Einzelbild herunterladen
 

SlhlüchteMrÄitm g

" - J lr -u\1- J- '' '' - - - - - ' ~ - '"' '"' ' ' '' '"' ' ' ~' ' ' ' ' ' '"'" >>

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

6. Samstag, den 20. Januar 1906. 57. Jahrgang.

Fortwährend

werden Bestellungen auf die Schlüchteruer Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Austage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Donnerstag mittags 12 Uhr fand im Berliner Schlosse das Fest des Schwarzen Adlerordens und die Investitur der neuen Ritter statt. Parrains waren bei dem Herzog von Koburg und dem Prinzen August Wilhelm der Kronprinz und Prinz Eitel-Friedrich. Unter den übrigen befanden sich der General von Massaw und Generalleutnant von Plessen. Die neuen Ritter gelobten die Erfüllung ihrer Ordenspflicht, die Parrais bekleideten sie mit dem Mantel, der Kaiser hing ihnen die Ordenskette um und erteilte die Accolade. Die Trompeter intonierten den Ordensmarsch, worauf die Zeremonie der Handreichung vor sich ging. Die neuen Ritter nahmen im Kreise der kapitelfähigen Ritter Platz. Die Beendigung der Zeremonie wurde durch Fanfaren angezeigt. Der Kaiser mit den Rittern verließ den Saal im feierlichen Zuge. Hierauf hielt der Kaiser im Kapitelsaale ein Kapitel des Ordens in Gegenwart der 43 anwesenden Ritter ab. Nach dessen Schluß begab sich der Kaiser an der Spitze sämtlicher Ritter nach der Bundeskammer, wo die Mäntel abgelegt wurden.

Staatssekretär Freiherr von Richthofen ist nachts 117« Uhr gestorben. Am Sterbelager Richthofens waren die nächsten Anverwandten und der Hausarzt zugegen.

Im Reichstage bekämpfte zunächst Schatzsekretär Frhr. v. Stengel die Angriffe des Abg. Geyer zur Tabaksteuer. In der weiteren Debatte kamen neue Momente nicht zutage, und die gesamten Steuervor­lagen wurden schließlich an eine besondere Kommission verwiesen. Dann folgte die erste Beratung der Novelle zum Gesetz über die Naturalleistungen für die

Bewegtes Keöen.

Roman von Max von Weißenthurn. 22

Auch der Fürst war tiefbewegt. Er, dessen Gemüt ein weiches, fast weidlich zartes genannt werden mußte, liebte seine Kinder alle mit rührender Zärtlichkeit, hatte viel­leicht gerade der kleinen Dolores gegenüber ein besonder» weiches Empfinden gehabt, weil die Verhältnisse ihm nicht gestatteten, ihr von der ersten Stunde an, da sie das Licht der Welt erblickt, offenkundig jene Rechte einzuränmen, wie den anderen.

Er hatte sich mit der Zukunft vertröstet, sich sofort ge­lobt, ihr in späteren Jahren das reichlich einzubringe», waS er zwangsweise versäumt, und nun gab es für das arnw, kleine Wesen keine Zukunft mehr.

Nunmehr war die zarte Lebensflamme auSgelöscht und hatte nur ein Gefühl des heißen Wehes zurückgelnffen in den Herzen der Eltern, denn, daß Leuore den Schmerz deS Verlustes ebenso gewaltsam empfinde, wie er, daran zweifelte der Fürst keinen Augenblick

Edel veranlagt, wie er war, verpflanzte er alles erha­bene Fühlen und Denken, welches sich in seiner Seele regte, in die ihre, ahnte nicht, daß Ehrgeiz und Habsucht die einzigen Triebfedern seien, welche ihr Tun beeinflußten, ließ sich auch nicht träumen, daß der größte Teil dessen' was sie ihm gesagt, nichts als gut gespielte Komödie sei, ließ sich noch weniger träumen, daß sein Kind nicht ge­storben und mit der Tod der alten Raum auf Wahrheit beruhe.

Du weißt nun alles," sprach Lenore nach einer Pause, während weiter der Fürst sie zärtlich umschlungen gehal­ten,Du weißt nun alles! Ein Band, das Dich an mich geknüpft, ist gelöst und es steht Dir frei, auch daS letzte zu zerreißen. Ich halte Dich nicht mehr! In den bangen Stunden, die ich allein durchlitten, habe ich mir mehr als einmal die Frage gestellt, ob der Tod der Kleinen nicht die gerechte Strafe sei. weil ich nicht den Mut besessen, zu fordern, Du sollest sie und mich öffentlich anerkennen,

bewaffnete Macht im Frieden. Alle Redner sprachen sich für eine Erhöhung des iTagessatzes für die Mann­schaftsverpflegung über 1 Mark hinaus aus, und namens der Reichsregierung zeigte sich der Kriegs­minister nicht abgeneigt, darauf einzugehen. Die Vorlage ging an die Budgetkommission. -- Am Montag bildete die vom Zentrum aus Anlaß des Falles des Rechtsanwalts Feldhaus in Mühlheim a. d. R. eingebrackte Duell-Interpellation verlas eine Erklärung des Reichskanzlers, daß im Offizierkorps der Zweikampf in wirksamer Weise durch die allerhöchste Verordnung vom 1. Januar 1897 bekämpft worden sei, weitere Abhilfe aber nur von einer gleichzeitigen Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen über die strafrechtliche Verfolgung der Beleidigung Und des Zweikampfes erhofft werden könne. In der ausgedehnten Debatte standen die Abgg. Himburg (kons.), v. Tiedemann (freikons.) und Wassermann (nat.) auf Seite des Kriegs­ministers, während die Abgg. Dove (fr. Vg.), Dr. Bachem (Z.), Stöcker (christ.-soz.), Dr. Träger (fr. Vp.) und v. Czarlinski (Pole) einen entgegengesetzten Standpunkt vertraten.

Im preußischen Abgeordnetenhause verlangte bei der Etatsberatung Abg. Dr. Frhr. v. Erffa (kons.) vom Justizminister strenge Bestrafung der sozialdemo­kratischen schamlosen Ausschreitungen, worauf ihm Justizminister Dr. Beseler in verbindlichster Weise erwiderte, daß er ebenfalls auf dem Standpunkte des Vorredners stehe und die Staatsanwälte anweifen werde, mit aller Energie Vorzugehen, damit der Straftat die Strafe auf dem Fuße folge. Nachdem noch Abg. Friedberg (natl.) gesprochen, wies schließlich Kultus­minister Dr. Studt die Klagen des Abg. Herold (Z) über mangelnde Parität und die Angriffe des Abg. Brömel (fr. Vg.) gegen das Volksschulgesetz als gänz­lich unmotiviert zurück. Am Montag wurde die Generaldebatte über den Etat fortgesetzt. Abg. Dr. Wiemer (fr. Vp.) erging sich in Klagen über die Be­einträchtigung der Selbstverwaltung durch das Schul­gesetz und trat für die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts ein. Der Finanz­minister Freiherr v. Rheinbaben betonte, daß die Regierung nicht an die Beeinträchtigung der Selbst­verwaltung durch das Schulgesetz denke. Er schloß mit einem Appell an das Zentrum, die Reichsfinanz­reform nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Abg. Frhr. v. Zedlitz (freit.) trat für Aufrechterhaltung des bestehenden preußischen Wahlrechts ein. Abg. Dr. v.

!m8BEaaas3&^.fe&s£s^:a^g^^

zu fordern, Du mögest uns jene Rechte einräumen, die uns gebühren. Ich Weiß, daß Du mir einwenden wirst, daß es nur Rücksicht für Deine Mutter gewesen, welche Dich daran gehindert, aber es kann keine größere Pflicht ge­ben, als diejenige, die man für sein eigenes Fleisch und Blut übt und alles andere solle dem hintangesetzt wer­den. Nun freilich bist Du dieser Rücksicht enthoben und ich gebe Dich frei. Geh' hin und sei ein guter Sohn, hör' auf, an diejenige zu denken, in deren Leben Du eine kurze SpanneZeit hindurch einen verklärendenStrahl der Freude gebracht hast! Ich begehre nichts für mich, ich will Dir keine Last sein!" Leuore bewies durch die Art ihres Han­delns. weid/ kluge Strategin sie sei und war überzeugt, daß sie durch freiwilligen Verzicht daS erreichte, was sie durch herrisches Begehren niemals erlangt haben würde.

Der Fürst war denn auch bis in die tiefste Seele be- wegt.Wie stellst Du Dir die Zukunft vor, Lenore? Du kannst mir doch nicht das Unrecht antun, zu wähnen, ich könne von Dir lassen, ich könne jetzt, wo Du das eine ver­loren, was dem Leben Reiz verleiht, Dir auch noch daS zweite nehmen?"

Ich forsche, ich klügle, ich bitte unb bestimme nichts!" sprach Leuore, anscheinend mit Gewalt sich zur Ruhe zwin­gend.Ich wiederhole, daß ich für mich nichts begehre, daß ich bereit bin, auS Deinem Leben zu schwinden. Dich dem Glanz Deiner Stellung, dem Ehrgeiz Deiner Mutter zu überlassen, ich selbst bin bereit, in Einsamkeit dessen zu gedenken, was von mir genommen wurde, weil," fügte sie mit zuckenden Lippen hinzu,weil ich nicht den Mut besessen, dafür einznstehen."

Laß Dich nicht von dem Wahne betören, Lenore, daß, Wenn wir unser Kind verloren, dies eine Strafe des Him­mels fei, Gott ist ein Wesen, das Liebe bietet und Liebe heischt. Sei ruhig, ich will nicht, daß Selbstvorwurf, daß Reue, daß der Gedanke, ein Unrecht begangen zu haben, in Deiner Seele weiterleben; ich will, waS ich ausSchwäche gefehlt, so weit dies jetzt noch in meine Macht gegeben

Jagdzewskik brächte die ständigen Beschwerden der Polen zur Sprache, worauf der Minister des Innern v. Bethmann-Hollweg erwiderte, daß die Regierung bei Fortdauer der polnischen Agitation an den Grund« sätzen ihrer Polenpolitik sesthalten müsse, mit der sich zum Schlüsse auch Abg. Glatzel (natl.) einverstanden erklärte.

Der Reichstagsabgeordnete Sartorius hat, wie er verschiedenen pfälzischen Blättern mittgeteilt hat, sein Mandat niedergelegt. Sartorius vertrat seit 1903 den Wahlkreis 6, Pfalz, Kaiserslautern.

Zur englisch deutschen Annäherung wird aus London gemeldet, daß der Reichskanzler Fürst Bülow folgendes Telegramm an den Grafen Harry Keßler gesandt habe:Die Kundgebungen hervorragender Vertreter deutscher und englischer Kunst und Wissen- schaft können nur dazu beitragen, die Beziehungen zwischen Deutschland und England zu verbessern. Ich heiße sie mit großer Befriedigung willkommen und danke Ihnen aufrichtig für Ihre Mitteilung." In Berlin und Köln fanden wieder große Kundgebungen für freunkschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und England statt. Im Lyceumklub zu Berlin begrüßte der englische Botschafter Sir Frank Lascelles den Aus­spruch des Grafen Wolff-Metternich, daß es keine Gründe zu Zwistigkeiten zwischen beiden Nationen gebe, und schloß mit einem Hoch auf das Kaiserpaar. Professor Harnack führte aus, durch Geben und Nehmen in der Wissenschaft seien beide Völker eine geistige Einheit. Im Gürzenich zu Köln betonte Erzbischof Kardinal Fischer, es gelte den Frieden zu fördern im Interesse der beiden Nationen und der ganzen Mensch­heit. Der englische Konsul Niessen hob hervor, beide Nationen hätten sich nie bekriegt, wohl aber oft Schulter an Schulter gekämpft. Nachdem noch das Herrenhaus- mitglied Graf Hoensbroech und der Chefredakteur von derKöln. Volksztg." gesprochen, wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher der sUeber- zeugung Ausdruck gegeben wird, daß ein auf gegen­seitiges Vertrauen begründetes Einvernehmen die Interessen beider Völker und die geistige und wirt­schaftliche Entwicklung der Welt wirksam fördern werde.

In Berlin tagte der preußische Städtetag, aus dem fast alle größeren Städte der Monarchie vertreten waren. Es wurde eine Resolutton angenommen, in welcher gegen verschiedene Bestimmungen des Volks- schulunterhaltungs Gesetzes Stellung genommen wurde.

ist, sühnen; ich will meiner Mutter alles offenbare», will an ihr Herz appellieren, Will sie bitten, Dir, die Du so Schweres getragen, um meinetwillen ihre Arme zu öff­nen, Dir ihre Liebe entgegenzubringen, und wenn ich mir auch die Tatsache nicht verhehle, daß mir eine schwere Stunde vorliegt, daß eS mir nicht leicht sein wird, sie zu versöhnen, so fühle ich eS doch, daß ich eS Dir schulde, diese schwere Stunde auf mich zu nehmen, damit eine fried­liche Zukunft vor uns liege. DaS Herz meiner Mutter ist im Grunde genommen gut und edel."

Selbst wenn ihr Stolz die verletzte Mutterliebe, die eS schwer vertragen wird, von mir hintergangen worden zu sein, sie nicht milde zum sofortigen Verzeihen stimmen werden, so wird doch die Zeit und die Erkenntnis besten, daß ich in Dir mein Glück gefunden, lindernd wirken. Meine Kinder-aber werden, so hoffe ich e«, Dir reiche« Ersatz bieten für das, was Du verloren. Verzeih', daß ich so lange geschwankt, bis ich den Weg beS Rechtes fand und glaube mir, daß tausendfache Liebe Dich ent- schädigen soll für alle», was Du gelitten!"

Lenores Haupt lag an der Brust deS Fürsten gebet- tet und so geschah eS, daß er das triumphartige Aufblitzen ihrer Augen nicht sah, das ihm vielleicht seltsame Aufklä­rung geboten haben würde über da», was in der Seele jener Frau vorgehe.Otto, ich begehre kein Opfer mehr von Dir," sprach sie leise,überleg' eS Dir wohl, ob da», was Du zu tun entschlossen bist, Dir nicht schwer fällt. Du hast eS nicht getan, als das Kind gelebt, wozu jetzt nur meinetwegen?" Jhre modulationsfähige Stimme vi­brierte in verhaltenem Weh. Das schlaue Weib wußte sehr genau, daß jedes ihrer Worte ihn treffe wie ein Peitschen- hieb, daß sie das Ziel nur beschleunigten, in dem ihr Ehr- geiz gipfelte.

Sprich nicht weiter, Lenore, wenn Du mich nicht ver- lieren willst. Ich toi Dir nicht mehr sagen, als daß ich mein Zögern bereuejoaß ich «S gut machen will und zwar sofort." 131,18