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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg,

Samstag, den 13. Januar 1906

57. Jahrgang.

Fortwährend

werden Bestellungen auf die Kchlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

Bitfinden in der Schlüchterner IIISvl «*Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Anstage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Für 1906 festgesetzt:

17.

21.

16.

25.

17.

Amtliches.

sind folgende Bullen'Körungstermine

Februar in Schlächtern, April

Juni in Sterbfritz, August in Steinau, November in Schlächtern.

i:

Schlüchtern, den 11. Januar 1906.

Der Landrat: Graf zu SolmS.

Deutsches Reich.

Prinz Adalbert von Preußen hat sich am Mon­tag zu einem mehrwöchigen Kuraufenthalt nach St. Moritz im Engadin begeben. Die Herren seiner Be­gleitung, Kapitän zur See Freiherr v. Schimmelmann, Korvettenkapitän Karpf und der Marine-Oberassistenz­arzt Dr. Weißpfennig, waren am Sonntag nachmittag vom Kaiser empfangen worden.

Am Dienstag haben der Reichstag und das preußische Abgeordnetenhaus ihre parlamentarische

Tätigkeit wieder begonnen. Dem Reichstage liegen nicht weniger als 34 Vorlagen vor. Vor Weihnachten sind nur drei Vorlagen, das englische Handelsprovi­

sorium, der Handelsvertrag mit Bulgarien und die Eisenbahnvorlage Lüderitzbucht-Kubnb, endgültig erledigt worden. Dem Abgeordnetenhause liegen sechs Vor­lagen vor, darunter der Etat.

Das deutsche Weißbuch über Marokko ist ver­öffentlicht worden. Es gibt zahlreiche Dokumente über das angebliche internationale Mandat des französischen Gesandten Samt Renö, bespricht die Unannehinbarkeit des französischen Reformprogramms für Deutschland und legt schließlich die Grundzüge der deutschen - Marokkopolitik dar.

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Mewegtes KeSen.

Roman von Max von Weißenthurn. 19

Lenore steckte das Papier achtlos zu sich und eilte zu dem Wagen. Erst als sie zu später Nachtstunde ihr erstes Reiseziel Graz erreichte und, sich zur Ruhe begebend, beim AuSkleiden mehrere Effekten aus der Tasche zog, fiel flat­ternd ein Blatt zu Boden. Sie hob es auf, es war die gestempelte Quittung über den Geldbetrag, den der Pflege­vater deS KindeS richtig erhalten zu haben bestätigte.

Aber was war das? Welchen Namen las sie da klar und deutlich? Franz Sternau? Welch' böses Spiel des Zufalles hatte eS gefügt, daß dieser Mann, der im Laufe der Jahre zmn lästigen Schatten aus der Vergangenheit geworden war, sich nun plötzlich ihrem Gedächtnis wie­der aufdrängte und noch dazu in so unliebsamer Weise! Er, den sie hatte meiden wollen ihr Leben lang, er, an den sie sich um teilten Preis zurückerinnern wollte, weil sie sich von dem Bewußtsein nicht ganz freizusprechenver- mochte, daß sie durch die hohen (Summen, die sie ihm einst entlockt, seinen Ruin mit herbeigeführt, er war der Pflege­vater ihres KindeS geworden.

Angsterfüllten Herzens fragte sie sich ein paar Sekun­den lang, was denn nun wohl zu tun sei; dann aber bei ruhigerer Ueberlegung begriff sie, daß ihr, wenn eS ge- lingeu sollte, die Leute auch fernerhin int unklaren über dir Abstammung deS KindeS zu lassen, keinerlei Gefahr drohen könne, und gelingen mußte das ja, denn die alte Nanni war die einzige Person, welche darum wußte, und diese tuar, ihrer Meinung nach, verschwiegen wie das Grab. Einstweilen sah sie eS somit als sehr überflüssig an, sich in dieser Hinsicht Sorgen zu machen.

Dem Fürsten aber, so sagte sich Lenore, nutzte sie jeden­falls trachten, in kürzester Zeit den Glauben beizubrin- gen, daß die Kleine gestorben sei, sonst mürbe er bei sei­ner sentimentalen @entüUVeranlagung am Ende gar noch von ihr Verlangen, daß sie sich in weltabgeschiedener Ein­samkeit vergrabe, um der Erziehung seines KindeS zu le­

Zu der neuesten sozialdemokratischen Lüge schreibt dieNordd. Allg. Ztg.": Nur mit Wider­willen unterziehen wir uns der Pflicht, die tendenziösen Behauptungen desVorwärts" über das Verhältnis der Eisenbahnverwaltung zum Kohlensyndikat nochmals richtig zu stellen. Er erkühnt sich jetzt zu der Unter­stellung, daß eine Einigung zwischen der Eisenbahn­verwaltung und dem Syndikat erst nachträglich, vielleicht erst infolge seiner Notiz getroffen worden sei. Auch dieser letzte Versuch, seinen Reinfall zu verdecken, ist ihm gänzlich mißlungen. Wir sind auf Grund amt­licher Informationen in der Lage, demgegenüber bestimmt zu erklären, daß die Nachlieferung der Rück­stände an Dienstkohlen zu den ^bisherigen Vertrags­preisen vom Syndikate niemals abgelehnt, vielmehr schon Mitte Dezember v. J. bis zum Schluß des Etatsjahres (31. März) ausdrücklich zugesichert worden war. Für die imfame Verdächtigung desVorwärts", die Eisenbahnverwaltung lasse unberechtigterweise 50000 Mark in die Taschen der Kohleninteressenten fließen, hat zu keiner Zeit auch nur die Spur eines Anlasses

des das sind das

Vorgelegen.

-- Nicht weniger als neun Regimenter deutschen Heeres können am 24. März 1906 Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens feiern. Es dies das Danziger Infanterieregiment Nr. 128, Westpreußische Infanterieregiment Nr. 129, die beiden Lothringischen Jnfanterieregimenter Nr. 130 und 131, das 1. Unterelsässische Infanterieregiment Nr. 132, die beiden oberrheinischen Jnfanterieregimenter Nr. 97 und 99, das Metzer Infanterieregiment Nr. 98, das 1. Unterelsässische Feldartillerieregiment Nr. 31 und das 1. Westpreußische Fußartillerieregiment Nr. 16. Dazu kommt dann noch das 1. Lothringische Pionier­bataillon Nr. 16, dessen Stiftungstag gleichfalls der

24. März 1881 ist.

Ueber die Umwandlung polnischer in deutsche

Ortsbezeichnungen wird offiziös geschrieben: Ein Königlicher Erlaß hat 97 Ortschaften in der Provinz Posen anstatt der bisherigen polnischen Ortsbezeich­nungen deutsche Namen gegeben. Man war geneigt, in dieser Maßregel einen Akt staatlicher Germani- sierungspolitik in den Ostmarken zu erblicken. Das ist aber, wie festgestellt werden muß, keineswegs der Fall. Vielmehr sind die Namensänderungen lediglich auf Antrag der örtlichen Gemeindevertretungen oder Gutseigentümer erfolgt. Die auf den ersten Blick ......,...<, «uv v<.<. wnuuuqunm w ^um»

auffällige Tatsache, daß nichts destoweniger eine solche' Pichon. Bei den Senatswahlen sind nach einer weiteren

ben, dazu aber fühlte sie wahrlich nicht den Beruf in sich. Die Freuden eines weltentlegenen Landaufenthaltes hatte sie in ihrer ersten Ehe und auf dem Witweusitze Braun- tal zur Genüge ausgekostet. Sie wollte jetzt endlich ein­mal in der Gesellschaft glänze», sie wollte eine Rolle spie­len, und gerade jene Leute, die die Gräfin Aulenhof Rie­denfürst mit geringschätzender Mißachtung behandelt hat­ten, dazu zwingen, sich vor der Fürstin Lichtenfels im Staube zu neigen.

Sie wollte ihre Gewalt über deu Gatten so weit zur Geltung bringen, daß sie ihn vor die Initiative stellte, sie entweder ganz zu verlieren oder sie, unbekümmert um die Anschauungen und Wünsche seiner Mutter, vor der ganzen Welt als seine Gemahlin anzuertenneu.

Sie kannte Otto zu genau, um nicht zu wissen, daß sie durch Herrschsucht niemals Gewalt über ihn erlangen werde und er sich nur der Macht der Liebe beuge. Sie beherrschte ihn nur, so lauge er sie nicht durchschaut. Hätte er sie erkannt, so, wie sie wirklich war, so würde er, zwar schwer darunter leidend, sie, die ihm jetzt * alles galt, ein­fach aus diesem Leben gestrichen haben.

Es galt folglich, Komödie zu spielen. Um jeden Preis sollte ihr Ehrgeiz befriedigt werden und in das Bild, wel­ches sie sich von der Zukunft entwarf, paßte kein kleines Mädchen, dem sie eine zärtliche, hingebende Mutter hätte sein sollen. Die Steruaus mochten also immerhin das Unglückskind behalten, dessen Geburt ihr auch nicht eine Sekunde lang Freude bereitet hatte. Ihr Glücksstern würde ihr dann später schon weiter helfen. Sie baute fest auf ihn, beim er hatte sie ja auch Sis jetzt nicht verlassen. Frei­lich war sie nicht wählerisch in dem, was sie als das Wir­ken ihres Glückssternes ansah. So zum Beispiel hatte sie in irgend einer Zeitung von dem plötzlich erfolgten Tode des RechtSanwalteS Zell gelesen und darin ein für sich selbst besonderes, günstiges Walten der Vorsehung finden zu sollen gemeint.

In seine Hände hatte Hugo die Mission gelegt, seinen Zweite» vor dem Schicksale zu behüte», dem er selbst zum

Massentaufe" hat stattfinden können, findet ihre Erklärung in der von den zentralen Verwaltungsorganen innegehaltenen Praxis, für Anträge, die eine Umbe- nennung von Ortsbezeichnungen herbeiführen wollen, die Genehmigung des Königs erst dann einzuholen, wenn eine Reihe solcher Anträge vorliegt. Außerdem wird die Zweckmäßigkeit der Namensabänderung in jedem einzelnen Falle von den zuständigen Staatsbe­hörden geprüft. Den Anträgen wird unter Umständen die Bewilligung versagt.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat sich damit einverstanden erklärt, daß mit Rücksicht auf die Gesundheit der Arbeiter von der Verwendung von Bleifarben beim Anstrich von Lokomotiven und Tendern zunächst abgesehen wird.

Ausland.

Der Schweizer Bundesrat hat das Justiz- und Militärdepartement beauftragt, Strafvorschriften zur Verfolgung der antimilitaristischen Propaganda in der Schweiz auszuarbeiten.

^ In Riga hat die lettischen Arbeiter, die in einer Fabrik schlafende Dragoner bestialisch ermordeten, ein furchtbares Strafgericht ereilt. Durch Kanonen- und Flintenschüsse wurden über 100 Arbeiter getötet.

Im schwedischen Ministerrate beauftragte die Regierung den Chef des Generalstabes und den Chef des Stabes der Flotte, einen Plan für eine einheit­liche Verteidigung des Landes durch beide Zweige des Landesverteidigungswesens auszuarbeiten. Der Mi­nisterpräsident erklärte u. a., um größtmögliche Wirkung der Verteidigungskräfte des Landes zu erreichen, müsfe ein engeres Zusammenwirken zwischen Heer und Flotte stattfinden. Die auszuarbeitenden Pläne sollten in großen Zügen darlegen, welche Wirksamkeit dem Heer und der Flotte bei einem etwaiM zukünftigen Angriff gegen Schweden zufallen würde. Den Anlaß zu dieser Neuordnung des Landesverteidigungswesens habe die veränderte politische Lage gegeben, in welche Schweden durch die Unionsauflösung gekommen sei.

Die französischen Senatswahlen vom Sonntag haben keine Ueberraschung gebracht. Nach den bis jetzt bekannt gewordenen Ergebnisse sind die meisten der ausscheidenden Mitglieder wieder gewählt worden, darunter Fälliges, Chaumis und Bourgeois. Unter neu in den Senat Gewählten befinden sich Handels- minister Trouillot und der Generalresident in Tunis

Opser gefallen war. Nun schien der Rechtsanwalt eine* plötzlichen Todes verschieden und war gewiß nicht daraus bedacht gewesen, einem anderen die Aufgabe zu übertra­gen, welche mit ihm ungelöst im Grabe ruhte.

Durch ihr kluges, vorsichtiges Benehmen seit ihrer Wit- wenschaft, war eS ihr andererseits gelungen, die Familie ihres Gatten wesentlich von der Abneigung gegen sie zu heilen, so zwar, daß sie überzeugt sein zu können glaubte, man werde ihr nichts mehr in den Weg legen, wenn sie es zum zweitenmal versuche, sich als Fürstin Lichtenfel» eine Stellung in der Gesellschaft zu verschaffen. Ja, für* wahr, die Vorsehung mußte ihr wohlgesinnt sein, denn eS hatte den Anschein, als ob alle ihre Wünsche in Erfüllung gehen sollten und mit einem Lächeln der Befriedigung, be« - trachtete sie die Härchen, welche sie der kleinen DoloreS abgeschmtten, als sie dieselbe von sich gegeben, von dem Gedanken beseelt, daß diese ihr einst zu einem ganz spe­ziellen Zwecke dienlich sein sollten. ,

Der Frühling war inS Land gezogen, aber her Son­nenschein, welcher auf der Gegend lag, schien Fürst Otto- Gemüt immer noch mehr zu umdüstern, und die Fürstin- Mutter empfand im stillen einige Verwunderung darüber, denn es kam ihr keine andere Aufklärung für das gedrückte Wesen ihres Sohnes in den Sinn, als daß sie sich sagte, eS müsse der Tod seiner Gemahlin ihm näher gehen, al* man es eigentlich nach der geringen Harmonie, welche zwi­schen beiden bestanden, hätte mutmaßen können.

Eines Tages nun erschien Fürst Otto plötzlich mit gänzlich veränderter Miene, mit leuchtendem Blick, mit ungewohnt elastischer Haltung in dem Salon der Mutter, in welchem er im Vereine mit ihr immer um fünf Uhr den Tee zu nehmen pflegte. Er teilte ihr mit, daß er sich seit längerer Zeit leidend gefühlt habe, daß er nichts ge­sagt, um sie nicht zu ängstigen, wohl aber einen Arzt kon- sultierte, der ihm riet, für die Dauer einiger Wochen zu verreisen, die Luftveränderung und die Zerstreuung mür­ben ihm gut tun. 131,18