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mit amtlichem Areisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Sanisrag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 46.

Amtliches.

J.-Nr. 2453 K. A. Nachdem das Werkchen,Vom Heimatacker" bei den Bestellern inzwischen eingetroffen sein wird, ersuche ich die Herren Bibliothekare den Bezugspreis mit 1,25 Mk. pro Exemplar portofrei an das Kreisausschußbureau bald gefälligst abführen zu wollen.

Schlächtern, bot 31. Mai 1907.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: gez. Valentiner.

Deutsche AnswaliLrrung aus Rußland.

Es ist nicht mehr zu bezweifeln, daß der Notstand, der in den Gouvernements Ssamara und Ssaratow herrscht, eine furchtbare Höhe erreicht hat. Dadurch werden etwa 620 000 Deutsche, zu zwei Dritteln Protestanten und ein Drittel Katholiken, betroffen. Es handelt sich aber nicht um einen vorübergehenden Zu­stand, sondern um Verhältnisse, die in schlechten Jahren immer wiederkehren müssen. Wie dieDeutsche Volks­zeitung" Ssaratow mitteilt, wollen deshalb alle, die über die nötigen Mittel verfügen, auswandern, und zwar nach Amerika oder Sibirien. Der Berliner Hülss ausschuß für die notleidenden Deutschen Rußlands be­merkt dazu: In der Tat ist die.Abwanderung eines Teiles der deutschen Bevölkerung das einzige dauernde Hülfsmittel; aber nicht nach Amerika oder Sibirien, nicht nach Kanada oder Australien, sondern wieder nach deutschen Gebieten. An uns Reichsdeutsche aber, die wir Arbeiternot auf dem Lande und in den Städten haben, die wir jährlich Hunderttausende nichtdeutscher Arbeiter bei uns aufnehmen müssen, tritt jetzt die Auf­gabe heran, die von der Wolga abwandernden Deutschen, die in andern deutschen Kolonien keine Aufnahme finden können, bei uns aufzunehmen und hierdurch die slawische Einwanderung einzuschränken. Wir werden hierdurch nicht nur den bitteren Notleidenden deutschen Brüdern helfen, sondern auch uns selbst einen nationalen Dienst erweisen. Da aber zur Linderung der Not, Organisation und Durchführung der Abwanderung sehr bedeutende Geldmittel erforderlich sind, bitten wir alle Deutschen, welche unsere Hülfstätigkeit billigen, um Zebersendung weiterer Spenden an: die Königliche Seehandlungshauptkasse zu Berlin W Markgrafen­straße 46a, mit der Bezeichnung :Für die notleidenden Deutschen Rußlands." In der Tat würde sich der Hülfsansschuß für die notleidenden Deutschen Ruß­lands" ein großes Verdienst erwerben, wenn er den

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Ars Komödiantin.

Roman von Oswald Beukendorf. 21

Graf Erich und Kurt waren in hohem Grade besorgt um Konstanzes Gesundheit, während Sidonie weniger Gewicht darauf legte, und die Nichte voll Mißtranen be­obachtete, da sie ganz richtig schloß, daß deren körperli­ches Uebelbefinden nur eine Folge der seelischen Verstim- mnug sei.

Das Weihnachtsfest staub nahe bevor, in all der Zeit war Hanplniann Kindler, der sonst sehr hänfig Gast in Wilmenau gewesen, erst zweimal daselbst erschienen, und Konstanze hatte beide Male unter dem Vorgeben eines Unwohlseins es vermieden, mit Ernst znsammenzntreffen.

Dieser Umstand, weit entfernt, Gräfin Bentheim zil beruhigen, bestätigte sie nur in ihrem Verdachte, daß ge­heime 'Beziehnngen zwischen Konstanze und dein Hanpt- mnmi bestanden.

Der Weihnachtsabend sollte diesmal ganz^ besonders festlich gefeiert werden und die Damen des Hauses, mit Ausnahme Konstanzes, waren äußerst beschäftigt.

Franziska hatte eine Anzahl reizender Nadelarbeiten verfertigt, und dann lag es ihr noch ob, die große Tanne, welche der Förster gesandt, anfznpntzen.

In dem Billardzimmer, das an die Bücherei stieß und im Seitenflügel des Schlosses gelegen war, hatte man, wie alljährlich, den Tannenbanm ausgestellt und auch viele der Gaben, noch in den Postkisten verpackt, so wie sie angelangt, waren gleichfalls hier ansbewahrt worden. Da gab es Schachteln mit Königsberger Marzipan, mit Nürn­berger Lebkuchen und aus Berlin war eine hohe Baum- torte, wunderhübsch verziert, angekommen.

Den Schlüssel zu all diesen Herrlichkeiten hatte Fran- ziska in Verwahrung.

Graf Erich war nach Breslau gefahren, um das für die Tochter bestimmte fürstliche Geschenk selbst Heimzu- bringen. Dasselbe bestand in dem Familieuschmuck, den «r bei einem der ersten Juweliere hatte modern einfassen

Samstag, den 8. Juni 190.

Arbeiternachweis für deutsche Landwirte und die Rück­führung der deutschen Ansiedler in Rußland nach dem deutschen flachen Lande in die Hand nehmen wollte. Viele deutsche Landwirte würden sicherlich gern bereit sein, demHülfsausschuß" mitzuteilen, wie vielen der deutsch-russischen Rückwanderer sie Wohnung und Arbeit bieten können.

Deutsches Reich.

Die Kaiserin traf am Dienstag nachmittag

3 Uhr in Pasewalk ein und wurde am Bahnhof vom Kommandeur des Kürassierregiments Obersten von Heydebreck empfangen. Unter begeisterten Begrüßungen des Publikums fuhr die Kaiserin zur Kaserne, wo sie unter den Klängen des Hohenfriedberger Marsches zu Pferde stieg. Nach einer kurzen Ansprage des Kom­mandeurs begann die Feier mit der Verlesung der von Friedrich dem Großen vollzogenen Stiftungsurkunde des Regiments. In einer weiteren Ansprache an die Kaiserin dankte der Kommandeur für die hohe Aus­zeichnung, die dem Regimente durch den vorjährigen Besuch des Kronprinzen und den jetzigen der Kaiserin erwiesen werde, und schloß mit einem Hoch auf den obersten Kriegsherrn. Die Kaiserin ritt dann die Front ab, worauf ein Vorbeimarsch erfolgte. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Wohnung des Kommandeurs fuhr die Kaiserin nach dem Offizierskasino, wo der Tee eingenommen würd. Um 5 Uhr erfolgte die Rückreise nach Berlin.

Das Herrenhaus hat seine Sitzungen nach den Pfingstferien wieder aufgenommen. Es fand die Be­ratung der Berggesetznovelle in eingehender Diskussion statt. Graf Ballestrem offenbarte sich als schroffen Gegner der Vorlage in jeder Form und malte als sichere Folge einer Annahme des Gesetzentwurfs den sozialistischen Zukunftsstaat an die Wand ; Graf Thiele- Winkler assistierte ihm, während Oberbürgermeister Becker-Coln und Professor Schmoller gegenteilige An­sichten vertraten, und der Handelsminister Delbrück, unterstützt vom Grafen Botho zu Eulenburg, an beut Kompromiß des Abgeordnetenhauses festzuhalten hat, um bei Ablauf der Lex Gamp am 8. Juli kein Vakuum und damit ein Hereinbrechen wilder Spekulation zu verursachen. Schließlich wurde die ganze Vorlage noch­mals an die Kommission zurückverwiesen. Der übrige Teil der Tagesordnung, der mit Petitionen ausgefüllt war, veranlaßte keine nennenswerte Diskussion mehr.

Wie demFränkischen Kurier" gemeldet wird, ist der Reichstags- und bayerische Landtagsabgeordnete

lassen. Die großen Brillanten waren wasserten und sehr wertvoll. Erst am Heiligen Abend warb der Graf zu­rückerwartet, während Professor Möllenhard schon am Tage vorher angelangt war.

Es war am Nachmittag, eine halbe Stunde vorm Spei­sen, da aber der Tag ziemlich trübe, brach die Dämme- rnng früh herein.

Franziska hatte eben mit der Gräfin gesprochen, die der Wirtschafterin einige Anordnungen erteilt, als ihr ein« fiel, daß sie vergessen habe, von den zum Feste angeschaff­ten Süßigkeiten ^um Nachtisch eine Schale herauszuge- ben. Besonders Konstanze liebte Südfrüchte und Näsche­reien, an denen es nie fehlen durfte.

In ihrer schlichten Weise, die immer noch ein wenig an die Klosterschülerin erinnerte, verschmähte Franziska eine sogenannte Diener-Toilette zu machen, wie die Tante gewünscht hatte. Ein fest anschließendes, graues Kleid, von Wolle, oder bei festlichen Gelegenheiten aus Seiden­stoff, umschloß ihre schlanke Gestalt und war nicht gerade geeignet, ihre körperlichen Vorzüge zu heben Dafür war Franziska stets bereit, wenn es zu helfen galt, sie hatte feine Nerve», wie Oberst von Perle anerkennend behaup­tete, und verlor wenig Zeit am Toilettentisch.

Auch jetzt, während Konstanze sich in ihre Zimmer begeben, um den Anzug zic wechseln, nahm das junge Mädchen von der Kredenz eine silberne Schale und eilte damit in das Bibliothckzimmer, um die Süßigkeiten zu holen. Der letzte Schimmer des verglimmenden Tages­lichts leuchteteFranziska, die aus verschiedenen Kosten und Kisten ihre Schale schnell gefüllt hatte.

Im Begriff das Zimmer wieber zu verlassen, ver- nahm sie deutlich, wie daneben in der Bücherei die schwe­ren, hochlehnigen Holzstühle fortgeschoben wurden, dann näherten sich Schritte der Tür und Möllenhards Stimme sagte:Lassen Sie mich lieber Nachsehen, mir War, als hörte ich Geräusch, ich will nicht hoffen, daß man uns be- ^"unwillkürlich färbten sich Frauziskas Wangen und sie

58. Jahrgang.

S

Tobias Nißler (kons.) in Alfershausen (Mittelfranken) an Herzschlag gestorben. Nißler war Oekonom; er hatte das Metzgergewerbe erlernt und übte es bis zu­letzt im Nebenbetrieb neben der Landwirtschaft aus, Die er seit 1883 selbständig betrieb. Von 1888 bis 1903 war er Bürgermeister, 1889 wurde er Mitglied der evangelisch-lutherischen Generalsynode.

Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten hat folgende Verfügung an die Eisenbahndiretionen ergehen lassen :Der Ansicht der Mehrzahl der Königl. Eisen­bahndirektionen trete ich darin bei, daß die häufigen Beschwerden über die durch das Rauchen in den Speisewagen hervorgerufenen Unzuträglichkeiten berechtigt sind. Die Königl. Eisenbahndirektionen wollen die nötigen Anordnungen treffen, daß vom 1. Juli d. J. ab das Rauchen in den Speisewagen auf den Strecken der preußisch-Hessischen Staatsbahnen allgemein unter­sagt wird. Mit den Speisewagen-Unternehmern ist hierüber ins Benehmen zu treten; auch sind die be­teiligten fremden Verwaltungen zu benachrichtigen, mit dem Anheimgeben, sich dem Vorgehen der preußisch- Hessischen Staatsbahnen anzuschließen."

Die Deutsche Arbeitgeber-Zeitung tritt für energische und schnellstens zu bewirkende finanzielle Unterstützung des Berliner Baugewerbes in dem jetzigen Streik ein, der für das gesamte industrielle und gewerb­liche Unternehmertum gefiihrt werde. Die deutschen Arbeitgeber sollten nicht tatenlos abseits stehen, sondern aktiv in den Gang der Dinge eingreifen, indem sie sowohl von Verbands wegen wie auch einzeln zur Unterstützung der Berliner Baugewerbetreibenden finan­ziell beisteuern. Die großen Berliner Zentralen und vor allem der Verein deutscher Arbeitgeberverbände sollten, wie beim Streif im Holzgewerbe, auch in diesem Falle ihre Mitwirkung zur Erzielung friedlicher Zu« stände auf dem Arbeitsmarkt leihen.

Ausland

In Verbindung mit dem Erlaß des Präsidenten Roosevelt über den Abschluß des deutsch-amerikanischen Handelsabkommens veröffentlicht das Staatsdepartement auch ein Schreiben des Sekretärs des Schatzamts Cortelyou an den Präsidenten vom 9. April d. J., in dem Cortelyou bemerkt, daß das vorgeschlagene Handels« abfemunen die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika fördern und auch sonst zum Vorteil des Landes sein würde.

Nach einer Meldung der Daily Mail aus Simla ist es in Cocanada in der indischen Provinz

eilte dem Ausgang zu, um ungesehen davonzukommen; denn obgleich sie kein Wort von der Unterredung drin­nen vernommen, hätten Möllenhard und Kurt, denn nur er konnte zu dieser Stunde mit dem Gelehrten in der Bücherei weilen, doch sicher gedacht, daß sie ihr Gespräch, wenn auch zufällig, belauscht habe.

Doch Franziska hatte die AusgangStür noch nicht er« reicht, als Möllenhard mit einer Anstrengung die Tape­tentür öffnete, welche in die Bibliothek führte.

Im Schatten des Tannenbaums stehend, trat Fran- ziska schnell noch einige Schritte zurück, wo die Nische zwischen zlvei hohen Schränken sie einem oberflächlich for­schenden Blicke verbergen mußte. Schon im nächsten Au­genblick, wenn Möllenhard sich überzeugt, daß sich nie­mand im Zimmer befände, konnte sie dasselbe unbemerkt verlasse».

Nur jetzt nicht von Kurt hier überrascht werden! Wer Weiß, ob die beiden nicht von ihr gesprochen, der Pro­fessor war ihr frenndlich gesinnt, sie wußte es bestimmt, daß er Kurts Verlobung mit Konstanz? mißbilligte, wah- reud die früher projektierte Verbindung seinen vollen Bei­fall gefunden.

Doch wer beschreibt Frauziskas Erstaunen, als sie jetzt die Stimme der Tante Bentheim vernahm, die zu Möl- lenhard tretend sagte:Sie haben sich umsonst beunru­higt, lieber Professor, um diese Zeit ist niemand in bie« sein Zimmer, zu welchem Franziska die Schlüssel hat. Wir sind ganz ungestört."

Arme Franziska," erwiderte Möllenhard mit wei­cher Stinime.Wie hat sie es getragen, mit einem Schlage den Verlobten und ihre Znkunftshoffunngen zu verlie­ren?" 139,18

Sie ist ergeben in Gottes Ratschluß, das beschei­dene Kind," meinte Gräfin Sidonie,uub glücklicherweise hegte sie für Kurt nur schwesterliche Zuneigung."

Irren Sie sich nicht, was dies betrifft, verehrte Freun­din?" fragte Möllenhard, sich einige Schritte vonderTür entfernend,ich habe stets das Gegenteil geglaubt."