„Kreisblati" vierteljährlich > Mk. — Anzeigen
die kleine Zeile - der deren Raum 10 Psg.
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Amtliches.
Landwirtschaftlicher Kreisverein Schlüchtern.
Für das (Gelingen des während der Bezüksuerschau am 14 Juli hierselbsst geplanten Festzuges ist es dringend wünscheMwe, r, daß sich nicht nur die Kreisstadt, sondern alle Städte und Landgeineiudei! des Kreises sei es mit Festwagen, Gruppen, Vo ereilen«, Musikkapellen, oder in anderer Weise beteiligen. Namentlich bietet sich hier eine beionde,^ schöne Gelegenheit, die alten heimischen farbigen Trachten, um die das Hessenland allgemein beneidet wird, wieder einmal zu Ehren zu bringen. Aber auch andere Trachten und Kostüme sollen uns willkommen sein.
Anmeldungen erbitte ich baldigst durch Vermittlung der Herren Bürgermeister.
Schlächtern, den 2. Juni I chB.
Der Vorsitzende der Aussührungskorumission W Valentiner. _
J.-Nr 1678 K. A. Der auf den 16. Juni erd in Sterbfritz anberaunite Zuchtbullen Körungstermin wirb auf
Sonnabend den 30 Juni d. Js. verlegt.
Schlüchtern, den 6 Juni 1906.
Der com. Königl. Landrat: Valentiner.
Der Kaiserbesuch in Wien
ist nach allen Seiten hin befriedigend verlaufen und das einzige Ungünstige während des Aufenthalts in Schönbrunn, Wien und Kreutzenstein war das Wetter. Zur Aufhellung des politischen Horizontes haben die Tage an der Donau wesentlich beigetragen. Entsprechend beut intimen Charakter, den der Besuch nach der Absicht unseres Kaisers haben sollte, war verabredet worden, daß keine Toaste an der Tafel in Schönbrunn gehalten werden sollten. Nach außen trat die politische Bedeutung des Besuches am stärksten in dem Begrüßungstelegramm der beiden Monarchen an ihren dritten Verbündeten und in der Antwort des Königs von Italien hervor. Die Ankündigung der Reise unseres Kaisers nad) Wien war von manchen Blättern dahin ausgelegt worden, daß ein beinahe gewollter Gegensatz zu Italien bestehe Durch den Depeschen- Wechsel zwischen Wien und Rom mit der gegenseitigen Versicherung der Treue und unverbrüchlichen Freundschaft ist jener gröblichen Mißdeutung ein Ende gemacht worden.
Das Fundament des Dreibundes ist der von dein | Fürsten Bismarck und bem Grafen Andrassy vor einem
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A« Ketten der Kieöe.
Roman von Seta v. Starten steht. •
„Force," riefet lachend, „der Junge hat alles für bare Münze genommen! Er wird zu Desmond eilen und ihn verficheru, daß ich die Absicht hege, Pichinacherinuen und Keüueriuueu einzuladen Köstlicher Einfall!"
Force lachte kaum weniger, als sein Vorgesetzter und als die beiden Herren ihre Heiterkeit etwas eingedämmt hatten, schlug er vor, Desmond einen Besuch abzustatten, womit der andere gerne einverstanden war.
„Wollen Sie wirklich heute nach Donnington gehen, Fräulein ?" fragte die alte Mary, Herr» Gerhards einzige Dienerin, eines Tages, als die Sonne glühend auf Feld unb Wiese niederbramite und kein Lüftchen sich regte.
Obzwar Donnington nur anderthalb Wegstunden von Wilford entfernt war und Wally so gut zu Fuß war, daß sie gar nichts darin fand, den Weg hin und zurück zu Fuß zurückznlegen, kam sie doch sehr selten zur Stadt; el gab dort nicht viel Anziehendes oder Erheiterndes für st«.
Jetzt aber standen die Dinge anders; Wally dachte, es könne dort noch allerlei geben, was deS Sehen- wert, und das Mädchen wollte gerne von dem bunten Leben etma§ zu Gesichte bekommen, das jetzt zweifelsohne in den Straßen der Stadt herrschen muffte. Vielleicht würde sie Soldaten begegnen, welche mitklmgendem Spiele durch die Straßen zöge»; wecche Wonne, wenn sie wieder die Musik hören konnte, die Uniformen sehen dürfte, die in den Tagen ihrer Kindheit ihr höchstes Entzücken gewesen waren. Wally war es zu Mute, als ob alle Soldaten ihre, deS Soldateukindes, gute Freunde sein müßten, und sie wollte so gerne Soldaten sehen.
„Weshalb sollte ich nicht nach Donnington gehen, Mary?" fragte sie etwas ungeduldig.
„Es könnte ein Gewitter kommen, Fräulein."
„O, das haben wir gestern auch geglaubt, und dann saut doch keiner," wandte Wally ein
Mittwoch, den 13. Juni 1906.
guten Vierteljahrhundert abgeschlossene deutsch-österreichisch-- ungarische Bündnisvertrag. Aus der Veröffentlichung feines vollen Wortlauts vor zwanzig Jahren ist allgemein bekannt, daß er unbefristet ist. Der Anschluß Italiens geschah von vornherein auf Zeit, er ist mehrmals erneuert worden, zuletzt im Frühjahr 1903. Der Unterschied erklärt sich daraus, daß wichtige konkurrierende Interessen zwar nicht zwischen Deutschland und den beiden andern Reichen, wohl aber zwischen dem Donaureich und Italien bestehen An der Adria und auf der Balkanhalbinsel haben Oesterreich- Ongaru und Italien einpfindliche Reibungsflächen miteinander. Dank bem Bündnis aber konnten hier keine ernsten Konflikte aufkommen, und so hat der Dreibund ebenso nach innen wie nach außen friedlich gewirkt. Für Italien bietet er den großen Vorteil, daß das Königreich keine kriegerische Verwickelung mit Oesterreich- Ungarn zu fürchten braucht und für seine Stellung im Mittelmeer einen Rückhalt besitzt, während die beiden anderen enger aneinander geschlossenen Reiche in der Mitte Europas eine gesicherte Flanke im Süden haben. So ist es von Beginn des Dreibundes an gewesen, und so ist es auch heute noch.
Der Besuch in Wien hat dies aufs neue dentlich gemacht, und so werden wohl die Stimmen, die gerne vom Zerfalle des Dreibundes und -der Vereinsamung Deutschlands reden, auf einige Zeit wieder verstummen müssen. Dazu kommt, daß die von unserem Kaiser dem ungarischen Ministerpräsidenten Weckerle erwiesenen Freundlichkeiten in Ungarn sehr hoch ausgenommen worden sind und die vor kurzem noch äußerst mißge- ftimmten Blätter der Unabhängigkeitspartei bestimmt haben, die Ungarn wieder als feste Stütze des Dreibundes zu bezeichnen. Man darf also mit Recht be haupten, daß sich der Gedanke unseres Kaisers, seinem österreichisch-ungarischen Verbündete» einen Freund« schaftsbesuch zu machen, als kluge und gute Politik erwiesen hat.
Deutsches Reich.
— Nach einer Mitteilung des „Wolffschen Telegraphen Bureau" beabsichtigt der stellvertretende Kolonialdirektor Erbprinz Hohenlohe-Langenburg eine Informationsreise in die afrikanischen Schutzgebiete zu unternehmen, da er schon beim Antritte seines Amtes die Notwendigkeit nicht verkannte, die wichtigsten Schutzgebiete aus eigenem Augenschein kennen zu lernen. Ueber den Zeitpunkt einer solchen Reise, welcher von den sonstigen dienstlichen Obliegenheiten des Leiters der Kolonialverwaltung abhängt, steht jedoch zurzeit noch nichts fest.
„Sie möchten eben gerne die Soldaten sehen, nicht wahr, Fräulein?" lachte die gutmütige, alte Dienerin.
„Und warum sollte ich nicht?" gestand das Mädchen freimütig zu „Ich brauche nebstbei wirklich Bleistifte, aber ich könnte mich wohl noch einige Tage ohne dieselben behelfen, wenn ich nicht wirklich ganz gerne zur Stadt ginge."
„Schade, daß Sie kein Junge geworden sind, Sie wären gewiß Soldat geworben; nun, Kind, nehmen Sie sich nur in acht, daß keiner der Offiziere sich in Sie verliebt!"
„Was das nur wieder für ein Unsinn ist, Mary."
„Mein Gott, die Leute haben Augen!"
„Ja, aber Du weißt. . ."
„O ja, ich weiß," entgegnete Mary einigermaßen ungeduldig, „Sie sind mit dem jungen Lister verlobt, ewig schade, nebenbei bemerkt; nun, wenn Sie denn schon gehen wollen, so gehen Sie rasch und trachten Sie, nach Hause zurückzukommen, bevor es finster wird, Kind."
„Ich gehe schon, Mary, aber weshalb findest Du e« schade, daß ich mit dem jungen Lister verlobt bin?"
„Weshalb ich es schade finde?" entgegnete Mary mit dem ganzen rücksichtslosen Freimut einer alten Dienerin. „Weil el auch wirklich ewig schade ist; Sie sind viel zu jung, um zu wissen, was Sie eigentlich wollen, und Sie könnten wohl eine viel bessere Heirat machen, Kind, doch lassen wir» gut sein, ich schweige schon, und nun rasch fort, Kleine, bamit Sie mir rechtzeitig wiederkommen."
Wally entfernte sich gedankenvoll, wieder überkam sie lene unheimliche Stimmung, welche sich neulich am Zaune und seither schon unzähligemal ihrer bemächtigt hatte, war sie wirklich zu jung, um zu wissen, was sie eigentlich wollte? Aber nein, ein solcher Zweifel mußte schon an sich ein Un- recht sein, sie liebte ja Manfred von Herzen.
Rasch machte sie sich auf den Weg nach Donnington und wünschte sich dabei den Jugendgespielen zur Seite, doch die kleine Besitzung, auf welcher dessen Vater lebte, war auf der entgegengesetzten Richtung gelegen und sie wollte einen Be;uch in der Stadt nicht länger verschieben und schritt hastig weiter.
57. Jahrgang.
— Die Heranziehung deutscher Arbeiterfamilien in der Ostmark durch die Ansiedelungskommission bildet fortgesetzt den Gegenstand besonderer Mühewaltung, und» jede die Einführung deutscher Arbeiter anstrebende Bewegung wird von zuständiger Stelle nachhaltig unterstützt. Zur Zeit werden 1680 deutsche Familien und 353 ledige Arbeiter in einer Gesamtseelenzahl von 8978 in Betrieben der Ansiedelungskommission beschäftigt. Nach Erhebungen, die sich auf 241 Ansiedelungen erstreckt haben, werden von Ansiedlern 254 deutsche Arbeiterfamilien und 1241 deutsche Knechte und Mägde mit einer Seelenzahl von 2346 gegenüber 531 polnischen Familien und 916 polnischen Knechten und Mägden mit einer Seelenzahl von 3409 gehalten. Außerdem wohnen rund 270 deutsche und 60 polnischer Handwerker mit einer Gesamtseelenzahl von 1125 bezw. 212 in den Ansiedelungen. Die gesamte deutsche Bevölkerung in den Ansiedelungsgütern beziffert sich nach chem letzten Bericht auf rund 82 450 Seelen.
— Ein Provinzialhülfsausschuß für Posen ist neben dem Ostriswoer Komitee zur Unterstützung der notleidenden Deutschen Rußlands ins Leben getreten. Insbesondere will er für eine rationelle Verteilung uub Unterbringung der zahlreichen deutschen Rückwanderer, von denen schon jetzt täglich im Durchschnitt etwa 30 Leute ankommen, sorgen. Industriearbeiter werden nach dem Westen weiterbefördert, z. B. nach Bremen, wo bereits 350 Schlosser in Werften untergebracht wurden, und nach dem rheinischwestfälischen Industriegebiet, während Landarbeiler, die unter den Flüchtlingen stark vertreten sind, meist in der Provinz selbst Verwendung finden können. Eine „Kanzlei für deutsche Rückwanderer" ist in Ostrowo eingerichtet worden, an die offeue Stellen in gewerblichen und landwirtschaftlichen Betrieben mitgeteilt werden können. Auch Angehörigen anderer Schichten, insbesondere den baltischen Studenten, will der Ausschuß Unterstützung zu teil werden lassen. Mit Genugtuung konstatieren wir, daß der deutsche Osten sich der nationalen Pflicht bewußt ist.
Ausland.
— Das ungarische Abgeordnetenhaus hat das Ermächtigungsgesetz angenommen, kraft dessen die Regierung die Handelsverträge mit Deutschland, Italien, Belgien, Rußland und der Schweiz mit Rückwirkung bis März 1906 auf dem Verordnungswege in kraft setzt. Die Regierung wird ferner ermächtigt, provisorische Verfügungen betreffend den Handelsverkehr mit Serbien, Bulgarien und Montenegro zu treffen.
— Der russische Ministerrat hat sich nach einer
Wenn zufällig Offiziere im Städtchen dem Mädchen in seinem weißen Kleide, mit dem langen, prächtigen Blondhaar und den großen, hellblickenden, blauen Augen begegneten, dann mußte dasselbe unbedingter Aufsehen er- regen. Wally in ihrer Unschuld dachte aber nur daran, selbst zu sehen, und nicht im entferntesten auch auf die Möglichkeit, gesehen zu werden, so ging sie denn leichten Herzens in der brennenden Sounenglut dahin, ohne zu beachten, daß da und dort am Himmel drohende Wolken aufstieaen. Der Weg durch die Felder war sehr angenehm und Wally eifrig mit ihren Gedanken beschäftigt, dann und wann bückte sie sich, um eine zarte Blüte zu brechen und in ihren Händen einen hübschen Strauß zu ordnen. Gerade, als sie sich wieder aus der gebückten Stellung auf- richtete, in der sie einige Kornblumen gepflückt hatte, vernahm sie ziemlich heftiges Donnerrollen.
Vom Westen zogen sich immer gewaltsamer auftür- mende schwarze Wolken daher; das bemerkte sie jetzt zu ihrem nicht geringen Schrecken, und der Donner schlug lauter und immer lauter an ihr Ohr, während fahle Blitze das Unheimliche ihrer Situation von Minute zu Minute erhöhten.
Einen Moment überlegte Wally, dann aber sagte sie sich, daß Donnington jetzt näher sei als Welfort und sie folglich am klügsten tue, den Weg nach jener Richtung hin so rasch als möglich fortzusetzen. Sie sprang über ein kleines Geländer und fing so rasch zu laufen an, als es ihr nur irgend möglich war; doch schon fielen dicke Trop- fen auf ihren Hut und gerade über ihrem Haupte rollte der Donner so mächtig, als habe die Artillerie eine kräftige Salve abgefeuert.
Das hierdurch eutftaubene Geräusch mochte wohl die Schuld tragen, daß sie den Husschlag eines Pferdes hinter sich nicht vernahm; daß sie auch die kräftige Männerstimme nicht hörte, welche ihr zurief, und den Offizier nicht sau, der auf dem Pferde saß, während sein weiter riakmautel zurückflog und man so die «charlachrote Uniform sehen konnte, die er unter demselben trug. 128,18