WWernerMung
mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. ™ Preis mit „Kreisblalt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 47. Mittwoch, den 12. Juni 1907. 58. Jahrgang.
Amtliche».
J.-Nr. 2453 K. A. Nachdem das Werkchen, „Vom Heiniatacker" bei den Bestellern inzwischen eingetroffen sein wird, ersuche ich die Herren Bibliothekare den Bezugspreis mit 1,25 Mk. pro Exeniplar portofrei au das Kreisausschußbureau bald gefälligst abführen zu wollen.
Schlüchtern, den 31. Mai 1907.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: gez. Valentiner.
Ordnung betreffend Erhebung einer Hundesteuer im Kreise Schlüchtern.
Auf Grund der §§ 6, 16 und 17 des Kreis- und Provinzialabgabengesetzes vom 23. April 1906 (Ges. Sammlung S. 159) und des Kreistagsbeschlusses vom 27. März 1907 wird für den Kreis Schlüchtern nachstehende Steuerordnung erlassen.
§ 1. Für das Halten eines nicht niehr an der Mutter saugenden Hundes ist eine Steuer von jährlich 5 Mark an die Kreis-Communalkasse zu zahlen.
Das Steuerjahr erstreckt sich aus das Etats- oder Rechnungsjahr.
§ 2. Für Hunde, die bei der im Juni j. Js. von der Gemeindebehörde resp, dem Gutsvorsteher vorzunehmenden Zahlung und Veranlagung vorhanden sind, ist die volle Steuer zu entrichten. Wird ein versteuerter Hund bis zum 1. Oktober abgeschafft, so steht dem Besitzer das Recht zu, die halbe Jahres- fteuer zurückzuverlangen.
Für die nach dem l. Oktober in Zugang kommenden Hunde ist die halbe Jahressteuer zu zahlen. Dre Zahlung und Veranlagung dieser Hunde erfolgt im März j. Js. durch die Gemeindebehörden bezw. den Gutsvorsteher. Diese haben ein Verzeichnis über die veranlagte und erhobene Kreishundesteuer für die Hauptveranlagung bis zum 1. Juli, für die Nachveranlagung bis zum 25. März an die Kreis-Communalkasse einzureichen und die Beträge mit abzuliefern.
§ 3. Wer einen bereits versteuerten Hund erwirbt oder mit einem solchen im Kreise neu anzieht, oder einen Hund an Stelle eines eingegangenen versteuerten Hundes erwirbt, darf für das laufende halbe Jahr die gezahlte Steuer auf die zahlende in Anrechnung bringen.
§ 4. Steuerrückstände werden im Wege des Ver- waltungs-Zwangsverfahrens beigetrieben.
§ 5. Wer einen steuerpflichtigen oder steuerfreien
Ais Komödiantin.
Roman von Oswald Benkendorf. 22
Frauziskas Verwirrung war so groß, daß sie nicht deutlich vernahm, waS die Gräfin erwiderte, nur ward sie zu ihrer großen Bestürzung inue, daß Möllenhard die Tapetentür nicht wieder geschlossen, als er in die Büche- rei zurückgetreten war. Vielleicht hatte er eS sogar ab- sichtlich unterlassen.
Nim war es Franziska unmöglich, sich unbemerkt aus dem Zimmer zu entfernen; der Gedanke, in ihrem Versteck entdeckt zu werden, verursachte ihr Herzklopfen und ihre einzige Hoffnung war, daß die Speiseglocke bald ertönen und die Gräfin und Möllenhard veranlassen würde ihre Unterredung abzubrechen. Sie wollte sich iwiimen' "u ibt*’*4“^ die Stille drangen doch dieWorte
Jetzt sagte Möllenhard: „Ja, Franziska Lauen war die einzige, welche für unseren teuern Kurt eine passende Lebensgefährtin gewesen, ich betrachte es geradezu als ein Unglück, daß dieser Band so plötzlich gelöst worden. Schon vorher, ehe ich von einer Beziehung der Kom- teffe Konstanze mit Ernst Kindler Kenntnis erhalten . . .". ,. Wenn Konstanze nun Kurt liebt, baun wäre
Gefahr doch nicht so groß."
„Ich halte dieses ebenso schöne, wie gefährliche Mädchen einer echten Neigung garnicht fähig "
, "^jdwarhätteKonstanzedenn bewogen, Kurts Wer- bung Gehör zu geben? Niemand hat einen Zwang ge- übt, sie bringt ihm Reichtum und das bereits verlorene Erbe, sie ist demnach die Gebende, er der Empfangende. Einen ernsten Widerstand hätte mein Bruder sicher nicht den Wunsche» der Tochter entgegengesetzt, wenn diese Ernst Kindler den Vorzug gegeben."
„Das bestätigt eben meine Meinung, daß da ein Ge- hennmS verborgen ist, welches wir im Interesse Kurts ergründen müssen Gott wolle, daß er diesem Mädchen
Hund anschafft, oder mit einem Hund im Kreise neu anzieht, hat denselben binnen 14 Tagen nach der Anschaffung bezw. nach dem Anzüge bei dem Gemeinde- (Guts-Morstande anzumelden. Neugeborene Hunde gelten als angeschafft nach Ablauf von 14 Tagen, nachdem dieselben aufgehört haben, an der Mutter zu saugen. Jeder Hund, welcher abgeschafft worden, abhanden gekommen, oder eingegangen ist, muß spätestens innerhalb der ersten 14 Tage, nachdem der Abgang erfolgt ist, bei der Ortspolizeibehörde abgemeldet werden widrigenfalls die Steuer, welche für denselben zu entrichten gewesen ist, bis einschließlich desjenigen halben Jahres, in welchem die Abmeldung geschehe», sorlge- zahlt werden muß.
8 6. Von der Steuer sind die Besitzer solcher Hunde frei, die zur Bewachung unentbehrlich sind. Mit dieser Maßgabe tritt die Steuerfreiheit ein:
a) für Hunde, welche auf einzeln liegenden Gehöften die von dem nächsten Gehöft mindestens 200 Meter (Luftlinie) entfernt liegen, gehalten werden.
Werden auf solchen Gehöften me^r als ein Hund gehalten, so tritt Steuerfreiheit für nur einen Hund ein.
b) für Hirtenhunde.
Von der Steuer sind weiter befreit, die im § 40 Abs. 1 Nr. 2 und 3 Commun.-Abg.-Ges. vom 14. Juli 1893 aufgeführten Personen, wenn in dem fremden Staate die Gegenseitigkeit gewährt wird.
§ 7. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften dieser Ordnung ziehen eine Strafe bis zur Höhe von 30 Mark nach sich.
Die in Beziehung auf das Halten von Hunden bestehenden Polizei-Vorschriften werden durch vorstehende Bestimmungen nicht berührt.
§ 8. Gegenwärtige Ordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung an Stelle des (seitherigen) Kreis- hnndefteuerstatuts am 17. März 1894.
Schlüchtern, den 27. März 1907.
Der Kreistag des Kreises Schlüchtern : Valentiner, Albrecht, Wiedemann, Leonh.Schäfer. Vorsitzender Mitglieder.
Vorstehende Steuerordnung wird hierdurch mit dem Hinzufügen veröffentlicht, daß die Genehmigung des Bezirksausschusses unterm 19. 4. 1907 — B. A. 638 — die ministerielle Genehmigung unterm 22. Mai 1907 - Nr. 5247 - erteilt ist.
Schlüchtern, den 4. Juni 1907.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.
»Nicht doch, er erklärte mit, daß er sterben würde, müßte er Koustauze verlieren."
„Uebertreibung; man stirbt nicht so leicht an unglück- Mjer Liebe." ES klang eine unverkennbare Bitterkeit auS Möllenhard» Worten, die er sogleich zu bereuen schien, als er bemerkte, daß Sidonie den Kopf senkte; er fuhr deshalb in herzlichem Tone fort: „Wir haben vor einer größeren Gefahr zu zittern, die den armen Kurt bedroht. Bedenken Sie, Gräfin, daß er sich dem dreißigsten Jahre nähert, dieser verhängnisvollen Epoche für den Man- nesstamm der BeutheimS!"
„Unselige Erbschaft des Blute»!" stöhnte Sidonie.
Beide schwiegen; dann fragte Möllenhard leise: „Und das Geheimnis, ist eS wohlverwahrt?"
,^Jch hoffe es. Nur eine wußte darum, meine Freundin Eruestine."
„Sind Sie sicher, daß BaroninKindler niemand eine Mitteilung gemacht?"
„War nicht sie es, die mit da» Leben gerettet?" ge- genfragte Sidonie vorwurfsvoll.
Der Professor zuckte die Achseln. „Ich glaube an den Heroismus der Frauen gern, weniger an ihre Schweia- samkeit."
Dulderin """ "erstand zu schweigen, sie war eine stille
„Die Dokumente, wo sind sie?"
„Im Geheimfach der FamilienarchivS."
„Besser wäre es gewesen, sie zu vernichten."
„Das durfte ich nicht."
„Hin, Menscheuglück und Menschenleben wiegt mehr als die Rücksicht auf veraltete Familientraditionen."
Die Gräfin ward einer Antwort überhoben; denn der Klang der Speiseglocke ward vernehmbar.
Ein kurzes Lebewohl, ein Rauschen des starren Seidenkleides, dann das Schließen der Tür sagten Franziska, daß beide die Bücherei verlassen.
Noch einen Moment stand sie lauschend, dann flog sie zu dem Tische, auf welchen sie die silberne Schale nieder
1.7725. Der in hiesiger Stadt am 13. Juni l. Js. abzuhaltende Vieh- und Schafmarkt ist zur Vermeidung von Störungen der am 12. d. AW stattfindenden Berufs- und Betriebszählung auf Donnerstag, den 20. Juni l. Js. verlegt worden.
■ Fulda, den 7. Juni 1907.
Der Landrat: (gez) Spri n go rum.
Deutsches Deich.
— Der Kaiser traf am Freitag morgen gegen 6’4 Uhr im Automobil vom Neuen Palais in Döberitz ein, stieg bei Groß-Glienicke zu Pferde und besichtigte das Garde-Kürassier-Regiment und das 3. Garde- Ulanen-Regiment. An die Besichtigung schloß sich eine Gefechts-Aufgabe, deren Durchführung gegen 10 Uhr in der Nähe von Dorf Döberitz endete. Der Kaiser verlieh dem bei der Uebung anwesenden General-Major z. D. von Dittmar den Charakter als Generalleutnant.
— Im preußischen Abgeordnetenhaus« hat die Frage der Teuerungszulagen für Beamte eine recht erfreuliche Wendung genommen. Während der ursprüngliche Nachtragsetat nur Teuerungszulagen für die unteren Beamten vorsah, sind nunmehr aus Grund eines zur Annahme gelangten Antrages der Konservativen, Freikonservativen und des Zentrums, dem der Finanzminister zustimmte, auch für die gering besoldeten Beamten 5 Millionen Mark an einmaligen Beihülfen ausgeworfen worden. Es werden 50 000 mittlere Beamte daran beteiligt sein. Im ganzen sind demnach in diesem Jahre 36 Millionen Mark für Aufbesserung von Staatsbeamten aufgewandt worden, worauf der Finanzninister hinwies als Beweis, daß die gegen ihn erhobenen, Verwürfe, als ob er kein Herz für die Beamten hätte, hinfällig seien. Weiterhin wurden in der Freitagssitzung alsdann noch die Berggesetz-Novelle in der Fassung des Herrenhauses und die Wegeordnung für Posen mit einer redaktionellen Aenderung angenommen. In dem vom Herrenhause zurückgekommenen Gesetzentwurf über die Ausübung des Jagdrechts endlich wurden einige vom Herrenhause beseitigte Bestimmungen wiederhergestellt, so daß dieses Gesetz noch einmal an das Herrenhaus zurückgehen muß.
— Ein Goldregen von über 23 Millionen Mark hat sich soeben über die mittlern und untern Beamten des Reichs ergossen. Auf Verfügung der Zentralbehörden wurden die durch den vierten Ergänzungsetat für 1907 bewilligten außerordentlichen einmaligen Teuerungsbeihülfen von je 150 Mark für mittlere Beamte und von je 100 Mark für Unterbeamte zur
gesetzt, eilte hinaus, und den näheren Weg einschlagend, war sie die erste im Speisesaal, als eben die Glocke zum zweitenmal geläutet ward.
An allen Gliedern bebend, Hochaufatmend, lehnte st« sich an die geschnitzte Säule der hohen Kredenz und preßt« die Hand aufs Herz.
Was hatte sie erlauscht! Welch' düstere» Verhängnis bedrohte das geliebte Haupt Kurt» ?
„Und just in diesem Augenblick trat er herein und näherte sich ihr. Sein Blick glitt über die silberne Schal« mit den Südfrüchten und beut Marzipan und freundlich sprach er: „Schönen Dank, HanSmüttterchen, daß Duan Konstanze gedacht, da» kleine Leckermäulchen lebt ja fast nur von solchen Süßigkeiten."
Franziska sah zu ihm auf, in dem Blick ihrer milden Klnderan^enlag^heuteein ganz anderer Ausdruck: Liebe,
„Was ist Dir, Franziska?" fragte er, teilnahmsvoll ihre Hand fassend, „wie Deine Finger brennen, Du nun test Dir zu viel zu, und opferst Dich für uns auf."
Sie stammelte einige verwirrte Worte, da öffnete sich die Tür und Konstaiize trat ein. Wie schön sie war. Ganz in schwarze Seide gekleidet, das goldschimmernde Haar in losen Locken bis auf die Schultern herabwallend und im Nacken in einen Knoten geschlungen, den ein brillanteng«, schmückter Pfeil zusammenhielt.
Kurt eilte zu ihr hin und half ihr den pelzverbräm- ten Umhang abnehmen, jetzt hatte er nur Augen für sie, und Franziska war vergessen.
Sie fühlte das mit bitterem Schmerze, und ein Gefühl des Neides wallte in ihrem Herzen auf gegen die Fremde, welche ihr alles genommen, und die es so selbstverständ- sich zu finden schien, daß ihr alle huldigten, die Herzen ihr zllflogen. 139,18
Doch gleich darauf machte Franziska sich Vorwürf« über ihre Selbstsucht. Stand nicht Kurts Glück, ja sein Le> den mcf dem Spiele ? Ihr Blick flog zu Gräfin Sidonie und Möllenhard hinüber, sie erschien,» ihr trübe und sorgenvoll.