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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. - Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. - Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 8. Februar 1908

^Jahrgang

Die Ereignisse in Lissabon.

Die erste Regierungshandlung des Königs Manuel H war die Entlassung des portugiesischen Ministeriums. Ein neues Kabinett ist in der Bildung begriffen, das sich, wie es heißt, folgendermaßen zu­sammensetzen wird: Präsident ohne Portefeuille Admi­ral Ferreira do Amaral, Krieg Matthias Mines, Justiz Alpoin, Finanzen Texeira Souza, Inneres Janeves Beirao, Auswärtiges Benceslao Linna, Oeffentliche Arbeiten Joze Azevedo, Marine Antonio Cabral.

Drei von den verhafteten angeblichen Königs» Mördern haben höchstwahrscheinlich mit dem Morde gar nichts zu tun. Sie sind ein italienischer Musiker eines Opernorchesters, ein eleganter junger Mann, der mit Entrüstung seine Unschuld beteuerte, und ein Zei­tungsberichterstatter, der beruflich bei der Ankunft des Königs zugegen war. Auch von den drei Getöteten ist es noch unerwiesen, ob sie die Mörder sind. Die Leichen derselben sind im Schauhause aufgestellt und befindet sich kein Ausländer darunter, es sind alle drei Portugiesen.

Der neue Ministerpräsident Fereira ergriff ener­gische Maßnahmen um einem Ausstand vorzubeugen. Er hat eine Amnestie angekündigt, in der die Diktatur­dekrete Frankos abgeschafft werden und den Gerichten die Aburteilung gewöhnlicher Delikte überlassen bleibt. Alle Verwaltungen die von Franko ernannt wurden, wurden aufgelöst und die Befugnisse der früheren Ver­waltung wieder yergestellt. Außerdem sollen die von Franco anberaumten Kammerwahlen früher stattfinden. Sie erstreckt sich ferner auf die Freilassung der ver­hafteten Republikaner und politischen Verbrecher mit AusLabme derie.niwew welche während der letzten Er­eignisse derhaftet worden sind und schliert nuu/ un Memerer der Kriegsschiffe ein. Außerdem erklärte der König seinen Verzicht auf die von Franco verfügte Er­höhung der königlichen Apanage um 800 000 Francs.

Privatdepeschen aus Madrid zufolge glaubt man daß der Exminister Franco sich nach Madrid ge­wandt hat. In Saragossa wurde ein Portugiese ver­haftet, man glaubt, daß diese Verhaftung mit dem Lissaboner Attentat im Zusammenhang steht.

Vier englische Kreuzer sind auf der Reede von Lagos vor Anker gegangen.

Sonntag nachmittag wurden die Leichen des Kömgs und des Kronprinzen einbalsamirt. Die Beisetzung er­folgt in Pantheon. Die Leichenfeier wird wahrschein­lich auf den 10. Februar anberaumt. In ganz Por­

tugal stehen die Flaggen halbstock. Die Glocken aller Kirchen läuteten und Batterien feuerten Trauersalut. Die amtliche Trauer dauert vier Monate.

Prinz Eitel Friedrich wird den Kaiser bei der Bei­setzung vertreten.

Deutsches Deich.

Der Kaiser wird, wie es heißt, am 6. März eine Mittelmeerfahrt antreten. An der Schiffsbau- Ausstellung, die in Berlin vom April bis Oktober stattfinden wird, werden sich auch der Kaiser, Prinz Heinrich, der Großherzog von Oldenburg beteiligen.

Der Reichstag nahm am Sonnabend die Reso­lution der Budgetkommission über die Vergebung der Arbeiten für die Marineverwaltung in namentlicher Abstimmung an, bewilligte dann u. a. den Nachtragsetat zur Förderung der Versuche des Grafen Zeppelin auf dem Gebiete der Motorlustschiffahrt und genehmigte den Etat des Reichseisenbahnamtes, wobei sich die Debatte im allgemeinen um Wünsche kokaler Natur bewegte. Zürn Schluß wurden eine Reihe von Peti­tionen erledigt. Am Montag gedachte zunächst der Präsident Graf Stollberg in teilnahmsvollen Worten der Ermordung des Königs und des Kronprinzen von Portugal. Dann begann die Beratung des Militäre­tats. Die Debatte brächte keine besonders bemerkens­werten Momente. Abg. Bebel (Soz.) hielt eine lange Rede über Miliz, die geradezu komisch wirkte und da­her häufig durch Gelächter unterbrochen wurde.

Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Sonnabend die Beratung des Etats der Handels- und Gewerbeverwaltung fort. Abg. Trimborn (Z.) wünschte hierauf, daß die Heeresverwaltung und Eisenbahnver­waltung bereits bemüht wären, bei Submissionen den Genossenschaften größere Berücksichtigung, zu schenken. Abg Hammer (kons.) sprach den Wunsch aus, daß der kleine Befähigungsnachweis bald Gesetz werde und empfahl den Handwerkern, die Gewinnbeteiligung der Arbeiter einzuführen. Den Beamten möchte angeraten werden, von den Konsumverein fernzubleiben. Minister Delbrück erwiederte, ob es angebracht erscheine, daß gut besoldete Beamte in Konsumvereinen kauften, sei eine Frage des Taktes. Einen Zwang könne er in dieser Beziehung nicht ausüben. In der Debatte waren alle Redner darin einig, daß das Fortbildungsschul­wesen nach Möglichkeit zu fördern sei und daß man

die Genossenschaften bei den Submiffionen seitens beS Staates mehr berücksichtigen müsse. Das Ministerge­halt wurde bewilligt. Am Montag wurde Präsident v. Kröcher zunächst beauftragt, der portugiesischen Ge­sandtschaft die Teilnahme des Hauses an der Ermor­dung des Königs und des Kronprinzen von Portugal auszusprechen. Dann setzte das Haus die Beratung des Etats der Handels- und Gewerbeverwaltung fort, wobei in der Debatte eine energische Förderung deS Fortbildungsschulwesens und Aufwendung größerer Mittel für die Ausbildung der Lehrer an Fortbildungs­und Fachschulen gefordert wurde. Der Etat wurde schließlich genehmigt.

Auf Anordnung des Ministers der öffentlichen Arbeiten sollen die Baupolizeiverordnungen, und zwar namentlich die der größeren Städte, einer Prüfung daraufhin unterzogen werden, ob sie nicht eine zu weitgehende Ausnutzung von Kellerräumen zum dauernden Aufenthalte von Menschen ermöglichen. Die Regier­ungspräsidenten sind angewiesen worden, gegebenenfalls auf eine Verschärfung der bestehenden Vorschriften hin­zuwirken, damit der Benutzung gesundheitlich nicht ein­wandfreier Kellerwohnungen künftig noch mehr als bisher gesteuert werden kann.

Der Vorstand der Sterbekasse der ehemaligen Mitglieder des Feuerwerkspersonals im Deutschen Reiche zu Berlin hat angezeigt, daß die Kasse den Geschäftsbetrieb in Preußen ausgenommen habe. Die Sterbekasse ist als kleinerer Verein anerkannt worden.

Der Vorstand der Sterbekasse des Vereinsbundes deutscher Zahnärzte in Darmstadt hat angezeigt, daß die Kasse mit Genehmigung des Kaiserlichen Aufsichts- ^^j^ nn Nriv-iwerücheruna den Geschäftsbetrieb iu

Wegen Beleidigung des Oberburgermeiuerv ^. Stolle in Königshütte wurde der Redakteur desVor» wärts" Hans Weber von der 4. Strafkammer deS Berliner Landgerichts I zu 6 Wochen Gefängnis der- urteilt.

Die Ansiedlungskommission hat das 1330 Morgen große Gut Güldenhof im Kreise Hohensalza angekauft. Im Kreise Hohensalza sind bis jetzt 43000 Morgen = 10'/, v. H. der Gesamtfläche d-S Kreises angekauft worden, von denen 38 000 Morgen bereits besiedelt sind.

Zur Gewährung von Baudarlehnen an untere Beamte und Arbeiter der Staatseisenbahnverwaltung zwecks Herstellung von Eigenhäusern (Ein- und Zwei»

Odle Kerze«.

Roman von Erwin Friedbach.

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Nach sehr stürmischen Auftritten mit der Mutter sah er sich endlich gezwungen, Berlin zu verlassen und nach Newyork abzureisen, nichts weiter zurücklassend als zwei Briefe: einen ziemlich kühlen an seine Braut, worin er ihr daS Jawort zurückgab und ihr riet, ihn zu vergessen, den zweiten an Roderich, der damals als Sekondeleut- nant bei einem Regiment der Hmchtstadt stand. In die­sem Schreiben bat er den jüngeren Bruder, sich der im Stich gelassenen Braut anzunehmen, sie womöglich zu hei­raten, da er niemals zurückkehren werde und alle Bande, die ihn mit der alte» Heimat verknüpfen, endgültig gelöst zu sehen wünsche. Seiner Mutter sandte er nur einen Gruß, er konnte ihr die Versagung der Hilfe nicht ver- geffen.

Mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit hatte Rode- rich bald danach das Trösteramt bei dem um ein paar Jahre älteren Mädchen übernommen, in dessen lieblicher Erscheinung und weichem sinnigen Lächeln unter dem Ntm- ' buL deS unverdiente» Verschmähtseins damals etwas Be­strickendes für den blutjungenOffizier gelegen haben mochte. Dazu gesellte sich das Bewußtsein einer gewissen Genug­tuung, die er deS verschwundene» Bruders wegen zu schul­den vermeinte, und das alles verleitete ihn zu einer schnel­len Erklärung, die Nosamunde, welcher der bei weitem lie­benswürdigere und interessante Offizier ungleich besser ge­fiel, ruf den Gipfel aller irdischen Glückseligkeit hob.

Die Folgen dieser überstürzten Ehe standen nun für Frau von Ast deutlich in den Zügen ihres SohneS zu le­sen. Eine an seelische Dumpfheit grenzende Gleichgültig- feit hatte sein einst so heiteres Temperament gedämpft und ihn auf den Weg zu einem weltscheuen, unzufriede­nen Manne gebracht.

Und Henning, der einzige außer Roderich ihr von fünf Kindern nach früh eingetreteuem Witwentum Gebliebene? Kin paarmal hatte er anfangs geschrieben, daß eS ihm

leidlich gehe, um dann bis heute zu verstummen. Seine trierte sich auf diese» eine Sind, da» Rosamunde ihm ge» Schulden waren von ihr berichtigt worden, die Zeit hatte schenkt hatte.

Schulden waren von ihr berichtigt worden, die Zeit hatte die Erinnerung an seine leichtsinnigen Vergehen etwaSge- mildert, er hätte kommen können; eine heiße Sehnsucht nach dem verlorenen geliebten Sohne hatte sich nach und nach des gedemütigten Mutterherzen» bemächtigt. Nur ihn noch einmal sehen vor dem Ende, noch einmal ihn an ihrer Brust fühlen und daS versöhnende Wort aus seinem Munde hören, dann mochte der Tod sie auS dem rastlos bewegtem Leben hinwegnehmen.

Jetzt wurden draußen auf dem KieSplatz trippelnde Kinderfüßcken laut, und herein eilte ein reizendes, klei- nes dunkellockiges Mädchen in blauem Kleid, vorsichtig ein Körbchen tragend, desseil Inhalt unter Weinblättern verborgen lag.

Roderich hob sie auf seinen Schoß, wo daS Kind sich zärtlich an ihn schmiegend festnestelte.

Kannst Du raten, Papa/ begann sie leise flüsternd, als gelte es ein süßes Geheimnis zu hüten, und mit den zierlichen Fingern ein Blatt hebend,wa» ich hier habe? EtivaS für Dich! Denke nur, ganz in Laub versteckt habe ich noch zwei wunderschöne Trauben gefunden, von den großen, goldgrünen, die sollst Du haben! Aber ganz allein essen, hörst Du, Papa, niemand etwas davon abgeben.

Er sah glücklich lächelnd in die strahlenden Augen deS KindeS, an dem seine ganze Seele hing, und als bereite eS ihm eine heimliche Genugtuung, zu erspähen, wie weit denAlleinbesitz ihres kleinenHerzenS beauspruchendurste, mte er halb scherzend, leise:Auch der Mama nicht, Lor-

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fragte er halb scherzend, leise:Auch der Mama nicht, Lor-

Sie sah ihn groß an, überlegte, und dann ihn fest um­schlingend in sein Ohr flüsternd:Auch Mama nicht, weil ich selbst auch keine einzige Beere, und Du mein Ue­ber, einziger Papabist und sie ganz allein haben sollst.

Er preßte sie an sich, stumm, bewegt; all dre leiden- schaftliche Zärtlichkeit seines Innern, das den Mut des Manne» mit dem Zartsinn einer Frau vereinte, konzen-

Sturmvoll und trübe war der November hereingebro­chen, der Wind kam über die Heide gefegt, rauschte durch die alten Bäume deS kahl gewordenen Parke», M die Wellen der See au» trägem Schlummer zu tollem Reigen wach und umbrauste da» Schloß mit seinen wildklagenden Melodien.

Die Schwermut eines düsteren, wolkenzerklüftetenHtm- mels breitete sich über das Land, als eine» Nachmittag» Dora mit der Post in dem eine Stunde entfernt gelegenen Kirchdorf Hohenfähr eintraf, wo Roderich sie mit dem etae- nenWagen erwartete.Nicht ohne Spannung sah er^der Ankunft der Fremden entgegen, die von nun an al» Mit- glied der Familie Anspruch auf seine besondere Beachtung erheben durfte. Die Arme stand allein in dieser kalten Welt, mitleidig faßte er den ritterlichen Borsatz einer ausnehmend gütigen Behandlung; nie solltest« merken, rote lästig ihm im Grunde ihre Gegenwart sei.

Als sie dann vor ihm stand, sah er, daß seine guten Vorsätze zum Teil überflüssig gewesen. Sprach au» d«n überraschend lieblichen Zügen auch ein gereifter Ernst, so leuchtete doch au» den tiefblauen Augen, wenn sie lächelte, so viel hoffnungSfreudiaeS Leben und unschuldSvolleGlück»- fähiakeit, daß er da» Mitleid vergaß und nur noch die Be- friedigung empfand, gerade Dora Fürstner al» die Gefahr» tin seiner kleinen Tochter begrüßen zu dürfen.

Während sie im Wagen saßen, suchte er mehrmals ein Gespräch anzukuüpfen, doch blieben ihre Antworten trotz aller Höflichkeit so einsilbige, daß die Unterhaltung mimer wieder stockte. Desto mehr Muße hatte er, sein Gegen­über zu betrachten, und er tat eS mit wachsendem Inter­esse; unwiederstehlich fühlte er sich von dieser Fremden angezogen, auf deren Erscheinung der LebenSernst m s- anziehendenl Gegensatze zu der zarten jugendlichen Frffch« lae. v L . _ -- ^2