Oktober 1905. 56. Jahrgang.
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finden in der Schliichterner ■ Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Austage der im Kreise Schlüch- teln erscheinenden Zeitungen besitzt. ^
Deutsches Reich.
— In Berlin ist eine neue Konferenz zur Beratung der deutschen Eisenbahnbetriebsmittel-Gemein- schast zusammengetreten. Hierzu wird aus dem bayerischen Verkehrsministerium mitgeteilt: Seit der Tagung in Eisenach am 28. und 29. Juni tritt also die Konferenz am 11. Oktober zum ersten Male wieder zusammen. Trotz enormer rechnerischer Vorarbeiten und eingehender Beratung konnte es in Eisenach nicht gelingen, einen annehmbaren Modus für die Umlegung der Jahresausgaben zu finden. Der Grund für diese Schwierigkeit schien in der Ausdehnung der Gemeinschaft auf Gebiete zu liegen, deren Hereinziehung für die Erreichung des beabsichtigten Zweckes nicht unbedingt notwendig war. Bayern hat deshalb einen Vorschlag ausgearbeitet und hierfür eine Form gewählt, die die Bewegungsfreiheit der einzelnen Glieder der Gemeinschaft mehr wahrt. Diese bayerischen Vorschläge kommen in Berlin zur Beratung.
— Das Zentral-Hülfskomitee für Deutsch-Südwestafrika hat bisher 237000 Mark für Ansiedler und Soldaten sowie deren bedürftige Angehörigen und Hinterbliebenen verwendet. Für letzteren Zweck bedarf das Komitee dringend weiterer Spenden, da die Gesuche stetig anwachsen. -- Unterstützungsgesuche sind zu richten an das Komitee, Berlin W. 62, Kurfürsten- straße 97, z. H. des Majors z. D. Simons.
— Die bayerische Kammer des Abgeordneten begann die Beratung der Anträge auf Aenderung des Wahlgesetzes. Der Zentrumsantrag ist eine Wiederholung des im vorigen Jahre nicht zustande gekommenen Regierungsentwurfs; er fordert gesetzliche Wahlkreiseinteilung nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900, die relative Mehrheit und einjährige Steuer
AMl Gvpingtsn.
Erzählung von George R. SimS.
Wer weiß! Sie hatte in ihrer freien Zeit zuweilen in dem „Journal für junge Damen" Geschichten gelesen, in denen dergleichen Dinge gar nicht selten vor- kamen.
„Ihr Name, mein Herr, ist also John Orpington? Es hat einige Mühe gekostet, bis ich Sie aufgefunden; aber ich glaube, daß Sie jener Orpington sind, welcher früher im Norden Englands dem großen Geschäft „Or- Pinglon u. Co." vorgestanden".
„Sie haben Recht, mein Herr — dasselbe war aus denHänden meines Vaters in die meinigen übergegangen."
„Und — Sie sind der Sohn von John Orpington, welcher heiratete — hm! — wollen Sie so freundlich sein, mir den Namen ihrer Mutter zu nennen?
„Meine Mutter war eine Miß Ashworth — Elizabeth Ann Ashworth".
„Gut — das trifft zu. Es ist kein Zweifel mehr. Herr Orpington, ich spreche Ihnen meinen Glückwunsch aus!"
„Wozu?"
„Wozu, mein Herr? Nun, zu dem Umstände, daß Simeon Ashworth — der einzige Bruder Ihrer Mutter, welcher kürzlich verstorben ist — Ihnen sein ganzes Vermögen im Werte von über hunderttausend Pfund vermacht hat!"
„Ich wußte es!" rief Polly. „O, Vater, ich wußte es, sowie er hereintrat!"
Lizzie ließ ihre Arbeit in den Schoß sinken und starrte mit weitgeöffneten Augen den Fremden an.
John Orpington stieß einen leisen Schrei aus, dann stürzten ihm Tränen über die Wangen und er sprach
leistung. Der Antrag der Liberalen verlangt Pro- portionalwahlen, wobei die acht Regierungsbezirke als Wahlkreise gelten, von der Vorbedingung der Steuerleistung ist abgesehen. Dagegen verlaugt der Antrag der Sozialdemokraten kurz die Vorlage eines Wahlgesetzes, wonach allen volljährigen Bayern das direkte geheime gleiche Wahlrecht unter Anwendung der Proportionalwahl zugesichert wird. Die Beratung wird voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen.
— Das Reichsgericht hat die Revision des Reichstagsabgeordneten und Redakteurs Fritz Kunert, der am 26. Juni vom Landgericht in Halle wegen Beleidigung des ehemaligen ostasiatischen Expeditionskorps zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, verworfen. Der Angeklagte hatte die Berechtigung des Kriegsministers zur Stellung des Strafantrages bestritten; das Reichsgericht nahm aber an, daß der Kriegsminister noch jetzt als Vorgesetzter der ehemaligen Mitglieder des Expeditionskorps anzusehen sei.
— In einer Sitzung des Vorstandes des Deutschen Städterages, zu welchem die Bürgermeister der bedeutendsten Städte Deutschlands gehören, wurde beschlossen, wegen der herrschenden Fleischteuerung eine Sonderdeputation der Oberbürgermeister von Berlin, Frankfurt a. M. München, Stuttgart und Straßburg (Elf.) an den Reichskanzler zu entsenden, um wegen der dringlich notwendigen Schritte in der Fleischfrage vorstellig zu werden. Es wurde diesem Beschlusse entsprechend sofort ein Telegramm an den Reichskanzler abgesandt mit der Anfrage, wann Fürst v. Bülow diese Deputation des Städtetages empfangen wolle.
— Im Geraer Weberei-Bezirke ist in allen Stuhlarbeitern die Kündigung für den 27. Oktober zugestellt worden, weil die Arbeiter ihre Kündigung nicht zurückgenomnien hatten. Es kommen etwa 12000 Weber in Betracht. Ueber die Aussperrung im gesamten Industriegebiete soll am Mittwoch Beschluß gefaßt werden.
— Zu den Vorgängen im geschäftsführenden Ausschusse der Freisinnigen Vereinigung schreibt die „Danz. Ztg.", die dem Reichstagsabgeordneten Mommsen und dem Landtagsabgeordneten Münsterberg nahe- steht: „Auch uns ist es bekannt, daß die Herren Dr. Pachnicke und Broemel die Wiederwahl in den Geschäftsführenden Ausschuß avgelehnt haben, und zwar schon seit einer ganzen Reihe von Monaten. Daß die Differenzen in letzter Zeit keine Verschärfung erfahren haben, ist insofern richtig, als sie eben leider
erschüttert: „Ich verdiene es nicht! Doch nm der Kinder willen danke ich Dir, mein Gott. O, daß sie diesen Tag hätte erleben dürfen."
Er dachte an das treue, liebevolle Herz, das in der Nacht seines Elends von ihm gegangen und dessen erloschene Augen sich an diesem Strahl des Glücks nicht mehr erfreuen konnten,
* *
Es war alles wahr — das Testament erwies sich als unanfechtbar und nach Erledigung einiger notwendiger Formalitäten konnte John sein Erbe antreten.
Bald waren die Orpingtons in ihrem neuen Heim — Onkel Simeons hübschem, kleinen Landhause — häuslich eingerichtet. Polly war fast närrisch vor Freude, und Lizzie, welche die Dinge etwas ruhiger betrachtete, ging umher wie von einem schönen Traume umfangen, aus dem sie jeden Augenblick zur rauhen Wirklichkeit zu erwachen fürchtete.
Sobald alles geordnet war, wurde ein Brief an Willie abgesandl mit der Bitte, sobald wie möglich nach Hause zu kommen. Er nahm jetzt, als der Sohn eines reichen Mannes eine ganz andere Stellung in der Welt ein, als früher und mußte zurückkehren, um seinen Platz in der neuen Sphäre, in welcher die Seinen sich bewegten, auszufüllen.
Die Mädchen waren glücklich in dem Gedanken, den geliebten Bruder, den sie so lange hatten entbehren müssen, bald wieder und unter so glücklich veränderten Umständen in ihrer Mitte zu haben. Als Willie fort« ging, war Lizzie erst neun, Polly noch nicht sieben Jahre alt gewesen; wie sehr mochte sich der Bruder während seiner langen Abwesenheit verändert haben; Sie hatten nur noch eine undeutliche Vorstellung von dem Knaben, der sie einst verlassen.
ungeschwächt fortbestauden, angesichts der Tatsache, daß die Hoffnung, der eine Teil möge endlich die verfehlte Taktik bezüglich der Sozialdemokratie aufgeben, sich immer noch nicht erfüllen lvollte. Wenn man auch jetzt nach Jena noch auf diesem Standpunkte bleibt, dann — ja dann freilich kann noch manches Unerfreuliche geschehen."
— Die Hauptversammlung der vierten deutschen Nationalkonferenz zur internationalen Bekämpfung des Mädchenhandels in Bremen war von zahlreichen Vertretern der Regierung und Delegierten der ange- schlossenen Vereine besucht. Kammerherrn v. Behr- Pinnow überbrachte die Grüße der Kaiserin und deren Anerkennung dafür, daß das Komitee so eifrig seinen Bestrebungen nachgehe, die sie lebhaft interessierten. Das Nationalkomitee beschloß seine Umwandlung in einen eingetragenen Verein unter Beibehaltung seines bisherigen Namens, um wirksamer Personen und Mittel zur Bekämpfung des Mädchenhandels her- anzuziehen. Als Vereinssitz wurde Berlin. gewählt. Nach siebenstündiger Beratung zahlreicher wichtiger Fragen wurde der Kongreß geschlossen. Für die Tagung 1907 wurde Breslau oder Danzig in Aussicht genommen.
Ausland.
— Der Bericht des Dom schwedischen Reichstage eingesetzten Sonderausschusses über das Karlstader Uebereinkommen wurde beiden Sammet« vorgelegt. Der Sonderausschuß beantragt einstimmig die Annahme des Karlstader Uebereinkommeus und spricht ferner den Wunsch aus, daß die Verträge, die im Zusammenhänge mit dem Uebereinkommen abgeschlossen werden sollen, französisch abgefaßt werden, da sie eventuell schiedsgerichtliche Entscheidungen veranlassen können.
— In Norwegen hat die feierliche Eröffnung des Storthings stattgefunden. Staatsminister Michelsen verlas im Namen der norwegischen Regierung die Eröffnungsrede, in der es heißt: „Das neu zusammentretende Storthing wird in erster Linie seine Aufmerksamkeit auf die Arbeit zur Errichtung und Konsolidierung des neuen Norwegen zu lenken haben. Norwegen wird jetzt offiziell in die Reihe der absolut unabhängigen Staaten eintreten und seine diplomatische und konsularische Vertretung zu ordnen haben. In Uebereinstimmung hiermit wird dem Storthing ein Gesetzentwurf zur endgültigen Regelung des Konsularwesens vorgelegt werden. Aber auch nach innen
Herr John Orpington — „John Orpington Esq.", wie er nun hieß — fühlte sich sehr behaglich in seiner jetzigen Lage. Wenn jemand reich gewesen ist und lange Zeit ein sorgenfreies Leben geführt, wird es ihm nicht schwer, zu den alten Gewohnheiten zurückzukehren. Aber die Lehre, welche ihm die bittere Vergangenheit gegeben, war nicht weggeworfen und Herr Orpington beschloß, den weisesten Gebrauch von dem Glücke zu mache», das ihm durch die Gunst des Schicksals so spät noch zugefallen.
Er setzte alle seine Hoffnungen auf den Sohn, der in der Ferne weilte. Die Mädchen würden später einmal, vielleicht schon in nicht zu ferner Zeit, heiraten und ihn verlassen. Will aber sollte seine rechte Hand werden und seine Stelle einnehmen, wenn er starb.
Wie stolz sein armes Weib gewesen sein würde, wenn sie die ihren so glücklich und wohlversorgt hätte sehen können! So oft er abends, seine Zigarre rauchend, in dem schönen Eßzimmer saß und den Blick zärtlich auf seinen beiden Töchtern ruhen ließ, kehrten seine Gedanken trauernd zu der Vergangenheit und der teuren Verstorbenen zurück, deren Platz an seiner Seite leer geblieben war.
Die Mädchen hatten längst ausgerechnet, wann Willie ungefähr ankommen würde. Ein Zimmer war für ihn in Bereitschaft gesetzt, so wohnlich und hübsch wie Geld und Frauenhände es nur herstellen konnten. Und eines Tages, genau zu der Zeit, wo sie ihn erwartet hatten, empfingen sie ein Telegramm aus Liver- Pol: „Glücklich angelangt; bin morgen bei Euch. Will."
Am nächsten Tage hielt ein Wagen, mit Gepäck beladen, vor der Tür und ein schöner junger Mann sprang heraus. In einem Augenblick waren die Mädchen und ihr Vater unten auf dem Flur. (Forts, folgt.)