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Erscheint Mittwoch und Samstag. - Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 2. Dezember 1905.

56. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 3562 K.-A. Am Tounabend, den 16.

Dezember 1905, vormittags 10 7, Uhr findet im Hotel Stern" hierselbst ein

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statt. v

Schlächtern, den 20. November 1905.

Der Königliche Landrat: Graf zu Solms.

Die Eröffnung des Reichstages.

Die Thronrede zur Eröffnung des Reichstages ist diesmal bei Beginn einer neuen Session am Diens­tag von Seiner Majestät selbst im Weißen Saale gehalten worden. Aber mehr als der äußerliche Umstand des Eiurritts in eine neue Session macht es der Inhalt der Thronrede erklärlich, daß der Kaiser selbst den Reichstag um sich versammelte. Hatten die Eröffnungsreden der letzten Jahre einen vorwiegenden geschäftlichen Charakter, so ist die jetzige knapper und fester in der Form, mehr einheitlich gefugt und wuchtiger im Inhalt. Kleinere Aufgaben, die den Reichstag erwarten, sind nicht erwähnt oder nur neben­her berührt. Der Inhalt konzentriert sich auf das Wesentliche: Einerseits Finanzreform und Flottenver- mehrung, andererseits den Kolonialkrieg in Südwest- und Ostafrika und die Schwierigkeiten der auswärtigen Lage.

In dem Satze über die Finanzreform ist alles in Kürze zusammengedrängt, wasunbedingt" neue Reichseinnahmen erforderlich macht und nach welchen Gesichtspunkten die Vorschläge der verbündeten Re­gierungen aufgestellt sind. Der Reichstag muß und wird das Bedürfnis anerkennen, wenn auch über dj^ vorgeschlagenen Mittel nicht so leicht eine Einigung zu erzielen sein wird. In der Presse ist daran An­stoß genommen worden, daß nach einer offiziösen Erklärung das Steuerbuket als ein Ganzes zu betrachten sei. Das sollte aber jedenfalls nur heißen, daß nicht beliebig ein oder das andere Stück ohne Ersatz heraus­genommen werden kann. Es kommt eben darauf an, daß der Reichsbedarf nicht zu einem mehr oder weniger großen Teile, sondern ganz gedeckt werde. Denn, wie die Thronrede sagt, Leben und Gedeihen der Nation hängt davon ab. Ueber die Notwendigkeit der Flotten- Verstärkung ist jetzt schon eine weitgehende Ueberein­stimmung der bürgerlichen Parteien bis in die demo­kratischen Kreise hinein festzustellen. Deshalb begnügt

Aewegles Koben.

Roman von Max von Weißenthurn. 3

Nach Ablauf eines Jahres hatte Graf Auleiilws Nie- densürst seine Verlobung mit Fräulein Lenore Wildner bekannt gemacht und dadurch feine Staudesgeuossen in namenlose Bestürzung versetzt.

Da die Braut keine Verwandten hatte, welche mitdrein- reden konnten und auch Graf Aulenhof vollständig sein eigener Herr war, ließen sich die nötigen Normalitäten sehr rasch erledigen und so geschah es, daß bereits in den ersten Tagen des Monats Juli eine dicht gedrängte Men- scheumeuge des Brautpaares harrte, dessen Verlobung in allen Kreisen der Bevölkerung mehr oder minder Aufsehen hervorgerufen hatte und das nun in der Hauskapelle deS ErzbischofS durch den Segen deS Kircheufürsten fürS Le- den vereint werden sollte.

In dem Pensionat, des Fräuleins Kamilla Röneberg herrschte große Aufregung. Es war der Hochzeitstag der schönen Lenore Wildner, welche während ihre» Anfent- halte» in der Anstalt immer eine gewisse Ausnahmestel- hing inne gehabt hatte uub mehr Freiheiten genießen durfte, denn die übrigen Mädchen. Weshalb dies der Fall war, danach forschten ihre Mitschülerinnen eigentlich nicht, aber die Tatsache ließ sich nicht in Abrede stellen. Und nun gar, seit die schöne Lenore offiziell als die Braut des Gra­fen Aulenhof bekannt geworden, hatte sie an Bedeutung nicht wenig gewonnen Man umdrängte das Mädchen, man wetteiferte in LiebcnSivürdigkeit gegen dasselbe, man legte Wert darauf, sich ihre Freundin nennen zu dürfen, wohl weniger, weil man besondere Sympathie für sie hatte, sondern, vielmehr, weil die künftige Gräfin Aulen- Hof allen Anspruch hatte, eine reiche, angesehene, mach- tigr Frau zu werden und er von Belang war, sich die Freundschaft einer solchen Dame zu sichern.

Der Graf Aulenhvs hatte seine Braut tu» zu der

sich die Thronrede mit dem Ausdruck des Vertrauens, daß die Mehrheit des Reichstages zu der notwendigen Verstärkung unserer Seewehr bereit ist.

Zu höherem Schwünge erhebt sich die Thronrede in der Anerkennung der Tapferkeit unserer Truppen in Afrika. Der neu erkämpfte Boden macht neue Kulturarbeit erforderlich. Ein ernster Grundton klingt aus der Stelle über die auswärtige Politik. Sie wird im In- und Auslande die größte Beachtung finden. Offen erklärt der Kaiser, daß wir fortdauernd mit Verkennung deutscher Sinnesart und mit Vorurteilen gegen die Fortschritte deutschen Fleißes zu rechnen haben. Der in der marokkanischen Frage hervorge­tretene Versuch, Angelegenheiten, in denen wir Interessen zu wahren haben, ohne unsere Mitwirkung zu erledigen, ist mit diplomatischen Mitteln zu Scheitern gebracht. Aber ähnliche Versuche können sich wiederholen, d. h. wir müssen gerüstet sein und bleiben. Gleichzeitig betont aber auch der Kaiser, daß es ihm eine heilige Sache um den Frieden des deutschen Volkes sei, und das letzte Wort der Thronrede ist Frieden. Verstärken wir unsere Schutzwehren gegen ungerechte Angriffe, so werden uns auch die feindseligen Strömungen nichts anhaben und die Diplomatie um so eher dafür sorgen können, daß dem deutschen Volke die Segnungen ruhiger Kulturarbeit gesichert bleiben.

Deutsches Reich.

Der Kaiser traf am Mittwoch um 6 Uhr 10 Min. im Schlosse Pleß ein. Auf dem Bahnhof hatten sich Fürst und Prinz von Pleß, Landrat v. Hegking und Bürgermeister Saalmann eingefunden. Auf dem mit Fackeln beleuchteten Wege bildeten der Krieger­verein von Cobiere, die Plesser Schützengilde, Feuerwehr und Schulen Spalier.

Ueber einen neuen Marineunfall wird aus Kiel gemeldet: Der KreuzerHamburg" stieß bei einen Nachtmanöver mit dem Torpedobot S 122 zu­sammen. Dieses erlitt eine Beschädigung an der Steuerbordseite. Erfreulicherweise wurde niemand verletzt. An dem KreuzerUndine" ist die Be­schädigung infolge des Zusammenstoßes mit dem Torpedoboot 126 beseitigt.

Der deutsche Städtetag ist in Berlin abgehalten worden. Von den 147 eingeladenen Städten haben 141 ihren Beitritt erklärt. Das vorläufige Bureau setzte sich zusammen aus den Oberbürgermeistern Kirschner-Berlin, Back-Straßburg, Dr. Beutler-Dresden,

ziell siattgefnndenen Verlobung, nur einmal wöchentlich und zwar an jedem Donnerstag besucht, galt sie doch an­fangs nur als sein Mündel und wollte er den Leuten kei- neu Anlaß zu müßigem Gerede bieten. Unmittelbar vor der Ausgabe der Berlobuuaskarten hatte er Fräulein Röneberg einen Besuch abgestattet und der Dame jene Mitteilungen gemalt, welche er für unerläßlich notwen- big hielt.

ES galt nun für Fräulein Röneberg, in denkbar kür­zester Zeit möglichst viel Weisheit in den Kopf ihrer jun- gen Schülerin zu pferchen und ihr überdies in Ton und Sprache, Gang und Haltung etwa» Schneidigkeit beizu- bringen. Auf die Herzenserziehung und Herzensbildung Lenore Wildner» den Schwerpunkt zu legen, da» kam Fräu­lein Röneberg nicht in den Sinn.

Wir sehen also in Lenore Wildner ein Mädchen, wel­ches, vermöge seiner raschen Auffassung in merkwürdig kurzer Zeit sich jenen Firnis anzueignen verstanden, der es dem oberflächlichen Beobachtbr schwer macht, da» Talmi­gold vom Edelmetall zu unterscheiden.

Der Graf hatte eS wohl bemerkt, daß in dem Wesen LenoreS etwas Kalte», AutomatenhafteS zu Tage trete, aber er hielt da», was eine ganz andere, weit schärfere Bezeichnung verdient hätte, für mädchenhafte Schüchtern- Heit er war sich nebstbei darüber klar, daß eS ihm noch nicht gelungen, da» fchlnmmernde Herz feiner Holden Braut zu erwecken und er freute sich auf das Erwachen deSfel- den wenn er nur erst in der Waldeinsamkeit des Stamm- schlosseS mit Lenore allein sein, nur ihr allein leben konnte.

Jetzt stand die schöne Lenore Wildner vor dem An- kleidespiegel in dem Zimmer, welches sie im Pensionate des Fräuleins Röneberg inne hatte und geschäftige Hände mühten sich, die letzte ordnende Hand auf ihren braut- lichen Schmuck zu legen.

->n wenigen Minuten sollte der Graf kommen, um feine schöne Braut abzuholen, um mit ihr und Fräulein Rüne- berg in die Kirche zu fahren.

v. Schuh-Nürnberg und Gauß-Stuttgart. Zu dem Hauptthema:Die Fleischversorgung der deutschen Städte" war eine Anzahl von Leitsätzen ausgestellt worden, in denen die möglichst ungehinderte Einfuhr lebenden Viehes aus dem Auslande unter Wahrung der notwendigen Schutzmaßregeln zur Abschlachtung in den öffentlichen Schlachthäusern, die Einfuhr aus­ländischen Büchsenfleisches und sonstiger Fleischdauer­waren, Ermäßigung der Zölle und Herabsetzung der Eisenbahntarife in Zeiten der Futternot empfohlen wird. Nach 'ausgedehnter Debatte wurden die aufge­stellten Leitsätze fast einstimmig angenommen. Zur Zentralstelle wurde Berlin gewählt.

Die Generalversammlung des Gewerkverbandes christlicher Bergarbeiter beschloß, wie aus Essen ge­meldet wird, sich an den Arbeiterausschußwahlen zn beteiligen, und tritt dainit offiziell in Gegensatz zum alten Bergarbeiterverband, der sich ablehnend verhält.

In der Debatte über die Wahlrechtsreform erklärte in der sächsischen zweiten Kammer Minister von Metzsch, daß die sächsische Regierung nicht in der Lage sei, einen Wahlrechtsentwurf vorzulegen, daß sie aber bereit sei, Vorschläge eutgegenzunehmen und auf ihre Brauchbarkeit zu prüfen. Ferner äußerte er, daß die Regierung nach der gegenwärtigen Gestaltung der Verhältnisse in Sachsen die Bearbeitung und Ein­bringung einer Vorlage über das Landtagswahlrecht, welche sich auf dem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht aufbaut und auf dasselbe abzielt, zur Zeit als untunlich bezeichnen muß.

Der Fischreichtum des Kaiser Wilhelm-Kanals und die überraschend schnell gesicherte Beliebtheit des sogenannten Kanalherings bringen den Besitzern der benachbarten Gewässer eine wesentliche Steigerung ihrer Einnahmen aus der Fischerei. Die Stadt Rendsburg erzielte aus ihrer Fischereigerechtsame auf der Ober- und Unterreider, dem Verbindungswege zwischen dem Kanal und dem Hafen Tönning, bisher nur eine Jahrespacht von 292 Mk. Bei der jüngst vorgenommenen Verpachtung schnellte die städtische Fischerei-Einnahme für dasselbe Gebiet auf 2350 Mk. hinauf.

Ausland.

Nach telegraphischer Meldung des Gouverneurs von Lindequift aus Deutsch-Südwestafrika haben sich Samuel Jsaak Witboi, seine Unterkapitäne mit 17 Großleuten und ihrem Anhänge, sowie die Kapitäne

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In diesem Augenblick wurde die Tür geöffnet und daS Dienstmädchen meldete: Herr und Frau Sternau seien gekommen und bäten, daS Fräulein in ihrem bräutlichen Schmucke sehen zu dürfen.

Lenore war nicht» weniger als erbaut über diese un­verschämte Zudringlichkeit von Leuten, an deren Existenz die künftige Gräfin Aulenhof nicht gerne zurückerinnert werden wollte, um so weniger, al» e» ihr peinlich war, denselben gewissermaßen zu Dank verpflichtet sein zu sol- len.Herr und Frau Sternau," rief sie unwillig,mein Gott ich kenne die Leute ja kaum, wa» wollen sie denn eigentlich von mir?"

Nur da» Fräulein sehen, um demselben beste Glück­wünsche darzubringen!" entgegnete da» Dienstmädchen.

Einer der Konfektionäre bei dem meine Aussteuer angefertigt wurde!" rief Lenore in hochmütig abweisen­dem Tone,wie kann man mir zumute», daß ich mich von all diesen Leuten anstaunen lassen soll, al» sei ich ein Wundertier! Nein, nein, ich kann jetzt niemand mehr sehen.

Sagen Sie nur, ich lasse für die freundlichen Wünsche danken, könne aber niemand empfangen, da ich meinen Bräutigam jeden Augenblick erwarte. Wenn man mich sehen will, liegt ja übrigens die Kirche nicht weit, in der mich hoch und niedrig wohl nach Herz«n»lust anstarren kann."

Soll ich vielleicht selbst gehen und diesen unerwarte- ten Gästen Ihren Bescheid mitteilen, liebes Kind?" fragte Fräulein Kamilla Röneberg mit einer, ihr sonst durchaus nicht eigenen Devotion!

Lenore aber, die nicht» weniger wünschte, als daß die­selbe mit den Leuten in Kontakt komme, in deren Hause sie selbst eine so untergeordnete Rolle gespielt, wollte die- seS durchaus nicht zugeben und dankte mit verbindlichem Lächeln, indem sie behauptete, ihrer mütterliche» Freun­din gerade jetzt nicht entbehren zu können!

Das Mädchen wurde also mit dem Bescheide fortge* schickt. 131,18