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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
eM 79. Mittwoch, den 2. Oktober 1907. 58. Jahrgang.
Bekanntmachung.
Das Königliche Meldeanit befindet sich vom 1. Oktober d. Js. ab in dem neuen Kreishause zu Gelnhausen au der Barbarossastraße.
Meldestunden sind. an Werktagen von 8 bis 12 Uhr, vormittags, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 12 Uhr niittags.
Stenglein,
Major z. D. und Bezirksoffizier
Bekanntmachung.
Für die Schutztruppe für Südwest-Afrika werden freiwillige Mannschaften, welche der Schutztruppe be- reits angehört haben, sowie Mannschaften der Reserve aller Waffen angenommen.
Gebührnisse wie Sckutztruppe.
Dienstvetpflichtung 3'/2 Jahr.
Zum Eintritt bereite Mannschaften haben sich bis spätestens 22. Oktober d Js. beim zuständigen Bezirksfeldwebel zu melden, bei dem auch die näheren Bestimmungen eingesehen werden können.
Den nach Ablauf ihrer Dienstverpflichtung bei der Schutztruppe, behufs Ansiedelung im Schutzgebiet verbleibenden Mannschaften können unter Umstände folgende Vergünstigungen gewährt werden:
1) Den ausgeschiedenen Schutztruppenangehörigen wird, falls sie auf Heimbeförderung verzichten und sich verpflichten, als Ansiedler im Lande zu bleiben, das Heimreisegeld als Ansiedelungsbeihülfe gezahlt.
2) Ausgcschiedene Schutztruppenangehörige werden beim Kaufe von Regierungsland hinsichtlich des Preises bevorzugt, wenn sie ein eigenes Vormögen von mindestens 2000 Mk. »ackweisen können.
3) Diejenigen ausgedienten Schutztruppenange- Hörigen, welche auf eigener Farm wohnen, können ein unverzinsliches Darlehen bis zum Höchstbelrag von 6000 Mk. bewilligt erhalten und finden hierbei gegen« über anderen Bewerben« in erster Linie Berücksichtigung.
Es wird bemerkt, daß selbstverständlich auf diese Vergünstigungen ein rechtsverbindlicher Anspruch nicht besteht.
Bezirks Kommando Hanan.
Beglaubigte Abschrift
Auf Ihren« Bericht vom 24. August d. Js., bestimme Ich, daß die Verwaltungsbezirke der Eisenbahn- direktionen iri Mainz und Frankfurt a. M. mit den« 1 Oktober d. J. nach Maßgabe der anliegenden Nach-
Untrennbare Kerzen.
Roman von Dtmar Wilms. 9
„Bor vier Tagen sagtet Ihr mir, ich solle Euch noch drei Tage Zeit lasse», weil Ihr den Paß für mich noch nicht erhalten hättet; heute fragt Ihr, was ich von Euch wolle, morgen werdet Ihr mir, ohne mich nur anzuhören, die Türe iveisen; ich kenne Euren Charakter und weiß, wie Ihr mit denen umspringt, gegen die Ihr Verpflichtungen habt."
Der Rechtskonsulent erhob sich, nahin ein Päckchen Banknoten aus seinem Pulte und hielt dasselbe dem Vagabunden hin. „Ich weiß, was ich versprochen habe, und werde mein Wort ebenso halten, wie eS mir gehalten worden ist," entgegnete er zornig. „Ihr wißt selbst, daß ein späteres Testament des Wucherers vorhanden ist, daß mir nur die Hälfte seines Vermögens nach Verlauf von fünf Jahren zufällt. wenn ich alsdann noch unter den Lebenden bin. Wißt Ihr, was ich durch diese Sinnesänderung eines Wahnwitzige«« verlor? Die Siegel sind heute abgenommen und die Schränke geöffnet worden, die ganze Hinterlassenschaft beträgt nicht weniger als sünfmalhun- derttausend Taler, und nur Euch habe ich den Verlust der Hälfte dieser Summe zu verdanken."
„Mir?" fragte Tümpling erstaunt, den zornfunkeln- den Blick des Rechtskonsnlenteu fest aushaltend; „mir wollt Ihr die Schuld aufbürden?"
„Ja Euch," brauste Geier auf. „War't Ihr eS nicht, der mich bewog, das Siegel des Testaments zu lösen, und mich dadurch veranlaßte, den alten Wucherer, den Ihr einer Sinnesänderung nicht fähig hieltet, zu vernachlässigen? War't Ihr es nicht, der mir riet, jenen Prozeß absichtlich den Gegner gewinnen zu lassen, um WesthauS ins Grab zu ärgern, he? Eure guten Ratschläge, denen ich leider Gehör gab, kosten mich zweimalhundertfünfzig- tausend Taler. Ja, hättet Ihr Euch nicht inS Bockshorn tagen lassen und den projektierten Einbruch vor einem ^Aahre wirklich ausgesührt, ständen die Suchen auch besser.
weisung anderweit abgegrenzt werden. Dieser Erlaß ist durch die Gesetzsammlung zu veröffentlichen.
Münster W., den 1. September 1907.
gez. Wilhelm R. gegengez. Breitenbach.
An den Minister der öffentlichen Arbeiten.
Für richtige Abschrift.
(88.) gez.: Schäppler.
Geheimer Kanzleisekretär.
Aenderungen
der Verwaltungsbezirke der Eisenbahndirektionen in Mainz und Frankfurt a. M. am 1. Okt. 1907
SifenBafin- äire^io«
Zugang
Bahnstrecken
Abgang und Bahnhöfe
Mainz
Wiesbaden, Niedern- hausen, Dotzheim- Langenschwalbach
Bahnhof Goldstein, Bahnhof Jsenburg nebst der Nebenbahn Jsenburg-Neu-
Jsenburg.
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Bahnhof Goldstein,
Wiesbaden-Niedern-
sini a. M.
Bahnhof Jsenburg nebst der Nebenbahn Jsenburg-Neu- Jsenburg
Hausen, Dotzheim- Langenschwalbach.
Großherzog Friedrich von Baden t-
Nunmehr ist auch der letzte der Mitbegründer des neuen Deutschen Reiches, der greise Großherzog Friedrich von Baden, in die Ewigkeit abberufen worden. Er hat ein Alter von 81 Jahren erreicht. Im deutschen Vaterlande und weit über dessen Grenzen hinaus, wo immer deutsche Herzen schlagen, hat diese Trauerkunde in den weitesten Kreisen unseres Volkes die innigste Teilnahme hervorgerufen, war der Ver» eivigte doch ein Fürst, dessen kerndeutscher Sinn ein langes Leben hindurch ihi« unbeirrt auf Bahnen geleitet hat, die zu Heil und Ruhin der Nation führen sollten. Ein klarer Geist und ein warmes Gemüt fanden sich in dem dahingeschiedenen Herrscher des gesegneten badischen Landes zu furchtbarein Bunde zusammen, dessen schöpferisches Wirken mit dem Werdegänge unserer Nation aus tiefster Zerrissenheit und Schwäche zu machtvoller Entfaltung der in ihr schlummernden Kräfte immerdar eng verknüpft bleiben wird. Ehrsurchtge- bietende Hoheit und herzgewinnende Güte vereinigten sich in der Erscheinung des Großherzogs Friedrich zu harmonischem Einklang und verliehen ihm die wahrhaft
damals war es noch Zeit, heute ist es zir spät. Wie mir Wort gehalten ist, will ich mein Versprechen auch erfüllen; hier habt Ihr die Hälfte von dem, was ich Euch verhieß, zweitausendfünfhundert Taler und den Paß fürs Ausland.
Nehmt daS Geld und laßt Euch ferner nicht mehr hier sehen, denn Euer Anblick wird mich stets daran erinnern, waS ich durch Eure Schuld verloren habe, und dies könnte mich vielleicht veranlassen, eine Vergeltung zu üben, die Euch unangenehm wäre."
Tümpling hatte die Banknoten genommen und sich von seinem Sitze erhoben. Eine Weile sah er den Rechtskonsulenten, dessen Antlitz erdfahl wurde, stier an, dann glitt plötzlich ein teuflisches Lächeln über seine verzerrten Züge, und nahe an Geier herantretend, erwiderte er mit fester, scharf markierter Stimme. „Ihr seid ein größerer Schurke, als ich vermutete, Geier. Glaubt nicht, daß Ihr mich so wohlfeilen Kaufs lo» werdet, ich verlasse weder Europa, noch diese Stadt, und nun ich weiß, daß mein Anblick Euch Aerger bereitet, werdet Ihr mich jeden Tag nicht eimnal, nein zehnmal sehen. Müßte ich Euch deshalb auch in den GerichtSsaal folgen, ich werde meine Antipathie gegen den- selben zu überwinden suchen. Ich bin nicht so undankbar, wie Ihr; für das Geld, welches Ihr mir eben eingehän- digt habt, will ich Euch eine Nachricht mitteilen, deren Wert die Summe übersteigt, eS ist die, daß die Tochter deS alten Wucherers, die Ihr seit achtzehn Jahren im Grabe wähnt, noch lebt!"
Der Rechtskonsulent stieß unwillkürlich einen Schrei der Bestürzung aus. Den Blick stier auf den Bagabun- ben gerichtet, der hämisch lächelnd auf ihn niedersah, faßte seine Rechte krampfhaft die Lehne deS Seffels, seine Knie brachen und ein konvulsivisches Zittern ergriff seinen Kör- per. Doch nur einen kurzen Augenblick hielt diese Gemüts- erschütterung an, der tote Glanz der Augen belebte sich, der Körper richtete sich wieder auf und mit fester Stimme, der nur ein feiner Beobachter anmerken konnte, daß ihre Ruhe erkünstelt und gezwungen war, versetzte Geier, sich
fürstliche Gabe, auf den Höhen zu wandeln und sich doch in naher lebendiger Fühlung mit den Wünschen und Bedürffnissen des Volkes zu halten. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang ein in der Fürsorge für sein Land nie erlahmender Herrscher, hat Großherzog Friedrich dessen Glück und Wohlfahrt in der innigen Verknüpfung mit den Geschicken des geeigneten deutschen Vaterlandes gesucht und ohne Zaudern die Opfer gebracht, die notwendig waren, um das Deutsche Reich in neuem Glänze erstehen zu lassen.
Schon auf dein Frankfurter Fürstentage bekannte sich Großherzog Friedrich zu Preußen, und als nach dem deutschen Kriege 18&6 der Tag der Einigung Deutschlands zu grauen begann, war Badens Herrscher bei der Eröffnung des badischen Landtages einer der ersten, die öffentlich Zeugnis ablegten von deut festen Willen, das durch die jüngsten Geschehnisse erweckte Nationalbewußtsein nicht wieder in die Dämmerung unheilvollen Haders und trauriger Ohnmacht zurücksinken zu lassen. Als dann die entscheidende Stunde unserer nationalen Entwickelung schlug, sah Großherzog Friedrich den kommenden Entscheidungen ohne Zagen entgegen, obgleich sein Land mit in erster Linie dem Anprall der feindlichen Heeresmassen ausgesetzt war. Mit freudigster Hingebung betätigte er während des großen Krieges seine deutsche Gesinnung und nahn« an der Errichtung des neuen Kaisertums lebhaften Anteil. Noch bevor die Verträge, auf denen das Deutsche Reich beruht, sämtlich genehmigt waren, begrüßte Großherzog Friedrich am 1. Januar 1871 in Versailles seinen königlichen Schwiegervater als Oberhaupt des deutschen Kaiserreichs, bezeichnete die Kaiserkrone als die Bürgschaft unwiderruflicher Einheit und erinnerte an das Wort Friedrich Wilhelms IV.: „Eine Kaiserkrone kann nur auf deut Schlachtfelde errungen werden". Dieses Wort habe sich nun glänzend erfüllt. Das deutsche Heer habe unter des Königs Wilhelm glorreicher Führung die Einheit der deutschen Nation gegen den äußern Feind erkänipft, und das ehrwürdige Deutsche Reich erstehe in verjüngter Kraft. Und am Tage der Kaiserproklamation war es wiederum Großherzog Friedrich, der im Namen der verbündeten Fürsten das Hoch auf den Kaiser ausbrachte.
Für das deutsche Heerwesen hat der verewigte Großherzog stets liebevolle Teilnahme bewiesen. Als Generalinspekteur der 5. Armeeinspektion ist er mit den Entwickelungen unsrer Armee in engster Fühlung gewesen und hat sein Interesse für die nationale und erziehliche Bedeutung des Heeresdienstes und des
verächtlich umwendend: „Narrenspossen! Wäre jene Behauptung wahr, würdet Ihr nicht bis heute gewartet, sondern vor Jahren schon versucht haben, aus ihr eine ergiebige Geldquelle für Eure Habsucht zu schaffen. Geht, mich zu überlisten, seid Ihr nicht klug genug, hütet Euch aber, die Geheimnisse, welche unS leider aneinanderketten, auch nur mit einer Silbe zu verraten, die Folgen würden Euer Haupt allein treffen."
Tümpling knöpfte gelassen den Rock zu und setzte seine Mütze auf. „Pah, daß ich ein Narr wär'," sagte er achsel- zuckend: „Ich werde die Geheimnisse besser hüten, alS Ihr, schon aus dem Grunde, weil sie für mich, wie Ihr eben bemerktet, eine Geldquelle sind. Ob Ihr meiner Behauptung, daß die Tochter des Wucherers noch lebe, Glauben schenken wollt oder nicht, steht in Eurem Belieben, vielleicht sprechen mir später noch einmal über diesen Punkt, der Euch noch sehr viel zu schaffen machen wird, Adieu!"
Geier öffnete selbst dem Vagabunden die HauStüre, ließ seinen Schreiber, den er vor derselben antraf, «in und kehrte dann in sein Kabinett zurück.
Eine Weile blieb er sinnend am Fenster desselben, wel- cheS auf einen kleinen, gepflasterten, mit Schutthaufen und zerbrochenen Geräten angefüllten Hof führte, stehen.
Die Worte Tümplings ließen ihn nicht so gleichgültig, als er diesem gegenüber sich den Anschein gegeben hatte, und je länger er über dieselben nachdachte, desto «nehr fühlte er die Sicherheit schwinden, mit der er bis jetzt darauf baute, daß das Kind des Wucherers nie wieder zum Vorschein kommen werde. Ihm schwindelte vor dem Gedanken, daß dies geschehen und er auch um die letzte, nicht unbeträchtliche Hälfte der Erbschaft gebracht werde» könne.
„Ich war ein rechter Tor," murmelte er, „daß ich dem Schurken vertraute, wehe ihm, wenn er mich getäuscht hat!"
Er wandte sich um, trat an sein Schreibpult, und fc5< rasch einige Worte nieder.