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SchlüchternerMtun g

mit amtlichem Areisblatt. ^Nonatsbeilage; Lairdmirtschaftlicher Aatgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

32 56. Samstag, den 13. Juli 1907. 58. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 3064 K. A. Die Herren Bibliothekare der Volksbibliotheken mache ich darauf aufmerksam, daß in der N. G. Elwert'schen Verlagsbuchhandlung in Mar­burg folgende sehr empfehlenswerte Bücher zu Vor­zugspreisen erschienen sind:

Cuno, Luise, Konrad von Marburg. Vorzugs

Ein Sucher der Ketzer und ein Mehrer des Christenglaubens. Bilder auS dem 13. Jahrhundert. 318 S- (M. 3) Die Burgen im oberen Hessen. Mit 39 Zeichnungen 152 S. (M. 3) Hessisches Historienbüchlein 191 S. Kart. Israel Heder. Die letzten Homberge Historische Erzählung. Mit einer Ansicht von Homberg a d I. 1608 90 S. (75) Kaiserberg, Moritz von, Der Junker Werner von Brunshausen. Historischer Roman. 329 S. (Behandelt die Toten der hessischen Truppen im Kriege Eng­lands gegen Nordamerika) M. 4) Geschichten aus dem Hessenland 146 S.

preis. 1,50 2,40 1,20

,50

2,50

Kart.

Roth, Chr., Landgraf Wilhelm und Veiten Muhly. Erzählung aus dem 30jäöligen Kriege für die Jugend. Mit 4 Stahlstichen Kart. (M. 1,50)

Sieben Jahre schwerer Zeit Geschichtliche Erzählung aus den Tagen der Freund­herrschaft für Jung u. Alt. Kart, (1,50) Schneider, Emil, Hessisches Sagenbuch- lein. Für Schule und Haus. Mit 21 Abbildungen. 136 S. Uugeb. (M. 1,20)

Kart. (1,50)

Fein gebunden, (1,80) Traudt, Valentin, Leute vom Burgwald. Eine Erzählung aus dem oberhessischen Volksleben. Mit Buchschmuck von Otto Ubbelohde 286 S- (M. 3)

1,50

,50

,50

1.

1,20

1,60

2

3

Gebunden (M. 4)

Ich bin bereit, Bestellungen zu vennilteln und sehe solchen bis zum 1. August cr. entgegen.

Schlächtern, den 6. Juli 1907.

Der Königliche Landrat: Valentin er.

Deutsches Reich.

Der Kaiser ist Donnerstag nacht nach guter Fahrt in Bode angekommen. Das Wetter war meist trübe. An Bord war alles wohl.

Die Gewährung eines Sommerarlaubs an Ar­beiter hat in Deutschland in der letzten Zeit namentlich in den staatlichen und städtischen Betrieben eine immer größere Verbreitung gesungen. Nach derSoz. Praxis" bewilligten 68 «Stadtverwaltungen ihren Arbeitern regelmäßig einen Urlaub unter Fortzahlung des Lohnes. Er regelt sich nach der Dienstzeit der Arbeiter in den städtischen Betrieben. Auch viele staatliche Betriebe ge­währen einen Urlaub, so die Heeres- und ReichSpost- Verwaltung, die preußisch-hessische Eisenbahngemeinschaft und die'sächsische Staatsbahn. In der Privatindustrie bürgert sich der Urlaub ebenfalls mehr und mehr ein. Zum Teil wird er durch Tarifverträge festgelegt. Aus­nahmslos wird der Lohn während des Urlaubes fort- gezahlt.

Die Kgl. Eisenbahndirektion in Halle a. S- warnt die Eisenbahnarbeiter öffentlich vor dem Eintritt in den Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deutschlands. Der Verband verfolge ordnungsfeindliche Bestrebungen und wirke srieden- störend. Der Beitritt zu dem Verbände oder jede Förderung desVerbandes verstoße gegen dieBestimmungen für die Arbeiter und müsse die Entlassung zur Folge haben.

Der Gesetzentwurf 'eines neuen sächsischen Land- tagswahlrechiS ist jetzt zur Veröffentlichung gelangt, der das Königreich Sachsen aus den Nöten befreien soll, in denen es sich in Bezug auf das Wahlrecht seit Jahren befindet- Nach dem Entwürfe sollen künftig von den 82 Abgeordneten der Zweiten Kammer 42 Abgeordnete in geheimer und direkter Wahl, unter Anwendung eines sehr mäßigen Pluralsystems und unter Beibehaltung der bisherigen Voraussetzungen für aktives und passives Wahlrecht, im Wege der Verhältniswahl, die übrigen 40 Abgeordneten aber durch Kommunal- verbände gewählt werden.

Das Einnisten der Polen in Schlesien macht weitere Fortschritte, Neuerdings ist das Rittergut Dalbersdorf im Kreise Greß-Wartenberg, daS kürzlich von dem polnischen Güteragenten Martin Biedermann angekauft wurde, in den Besitz des Grafen Viktor von Czarnecki auf Schloß Gogolewo bei Kröben. Provinz Posen, eines mehrfachen Millionärs, übergegangen. Es ist dem polnischen Agenten Biedermann auch ge­lungen, in den Kreis Namslau einzudringen. Freilich ist es nur ein Bauerngut, das er dort erworben hat, aber dieses Gütchen umfaßt doch immer 400 Morgen.

Der wegen schwerer Beleidigung der deutschen

Schutztruppe zu einem Monat Gefängnis verurteilte Genosse" Geck ist derselbe, der s. Z. mit Hülfe der Nationalliberalen zum Vizepräsidenten der badische» zweiten Kammer gewählt wurde. Das Verhalten des Kammerpräsidenteil in diesem Beleidigungsfalle trägt außerdem den Charakter des Vertrauensbruchs, da Geck eine widerrechtlich aufgenommene Photographie in seinem Blatte reproduziert hat, obwohl sie ihm nur ganz vertraulich gezeigt worden war. Der Badische Block kann auf seinen Vertrauensmann, und die badische Kammer auf ihren Vizepräsidenten stolz sein!

Die Einziehung der Eintalerstücke ist imReich, anzeiger" bekannt gemacht worden. Sie werden nach einer Verfügung des Reichskanzlers vom 1. Oktober 1907 ab außer Kurs gesetzt, aber noch bis zum 30. September 1908 bei den Reichs- und Landeskassen zu dem Wertverhältnisse von drei Mark gleich einem Taler sowohl in Zahlung als auch zur Umwechselung eilige* nominell. Die Verpflichtung zur Annahme und zum Umtausche findet auf durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte verringerte sowie aus verfälschte Münzstücke keine Anwendung.

Ausland

In der luxemburgischen Kammer wurde über die luxemburgische Thronfolgefrage verhandelt und der Gesetzentwurf über das Familienstatut des Großherzogs vom 16. April 1707 mit 41 gegen 7 Stimmen der Sozialisten und bei einer Stimmenthaltung angenommen. Das Statut bestimmt, daß dem Großherzog dessen älteste Tochter in der Krone von Luxemburg sowie als Chef des Hauses Nassau und in dem Besitz und der Nutznießung des gesamten Hausfideikommisses nachzu- folgen hat.

Aus Prag wird von einem Streik der Rechts, Praktikanten in Böhmen berichtet. Die Rechtspraktikanten aller Gerichte Böhmens setzten mit der passiven Resistenz ein, um den Widerstand, den ihre Vorgesetzten der not« wendigen Regelung ihrer Anstellungs- und Besoldungs- verhältnisse entgegenstellten, zu brechen. Die böhmischen Rechtspraktikanten entsprechen in Stellung und Vor» bildung unseren preußischen Referendaren." Jedenfalls dürfte ein Juristenstreik einzig in seiner Art sein.

Zu den Unruhen in Südfrankreich wird weiter gemeldet, daß etwa 100 Moires eine Versammlung abhielten, in der beschlossen wurde, die Tätigkeit nur sann wieder aufnehmen, wenn die Wähler ihr Verhalten billigen sollten und die Regierung im Parlament Ab-

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Die Komödiantin.

Roman von Oswald Benkendorf. 32

Erschauernd machte sie sich loS und bedeckte das Ge- ficht mit den Händen.

Da fühlte sie eine leichte Berührung, Papier knisterte, sie griff danach und hielt die Blätter in ihrer Hand. $anL. Dank!" stammelte Franziska svrteilend. Kurt blickte ihr lange, traumverloren nach.

* *

Am nächsten Tage kehrten die Reisenden von ihrem AuSfluge zurück. Koustanze ganz entzückt von der roman­tischen Lage des Bergschlosses. Mindestens einige Monate im Jahre, so hatte sie erklärt, wollte sie als junge Frau in Bentheim zubringen und Kurt war sehr erfreut darüber.

Im allgemeinen und zumal wenn die Braut nicht zu­gegen, war er merkwürdig still und einsilbig, um3 Gräfin Sidome, die eS bald bemerkte, mit Sorge erfüllte; sie fragte Franziska in unauffälliger Weise, ob Hauptmann Kindler während ihrer Abwesenheit in Wilmenau, oder Kurt in Spangenberg gewesen sei, was Franziska vernei­nen konnte, ohne eine Lüge zu sage». Einen Augenblick war sie versucht gewesen, der Tante Sidouie alles zu ge­stehen und ihr die verhängnisvollen Tagebuchblätter zu übergeben, welche sie unter beut Autographen in dem Bücherpaket gefunden.

Aber dann hätte sie auch der scharfsichtigen Frau die ganze Szene schildern müssen, und bei dem Gedanken schon färbte die Röte der Scham ihr Gesicht. Das verzweifelte Mittel, welches sie angewendet, um Kurt vor großer Ge­fahr zu behüten, mußte für einig ein Geheimnis zwischen ihr und ihm bleiben.

Kurt empfand ähnlich unb hatte deshalb der Mutter von der seltsamen Geschichte nichts erzählt. Desto mehr beschäftigte er sich damit. Das Geständnis Franziskas hatte ihn denn doch tiefer erregt, als man hätte vorauSsehen

dürfen von bem Verlobten KoustanzeS. Es war ja keine Frage, daß er der vou ihm erwählten Braut mit lei- denschaftlicher Liebe anhing, doch verhehlte er sich nicht, daß Koustanze seine Neigung nicht in gleicher Weise er­widerte. Ihre Gefühlsäußerungen hatten etwas Kühles, Gemessenes, würde sie ihm je ein zärtliches Weib wer- den, wie er ersehnt? Ja, hatte sie überhaupt Verständnis für seine Eigenart, sein Seelenleben war der gute Wille, der Vorsatz in ihr lebendig, ihn glücklich zu machen, in der Liebe zu ihm, in ihren Pflichten aufzugehen?

ZnweilcS sagte sich Knrt mit großer Geistesklarheit, daß Koustanze au all dieS nicht denke, daß sie keines Op­fers fähig sei und auch in Zukunft von ihrem Gatten blind- lings geliebt und angebetet fein Ivollte, und doch bese­ligte ih» der Gedanke, daß sie nun bald ganz die Seine werden würde.

Mit Franziska hatte Kurt seit jenen, Abend noch nicht wieder gesprochen, eine gewisse Scheu hielt ihn davon ab, und doch hätte er so gern von ihr mindestens etwas Nä­heres über die Blätter erfahre», die er ihr hatte ein­händige» müsse». Alles war so rätselhaft, daß er sich umso- mehr damit beschäftigte, je weniger er das Geheimnis zu ergründe» vermochte.

Und so verging Tag für Tag, Stunde um Stunde und immer näher rückte der schon einmal verschobene Hoch­zeitstag heran.

Graf Wilmenau ivar mit seinem Neffen nach Span­genberg gefahren, um einer Einladung des Oberst von Perle Folge zu geben, der ein Herrenfrühstück zu bem Zweck arrangiert hatte, um ins klare zu kommen über einige bereits vorbereitete Ueberraschungen und Polier« abeudscherze; denn nach guter, schlesischer Sitte sollte es ein regelrechtes Polterabeudsest geben, sowohl für die Herrschaft, wie für die Schloßdienerschaft und oieBewoh- ner des Dorfes Wilmenau.

Oberst Perle und die Offiziere, welche mit den Wilme- nanS in freundschaftlichen oder mindestens gesellschaftlichen

Beziehungen standen, hatten ein venezianisches Nachtfest geplant und zu dem Zweck sich eine Anzahl der sogenann­ten venezianischen Lampen verschafft, das sind Ballons oder länglich geformte bunte, gepreßte Papierhüllen in deren Mitte eine Kerze oder eine Oellampe befestigt wird. In zierlichen, buntbewimpelten Gondeln sollte eineWasserfahrt auf dem Schloßteich gemacht werden, wozu man zur Gui­tarre unb Mandoline venezianische Volkslieder, echte, un­verfälschte singen würde.

Die Beleuchtung mit solchen bunten Lampen ist von magischem Effekt, man würde den Teil des Parkes damit erhellen, der sich bis hinab an das Ufer des Teiches zieht, welcher von drei Seiten vom Wald begrenzt wird unS nur von der einen Seite an die zum Dorfe gehörigen Wiesen stößt und freie Ans ficht aus das in Grün hübsch eingebettete Dorf Wilmenau bietet.Selbstverständlich wür­den die Herren vom Rnderklnb diesmal im Kostüm ve­nezianischer Gondoliere erscheinen: mit dem buntbebän« derten, breiten Matrosenhut, der kurzen Jacke, der rotodkik blaue», goldbefransten Schärpe. ,,

Von den historischen Gondoliere-Kostümen war, bet Kostspieligkeit halber, Abstand genommen worden.

Oberst Perle unb Leutnant von Zöbitz, Hauptmann von Kindler und zwei der benachbarten Gutsbesitzer bil­deten das Festkon,itee, und hatten es sich angelegen sein lasse», alles auf das beste vorznbereiten. Zu guterletzt mußte man sich aber doch mit den Wilmenauer Herren ins Eiuveruehnien setzen und das Spiel aufdecken, wie der Oberst lachend sagte. Die Hauptsache war ja doch, daß die Neberraschung vor der schönen Venezianerin, füy die sie bestimmt ivar, verborgen blieb bis zu dem festli­chen Abend; denn man mußte eben alles aufbieten, um Konstanze von bem Teil des Parkes fernznhalten, wo manche der nötigen Vorbereitungen schon einen Tag frü­her getroffen werden mußten, dazu gehörte zunl Beispiel der Transport der kleinen Fischerbarke» und deren AuS- schnlückung. 13918