Einzelbild herunterladen
 

SchlilchternerMung

mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

<M 85. Mittwoch, den 23. Oktober 1907. 58. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 4689 K.-A. Ich sehe mich veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß Anzeigen über Grundstücks-Eigentums- veränderungen von den Umsatz-Steueerpflichtigen inner halb 2 Wochen bei dem Gemeindevorstand zu machen sind und daß die Nichterfüllung dieser Anzeigepflicht nach § 13 des im Kreisblatt Nr. 29 für 1907 ver­öffentlichten Kreisstatuts, eine Geldstrafe bis zu 30 Mk. nach sich zieht.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich, die Eingesessenen ihres Bezirks durch wirderholte ortsübliche Bekanntmachung (Ortsschelle) hierauf hin­zuweisen.

Schlücytern, den 19. Oktober 1907.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

^rsar^

Wo nur deutsche Laute klingen, Treu man pflegt Familiensinn,

Hört das laute Lob man singen

Der erhabnen Kaiserin.

O, in Deutschlands Blumenauen,

Die an Holden Frauen reich,

Bist als Rose Du zu schauen,

Knospenvoll, der keine gleich.

Wo nur deutsche Mütter wohnen,

Deutsche Liebe schmückt das Haus,

In den Hütten, auf den Thronen

Schaut man nach der Höhe aus,

Wo des Landes Mutter wallet

Auf dem kaiserlicheil Thron,

Für das Reich die Hände faltet,

Jeder Tugend spendet Lohn.

Wo nur rinnen Leidenszähren,

Einsam Not und Sorge klagt.

Mußt Du liebreich Hills' gewähren

Richten auf, was lief verzagt,

Gott die Herzen zu gewinnen,

Ist Dir heil'ge Fürstenpflicht,

Heilands Ehren gilt Dein Sinnen,

In das Dunkel bringst Du Licht.

Noch in fernsten Tagen preisen

Wird Dich, Kaiserin, die Welt

In der lieblichsten der Weisen,

Dich, Luisen gleich gestellt,

Wie aus Schleswig, Deutschlands Norden,

Zum Geschenk dem neuen Reich

Einst ein Rosenstock geworden,

Uns zum Segen ohn' Vergleich.

Zum Geburtstage der Kaiserin.

(22. Oktober.)

Unsere Kaiserin Auguste Viktoria feiert heute den Eintritt in ein neues Lebensjahr, und überall im deutschen Lande begegnet dieser Tag aufrichtigster Teilnahme; denn die hohen Tugenden, welche unsre Kaiserin schmücken, sichern ihr die treue Zuneigung des Volkes. In vorbildlicher Weise leuchtet das glückliche und gesegnete Familienleben unsres Kaiser­hauses hinaus in die Lande; unsre Kaiserin sieht es als ihre erste Aufgabe an, ihren, hohen Gemahl eine verständnisvolle Gefährtin, und ihren Kindern eine treusorgende Mutter zu sein.

Ist sie so der beglückende Mittelpunkt ihres Familienkreises, so erstreckt sich doch ihre Liebe und werktätige Fürsorge weit über denselben hinaus. Sie ist eine wirkliche Landesmutter im schönsten Sinne des Wortes, die an Leid und Freud ihrer Landeskinder den reichsten und liebevollsten Anteil nimmt. Tränen trocknen, Leiden lindern, Kirchen zur Ehre Gottes erbauen oder Häuser errichten, wo christliche Barm­herzigkeit Not des Leibes oder der Seele heilen soll, das ist ihr liebes Tun. Besonders herzerfreuend zeigt sich die Freundlichkeit der Kaiserin, wenn sie die Säle der Krankenhäuser besucht, mit liebevollem Zuspruch die Leidenden tröstet und ihnen hilft, soweit sie kann. Die evangelischen Diakonissen hat sie besonders ins Herz geschlossen. Wie herrlich redet sie mit ihnen beim Besuche der Diakonissenhäuser!

In aufrichtiger Frömmigkeit betätigt sie sich als wahre Christin und wirkt durch die von ihr begründeten oder von ihr mit wärmstem Interesse verfolgten und unterstützten Liebeswerke und Bestrebungen in reichstem Segen. Dem Werke der Inneren Mission ist sie eine warmherzige und tatkräftige Förderin. Sie steht an der Spitze des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins, der namentlich zur Hebung des kirchlichen Lebens in den gefährdeten großen Städten und in den Jndustriebe« zirken beitragen will und dabei bereits in der Tat Großes erreicht hat. In einem Briefe an den Vor- sitzenden dieses Vereins hat die Kaiserin einmal ihre Stellung zu dessen Arbeit mit den schönen Worten gezeichnet:Nach allen Kräften werde ich bemüht sein, der Arbeit des Glaubens und der Liebe, die in unserm Volke zur Linderung des äußeren und inneren Elends bereits geschieht, mich dienend und anregend anzuschließen, um meine Pflicht gegen Gott und Menschen zu erfüllen. Möchte allen verneinenden und

zersetzenden Bestrebungen gegenüber unsere gemeinsame Arbeit auf dem Grunde des göttlichen Wortes und in treuer Nachfolge unseres Herrn gesegnet sein, Wunden zu hsilen, Barmherzigkeit zu üben, Frieden zu stiften und so das Böse mit Gutem zu überwinden". Und als Lbgesandte aus der Rheinprovinz ihr eine Pracht- bibel für die Kaiser Wilhelm-Gedüchtniskirche in Berlin überreichten, sprach die fromme Frau die schönen Bekeiintnisworte:Mit der Bibel stehe ich und falle ich, damit fällt unser ganzer Staat, unser ganzes Haus."

So faßt unsere Kaiserin als eine heilige Aufgabe das hohe Amt auf, das ihr an ihres kaiserlichen Gemahls Seite geworden ist, und recht aus dem Herzm summt es ihr, ungezwungen, freiquellend und frisch, dem Lande eine wahre Landesmutter zu sein. Daß das Regieren das Amt ihres hohen Gemahls ist, vergißt sie nicht, und so hoch sie steht als Deutsche Kaiserin, niemals streckt sie die Hand nach Höherem aus als nach dem Recht und nach der Arbeit der Hausfrau und Landesmutter. Darum begleiten auch tausend und abertausend herzliche Wünsche für das fernere Wohlergehen unserer Kaiserin das heutige frohe Fest, das mit dem Hohenzollernhause das ganze deutsche Volk feiert, einig in dem Wunsche:

So, gottgesegnet, fahre fort

In Deinem stillen Liebesmühen!

Und wenn Dir heut' an jedem Ort

Zum Freudenfest die Herzen glühen,

Wenn Dich der Wünsche Heer umgibt, So ist es, weil Dein Volk Dich liebt!

- Deutsches Reich.

In der Kapelle des Königlichen Schlosses zu Berlin hat die Konfirmation des jüngsten Kaisersohnes, des Prinzen Joachim von Preußen, in Gegenwart des Kaiser Paares und vieler anderer Fürstlichkeiten durch den Ober Hofprediger Exzellenz D. Dryander stattge- funden. Nach der Rede des Oberhofpredigers verlas der Prinz das von ihm selbst verfaßte Glaubensbe­kenntnis, in dem es u. a. heißt:Meinen Freunden, die mir offen die Wahrheit sagen, will ich mein Herz erschließen; ich will Gottes Gebote halten, seine Wege wandeln, und er wird mir helfen durch alle Anfech­tungen zum ewigen Leben." Nach der Feier nahm das Kaiserpaar mit dem neukonfirmierten Prinzen und dessen Brüdern das heilige Abendmahl.

In Dresden ist der sächsische Landtag von König Friedrich August mit einer Thronrede eröffnet worden,

Untrennbare Kerzen.

Roman von Otmar WilmS. 16

Die Sprache, welche Du gegen Deine Mutter führst, beweist, wie tief Du moralisch gesunken bist," entgegnete sie gelassen.Hättest Du mich gebeten, die Dirne zu scho­nen, wäre ich vielleicht..

Nicht weiter!" fiel Julius, dessen Antlitz dunkle Zor- neSröte übergoß, ihr in einem Tone ins Wort, daß die Kommerzienrätin erschreckt zusammenfuhr.Nicht weiter! sage ich, oder ich vergesse, daß Du meine Mutter bist!"

Der Rechtskonsulent wollte, gleichsam schützend, vor die Kommerzienrätin treten, der junge Man» schleuderte ihn verächtlich zur Seite.

Aus dem Wege, feile Geldseele!" donnerte er,ich räume Euch nicht das Recht ein, zwischen Mutter und Sohn treten zu dürfen! Hütet Euch, daß ich mit Euch nicht ein­mal Abrechnung zu halten habe, Ihr würdet schlecht da­bei wegkommeu. Glaubt Ihr etwa, ich werde gegen meine Mutter die Hand erheben? Seht lieber zu, daß Ihr Eure eigenen Ohren vor mir sichert."

Meta hatte diesem Auftritt schweigend beigewohnt. Im ersten Augenblicke war der Gedanke, daß sie, eine Ber» drecherin, in das dumpfe, düstere Gefängnis wandern und in den Augen der Menschen Ehre und Achtung verlieren sollte, vernichtend eingedrungen, allmählich aber zog die Ruhe der Ergebung in ihr Herz ein, sie wußte ja, daß Julius sie treu liebte, und ihre Unschuld an den Tag kom­me» mußte. Die Herzlosigkeit der Kommerzienrätin ließ sie nicht daran zweifeln, daß diese ihr die Schande der Verhaftung nicht ersparen werde, und auch aus diesen Au­genblick war sie schon gefaßt. Nur als das WortDirne" in ihre Ohren klang, zuckte sie schmerzlich zusammen, flam­mende Nöte übergoß ihre bleiche» Wangen, und mit fe­stem Schritt näherte sie sich der Kommerzienrätin, die ver­ächtlich aus sie hinabschaute

Sie ließen ein Wort fallen," hob sie mühsam an sich haltend an,welches mich zwingt, Ihnen eine Erwiderung zu geben. Sie wissen selbst, daß jenes Wort mich nicht treffen kann, daß meine Liebe zu Julius so rein und lau- ter ist, wie meine Liebe zu dem, vor dessen Richterstuhl Sie einst den Schritt verantworten müssen, zu dem Ihr unbegründeter Haß gegen mich Sie verleitet. Und daß Sie dies lviffen und mich dennoch im Beisein anderer be- schimpfen, daß Sie meine Unschuld, das höchste Gut des WeibeS in den Staub ziehen wollen, das legt für Ihre» Charakter ein schlechtes Zeugnis ab. Glauben Sie mir, ob- gleich Sie eine vornehme, reiche und angesehene Same sind, ich dagegen mit ein armes, kaum beachtetes Mäd- chen aus dem Volke bin, möchte ich doch nicht mit Ihnen tauschen, wenn ich bei Ihrem Reichtume anch JhrHerz, Ihren Charakter besitzen sollte. Ich hege keinen Groll ge- gen Sie, möge der Himmel Ihnen verzeihe», wie anch ich Ihnen vergebe. Unbmin tommenSie, Herr Kommissar, ich bin bereit, tun Sie, was Ihres Anites ist, aber seien Sie überzeugt, daß Sie diesmal Ihr Anit nötigt, eineUn- gerechtigkeit zu begehen."

Julius hatte die Geliebte, während sie sprach, bewun- dernd angeschant. Er ergriff jetzt seinen Hut unb wandte sich zu seiner Mutter, die, als berührte» sie die Worte Metas nicht, sich leise und angelegentlich mit Geier un­terhielt.

Ich muß Sie beide bitten, das Zimmer zu verlassen," hob er an,nach dem Vorfälle mit dem Ringe kann es mir niemand verargen, wenn ich Austand nehme, Sie hier allein zu lasse», um so weniger, als ich feine Bürgschaft dafür habe, daß der Herr Rechtskonsulent hier später nicht eine Haussuchung halten will."

Die Kommerzienrätin warf einen durchbohrenden Blick auf ihren Sohn und ging, gefolgt von Geier, schweigend hinaus.

Und nun komm, Meta," fuhr Julius fort,habe ich Dich bis jetzt noch nichtöffentlich als meine Braut bezeich­

net, so will ich heute das Versäumte nachholen, und zwar in dem Augenblicke, in welchem meine Mutter, um dies zu verhindern, Dich als eine Verbrechen» zu brandmar­ken versucht."

Die Kommerzienrätin wandte sich bestürzt um.Du wirst diese Dirne nicht begleiten," sagte sie in befehlendem Tone,nicht ich allein, auch Deine Stellung als Arzt muß Dir dies verbieten!"

Halte mich nicht auf," entgegnete der junge Mann kalt.Weder Deine Worte, noch meine Stellung können in einem Augenblicke, wie der jetzige, auf mein Tun und Lassen Einfluß üben."

Er legte bei diesen Worten die Hand der Mädchen» auf seinen Arm und schritt, gefolgt von dem Kommissar, hin­aus.

Auf der Schwelle wandte Meta sich noch einmal um, sie warf einen schmerzlichen Blick in das kleine, trauliche Zimmer, welches so lange ihre einzige, teure Heimat gewe­sen war.

Julius bemerkte ihn, und ahnte, welch bitteres Weh in diesem Augenblick das Herz der Geliebten durchzuckte. Tröste Dich," sagte er milo,nicht lange wird Dir diese Türe verschlossen bleiben."

Und Hans?" fragte Meta, dem Geliebten wehmütig inS Auge schauend.

Glaubst Du, ich werde ihn vergessen ?" entgegnete Zu-

Der Polizeikommissar hatte bei der Frage deS Mäd- cheuS fein im Dienste ergrautes Haupt geschüttelt und einen Blick voll mitleidiger Rührung aus dasselbe gewor­fen.

Zürnen Sie mir nicht, Herr Doktor," hob er an,ich muß tun, was meines Anites ist, mag es mir auch noch so sauer werden. Ich hab' schon manche» verhaftet, aber nie ist mir dabei so weich unis Herz geworden, wie bei dieser, von deren Unschuld ich überzeugt bin. 144,18