mit amtlichem Kreisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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,M 58. Samstag, den 20. Juli 1907. 58. Jahrgang.
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Deutsches Reich.
— Eine Begegnung des Kaisers mit dem norwegischen Königspaare ist wahrscheinlich geworden. König Hatoon und Gemahlin fuhren nach einer Meldung der „Voss. Ztg." Dienstag nach Droulheim, um die Nordlandöresie anzutreten. Da diese Reise bis nach Wardö gehen wird, so erscheint eine Begegnung des KönigspaareS mit dem deutschen Kaiser nicht unwahrscheinlich.
— Der Kaiser begab sich am Montag sofort nach der Ankunft in Lromsö um 3 Uhr nachmittags an Bord der „Albion" des Fürsten von Monaco, wo zu Ehren des Kaisers Tafel stattsand. Der Fürst segelte Dienstag nach Spitzbergen.
— Der vierte Sohn des Kaisers, Prinz August Wilhelm, der im Januar sein 2o. Lebensjahr vollendet hat, wird im Herbst d. J. die Straßburger Universität beziehen und einen Teil des Palastes bewohnen. Zu diesem Zweck werden jetzt im Straßburger Kaiserpalais bauliche Veränderungen vorgenommen.—
— Der neue Gouverneur von Südwestafrika, von Schuckmann wird mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern am 25. Juli die Reise nach Swakopmund antreten, wo er am 16. August die Gouvernements- geschäste übernehmen wird. Seinen Hausstand in Deutschland hat er vollständig aufgelöst, sein bei Arus- Walde gelegenes Gut, das er vor 10 Jahren für 110 000 Mk. angekauft hat, hat er für 190 000 Mk. verkauft.
— In Kofel fand die hundertjährige Gedenkfeier der Verteidigung der Festung Kofel statt. Als Ehrengäste waren anwesend Major v. NeumaM-Kosel als Vertreter des Kaisers, der kommandierende General des 6. Armeekorps v. Wohrsch, der Oberpräsident v. Zed- litz-Trützschler und die Nachkommen des Verteidigers von Kofel. Bürgermeister Kreniser hielt eine Begrüßungsansprache, Gymnasialdirektor Schwarzkopf die Festrede, welche mit einem Hock) auf den Kaiser schloß. Flügcladjntant Major von Neumann leiste bei der Enthüllung eines Gedenksteines einen Kranz des Kaisers nieder.
— Die Ansiedelungskommisfion erwarb von dem Fabrik- und Gutsbesitzer Bischofswerder ein Areal von 268 Morgen, das dicht an der Kreisstadt Wongrowitz liegt und auch an die Königliche Forst grenzt. Auf dem Gelände sollen 50 bis 60 Arbeiterfamilien mit je 4 bis 5 Morgen angesiedelt werden; der nicht verwendbare Teil der Fläche soll dem FÄstsiskus verkauft
werden. Ueber die von der Ansiedelungskommisfion geübte Methode der Arbeiteransiedelung sprach sich auch der Landwirtschaftsminister von Arnsm-Criewen bei der Besichtigung der in den Kreisen Posen-West und -Ost sowie der im Kreise Znin gelegenen Ansiedelungsgüter anerkennend aus. Bekanntlich ist der Minister gerade darin besonders erfahren.
— An der Königsberger Universität ist eine Vereinigung polnischer Studenten entdeckt worden. Allem Anschein nach handelt es sich um eine geheime Verbindung ; die Strafe der Relegation wird daher wohl nicht ausbleiben.
— Im Sokolprozeß gegen Herrn von KoScielski hat das Kammergericht der Revision der Staatsanwaltschaft gegen das freisprechende Urteil des Landgerichts Snejen in allen Punkten stattgegeben. Daß sreisprecheude Urteil wurde aufgehoben und die Sache zur erneuten Verhandlung an das Landgericht zu Posen überwiesen.
— Der Kultusminister hat jetzt den Oberpräsidenten die Grundsätze zur provinziellen Ausgestaltung der Naturdenkmalpflege zugehen lassen. Danach soll zunächst für jede Provinz ein P ovinzialkomitee gebildet werden, wozu nach Bedarf noch BezirMomitees für die Regierungsbezirke oder Landschaftskomitees für sonstige größere Bezirke treten. Außerdem ist es erwünscht, daß von den schon bestehenden naturwissenschaftlichen und anderen Vereinen die Förderung der Naturdenkmalpflege übernommen wird. Die Komitees werden im Wege freier Verständigung gebildet, wobei ali? Mitglieder vornehmlich Vertreter der zuständigen Behörden und der beteiligten wgjcuschöstlichen Anstalten und Vereine sowie besonders interessierte Privatpersonen in Betracht kommen. Für jedes Komitee wäre etwa ein Vorsitzender und ein Geschäftsführer, am besten ein naturwissenschaftlich durchgebildeter Fachmann zu wählen, deren Tätigkeit eine ehrenamtliche ist. Die Komitees haben mit der Staatlichen Stelle für Naturdenkmal- pflege dauernde Verbindung zu halten und deren Wünsche nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Der Minister hält es für wünschenswert, daß die Herren Oberpräsidenten bzw. Regierungspräsidenten selbst den Vorsitz der Provinzialkomitees bzw. Bezirkskomitees übernehmen.
Ausland
— Die Wiener „N. Fr. Pr." stellt auf Grund bester Jnsormatidn Verlängerung des Dreibundes fest. Da eine Kündigung, die im Juni d. J. hätte erfolgen können, von keiner der drei Mächte ausgesprochen ist,
so laufen die Verträge unverändert bis 1914 weiter- Wenn auch diese Entwickelung nach Aeußerungen namentlich von italienischer Seite schon seit einiger Zeit so gut wie völlig sicher war, so ist doch die vollendete Tatsache nicht ganz ohne aktuelle Bedeutung.
— Aus Prag wird das Ende des böhmischen Rechtspräklikautenstreiks gemeldet. Die jungen Juristen, die seit etwa einer Woche passive Resistenz übten, haben diese Resistenz eingestellt und arbeiten seither normal.
— In Agram ist eine von der kroatisch-serbischen Koalition verfaßte Proklamation an das kroatische Volk erschienen. Darin wird u. a. erklärt, daß die kroatisch-serbische Koalition mit allen Mitteln gegen die Einführung der ungarischen Sprache auf dem Territorium des Königreichs Kroatien und überhaupt gegen die Herrschaft der Magyaren über Kroatien sümpfen werde. Ferner wird die Koalition die Revision des 1868 zwischen Ungarn und Kroatien abgeschlossenen Ausgleichs energisch anstreben und einen neuen Ausgleich nur auf einer solchen Basis eingehen, daß die Selbständigkeit und Freiheit des Königreichs Kroatien in jeder Beziehung gewährleistet wird.
— In Rom ist auf Anordnung des Senatspräsidenten die Verhaftung des früheren Ministers Nasi erfolgt. Die Verhaftung machte um so tieferen Eindruck, als Nasi durch das neuerhaltene Deputicrienmandat immun geworden ist. Nasi protestierte sofort gegen die Ver- . Haftung, natürlich zunächst ohne praktischen Erfolg.
— Bei der Einweihung des Garibaldi-Denkmals in PaZs hj.lt der französische Minister des Aeußern Pichon eine Rede, in der er ausführte: Die heutige Kundgebung gestattet Frankreich und Italien, ihre Freundschaft feierlich zu bekräftigen. Wir sind Freunde, fuhr der Redner fort, weil wir nirgends Interessen begegnen, die im Widerspruch zu den unsrigen stehen, weil wir das nämliche Ideal der Unabhängigkeit und Gerechtigkeit und den gleichen Wunsch haben, mit allen Völkern in Frieden zu leben. Das französisch-italienische Ucbereiiitommen ist geboten aus gemeinsamen Erinnerungen und durch beider Rationell Patriotismus.
— Die Nachrichten über Greueltaten der russischen Revolutionäre wollen kein Ende nehmen. In das Haus eines reichen Hausbesitzers in Warsckau, der eine Forderung der Terroristen von 1000 Rubeln abgelehnt hatte und aus Warschau entflohen war, wurde eine Höllenmaschine geschleudert, die den Treppenraum zerstörte und viele Türen und Fenstern sprengte. Der Materialschaden ist groß. Verletzt wurde niemand. In
Die KsmödMKtm.
Roman von Oswald Benkendorf. 34
Selbstverständlich hätten Viele der Töchter EvaS. die Wirtschafterin Julie Haber und die jungen Dienerinnen auf dem Schlosse nicht ausgenommen, sich der gleichen .Gunst gerühmt, nur war gerade jetzt so viel zu tun, es war unmöglich abzukommen, man mußte warte» bis zum Feste, vielleicht fand sich da Gelegenheit, eine Frage an das Schicksal zu richten und einen Blick in die Zukunft zu tun.
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DaS Brautkleid war angekommen, ein Wunderwerk aus weißem Brokat, Spitzen, Tüllwolken unb Drangen- bluten kunstvoll zusammengesetzt und Konstanze war ganz entzückt davon und ließ den Karton in ihr Zimmer tragen, um das Kleid mit Hilfe TheaS anznprvbieren in aller Ruhe, die übrigen, Gräfin Schonte und Franziska hatten nämlich nochw viel anzuordnen und zu schaffen, daß sie sich damit begnügt, diese Kunstleistmig bc» ersten Breslauer Damenschneider-Ateliers nur flüchtig zu bewundern.
Desto mehr Zeit nahm sich Konstanze, und wie sie so vor dem großen Ankleidespiegel stand, ganz versenkt in das Anschoven, überkam es sie doch tute heimliche Angst, daß dieser holde Märchentranm zerrinnen, und sie als Aschenbrödel erwachen könne am rußigen Küchenherd im kieinenHausederPonte di Carmini.
Ein halbnnterdrückter AnSrnf der Bewunderung weckte sie jäh auS ihrer Träumerei. Thea kniete aus dem Teppich, hatte die Spitzen des Besatzes znrcchtgeznpft und blickte nun mit dem Ausdruck des Entzückens zu der schönen Herrin auf.
Konstanze verstand in den Zügen der Menschen zu lesen und hier erkannte sie auf den ersten Blick, daß die Bewunderung ihrer neuen Kammerzofe eine aufrichtige )ti- Thea war überhaupt ein liebes, gutes Kind, die Waise
des früheren Försters von Wilmenau, und jetzt zu ihrer großen Freude dazwbestimmt, in den' Dienst der jungen Frau zu treten. Obgleich Konstanze zuweilen recht uu- nahbär sein konnte, wenn es galt, denen zu imponieren, die sie im Verdacht heimlicher Gegnerschaft hatte, so war sie andererseits schnell gewonnen, zeigte man ihr Liebe und Bewunderung. Dann machte sich, wie eben jetzt das Bedürfnis geltend, als jnnges Mädchen mit gleichalterigen ihres Geschlechts zu plaudern. Zu Franziska, der Base, fühlte sie sich nicht hingezogen, weil sie instinktiv heransgefnnden, daß diese Dame in ihr eine Nebenbuhlerin erblickte. Da gefiel ihr die kleine Thea viel besser, welche die Gunst zn schätzen wußte, daß die Herrin mit ihr plauderte. In Venedig hatte sie zwei Freundinnen gehabt, junge, lustige Brünetten, Töchter eines armen Magistratsbeamten, ohne höhere Bildung, dazu langte die'schmale Besoldung des Vaters nicht, waren es doch liebe, brave Mädchen gewesen, mit denen es sich gut plaudern ließ Sie Wußten allerlei zu erzählen, denn sie waren geschickte Spitzenklöpplerinnen und erwarben sich ihr' Brot, indem sie in der renommierten Spitzenfabrik im CompoFilippo e Giacomo arbeiteten. Jede Woche hätte i Konstanze ins Lotto gesetzt mit Clandine und Barbara und oft einen „Ambo" gemacht ; denn Clandine besaß ein Horn ans Koralle, das bringt Glück und schützt mich gegen den bösen Blick, während Barbara, die davon träumte eine reiche Heirat zn machen, stets einen Magnet bei sich trug.
„Das zieht die Freier an," hatte Patronilla, die kluge Griechin, beu Mädchen anvertraut, daran war kein Zwei- sel, und in Wahrheit glaubten es auch alle drei; denn die „Strega" (Zauberin) hatte ihre Kunst schon vielfach betätigt und dann weiß jedermann in Venedig, daß die griechischen Zauberinnen von jeher in der Lagnnenstadt, bei hoch und gering geschätzt wurden.
Thea nun wußte ebenso unterhaltend zu plaudern wie Clandine und Barbara, und abergläubisch war sie gleich
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den jungen Venezianerinnen. Sie hatte der Herrin die interessante Geschichte Dom Schloßgespenst in Bentheim erzählt und zudem alle irgend existierenden Sagen von Rübezahl, vmn Fürsten des Riesengebirges. Jetzt, beim Umkleiden, berichtete sie von Maja, der Zigeunerin, welche mit dem fahrenden Volke gekommen sei und eS so trefflich verstand, ans den Karten oder dem Kaffeesatz Zukünftiges zu verkünden, ach, Thea hätte ja seelenSgern gewußt, ob der junge Förster, der ihre schüchterne Neigung zu erividern schien, ihr vom Schicksal bestimmt fei, aber Fran Haber war sehr streng, sie hatte eS verboten, man bürste nicht zur Gemeindewiese gehen, wo der grüne Wagen mit den Zirknslenten Unterkunft gefunden, zudem ivaren ja auch jetzt die Herren an» Spangenberg, dasFestkvmitee dort beschäftigt und heute zumal sollte eine, Jllumiuativnsprobe der Parkes stattfinden und . . .
Da hielt die kleine Schwätzerin erschreckt inne, nun hatte sie doch zuviel gesagt und der Herrin verraten, was derselben Geheimnis bleiben sollte.
Konstanze blickte erstaunt auf und jetzt folgten eine Reihe Von Fragen, die Thea, plötzlich sehr kleinlaut ge- worden, notgedrungen beantworten mußte.
Also Oberst Perle plante ein venezianisches Nachtfest mit Gondelsahrt auf dem Teiche, wenn diese Gondeln auch nur schwarz augestrichene und mit einer Felze au» Pvppe versehene Fischerkähne waren. Der an den Teich stoßende Teil des Parkes sollte mit bunten Lampen versehen werden, nein, mit Papierlaternen, die von weither verschrieben worden und heute schon zum großen Teil an den niedrigen, noch ein wenig kahlen Siesten der Bäume befestigt Werben waren.
Wer die Papierlaternen gebracht? Leutnant von Zü- bitz, in zwei leichten Holzkisten, welche im Wirtschaftsgebäude verwahrt worden seien, und wer hatte die Laternen wieder fortgeschafft? Immer der nuermüdliche Leut- nant von Zübitz, er und Oberst Perle seien auch heute den ganzen Vormittag tätig gewesen. 139,18